

Der GameCube bot viele gute Spiele. Nicht nur wurde die Serie Pikmin auf dem Würfel gegründet, sondern auch eine weitere Serie erschien erstmals im Westen: Animal Crossing. Ich teile die Spiele des Franchises gerne in drei Generationen ein: Am Anfang stand Animal Crossing für den GameCube, dann kam mit Animal Crossing: Wild World die zweite Generation, dessen Spielprinzip mit dem Wii-Ableger noch ein wenig erweitert wurde. Die dritte Generation startete nun vor wenigen Wochen mit Animal Crossing Jump Out, in Amerika unter dem Untertitel New Leaf bekannt (wir bleiben aber bei Jump Out, da es sich um die japanische Version handelt). Um eines vorweg zu nehmen: Jump Out ist der mit Abstand beste Ableger der Serie. Was es sonst noch Wissenswertes gibt, erfahrt ihr in diesem Review.
Es soll tatsächlich noch Leute unter euch geben, die nicht wissen, um was es sich bei Animal Crossing handelt. Dabei verkauft sich die Serie zuweilen besser als ein Mario-Spiel. Ihr, also der Spieler, lebt in einem kleinen Dorf mit tierischen Bewohnern. Diese haben aber sehr menschliche Züge, das heißt, sie reden, haben ausgeprägte Gefühle und laufen auf zwei Beinen. Ein richtiges Spielziel gibt es nicht. Ihr versucht, guten Kontakt zu euren Nachbarn zu halten, euer eigenes Haus zu vergrößern, seltene Gegenstände für eure Einrichtung zu finden, Fische zu fangen, Fossilien auszubuddeln, usw. In Jump Out wurde dieses Spielkonzept allerdings deutlich erweitert.
Ihr startet das Spiel in einem Zug, in dem ihr von einer Katze angesprochen werdet, die euch ausfragt. Welches Geschlecht seid ihr, wie seid ihr so drauf und wo wollt ihr eigentlich hin? Dadurch wird das Aussehen eures Protagonisten bestimmt. Erstmals könnt ihr auch aussuchen, wie eure Stadt aussehen soll. Dafür werden euch verschiedene Karten vorgeschlagen. Nachdem ihr nun endlich angekommen seid, werdet ihr von der ganzen Stadt begrüßt. Nun gut, sie begrüßen viel mehr ihren neuen Bürgermeister, denn genau diese Position nehmt ihr ein.
Eure neue Assistentin führt euch auch gleich zum Rathaus und schickt euch daraufhin zu Tom Nook, einem Waschbären und Geschäftsmann erster Klasse. Dieses Mal führt er einen Einrichtungsladen. Zusammen mit ihm sucht ihr euch in der Stadt einen frei wählbaren Platz, um euer Haus zu platzieren. Zumindest sollte dort ein Haus platziert werden. Leider seid ihr pleite und daher muss ein einfaches Zelt fürs erste reichen. Nachdem ihr euch mit der Situation abgefunden habt, lauft ihr schnurstracks zum Rathaus, um mit allen Einwohnern eine Zeremonie zu veranstalten. Herzlich willkommen in der Welt von Animal Crossing: Jump Out.
Von nun an habt ihr die Möglichkeit, durch eure Stadt zu laufen, mit euren Bewohnern zu sprechen, Früchte (oder Bienen…) von Bäumen zu schütteln und diese an den kleinen Neffen von Tom Nook verkaufen, der einen Tante Emma (oder sollte ich sagen Tante Nook)-Laden führt. Von den Sternis, so der Name der Währung, erwerbt ihr eine Angel, eine Schaufel und einen Kescher und macht euch auf die Jagd nach Fischen, Insekten und Fossilien. Diese könnt ihr entweder dem örtlichen Museum spenden, um sie euch darin immer wieder anzusehen oder ihr verkauft sie für mehr oder weniger Sternis.
Neu in Jump Out ist ein Recycling-Shop, der von zwei Alpakas geführt wird. Darin könnt ihr eigene Möbel ausstellen, die dann von anderen erworben werden können. Ihr könnt aber auch Möbelstücke von euren Bewohnen erwerben. Auch könnt ihr eure Sachen direkt dort verkaufen und erhaltet sogar zumeist mehr Geld als bei Mini-Nook. Weiterhin könnt ihr eure Möbelstücke auch modifizieren, um so zum Beispiel die Farbe zu ändern.
Als Bürgermeister führt ihr aber kein sorgloses Leben. Eure Untertanen (kann man das so sagen? Ich schon, so wie ich meine Bewohner behandle) haben Wünsche, die sie euch in Gesprächen mitteilen. So wollen manche Tiere zum Beispiel eine neue Brücke oder einen Springbrunnen. Kein Problem, denn im Rathaus könnt ihr mit eurer Assistentin sprechen und solche Dinge anfordern. Genannt wird dieses Feature Community Project. Dabei sind die Auswahlmöglichen sehr vielfältig. So gibt es Polizeistationen, Zeltplätze, Laternen, Schilder, Brunnen, Leuchttürme und noch viel mehr, das ich noch nicht freigeschaltet habe. Einiges konntet ihr aber auch schon in den diversen Trailern erspähen.
Leider haben diese Dinge ihren Haken: Sie sind extrem teuer. Eine neue Brücke (es gibt verschiedene Versionen) kostet locker mal 128.000 Sternis, ein Polizeihaus gleich eine Viertelmillion. Und irgendwie wollt ihr ja auch euer Zelt auf ein Haus upgraden und dieses vergrößern. Auch das kostet viel Geld. Da heißt es wohl fischen, fangen und sammeln und diese Dinge zu Geld machen. Wie das am einfachsten geht? Ganz einfach: Ihr habt jeweils eine Heimatfrucht. Dies können Äpfel, Orangen, Birnen, Pfirsiche oder Kirschen sein. Falls ihr zu einer Stadt eines Freundes reist (dazu kommen wir später noch), könnt ihr dort ausländische Früchte einsammeln und bei euch einpflanzen. Diese könnt ihr dann für viel Geld verkaufen.
Außerdem gibt es ein wahres Geldproduktionsgebiet. Die Insel!!! Ja, die Ausrufezeichen sind gerechtfertigt. Nach einiger Zeit dürft ihr nämlich auf eine tropische Insel reisen, die dem ehemaligen Bürgermeister Törtel gehört. Dort angekommen, könnt ihr die seltensten Insekten und Fische wie tropische Käfer und verschiedenste Hai-Arten fangen. Diese können locker mal einen großen vier- oder gar fünfstelligen Sternisbetrag wert sein. Und sie tauchen häufig auf. Es gibt außerdem weitere neue seltene Früchte, die viel Geld wert sind. Auch könnt ihr auf der Insel das erste Mal schwimmen. Dafür müsst ihr aber einen grünen Taucheranzug tragen. Auf dem offenen Meer sammelt ihr dann weitere Dinge wie Hummer oder Muscheln.
Weiterhin könnt ihr hier diverse Minispiele spielen. Um diese zu bestreiten, müsst ihr auf weitere kleinere Inseln drum herum reisen, um dort zum Beispiel eine gewisse Anzahl von Fischen oder Insekten zu fangen oder Ballons vom Himmel zu schießen. Auch anspruchsvollerer Missionen wie Fossilien in ihre richtige Position zu bringen, sind vorhanden. Für das erfolgreiche Abschließen erhaltet ihr Inselmünzen, für die ihr euch spezielle Kleidungsstücke kaufen könnt, unter anderen den Schwimmanzug, mit dem ihr auch in eurem Dorf das offene Meer unsicher macht. Ihr seht also,dass es sich lohnt, die Minispiele zu spielen.
Bis auf den Recycling-Shop sind alle Geschäfte und das Museum in einem externen Gebiet, das ihr über de Bahnübergang erreicht. Anfangs stehen euch dort lediglich der kleine Tante Nook-Laden, das Kleidungsgeschäft, der Inneneinrichter, die Post und das Museum zur Verfügung. Nach und nach schaltet ihr auch ein Blumengeschäft, einen Schuhladen, eine Disco und den StreetPass-Platz frei. Gerade letzteres ist erwähnenswert. So könnt ihr über StreetPass Häuser von anderen Spielern erhalten, diese besuchen und ihnen sogar ihre Einrichtung abkaufen. Einige Gebäude in der Stadt lassen sich auch aufrüsten. So erweitert sich Nooks Laden zu Super Nook und höherem und auch das Museum kann (für viel Geld) um ein weiteres Stockwerk bereichert werden. Ein weiteres neues Feature ist das Traumhaus. Damit könnt ihr fremde Städte besuchen, wenn ihr deren Stadtcodes erhalten habt, aber ihr könnt euch auch in einer zufälligen Stadt absetzen lassen. Sehr cool.
Kommen wir nun zum eigentlichen Herzstück von Animal Crossing: Jump Out: den Mehrspieler-Modus. Es ist möglich, lokal oder über das Internet in die Stadt eines Freundes zu reisen. So können sich bis zu vier Spieler in einem Dorf aufhalten. Ihr könnt zusammen angeln, Insekten jagen, Bäume pflanzen, Früchte klauen, das Museum bewundern, einkaufen, in der Disco abgehen, angeben oder auf die Insel gehen, um gemeinsam die zahlreichen Minispiele zu spielen. Das hört sich nicht besonders spannend an, ist aber einfach ein sehr, sehr tolles Feature. Dabei läuft alles recht flüssig. Leider könnt ihr euch nur Textnachrichten schicken, Voice Chat wird nicht unterstützt. Skype ist also eigentlich Pflicht. Wenn ihr einen eurer Freunde aber favorisiert habt, könnt ihr ihm auch schreiben, wenn ihr beide nicht in der gleichen Stadt seid. Ein spontanes Verabreden ist also möglich.
Kleine Informationen vor dem Fazit: Die Anzahl der verschiedenen Möbel, Fische, Insekten und Fossilien wurden deutlich erhöht. Weiterhin wurden mit der Unterwasserkategorie viele neue Dinge eingeführt. Durch Spielmünzen könnt ihr euch außerdem Nintendo-Gegenstände wie einen Blue Falcon oder 1Up-Pilze kaufen. Auch diverse Zelda-Gegenstände und die Pikmin sind enthalten.
Fazit (10):
Animal Crossing: Jump Out stellt seine Vorgänger in eigentlich allen Belangen in den Schatten. Die Anzahl der sammelbaren Gegenstände wurde drastisch erhöht, die Insel mit ihren Minispielen ist ein einfach wunderbarer neuer Ort und auch die neuen Charaktere sind gut gelungen. Auf die Grafik und den Soundtrack bin ich im Hauptteil nicht eingegangen, da diese zum Gesamteindruck passen. Beide Dinge sind einfach top und der 3D-Effekt ist gut, wenn auch nicht überragend. Die Langzeitmotivation war noch nie höher. Dies ist den Community-Projekten geschuldet. Zwar sind diese sehr teuer, aber dank der Insel könnt ihr relativ schnell an Geld kommen. Während ihr in den Vorgängern nur euer eigens Haus designen konntet, ist nun das ganze Dorf eurer Kreativität ausgesetzt. Und dann gibt es ja auch noch… und da ist auch noch… nicht zu vergessen… Ihr merkt schon, Jump Out hat so viel zu bieten und daher vergebe ich die Höchstwertung. Alle Animal Crossing-Fans und Freunde von Aufbausimulationen können hunderte Stunden in diesen Titel investieren, ohne dass ihnen langweilig werden sollte. Ein schöneres Lob kann man einem solchen Spiel wohl nicht geben.
Autor: Niels Uphaus