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The Amazing Spider-Man (3DS) // Test // Review

The Amazing Spider-Man
Release:
Publisher:
Entwickler:
Genre:
Spieler:
Altersfreigabe:
Online-Multiplayer:
Freundescodes:
29.06.12
Activision
Beenox
Action
1
Ab 12 Jahren USK-Siegel
Nicht verfügbar
Keine verfügbar

Review zu The Amazing Spider-Man

Der Held mit der großen Klappe ist zurück! In The Amazing Spider-Man erlebt ihr aber nicht erneut die ersten Schritte des Wandkrabblers, sondern stürzt euch auf eine vollkommen neue Geschichte, die zeitlich direkt nach dem aktuellen und gleichnamigen Kinofilm spielt. Ich bin in das hautenge Kostüm der Spinne geschlüpft und habe mit meinem Nintendo 3DS jede Menge Gangster und Mutanten verprügelt.



Das Spiel setzt da an, wo der Film endet. Die Echse bzw. der Wissenschaftler Dr. Connors, der zu dem auf zwei Beinen laufenden Reptil mutierte, steckt in einer Irrenanstalt und die Firma Oscorp will die Ergebnisse seiner Forschungsarbeiten entsorgen. Darunter Tiere, denen menschliche DNA gespritzt wurde und die daraufhin zu Mischformen aus Mensch und Tier heranwuchsen. Inmitten dieses Aufräumprozesses platzen Gwen Stacey und natürlich Peter Parker, besser bekannt als Spider-Man, hinein. Die Mutanten reagieren auf das Mischblut in Peter und beginnen eine Revolte, in deren Verlauf sie aus dem Firmengebäude entkommen, viele Menschen mit einem Virus infiziert werden (darunter Spideys Freundin Gwen), der Nachfolger von Dr. Connors wahnsinnig wird und ein gigantischer Roboter die Stadt in Schutt und Asche zu legen droht. Spider-Man hat also viel zu tun.

Die Geschichte wird zum größten Teil in Spielgrafik weitererzählt. Ab und zu gibt es gerenderte Zwischensequenzen, die aber recht mies aus den HD-Fassungen portiert wurden. Am interessantesten ist dabei die allererste, etwas längere Szene, in der ihr als Peter Parker in der Ego-Perspektive zusammen mit Gwen Stacey durch das Oscorp-Gebäude lauft. Diese läuft komplett automatisch ab, ihr könnt euch aber mit dem Steuerkreuz frei umsehen. Währenddessen unterhalten sich die beiden in amüsanten Dialogen. Leider wird von dieser Form des Erzählens nicht noch einmal Gebrauch gemacht. Das Witzige aber bleibt. Auch der „neue“ Spider-Man hat nichts von seiner Schlagfertigkeit verloren und wünscht sich an einer Stelle sogar ein normales Teenager-Leben, in dem er WoW spielen könnte. Auch toll, dass die deutschen Sprecher im Großen und Ganzen einen sehr guten Job machen. Besonders die Stimme von Spider-Man weiß zu überzeugen. Die Story aber bleibt insgesamt doch recht oberflächlich.

Diese Oberflächlichkeit bezieht sich auch auf das Kampfsystem. Dieses ist komplett von den aktuellen Batman-Spielen abgeschaut, ohne jedoch deren Klasse zu erreichen. Statt auf Rhythmus achten zu müssen, hämmert ihr einfach ununterbrochen auf den Y-Knopf und sobald die entsprechende Meldung auf dem Bildschirm erscheint, tippt ihr den großen Ausweichen-Button auf dem Touchscreen an. So erzielte ich schon in einem der ersten Kämpfe gegen jede Menge Irrenhaus-Insassen Kombos mit über 50 aufeinanderfolgenden Treffern. Deutlich spaßiger als das uninspirierte Kloppen im letzten Spider-Man-Spiel ist das aber trotzdem allemal. Vor allem, da Spidey herrlich animiert herumturnt und der Flow einfach da ist.

Noch mehr Spaß hatte ich aber an den Stealth-Angriffen. Denn endlich können Gegner auch wieder aus dem Hinterhalt, sprich von der Decke oder einer Wand aus, überrascht und in einem Kokon gesponnen entsorgt werden. Ihr müsst nur darauf achten, dass ihr die Gegner in einem Raum vorher beobachtet und den richtigen Zeitpunkt abpasst. Werdet ihr nämlich dabei gesehen, müsst ihr euch entweder eine Weile verstecken oder direkt in den Nahkampf wechseln. Diese Wahl habt ihr übrigens fast immer. Es bleibt also euch überlassen, ob ihr an der Decke entlangkrabbelt oder auf direkte Tuchfühlung mit den Feinden geht. Theoretisch könntet ihr viele der Mutanten, Roboter oder Wachmänner auch einfach umgehen, aber dann entgehen euch wichtige Erfahrungspunkte, die einen Balken füllen. Ist der voll, erhaltet ihr einen Fähigkeitenpunkt, den ihr unter anderem dafür investieren könnt, eure Angriffe zu verstärken, zwei Gegner auf einmal mit einem Stealth-Angriff erwischen zu können oder den Netzsprint-Timer zu erhöhen. Mit Technikpunkten erkauft ihr euch wiederum zum Beispiel weniger Schaden durch Kugeln oder erhöht die Kraft eurer Netzschüsse. Die Punkte erhaltet ihr durch das Aufsammeln blauer Objekte.

Ihr könnt nämlich jederzeit per Tastendruck in den Netzsprint-Modus wechseln, der eine gewisse Zeit anhält. In diesem verlangsamt sich das Spiel extrem und ihr bekommt besondere Punkte angezeigt, zu denen ihr euch schwingen oder mit denen ihr interagieren könnt. Stealth-Angriffe werden ebenfalls aus dem Netzsprint-Modus heraus ausgelöst. Doch ihr könnt euch auch auf jede normale Oberfläche katapultieren und seid nicht auf die angegebenen Punkte beschränkt. So kommt eine gute Dynamik auf, da ihr nicht erst durch einen ganzen Raum krabbeln müsst, sondern euch einfach blitzschnell hinüberschwingt. Leider ist das Anvisieren per Schiebe-Pad manchmal arg fummelig und ihr müsst den Cursor penibel über der richtigen Stelle positionieren. Blöd halt nur, dass man den nicht immer sieht und damit blind versuchen muss, den Punkt zu treffen. Hier wäre ein bisschen Feinarbeit nötig gewesen.

Doch auch das normale Herumschwingen macht jede Menge Laune. Leider gibt es aber nur wenige Möglichkeiten, das wirklich zu nutzen, da es keine frei beschwingbare Stadt gibt. Stattdessen wählt ihr eure nächste Mission auf einer Pinnwand aus, auf der ihr auch zu Nebenmissionen aufbrechen könnt. Diese sind aber nichts besonderes, da ihr einfach immer nur alle Gegner besiegen müsst. Mal innerhalb eines Zeitlimits, mal nur mit Stealth-Angriffen, mal einfach ohne Einschränkung. Diese Missiönchen dienen auch nur dazu, weitere Erfahrungspunkte zu scheffeln, um so weitere Fähigkeitenpunkte ausgeben zu können. Größere Aufgaben, die nichts mit der Handlung zu tun haben, gibt es auch nur ganz wenige. Darunter fällt zum Beispiel der Kampf gegen Rhino, den ihr nur mit der richtigen Strategie gewinnen könnt. Denn selbst nach einer Stunde Drauflosprügeln gibt der nicht klein bei, ich habe es ausprobiert...

Bisher gab es also nicht viel zu meckern und ich hatte einfach Spaß dabei, mit Spidey herumzuturnen. Selbst die doch recht eintönigen Levels mit ihren ständigen grauen Wänden, den absolut lächerlichen Wasser- und Qualm-Effekten und ihrem lineare Aufbau hatten mich nicht wirklich gestört. Doch dann muss Spider-Man kurzzeitig ohne seine Kräfte auskommen und mehrere Gerüste hochklettern. Ohne Witz, an dem ersten Ding saß ich eine halbe Stunde, an dem darauffolgenden bin ich Dutzende Male in den Abgrund gestürzt. Zieht man der Spinne die Netzschwünge und den Netzsprint ab, steuert sie sich wie ein betrunkenes Känguruh, das seine Sprünge wegen dem Alkohol nicht mehr kontrollieren kann. Ständig driftete mir Spider-Man nach links oder rechts ab, obwohl ich das Schiebe-Pad nur nach vorne schob, oder er sprang länger oder kürzer als ich es wollte. Eine derart verhunzte Sprungsteuerung habe ich selten erlebt. Zum Glück ist man den Großteil des Spiels nicht darauf angewiesen.

Doch wenn wir schon beim Meckern sind: Diese Kamera! Meistens ist sie ja vollkommen in Ordnung, auch wenn sie in Kämpfen gerne mal nicht gerade passend positioniert ist. Aber da man eh einfach nur auf der einen Taste rumhämmert, ist das zu verschmerzen. Doch dann gab es diese kurzen Situationen, in denen die Kamera Salti, Schrauben und sonstwas ausführte, dass mir ganz schwindelig wurde. Besonders in engen Gängen kann das passieren. Ärgerlich, wenn ihr deswegen in der schmerzenden Säure landet, die sich nach dem Ausbruch der Mutanten überall ausgebreitet hat, oder von heißem Dampf ins Nirwana geschickt werdet. Dann dürft ihr am letzten Checkpoint noch einmal starten, was im ungünstigsten Fall bedeutet, erneut drei Räume von Bösewichten zu leeren. Diese sehen alle übrigens komplett gleich aus. Und sind dazu noch spärlich texuriert, was bis auf Spidey für alle Gegner und Charaktere im Spiel zutrifft. Das Kostüm der Spinne sieht aber fantastisch aus.

Ein Highlight sind die Bosskämpfe, die fast immer eine besondere Strategie erfordern. Meistens müsst ihr diese auch selbst herausfinden, was mich beim letzten Endboss fast zum Verzweifeln brachte, weil nichts funktionierte. Geschafft habe ich ihn trotzdem, aber eher aus Zufall. Schön auch die Konfrontationen mit den Jäger-Robotern, weil ihr währenddessen in einem abgegrenzten Areal über der Stadt herumschwingt und endlich einmal zumindest ein bisschen Freiheit zu spüren bekommt.Wer gerne sammelt, kann in den Levels etliches Zeugs finden, das versteckte Kostüme, Audiodateien oder Konzeptskizzen freischaltet.

Exklusiv auf dem Nintendo 3DS ist nicht nur der 3D-Effekt, der eine sehr gute Tiefenwahrnehmung erzeugt (die animierten Zwischensequenzen sind allerdings nur in 2D), sondern auch der Kämpfer-Modus. In diesem erfüllt ihr kleine Missionen, die automatisch ablaufen und entweder ge- oder misslingen. Wie hoch eure Chance auf ein Gelingen ist, könnt ihr anhand der Prozentanzeige ablesen. Per StreetPass oder regelmäßigem Starten des Modus' könnt ihr Boni erhalten. Im Grunde ist der Kämpfer-Modus also eine nette Dreingabe, mehr aber auch nicht. Immerhin schaltet ihr am Ende ein weiteres Kostüm frei. Nur auf dem Handheld bin ich übrigens auf teils schwerwiegende Bugs gestoßen. So bin ich zweimal durch den Boden gefallen und konnte ewig vor dunkelster Schwärze vor mich hinschwingen, auch eingefroren ist mir das Spiel ein paar Mal. Bezogen auf die Spielzeit ist das aber zu verkraften.



Fazit (7):
The Amazing Spider-Man kann seinem Namen leider nicht ganz gerecht werden, so toll ist es dann leider doch nicht geworden. Dazu sind die Levels doch etwas zu langweilig, die Kämpfe zu leicht und irgendwie fehlt an allen Ecken und Enden der letzte Schliff. Das ist das Dilemma eines Spiels zum Film, das pünktlich erscheinen muss. Aber hey, es ist ein gutes Spider-Man-Spiel! Und davon kann man doch nie genug haben. Übrigens: Mit knappen neun Stunden Spielzeit nur für die Story - welche ganz nett, aber nicht ebenfalls nicht amazing ist - geht die Spielzeit in Ordnung. Danach warten noch die restlichen Sammelobjekte, von denen ihr sicherlich nicht immer alle beim ersten Durchgang eines Levels finden werdet und die wenigen zusätzlichen Missionen. Und auch der Kämpfer-Modus wird euch noch eine Weile beschäftigen. Im Gegensatz zur Wii-Version läuft The Amazing Spider-Man auf dem Nintendo 3DS etwas behäbiger, flimmert aber nicht so stark und bietet den 3D-Effekt. Zudem funktioniert das Ausweichen per Touchscreen deutlich besser als per Wiimote schütteln, im Gegensatz dazu ist der Netzsprint-Modus aber wesentlich hakeliger. Die Wahl liegt also bei euch, eine wirkliche Empfehlung für eine der beiden Versionen kann ich nicht aussprechen.

Autor: Pascal Hartmann

Vielen Dank an Activision für die freundliche Bereitstellung von The Amazing Spider-Man!


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