

Platinum Games sind momentan in aller Munde. Den Grund könnt ihr euch denken. Es geht natürlich um die Ankündigung von Bayonetta 2 als Exklusiv-Titel für die Wii U. Doch wird bei all der Kontroverse gerne vergessen, dass das Studio noch ein weiteres Spiel in der Mache hat, das ebenfalls nur auf der Nintendo-Konsole erscheinen wird. The Wonderful 101 hat es aber definitiv nicht verdient, so ins Hintertreffen zu geraten. Deswegen werde ich den Titel mit meiner Vorschau wieder auf die Agenda rücken.
Dabei beginnt alles ganz und gar nicht innovativ. Wieder einmal möchten Aliens die Erde zerstören, wieder einmal seid ihr als Spieler der einzige, der das verhindern kann. Doch es muss ja nicht immer eine Oscar-verdächtige Hintergrundgeschichte sein, die einen vorantreibt. Wenn das Gameplay an sich trägt, kann das Ziel meinetwegen auch darin bestehen, zum Supermarkt zu joggen und Milch zu kaufen.
Viel interessanter als die Story ist das Konzept, das dahinter steckt. Denn anstatt einen waffenstrotzenden Muskelprotz oder eine Dame mit besonders mächtigen Waffen der Frau in den Kampf zu schicken, agiert ihr in The Wonderful 101 gleich mit einer ganzen Gruppe von Superhelden! Einer allein wäre den Aliens mit ihren mächtigen Robotern nämlich haushoch unterlegen. Also rotten sich die Spandex-Träger zusammen und kämpfen mit Masse statt Klasse. Allein diese Idee hebt das Spiel vom Großteil anderer Titel ab, in denen normalerweise einer gegen alle antritt. Hier sind es eben alle gegen einen (oder zumindest die schwächere Mehrheit gegen die stärkere Minderheit).
Weil man in diesem Action-Titel schlecht alle Superhelden individuell steuern kann, bewegt man sie im Schwarm durch die bunten Level. Trifft man auf Gegner, wird ein Areal abgesteckt, das ihr erst verlassen könnt, wenn ihr alle Feinde besiegt habt. Hier kommt nun das GamePad ins Spiel. Zeichnet ihr nämlich einen Strich auf dem Touchscreen, formiert sich eure Helden-Truppe zu einem riesigen Schwert und drischt auf die Roboter ein. Ein Kreis resultiert in einer Faust, die mit aller Kraft blecherne Fressen vermöbelt. Mit einer L-Form bringt ihr die Helden dazu, sich zu einer Pistole zu transformieren. Für eine Bewertung am Ende eines Kampfes müsst ihr die verschiedenen Attacken geschickt und abwechslungsreich einsetzen und dabei auch nicht die Abwehr vergessen. Die ist besonders witzig, da eure Superhelden sich dazu in einen gigantischen Wackelpudding verwandeln.
Doch auch außerhalb des Kampfes sind die Verwandlungen unabdingbar. So nutzt ihr die Faust zum Beispiel dazu, gewaltige Kisten aus dem Weg zu ziehen. Versperrt euch einmal eine Wand den Weg und es gibt einfach keinen Weg drum herum, aktiviert ihr einfach die Leiter. Schon klettern die Helden übereinander und gelangen im Pulk über das Hindernis bzw. auf ein Hausdach. Von diesem müsst ihr aber irgendwann auch wieder hinunter, und was liegt da näher, als all eure Figürchen in die Form eines Hängegleiters zu pressen, der sich dann todesmutig vom Dach stürzt? So kommen die Superhelden in ihren farbigen Kostümen ungehindert zurück auf die Straße.
Das GamePad ist aber nicht nur zum Ausführen der Attacken da. Betretet ihr ein Haus, wechselt das Geschehen automatisch auf den Wii U-Controller. Eine kleine, aber feine Idee, wie ich finde. Wer sich übrigens beim Artstyle an Viewtiful Joe erinnert fühlt, liegt goldrichtig. Verantwortlich für das Spiel ist nämlich Hideki Kamiya, der damals das erste Viewtiful Joe ins Rollen brachte. Wir müssen uns also sicherlich keine Sorgen machen, dass wir hier einen Action-Schnellschuss vorgesetzt bekommen. Die am Spiel arbeitenden Designer dürfen sich auch so richtig austoben, immerhin soll jeder Held einzigartig aussehen. Eure Gruppe vergrößert ihr übrigens entweder an Helden-Generatoren oder indem ihr ganz normale Menschen rettet, die ihr nach der Rettung zu neuen Helden macht.
Wie ihr vielleicht herauslesen konntet, freue ich mich wahnsinnig auf The Wonderful 101. Das im ersten Trailer noch als Project P-100 betitelte Spiel gefiel mir auf den ersten Blick. Der Artstyle mit seinen vielen bunten Farben sieht einfach klasse aus und das Gameplay ist simpel, bietet aber genug Feinheiten, die man auch nutzen muss, um eine gute Wertung zu kassieren. Dass sich die Verwandlungen nicht nur auf den Kmapf konzentrieren, sondern auch fürs Vorankommen und für Rätsel in der Spielwelt genutzt werden, finde ich ebenfalls klasse. Hier können nur noch ein mit der Zeit eintöniges Spielprinzip und/oder eine zu kurze Spielzeit einen Hit verhindern.
Autor: Pascal Hartmann