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Historie
Viele unserer geliebten Videospiele werden von Firmen hergestellt, die zum Teil bereits eine lange und interessante Geschichte hinter sich haben. Einige dieser Firmen wollen wir euch in nächster Zeit vorstellen. Nachdem wir bisher nur die Geschichte der Studios der westlichen Hemisphäre wie Retro Studios und Silicon Knights beleuchtet haben, berichten wir in nächster Zeit über die Entwickler aus dem Land der aufgehenden Sonne. Den Anfang macht das kleine aber feine Brownie Brown (auch bekannt als 1-UP Studio), das bei uns leider bisher kein hohes Ansehen erlangen konnte. Denn lange Zeit arbeitete das Studio an RPGs (z.B. Magical Vacation und Mother 3), von deren aufwendiger Lokalisation Nintendo oft absah.


Die Logosammlung: links das Logo 2000-2002; ab 2002 verzichtete man auf das BB-Emblem; unten das Logo nach der Umbenennung.

Brownie Brown bzw. 1-UP Studio ist ein japanisches Entwicklungsstudio für Videospiele mit Sitz in der japanischen Hauptstadt Tokyo.

Status des Unternehmens: aktiv - seit Februar 2013 unter dem Namen 1-UP Studio

Beziehung zu Nintendo: Brownie Brown wurde im Jahr 2000 mit Nintendo als Investor gegründet und ist zu 100% ein Tochterunternehmen von Nintendo.


Die Vorgeschichte

Im Jahr 1999 fand bei dem japanischen Videospiele-Hersteller Square, der vor allem für seine Rollenspielreihe Final Fantasy bekannt ist, ein Exodus von Mitarbeitern statt. Viele waren es leid immer an den selben Franchises arbeiten zu müssen und wünschten sich mehr kreativen Freiraum bei der Erschaffung ihrer Videospiele. Einige der ersten Abgänger gründeten bereits im Herbst 1999 mit der Unterstützung von Namco das Studio Monolith Soft. Eine andere Gruppe talentierter Mitarbeiter um den Spieledesigner Kameoka Shinichi, der bei Square überwiegend für das Charakterdesign der Mana-Serie zuständig war, zog diesen Schritt nach der Fertigstellung von Legend of Mana für die PlayStation ebenfalls in Erwägung. Da die Gruppe sich nicht mit ihren Vorgesetzten über die Zukunft im Unternehmen einigen konnte, verließ diese Square schließlich mit der Absicht ein eigenes Studio zu eröffnen. Auf der Suche nach einem Investor trat die Gruppe auch an Nintendo heran. Nintendo fasste nach einiger Überlegung den Entschluss das geplante Studio zu finanzieren und mit weiterem Personal zu unterstützen.


Die Gründung und die ersten Schritte von Brownie Brown

Die Gründung des neuen Studios, das sich vor allem auf die Entwicklung von Rollenspielen für die mobilen Spielekonsolen von Nintendo konzentrieren soll, erfolgt schließlich am 30. Juni 2000. Der Firmenname lautet Brownie Brown, inspiriert durch kleine Feen (Brownies; auch Brounies geschrieben) aus schottischen Volkssagen. Mit diesem Namen möchte man zum Ausdruck bringen, dass man den Schwerpunkt auf die Schaffung von Fantasy-Welten legen will. Kameoka Shinichi wird zum Präsidenten des neuen Studios ernannt. Die übrigen Mitarbeiter sind fast ausschließlich ehemalige Angestellte von Square wie Kouiji Tsuda, Tomoki Anazawa und Noboyuki Inoue, die wie Kameoka Shinichi bisher überwiegend an der Schaffung der Mana-Serie beteiligt waren.


Linkes Bild: Kameoka Shinichi (rechts) und Noboyuki Inoue (Mitte) im Jahr 2001. Das rechte Bild zeigt ein Artwork von Magical Vacation.

Das erste Spiel von Brownie Brown erscheint bereits knapp über ein Jahr später im Dezember 2001 für den Game Boy Advance unter dem Titel Magical Vacation. Das Rollenspiel erhält überwiegend positive Resonanzen von Medien und Spielern, bleibt aber dennoch ein Japan-exklusiver Titel. Danach entsteht in Zusammenarbeit mit dem früheren Arbeitgeber Square ein Ableger der Mana-Reihe exklusiv für den Game Boy Advance: Sword of Mana. Dieses wird im Sommer 2003 fertiggestellt und in Japan herausgebracht. Aufgrund des bekannteren Namens trifft Nintendo diesmal die Entscheidung, das Spiel auch für den Westen zu lokalisieren und dort zu vermarkten.


Mother 3 - eine unendliche Geschichte?

Wenige Monate vor dem Release von Sword of Mana erschien in Japan eine Sammlung der beiden Mother-Teile. Bei uns ist diese Reihe besser unter dem Namen Earthbound bekannt. Mit der Veröffentlichung dieser Remake-Sammlung, die von Nintendo und Pax Softonica erstellt wurde, gibt Nintendo bekannt, dass ein 3. Teil in Arbeit ist - wiedermal. Denn ein Mother 3 befand sich bereits seit Mitte der 90er bei Nintendo in der Entstehung, wurde aber nach Systemwechseln und Qualitätsproblemen im Jahr 2000 zunächst komplett eingestellt. Als Anfang 2003 die Konvertierung von Mother 1 und 2 für den GBA umgesetzt wird, überlegt man bei Nintendo einen Neustart für den 3. Teil. Brownie Brown wird hierfür als geeignetes Studio angesehen und beginnt daraufhin in Zusammenarbeit mit HAL Laboratory den dritten Mother-Teil von Grund auf neu zu entwickeln. Lediglich die Handlung und einige Grafikkonzepte werden aus der eingestellten Entwicklung übernommen. Als System wird der Game Boy Advance ausgesucht.


Das bisherige Highlight des Studios: Mother 3. Unten: Vergleich zwischen der eingestellten N64-Fassung und dem fertigen GBA-Spiel.

Die Arbeiten an Mother 3 gehen schnell voran, und so trifft man 2004 die Entscheidung mit der Entwicklung eines weiteren Spiels bei Brownie Brown zu beginnen, da der Start des Nintendo DS noch zum Ende des Jahres erfolgen soll und man langfristig die Spiele-Unterstützung für den neuen Handheld sicherstellen möchte. Daher möchte man ein RPG erstellen, das die Hauptfunktionen des DS (zwei Bildschirme; Touchpen-Steuerung; drahtlose Datenübertragung) sinnvoll einbinden soll. Dazu legt man sich auf eine Fortsetzung ihres Erstlings Magical Vacation fest. Doch die Aufteilung des Teams hat auf beide Projekte negative Auswirkungen. Bei Mother 3 verzögert sich die Fertigstellung deutlich. Erst im August 2006, nachdem der DS bereits über ein Jahr erhältlich ist, erscheint das Spiel in Japan für den GBA. Dennoch wird es positiv aufgenommen und kann sich knapp eine halbe Million Mal in Japan verkaufen. Bei Magical Vacation 2 hingegen leidet die Qualität. Das Spiel beinhaltet in der Verkaufsfassung, die Weihnachten 2006 für den DS erscheint, unter anderem einige Bugs. Die Wertungen und die Verkaufszahlen fallen bescheiden aus. Dennoch trifft Nintendo die Entscheidung, Magical Vacation 2 für den Westen anzupassen und dort in den Handel zu bringen, wo es später unter dem Titel Magical Starsign herauskommt. Und wie zu erwarten kann es auch hier nicht überzeugen. Mother 3 hingegen bleibt bis heute Japan-exklusiv.


Der Abschied der Rollenspiele

In den folgenden Jahren verleiht Nintendo das kleine Studio an Dritthersteller, für die Brownie Brown Gemeinschaftsprojekte und Auftragsarbeiten für den DS abliefert. Darunter der Strategie-RPG-Mix Heroes of Mana für Square. Auch das Bonus-Rollenspiel London Life aus Level-5's japanischer Fassung von Professor Layton und der Ruf des Phantoms stammt größtenteils von Brownie Brown. Wegen seines beachtlichen Umfangs wurde es nicht für Europa lokalisiert. Aus der Zusammenarbeit mit Level-5 entsteht dann auch das nächste größere Projekt: Fantasy Life für den Nintendo 3DS. Dieses erscheint im Dezember 2012 zuerst in Japan und später im Rest der Welt. Zwischendurch darf Brownie Brown noch einmal in eigener Sache kreativ werden und entwickelt 2009 die Minispiel-Sammlung Kappa Michi (US-Titel: A Kappa's Trail), die nur als DSiWare in Japan und den USA erscheint.


London Life - das "Bonus"-RPG war so umfangreich wie das Hauptspiel Professor Layton und der Ruf des Phantoms.

Nach Beendigung der Arbeiten an Fantasy Life beginnt Nintendo das Studio im Laufe interner Umbauten neu zu strukturieren. Brownie Brown wird dabei im Februar 2013 in 1-UP Studio umbenannt. Der Schwerpunkt auf die Entwicklung von Rollenspielen ist nicht länger existent. Es soll von nun an überwiegend als interner Springer für andere Nintendo-Studios agieren, die gerade Unterstützung benötigen. Der Mitgründer und Initiator Kameoka Shinichi verlässt daraufhin das Studio und gründet ein neues Studio namens Brownie Games. Kadoi Yuan, ein bisher Unbekannter in der Spielebranche, übernimmt daraufhin bei Brownie Brown (oder nun besser gesagt 1-UP Studio) den Posten des Präsidenten. Seitdem wirkte das Studio mit seinen rund 30 Angestellten an Super Mario 3D World, Captain Toad und The Legend of Zelda: Tri Force Heroes mit.

Autor: Falko Anonymous

Kommentare 5

  • G4M3R - 02.12.2015 - 15:46

    Eigentlich traurig, wenn man bedenkt was für tolle Rollenspiele Brownie Brown hätte entwickeln können...
    ...und nun ist alles was Nintendo in Sachen Rollenspiele bleibt Monolith Soft...

    Naja und AlphaDream (Mario & Luigi), Camelot (Golden Sun, Mario Golf, Mario Tennis) und Intelligent Systems (Paper Mario, Fire Emblem, Nintendo Wars, Wario Ware, Pullblox (etc.) und noch so viel weiteres...) also im Endeffekt nur Monolith Soft :D
  • Splatterwolf - 02.12.2015 - 15:50

    Ich fand Magical Starsign jetzt nicht wirklich schlecht.

    Das hatte wirklich Charme, davon hätte ich auch gerne noch mehr gesehen.
  • Akira - 02.12.2015 - 16:47

    Den Zweckwechsel, den neuen Namen und die Veränderung des Studios nehm ich ihnen immer noch übel.

    Genau wie ich NoE noch immer dafür in den Arsch beißen will, dass sie Layton London Life entfernt haben.
  • otakon - 02.12.2015 - 17:43

    Schade das das Studio im Moment nur so als Springer genutzt wird...
    Hoffe sie kriegen nochmal ne Chance sich zu beweisen.
  • Raveth - 02.12.2015 - 18:48

    Schade um das Studio. Nintendo hat es verbockt.