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Kommentar Spezial
Wo man auch hinblickt, sieht man wissbegierige Nintendo-Fans, die schon gespannt den Reveal der kommenden NX-Plattform abwarten. Nintendo hat uns bereits lange genug rumzappeln lassen, die Leute wollen sie nun endlich sehen! Anscheinend sollen uns nur noch fünf Monate vom weltweiten Launch trennen – viele äußern daher ihre berechtigten Sorgen in den Gaming-Foren des World Wide Web. Wo Sorge ist, lebt allerdings auch die Hoffnung. Die Erwartungshaltung bezüglich NX ist mittlerweile wohl ins Unermessliche gestiegen, doch im selben Atemzug, in dem Fans ihre Wünsche für die NX äußern, fällt oft harsche Kritik gegenüber der noch aktuellen Generation, die aus dem Nintendo 3DS und der Wii U besteht. Sicherlich ist dies nicht groß verwunderlich, da die neuen Systeme das Erbe der extrem erfolgreichen Nintendo DS- und Wii-Plattformen zu tragen hatten. Eine unmögliche Aufgabe, wie sich herausstellen sollte. Was Nintendo stattdessen in dieser Generation umgesetzt hat, das möchte ich mir heute einmal genauer ansehen. Ich heiße euch willkommen in der Experiment-Generation.

Das Vermächtnis von Nintendo DS und Wii

Schon seit dem Wechsel vom Nintendo Entertainment System auf das Super Nintendo Entertainment System zeigte sich, dass die Verkaufszahlen alles andere als "Super" wären. Während Produktionskosten weiter anstiegen und Technik immer teurer und komplexer wurde, konnten sich insgesamt weniger SNES- als NES-Konsolen absetzen. Ein Trend, der bis ins neue Jahrtausend reichen sollte. Erst mit der Wii-Konsole, die sich weltweit über 101 Millionen Mal verkaufen konnte, schaffte es der Kyoto-Konzern unter der Leitung des ehemaligen Nintendo-Präsidenten Satoru Iwata aus dem Teufelskreis hinaus. Auch im Bereich der portablen Handheld-Konsolen zeichnete sich im Vergleich zwischen Game Boy (Color) und Game Boy Advance ein Rückschritt der Absatzzahlen ab, wobei man mit über 81 Millionen verkauften GBA-Konsolen weiterhin zufrieden sein konnte. Auch dort schaffte man mit der Reihe an Nintendo DS-Systemen einen Aufschwung, die sogar die Zahlen der originalen Game Boy-Systeme überbieten konnte. Nach den sehr erfolgreichen Nintendo DS- und Wii-Zeiten stand Nintendo selbstverständlich unter enormem Druck diesen Erfolg aufrechtzuerhalten.

Mit der Wii gelang es Nintendo riesige Käuferschichten anzusprechen, darunter auch viele Familien.

Die Nachfolger, welche heute offensichtlich als Nintendo 3DS und Wii U bekannt sind, sollten also wieder etwas Einzigartiges bieten, das Nintendo zu weiteren Erfolgen führen sollte. Nachdem man mit den Nintendo DS-Systemen den Touchscreen und mit der Wii Bewegungssteuerung eingeführt hatte, mussten Nintendo 3DS und Wii U diese Konzepte aufgreifen und um einiges erweitern, um immer noch frisch und neuartig zu wirken und gleichzeitig auf die Stärken ihrer Vorgänger aufzubauen. Heute wissen wir, dass dies nur bedingt funktioniert hat. Der Nintendo 3DS setzte offensichtlich auf den 3D-Effekt, der ganz ohne Brille funktioniert, und bot zudem besondere Funktionen in Form von StreetPass und SpotPass – beides äußerst beliebte Funktionen, die auch heutzutage noch großen Einsatz finden. Nicht zu vergessen ist auch der Gyrosensor, welcher Bewegungssteuerung auf dem Handheld erlaubte – zumindest in Form von Kippen und Wenden.

Auf der Seite der Heimkonsolen machte sich hingegen ein noch viel größeres Problem breit: Nintendo nahm an mit dem Namen "Wii U" auf der sicheren Seite zu sein, da es in direkter Verbindung mit ihrem Vorgänger steht und neben dem "We" auch noch Spiele für "You" bieten würde, was eine noch größere Zielgruppe umfassen würde. Was auf dem Papier gut klingt, entpuppte sich bekanntlich als Marketing-Desaster. Konsumenten verstanden nicht den Unterschied zwischen den beiden Systemen beziehungsweise erkannten es gar nicht als neue Konsole, sondern als Zubehör für ihre alte Wii-Konsole, die ein jeder Zuhause stehen hatte. Auf diese Weise und besonders auch durch die immer größer werdende Popularität von Smartphones verlor Nintendo den Großteil ihrer sogenannten "Casual-Spieler", die mit der Wii erstmals in Kontakt mit Videospielen kamen. Doch all das – Namensfindung, Marketing, Hardware – nützt nichts, wenn man keine gute Software bieten kann, die mit der Konsole verkauft werden kann, was uns zum nächsten Punkt führt.

Der Software-Diskurs – Spiele für eingefleischte Fans

Jeder kennt den Leitsatz "Software sells Hardware", an den sich die großen Konsolen-Hersteller halten müssen. Während Sony und Microsoft auf ihren Konsolen besonders durch Drittentwickler Unterstützung erhalten, musste Nintendo zum Großteil schon immer selbst für seine Konsolen sorgen. Kaufargument Nummer 1 für Nintendo-Konsolen sind schließlich immer noch die Nintendo-Spiele selbst: Wer sich in dieser Generation einen Nintendo 3DS oder eine Wii U gekauft hat, der tat dies wahrscheinlich, um Mario, Zelda und vieles mehr spielen zu können. So ist es einleuchtend, dass der Erfolg einer Nintendo-Konsole unter anderem auch von der Qualität und Quantität der Nintendo-Spiele abhängt. Weitere Faktoren werden an dieser Stelle erstmal ausgeblendet – es sollte offenkundig klar sein, dass die Wii U beispielsweise aufgrund des fehlenden Third Party-Supports oder wegen mäßigen Online-Diensten viele Steine in den Weg gelegt bekam. Schauen wir uns doch einmal an, welche Top-Titel in dieser Generation erschienen sind und was sie mit der "Experiment-Generation" zu tun haben.

Super Mario 3D World ermöglichte erstmals das Spielen zu viert oder fünft gleichzeitig – etwas, das schon lange für ein 3D-Mario geplant war.

Beginnen möchte ich mit Super Mario 3D World. Der 3D-Mario-Titel, der 2013 für Wii U erschienen ist, wurde von Fans schon seit seiner Ankündigung auf der E3 2013 äußerst kritisch beäugt. Mit dem reduzierten Preis der Nintendo Selects-Version, die vor wenigen Wochen herauskam, dürften aber auch letzte Nörgler noch zugegriffen haben und können sehen, welche Einfälle das Team aus Tokyo hatte. Super Mario 3D World vereint die besten Elemente aus 2D- und 3D-Abenteuern des rot gekleideten Klempners. Schon mit Super Mario 3D Land traute sich Nintendo auf dem Nintendo 3DS zwei Jahre zuvor in das "2,5D-Gefilde". Die Begründung ist eigentlich verständlich: In der vorherigen Generation zeigte sich, dass die 2D-Ableger trotz aller Abstinenz oder gerade deswegen besonders gut funktionieren, während die 3D-Ableger nur mühselig auf zweistellige Millionenwerte kommen. Indem man die 3D-Umgebungen vereinfachte, das Item-Verhalten anpasste und auch die Level-Struktur deutlich gradliniger gestaltete, konnte man wohl viele Fans der 2D-Marios von den "3D"-Titeln überzeugen. In Japan sind viele Spieler immerhin "3D-krank", was bedeutet, dass sie nur schlecht das Darstellen von 3D-Landschaften mit solchem Tiefgang vertragen können, gar vernünftig spielen. Dies wird garantiert bei dieser Entscheidung eine Rolle gespielt haben.

Für den Westen waren Super Mario 3D Land und Super Mario 3D World also mehr ein Experiment als es für Japan der Fall war. Der Erfolg kann sich sehen lassen: SM3DL verkaufte sich nach heutigem Stand um eine halbe Million besser als New Super Mario Bros. 2 auf der selben Plattform. Das Wii U-Pendant hingegen liegt 0,33 Millionen Einheiten hinter dem 2D-Hüpfer New Super Mario Bros. U, wobei die verschiedenen Releases nicht außer Acht gelassen werden sollten. Demnach kann man sagen, dass Nintendo es in dieser Generation geschafft hat, die 2,5D-Spiele neben den 2D-Titeln einzureihen. Auf ein vollwertiges 3D-Mario im Stile von Super Mario 64 oder Super Mario Galaxy mussten wir dieses Mal gar ganz verzichten, doch Mastermind Miyamoto versicherte bereits, dass man sich zu den Adventure-3D-Marios zurückbesinnen würde, was den experimentellen Charakter der beiden 2,5D-Titel nur weiter unterstreicht. In einem anderen Interview verrieten die Producer, dass es ein langjähriges Ziel war einen Mehrspieler-Modus in einem 3D-Mario umzusetzen, was mit SM3DW endlich gelungen ist. Die Mehrspieler-Komponenten aus den beiden Galaxy-Spielen dürfen da ruhig ausgeklammert werden.

Super Mario Maker erlaubt es jedem seine ganz eigenen Super Mario-Level zu basteln. Das ist einfach Super (Mario)!

Bleiben wir bei unserem Lieblingsklempner. Herr Mario musste in den letzten Jahren nämlich so einiges mitmachen. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, durch welche Qualen ihn die Spieler von Super Mario Maker bereits geschickt haben – und im Dezember geht es gleich auf dem Nintendo 3DS weiter! Ja, obwohl es schon für die Wii und wahrscheinlich noch viel früher geplant war, hat das Mario-Team endlich einen Level-Baukasten erstellt, mit dem Spieler auf der ganzen Welt ihre eigenen Level bauen können. Man könnte meinen, damit würden kommende 2D-Teile überflüssig werden, immerhin gibt es eine schier riesige Anzahl an verfügbaren Leveln. Doch da will Takashi Tezuka gleich gegensteuern, wie er in einem Interview früher in diesem Jahr verraten hat. Man arbeite bereits an einem neuen Hüpfabenteuer, welches selbst die New Super Mario Bros.-Serie schlagen soll. Damit sollte das Ende der 2D-Titel, die auf dem Nintendo DS ihren Anfang hatten, besiegelt sein. Spieler dürfen nun auf Ewigkeit selbst mit den 2D-Marios experimentieren, während Nintendo etwas Brandneues ausheckt.

Besorgniserregende Schicksale fanden sich auch in den diversen Mario-Spin-Off-Serien wieder. Von Mario Party zu Mario Tennis zu Paper Mario oder Mario & Luigi gab es immer wieder diverse Design- und Entwicklungsentscheidungen, die nicht allen geschmeckt haben. Während nicht alle dieser Fälle als Experiment schöngeredet werden kann, fällt so manches doch unter die Kategorie "mutig". Denn Nintendo hat sich wirklich was getraut. Paper Mario beispielsweise zählte für lange Zeit zu den ambitioniertesten Mario-Titeln überhaupt, bis man sich mit Super Paper Mario entschied der Serie langsam aber sicher einen Genre-Wechsel zu verpassen. Von den RPGs ging es über zu den Abenteuerspielen, um so – Wortlaut der Entwickler – nicht mit der Mario & Luigi-Serie zu konkurrieren. Mit Sticker Star entschied man sich nämlich erstmals für einen Handheld-Ableger der Serie, weshalb man größere Unterschiede zwischen den beiden Spin-Offs einbauen musste. Auch Color Splash, der kürzlich erschienene Wii U-Titel, verfolgt den Trend der Abenteuerspiele. Wie Nintendo so schön sagt: "Wir wollen den Spielern das bieten, was sie insgeheim verlangen". Während ich mir nicht sicher bin, ob der Großteil sich innig ein Adventure-lastiges Paper Mario wünschte, so bringt es vor allem eines: Abwechslung. Und durch das Feedback zu den unterschiedlichen Titeln können die Entwickler nur lernen.

Mario Party teilt zudem dasselbe Schicksal wie viele weitere Serien, so zum Beispiel Metroid, Animal Crossing oder Pikmin: auch Nintendo ist erfinderisch. In den letzten Jahren erhielten wir gleich drei Animal Crossing-Titel, zwei davon wohlgemerkt Spin-Offs. Mit New Leaf für den Nintendo 3DS legte man die Basis weiterer Spiele wie Happy Home Designer oder amiibo Festival, die sich auf andere Aspekte der Serie konzentrieren – nun gut, amiibo Festival hat an sich nicht viel mit Animal Crossing zu tun und ist das Produkt von Nintendos amiibo-Wahn, der mit dieser Generation begonnen hat. Mehr dazu später. Was klar wird: Nintendo beweist die Courage, ihre Spieluniversen weiter auszubauen. Dass dies nicht jedem gefallen kann, das ist glasklar. Das soll es aber auch gar nicht. Mit Titeln wie Happy Home Designer kann Nintendo überprüfen, ob die Spieler einen größeren Fokus auf das Einrichten der Häuser richten wollen oder ob das Interesse für Auskopplungen dieser Art vorhanden ist. Das Spiel glänzte mit beachtlichen Verkaufszahlen für ein Spin-Off, dieses Experiment ist ihnen eindeutig gelungen. Auf der anderen Seite der Leiter ist Metroid Prime: Federation Force.

Und den Hass-Award erhält... Metroid Prime: Federation Force! Ein eher unglückliches Experiment dieser Generation.

Es muss gar nicht weiter erwähnt werden, doch ich möchte betonen, mit welchem Hass Spieler diesem Spiel bei seinem E3-Reveal im Jahr 2015 begegnet sind. Nachvollziehbar ist ihre Trauer über das Fehlen eines richtigen Metroid-Ablegers seit Metroid: Other M aus dem Jahre 2010, unbegründet ist dennoch die blinde Wut, die gegen den Titel gerichtet war. Hier war wohl weniger das Spiel selbst, sondern mehr Nintendos Kommunikation Problem der Misere, was zu katastrophalen Absatzzahlen weltweit führte. Im Kern ist es allerdings dennoch ein weiteres Spin-Off, welches einen Mehrspieler im Metroid Prime-Universum versucht hat. Gegen das Konzept an sich hatte sicher niemand etwas einzuwenden. So würde man das Franchise für Personengruppen öffnen, die lieber gemeinsam auf Jagd nach wilden Aliens gehen. Experiment unglücklich verlaufen.

Ich könnte noch viele weitere Beispiele aufzeigen – das beschämende Mario Tennis, die zahlreichen Zelda-Remakes, Captain Toads erstes eigenes Abenteuer und so weiter – doch führen sie auf dasselbe hinaus. In der Not der stetig unstabilen Hardware-Verkaufszahlen musste man kreativ werden und konnte nicht den gewöhnlichen Einheitsbrei auftischen. Viel mehr konzentrierte man sich darauf einzigartige Erfahrungen zu erschaffen, die in vielen anderen Generationen wahrscheinlich nie ermöglicht worden wären. Mit einem fetten Geld-Polster der Nintendo DS- und Wii-Zeit entwickelte man fleißig vor sich hin auf der Suche nach einer neuen Richtung, nach neuen Inspirationen, die zu hoffentlich wieder großartigen Titeln führen mögen, wie wir sie immer anhimmeln und als Referenz aufzeigen. Erst durch ein 2,5D-Mario schöpft man neue Ideen für ein klasse 3D-Abenteuer. Erst durch eine Rückbesinnung in Form der vielen Zelda-Remakes erkennt man das wirklich Gute und den Kern der Serie. Auf diese Weise erhielten wir den kommenden Titel Breath of the Wild, der von hoffentlich vielen Spielen dieses Kalibers gefolgt sein soll. Wenn Meisterwerke bereits ohne Spin-Off-Geschichten und Rückbesinnungen kreiert werden, umso besser. Nintendo und Nintendos Teams haben anscheinend aber eine Initialzündung zur Kreativität benötigt – und diese müsste voll aufgegangen sein.

Es stieg empor wie ein Inkling aus der Tinte

Zu Lebzeiten von Nintendo 3DS und Wii U – es klingt so als wären sie tot, dabei leben sie noch – wurden wir Zeugen einiger Comebacks und Revivals wie auch einer brandneuen Serie: Splatoon. Die letzten Jahre bedeuteten für Nintendo einen großen Umschwung der inneren Entwicklerkreise. Die alten Hasen verabschieden sich so langsam und machen Platz für Jungspunde, die all ihre Ideen verwirklichen wollen. Dass dafür erstmal Training und vor allem das praktische Ausprobieren nötig sind, sollte klar sein. So entstand der Farb-Shooter Splatoon und konnte sich als riesiger Erfolg herausstellen. In Fernost sind die Tintenfisch-Teenies hoch im Kurs und absolute Kassenschlager, was Merchandise angeht. In den weltweiten Verkaufszahlen kann es sogar mit Super Smash Bros. for Wii U mithalten. Für das Debüt der Serie eine beachtliche Leistung. Mit Splatoon setzt Nintendo erneut Fuß im Shooter-Genre, für das sie nun wirklich nicht bekannt sind. Das innovative Konzept ermöglichte es aber vielen Spielern Spaß am Spiel und am Genre zu haben. Das Entwicklerteam ist selbst überrascht, wie gut ihre eigentlich hirnrissige Idee ankommt. Ein Sequel ist uns wohl sicher, doch bis dahin können wir erst einmal ein Häkchen auf unsere Liste setzen: Experiment geglückt.

Überraschung! Fire Emblem lebt und zeigt sich von seiner besten Seite. Nach dem Mega-Erfolg von "Awakening" folgte auch sogleich "Fates".

Die Inklinge sind gewiss nicht die einzigen, die überraschen konnten. Für die Systeme der Nintendo 3DS-Familie gab es so manchen Hit, mit dem man 5 Jahre zuvor wohl nicht gerechnet hätte. Das wäre zum einen Tomodachi Life, zum anderen aber auch Fire Emblem. Beide Franchise wurden praktisch wiedergeboren und konnten weltweite Erfolge verbuchen. Tomodachi Life ist anders, als erstmal gedacht, nicht der erste Teil der Serie, sondern ein Sequel zum Nintendo DS-Spiel "Tomodachi Collection" und schaffte es erstmals außerhalb von Japan. Vor allem hier in Europa scheint die etwas andere Lebenssimulation eingeschlagen zu haben, was sich in den tollen Verkaufszahlen widerspiegelt. Die andere genannte Serie, Fire Emblem, entkam bei ihrem Release auf dem Nintendo 3DS knapp einem endgültigen Aus der Serie. Mit dem Wissen, das wohl letzte Fire Emblem überhaupt zu erschaffen, setzten die Entwickler alles daran, dass Fire Emblem: Awakening gut ankommen würde. Und das tat es – und wie es das tat. Knapp 2 Millionen Einheiten des Strategie-RPG-Titels gingen über die Ladentheken, was der Serie eine sichere Zukunft verschaffte, die bereits mit Fire Emblem: Fates Form angenommen hat. Hier hat sich Entwickler Intelligent Systems erstmals getraut zwei Versionen des Spiels herauszubringen, die die Geschichte aus jeweils anderen Blickwinkeln erzählen und andere Features bieten. Das Konzept ging auf: Auch Fates verbuchte wieder einmal Rekord-Zahlen in Japan und auch Amerika. Experiment geglückt.

Mit Merchandise in eine neue Richtung

Es ist nicht abzustreiten, dass Nintendo, gerade durch die neue Führung von Tatsumi Kimishima, einen größeren Fokus auf Merchandise legt. Nintendo-Vans, Zelda-Mode-Kollektionen, Splatoon-Mal-und-Bastelsets, das Kirby-Café und vieles mehr. Zudem gibt es Überlegungen für Film-Adaptionen der bekannten Nintendo-Serien, die noch genauer ausgearbeitet werden müssen und für uns erstmal Zukunftsmusik darstellen. Realität allerdings sind bereits die amiibo-Figuren, Nintendos eigene Toys-to-Life-Marke, die seit dem Herbst 2014 für mächtig Trubel gesorgt hat. Erstmals sind die Videospielhelden in physischer Gestalt offiziell von Nintendo zu haben und bieten auch noch Extra-Funktionen in den eigenen Nintendo-Spielen. Nicht nur sehen sie toll aus, sondern nützen mir auch etwas! (Manchmal zumindest.) Es war also kein Wunder, dass manche Titel vollständig auf den Einsatz dieser amiibo setzten – Mini Mario & Friends: amiibo Challenge, Animal Crossing: amiibo Festival und einige weitere Titel wurden mit den beliebten Sammelfiguren im Hinterkopf entwickelt, was natürlich zu einer ganz anderen Art von Spielstruktur führt. Indem man die Figuren und Karten zwingend zum Spielen benötigt, hat man einige Funktionen, Bereiche oder Modi hinter einen physischen DLC versteckt, was nicht selten für Unmut unter den Fans sorgte. Entsprechend gering fällt also auch der Einsatz der Figuren in neueren Titeln aus, manche unterstützen sie überhaupt nicht. Es gilt die richtige Balance zu finden, doch wann wir dies erreichen, steht erstmal in den Sternen. Das amiibo-Geschäft gestaltet sich eindeutig als Experiment, welches noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Derzeit erscheinen immer weniger Figuren, doch mit NX am Horizont könnte dies bald schon sehr anders aussehen.

Fazit und Vorschau

Wofür haben wir uns diese kleine Geschichtsstunde nun eigentlich angetan? Ganz einfach, aus der noch aktuellen und bald endenden oder zumindest bald künstlich verlängerten Generation können wir einiges lernen. Erstens: Nintendo befindet sich derzeit im Wandel und testet in allerlei Bereichen aus, was sie machen können oder lassen sollten, was gut funktioniert und was niemanden interessiert, sie überprüfen den Wert der eigenen IPs und setzen gleichzeitig weitere Maßnahmen fort, die zur Wertsteigerung führen – gemeint sind Initiativen im Bereich der Smartphone-Spiele oder auch durch besondere Marketing-Kampagnen. Zweitens: Die Nintendo 3DS- und Wii U-Generation war demnach nicht so schlecht wie sie alle betiteln. Spiele waren zum Großteil auf die eingefleischten Nintendo-Fans angepasst und Fan-Support wurde dieses Mal groß geschrieben, was von vielen Partnerschaften zwischen den Spielen unterstrichen wurde. Dazu haben wir den einen oder anderen Titel mehr erhalten, der für viele Diskussionen sorgte und offensichtlich nicht die Bedürfnisse einer bestimmten Gruppe stillen konnte. Nintendo lernte damit aber auch, wo wir besonders empfindlich reagieren und wie sie damit umgehen müssen. Mit den Nintendo Direct-Shows haben sie ein komplett neues Format eingeführt, welches sie kreativ und stets individuell ausgestalten können. In Zukunft werden uns in dieser Hinsicht wohl immer wieder einige Änderungen erwarten, je nach aktueller Situation.

Mit Breath of the Wild gibt uns Nintendo bereits einen guten Vorgeschmack davon, was uns in den kommenden Jahren erwarten wird.

Drittens: Nicht zu viele Hoffnungen in NX setzen. Auch wenn die Plattform derzeit wie die Personifizierung des Messias behandelt wird, so mag sie nicht für jedes Problem eine Lösung bringen. Es möchte zwar niemand mehr hören, doch durch Nintendo 3DS und Wii U hat Nintendo vieles dazugelernt. Mit einer neuen Spitze sind sie derzeit sicher daran, sich als Unternehmen neu auszurichten, sich vor allem weiter zu öffnen und mehr Kooperationen einzugehen, um einen möglichst reibungslosen NX-Launch zu gewährleisten. Anzeichen der neuentdeckten Offenheit Nintendos lassen sich bereits in vielen Kollaboration der aktuellen Generation sehen – Titel wie Hyrule Warriors, Super Smash Bros., die Zelda-Remakes oder Star Fox Zero entstanden durch vielerlei Partnerschaften, die hoffentlich auch in den kommenden Jahren wieder auftreten werden. Nintendo benötigt jede Unterstützung, die sie kriegen können.

Viertens: Nicht jedes Experiment muss beendet sein. Während wir durch The Legend of Zelda: Breath of the Wild bereits die Früchte der vergangenen Zelda-Experimente sehen und auch bei den kommenden Mario-Haupttiteln ähnliche Andeutungen gemacht wurden, müssen nicht alle Experimente abgeschlossen sein. Möglicherweise muss Nintendo weiterhin herausfinden, inwiefern sie amiibo in Spiele einsetzen sollen oder was aus Serien wie Metroid und Star Fox wird. Kleine Spin-Off-Titel à la Captain Toad oder Happy Home Designer dürften also auch in Zukunft noch auf der Tagesordnung stehen, eventuell aber nicht mehr in solcher Fülle.

Fünftes: Vielen Dank fürs Lesen! Auch ich bin sehr gespannt auf die Zukunft Nintendos. Mit NX, weiteren Smartphone-Spielen und Drum und Dran haben wir einige aufregende Dinge in der Pipeline, die hoffentlich nicht in allzu ferner Zukunft sind. Ich wünsche für Nintendo das Beste und eine erfolgreiche NX-Kampagne, die den Menschen begreiflich macht, was das Teil denn überhaupt sein soll. Das sage ich jetzt, wo ich selber noch nicht mal weiß, was es eigentlich ist. Außerdem hoffe ich etwas Ruhe in das NX-Chaos zu bringen und einen schönen Überblick über die vergangene Generation und Nintendos Experimentierfreudigkeit geschaffen zu haben. Damit over and out von der Experiment-Generation.

Kommentare 8

  • blackgoku - 20.10.2016 - 12:34

    aufjedenfall geiles Spezial. :thumbsup: eines wahr schon Krass. mit Metroid federation force da wurde ein patent gemacht das, das Projekt abgebrochen werden sollte :huh: was nie passiert ist wer ist nur auf so eine dumme idee gekommen :facepalm: aber es ist Erschien, und schade das es nicht gut angekommen ist wäre echt gut gewesen. :/
  • Nekozawa - 20.10.2016 - 12:47

    Gut geschriebenes Spezial und wie so oft am Ende einer Generation kommen die Verfechter der Konsole mit der Wahrheit heraus ^^

    Die WiiU war nur ein Experiment.

    Aber keine Bange liebe Nintendofreunde. In Zukunft wird es auch heißen: "Die PS4/XO war gut, ABER.. (Beispiel) ..diese Generation bot fast nur Remakes und Remaster!"

    Ist halt jedes mal dasselbe ^^

    Nicht negativ auffassen, das Spezial ist wirklich gelungen :)
  • robin96 - 20.10.2016 - 12:53

    Genial. Ein sehr guter Artikel, welcher die (noch) aktuelle Generation Revue passieren lässt. :thumbup:
  • nmann - 20.10.2016 - 13:01

    Danke für das tolle Special. Ich hoffe, es ließ sich so einfach schreiben, wie es sich lesen lässt. Alles ist verständlich und in einer gut aufgebaut ^^

    Ich bin sehr gespannt, wie Nintendo die Erfahrungen von Wii U und 3DS in NX verwendet.

    Vor allem freue ich mich aber auf die Blockbuster: ein 3D Mario, Zelda BotW usw. Mario Kart 8 zu toppen wird auch nicht leicht. Evtl mit Transformationen ähnlich dem Sonic Racer auf Wii U?

    Fakt ist: Ich hatte sehr viel Spaß mit Wii U und 3DS, auch wenn mir ein paar Spiele ('richtiges' 3D Mario, Animal Crossing) gefehlt haben. Die Zelda Remakes fand ich auch super. Ich habe vorher Zelda The Wind Waker noch nicht gespielt und die HD Version hat sich für mich wie ein neues Zelda angefühlt.

    Ich bin auch gespannt auf den Namen, das Design und alle weiteren Neuheiten von NX. Für mich ist die Kombination dieser Punkte wichtig. Und auch wie Nintendo die NX vorstellt. Das sagt schon viel aus.
  • Alpha037 - 20.10.2016 - 13:21

    Wow, unterhaltsame 20 Minuten an einem verregneten Donnerstag! :thumbsup: :thx:
  • SAM - 20.10.2016 - 14:35

    Hut ab toll zusammengefasst und interessant geschrieben.
  • Dr Fred - 20.10.2016 - 18:14

    Eine sehr schöne Grabrede für die aktuelle Nintendo Konsolen-Generation || R.I.P. !
    Ich freue mich auf Nintendos Wiedergeburt mit der Switch, und hoffe die zurück liegende "Experimentier Phase" bringt uns viele Verbesserungen! Immerhin gab es ja in der aktuellen Generation trotz allem auch genügend Highlights :thx:
  • Buddy - 20.10.2016 - 22:00

    Auch wenn nicht alle Experimente geglückt sind bin ich sehr zufrieden mit der 3DS und Wii u-Ära. Hoffentlich bleibt Nintendo auch künftig experimentierfreudig und wagt neue Wege solange sie die alten nicht vergessen^^