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Spezial
Dokumentationen über Videospiele gibt es schon viele. Videogames: The Movie war zum Beispiel letztes Jahr sehr beliebt. Ich selber empfinde die meisten Dokus zu diesem Thema eher uninformativ und zäh. Auch die Dokus über Nintendo. Doch was entsteht, wenn ein NES-Fan auf einen Sammler trifft und ihm gleichzeitig eine scheinbar unmögliche Aufgabe erteilt? Eine Doku mit dem Titel Nintendo Quest! Das Experiment ist geglückt, denn Nintendo Quest ist definitiv einzigartig und wirklich interessant.

Das Nintendo Entertainment System! Die Doku geht dem Mythos auf dem Grund und klärt einige Fragen.

Der Filmemacher Robert McCallum, der für diesen Film auch gleichzeitig die Regie führte, hat die geniale Idee zusammen mit seinem Freund, Jay Bartlett, alle lizensierten NES-Spiele zu besorgen, die man in den USA erwerben kann. 678 Stück sind es, um es genau zu nehmen, und um die Aufgabe deutlich schwieriger zu machen haben beide nur 30 Tage Zeit. Der eine oder schlaue Fuchs würde jetzt sagen, dass das gar kein Problem ist! Ebay an und fertig ist die Aufgabe. So leicht ist es denn dann doch nicht. Internet ist nämlich tabu! Nur eine App ist erlaubt. Diese App ist aber nur eine Checkliste von Spielen die man schon hat oder nicht hat. Kein Ebay, kein Marktplatz. Nur Telefon, Händler, Kontakte und ein Auto. Am Ende erwartet uns ein interessanter Road Trip durch die USA.

Dieses Vorhaben wäre meiner Meinung nach schon interessant genug. Doch zwischendrin bekommt man einiges mit bezüglich der Entstehungsgeschichte von Nintendo und mit welchem Trick sie es schafften, in den USA einen Fuß in die Tür zu setzen. Aber auch interessante Hintergrundinformationen und auch interessante Persönlichkeiten sind im Film zu finden. So trifft Jay auch bald auf Mr. Nintendo! Wer ist Mr. Nintendo? Auch das bekommt ihr durch diese Doku raus. Für uns Europäer kommt noch dazu, dass wir die amerikanische Spielkultur sehen können und erfahren, was es zum Beispiel mit den NES-Clubs so auf sich hat. Am Anfang meint man zudem noch, dass das ja alles einfacher ist als gedacht, doch gegen Ende des Films wird alles plötzlich eng. Die Strategie muss geändert werden und Jay muss sich bald entscheiden. Ob er es letztendlich schafft, will ich natürlich nicht verraten. Auch der eine oder andere emotionale Moment ist dabei, und zur großen Überraschung hat der Film am Ende auch eine tolle Message!

Visuell hat der Film kaum was zu bieten und wurde auch nicht mit einer HD-Kamera gefilmt. Eine tolle Auflösung und der eine oder andere visuelle Kniff hätten wirklich die Doku abgerundet und das Medium völlig ausgereizt. Dafür fängt man die wichtigsten Sachen gelungen ein und auch wenn viel geschnitten wird und man auch einige Sachen überspringt, wirkt die Kamera immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Für Leute, wie mich, denen das aber doch zu schnell ging, empfehle ich die zweite Bonusdisc. Die geht direkt mal 150 Minuten anstelle von 90. Zudem hat man nicht den Fehler begangen die Spiele nicht in Originalauflösung zu zeigen. Sobald man Spielszenen sieht, wird das Bild kleiner und um das Bild herum ist auch kein schwarzer Balken, sondern ein TV-Gerät angezeigt. Auch die eigenen Animationen sind gelungen und liefern einen netten Eindruck. Allgemein ist die Aufmachung der DVD gelungen und die Hülle ist in einem Pappschuber, was an die NES-Schuber erinnert. Der Soundtrack ist natürlich mit Originaltönen versehen und richtig interessant wird es dann, wenn man mit Videospielkomponisten über die Musik von Nintendo spricht. Handwerklich ist die Arbeit also solide, der Film setzt den Fouks aber auch eher auf die Handlung.

Jay als Protagonist ist einfach nur genial!


Lobend hervorheben muss man die Charaktere. Robert McCallum ist wie gesagt nicht nur hinter der Kamera zu finden, sondern auch vor der Kamera. Dabei gibt es immer wieder Szenen wo er den Zuschauern ein wenig Hintergrundwissen vermittelt und auch die Szenen zusammen mit Jay vermitteln sofort, dass der Typ ein richtiger Fan ist. Getoppt wird das Ganze nur noch von Jay selbst. Jay ist ein Fan und Sammler durch und durch. Seine Leidenschaft und seine Begeisterung schimmern immer sofort durch. Später leidet man sogar mit und obwohl es nur um Videospiele geht, merkt man sofort wie wichtig ihm das Ganze ist und plötzlich wird aus einer Banalität ein großes Drama.

Warum hat Mega Man eigentlich auf diesem Bild keinen Kanonenarm, sondern eine normale Pistole? Auch diese Fragen werden geklärt.

Wenn Jay anfängt zu zittern, weil er ein Spiel in der Hand hält, was es nur zehn Mal mit Verpackung gibt in den USA, lacht man die Person nicht aus. Immer wieder lernt er dabei auch andere Sammler oder Persönlichkeiten kennen. Manche sind besonders skurril und andere teilen einfach nur die gleiche Leidenschaft. Wenn Jay später von seiner Beziehung zu seinem Vater erzählt oder neue Probleme dazu kommen, spätestens dann findet der Film den Zugang zum Zuschauer, auch wenn er mit Videospielen nichts zu tun hat.

Denn dies ist das Besondere! Auch Menschen ohne Videospielerfahrung können sich diesen Film beruhigt ansehen. Zwar werden sie dennoch immer wieder die Stirn runzeln, aber grundsätzlich ist der 30-Tage Trip auch für unsere Nichtzocker interessant. Eine nicht aktuelle Bildqualität und die fehlende Ausnutzung des Mediums führen dazu, dass dem Film die Kirsche auf dem Törtchen fehlt. Dennoch bin ich begeistert von dem Film und er ist mit Abstand die beste Doku zum Thema Videospiele. Für Nintendo-Fans führt gar kein Weg an ihm vorbei, und wer die DVD nicht findet, kann sich auf Dezember freuen! Denn dann sieht man diesen Film auch auf Netflix.

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