Du gehst, doch dein Leben bleibt. Danke dafür!

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Als du deine Kämpfe bestritten hast, war ich noch nicht geboren. Als du nein zum Krieg gesagt hast, war ich nicht einmal in Planung. Deine Karriere war 1981 am Ende. Ich bin 1989 geboren. Trotzdem wurdest du mein Idol, mein Held und Vorbild. Trotzdem habe ich mir deine Kämpfe angeschaut auf VHS oder auf irgendwelchen Kanälen. Ich war da, als du ein Ehrenbürger meiner Stadt wurdest. Ich war da, als deine Tochter in Berlin kämpfte, aber sich alle nur für dich interessierten. Da warst du längst schwer krank und trotzdem hast du uns ins Staunen versetzt. Aber dir ging es, und dies macht dich erst zum Helden, mehr als nur ums Boxen. Dir ging es um die Gesellschaft, Religion, Politik ach eigentlich ging es dir um alles. Deine größten Kämpfe waren nicht im Ring. Du hast wichtigere Schlachten geschlagen. Du wurdest das Gesicht einer ganzen Religion in den USA. Einer ganzen Friedensbewegung und auch für die Bewegung der Schwarzen. Wegen deinem größten Kampf, sogar zum Gesicht für einen ganzen Kontinent, der immer ausgegrenzt wurde und wird.

    Muhammad, du bist dieser Held für mich. Du bist dieser Held, den so viele als eben solchen bezeichnen. Du bist dieses Gesicht für Millionen von Menschen. Eine Sportlegende. Aber was noch viel wichtiger ist, du warst ein ganz großer Mensch.

    Wenn man sämtliche Profikämpfe von dir sieht, weiß man, warum du ein so großartiger Boxer warst. Ein Schwergewichtschampion, vor dem jeder Respekt und Angst hatte, wenn er mit dir in den Ring stieg. Was jeder sieht, der nur deine großen Kämpfe gesehen hat, waren deine Tänze im Ring. Deine Beinarbeit, deine Leichtfüßigkeit und deine schnelle Technik sind bis heute unerreicht. "Ich fliege wie ein Schmetterling, stech zu wie eine Biene" war ein Zitat von dir. Eines von vielen Zitaten, die mich prägten. "Jeder Große fällt mal hin, die wirklich Großen stehen wieder auf" war ein weiteres Zitat, was für mich zum Lebensmotto wurde. Denn erst nach Niederlagen zeigte sich, dass du wirklich "The Greatest" warst. Deine größte Niederlage war es wohl, als du dich verweigerst in den Krieg zu ziehen und dir der Gürtel aberkannt wurde. "Warum soll ich denen was antun? Sie haben mir nichts getan. Ihr habt aber mir was getan. Warum kämpfe ich nicht gegen euch?" Ein Zitat was nicht nur deine friedliche Einstellung signalisierte, sondern auch den Rassismus in deinem eigenen Land betonte. Denn Rassismus gegen Schwarze und Moslems war damals in den USA stark ausgeprägt. Doch du hast dich dem widersetzt ohne dabei dich den anderen zu verwehren. Auf die Frage, ob sich ein Champion des Volkes so verhält, hast du nur gesagt: "Ich will nicht der sein, für den ihr mich haben wollt. Ich will ich sein!". Der nächste große Spruch. Und als deine Strafe, in deiner Blütezeit für einen Boxer, endlich abgesessen wurde, kam DER Kampf. Aber nicht ohne Statement. Nicht ohne das ganz Große. Es war Zeit für das erste große Sportevent in Afrika. "Rumble in the Jungle". Während dein Gegner, George Foreman, arrogant im Hotel hauste, sich in Afrika nicht wohlfühlte und als reicher schwarzer Amerikaner auftrat, warst du der Held. Du rennst und trainierst einfach in den Straßen mit den Kindern, bestehst auf den Kampf in Afrika und berufst dich auf deine afrikanischen Wurzeln. Die Menschen in Afrika dankten es dir. Sie feierten dich nicht. Sie liebten dich. "Ali bumaye, Ali bumaye" ruften sie in den Straßen, war an den Wänden zu lesen und peitschten dich an. "Ali töte ihn, Ali töte ihn". Mehr sagte dieser dieser Satz nicht aus, zeigt aber den ganzen Hass gegen Foreman. Später hast du mit ihm deinen Frieden gefunden und er hat seine Fehler verstanden. In einem denkwürdigen Kampf, den du mit einer taktischen Meisterleistung bestritten hast, hast du deinen Titel zurück geholt, den du eigentlich nie verloren hattest. Danach kamen noch weitere Kämpfe, die dich zur Legende machten. Wie der Rückkampf "Thriller in Manilla" wo du gegen Frazier, genannt auch Uncle Tom, einen Kampf in unglaublicher Hitze gewonnen hast. Am Ende deiner Karriere warst du nicht nur eine Legende. Du warst ein Jahrhundertathlet. Der beste Boxer in der Geschichte. Der mit seinem Stil das schwerfällige Schwergewichtsboxen prägte und mit Technik oder der tollen Beinarbeit glänzte. Deine Gegner haben deine Fäuste nicht kommen sehen und selbst konntest du jeden Schlag ausweichen. Nicht nur das, auch einstecken konntest du viel. Du bist bis heute der kompletteste Boxer. Alle Boxer verneigen sich heute.

    Dass bei dir ein Poet verloren gegangen ist, merkte man auch an deinen Provokationen. Ein richtiges Dichttalent konnte man dir zuschreiben, wenn du in Reimform vorhersagen konntest, wann dein Gegner KO gehen wird. Teilweise hast du den Kampf gezogen, damit du nicht falsch liegst. Du hast dein Kinn vorgezeigt im Kampf. Du hast dich im Ring verprügeln lassen, nur damit du kämpfen musst. Auch hier hast du ein Statement gesetzt. Du lässt dir nichts gefallen. Du drehst den Spieß einfach um und bezwingst deine Gegner auch psysisch. So wie sie dich am Boden halten wollten, gibst du es deinen Gegnern zurück. Du bist nicht versklavte Schwarze oder der wertlose Moslem, der sich nichts gefallen lässt.

    Aber deine Boxkarriere ist nichts im Vergleich zu dem, was außerhalb des Rings geleistet hast. Damals noch unter dem Namen Cassius Clay, dein Sklavenname, hast du für die USA Gold geholt. Doch später soll man diesen Preis im Wasser finden, da man dich ausgrenzte. Du hattest die falsche Hautfarbe. Du hattest die falsche Religion. Aber du hast gekämpft. Für eine bessere Gesellschaft, für eine bessere Politik und hast immer wieder betont, wie friedlich der Islam ist. Später hast du deinen Sklavennamen abgelegt und dich Muhammad Ali genannt. Eine Provokation, aber auch ein Signal an all die Unterdrückten. Deine Kriegsverweigerung und die dazugehörigen sportlichen Folgen, waren sinnbildlich für eine Generation, die diesen Krieg nicht wollte. Denn der Vietcong hat dich nie "Nigger" genannt, der weiße Mann in Amerika schon. Denn der Krieg ist etwas Schlimmes und deine Religion, der Islam, predigt Frieden. Dies hast du immer wieder betont, auch nach dem 11. September. Du warst im Ring erbarmungslos und auch im Kampf gegen Krieg, Islamophobie, Rassismus und Ausgrenzung warst du erbarmungslos. Auch hier hast du nie aufgegeben. Hast Schulen besucht, während du nicht kämpfen durftest. Hast das Leid von Afrika in die Medien gebracht und eine öffentliche Debatte über den Islam und über die Rassendiskriminierung immer wieder befeuert. Aber auch im Islam hast du die Diskussion und den Konflikt gesucht. Hast die Leute verurteilt, die andere Religionen diskriminieren oder für Gewalt den Koran in den Mund nahmen. Denn du wusstest, der Koran überliefert nicht Krieg und Verderben. Er überliefert Frieden und Toleranz. Aber auch hier musstest du erst lernen. Denn nicht jeder deiner damaligen Freunde war so gut wie du. Du hast dich auf sie eingelassen. Zu einem, weil du naiv warst oder weil dich das Geld lockte. Aber auch daraus hast du gelernt und hast Opfer gebracht. Am war Geld dir nicht mehr wichtig und hast deine Person für gute Taten und für gute Reden ausgenutzt.

    Obwohl sie gegen dich waren, obwohl niemand an dich glauben wollte und du mit deinem Stil auf Skepsis gestoßen bist, hast du es am Ende wirklich jedem bewiesen. Doch so frech dein Mundwerk war, so großartig waren deine Taten außerhalb des Rings. Ich denke heute noch mit Ehrfurcht daran, als ich dich das erste Mal gesehen habe. Obwohl du da schon schwer krank warst, hattest du eine mächtige Ausstrahlung. Dieser Eindruck war auch in Leipzig, als du als Ehrenbürger meiner Stadt aufgenommen wurdest. In den letzten Jahren wurde es still um dich. Du hast deine Ruhe und deinen Frieden gefunden. Die Welt hat sich gebessert, auch dank dir. Dafür werde ich dir immer dankbar sein. Ruhe in Frieden. Dein Kampf ist vorbei.

    503 mal gelesen

Kommentare 5

  • chose -

    Was?! Wie kann man Muhammad Ali nicht gekannt haben?

  • EinName -

    Besser gesagt als ich es je tun könnte :)

    Muhammed Ali ist eine Legende und ein Vorbild, einer der großartigsten Menschen unserer Zeit, wenn nicht sogar für alle Zeiten. Ich habe vollsten Respekt ihm gegenüber

  • DatoGamer1234 -

    @Blackfire Ich kannte bisher auch nur seinen Namen,aber nicht ihn selbst. Sehr schöner und vor allem emotionaler Text. :)

  • Dirk Apitz -

    Hier ein Artikel zum berühmten Kampf.

    sueddeutsche.de/sport/rumble-i…thos-vollendete-1.3020132

  • Blackfire -

    Ich kannte Muhammed Ali ehrlich gesagt nicht, dennoch kann ich sagen dass dieser Text unglaublich ergreifend war. Ich bereue es, nichts von dieser Person gewusst zu haben, denn wenn alles aus diesem Text stimmt dann war das kein einfacher Mann sondern eine Legende.

    Danke für den Text! Sehr ergreifend, auch für jemanden, der noch nie von dieser Person gehört hat.

    PS.: Es ist mir egal was ihr jetzt von mir denkt, es passiert sehr oft dass irgendwelche Berühmtheiten sterben von denen ich nie hörte.