Homosexualität in Videospielen - und im Alltag

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  • Hallo lieber Leser,

    vielleicht hast Du es ja schon mitbekommen - Tracer (aus Overwatch) ist homosexuell.

    Eine mutige und gewagte Entscheidung von Blizzard. Immerhin ist Tracer das Flaggschiff von Overwatch.

    Warum mutig und gewagt? Nun ja... gute Frage!


    Obwohl wir uns bereits im 21. Jahrhundert befinden und die Homosexualität seit dem Anbeginn der Menschheit existiert, gibt es nach wie vor eine unheimlich große Zahl an Menschen, die so etwas nicht sehen will oder nicht akzeptieren kann. Ja, auch in unser westlichen Welt.

    Zugegeben, die Homophobie geht zwar langsam zurück, jedoch in einem Tempo, dass selbst Schnecken lachend davonsausen lässt. Dabei hat die Menschheit sich so schnell "weiterentwickelt". Vor gut 600 Jahren steckten wir noch im Mittelalter, ohne Internet und Abwassersysteme.
    Und trotzdem ist auch heute, zu diesem Zeitpunkt und auch, wenn du dir diesen Artikel in 50 Jahren noch durchliest, die Homosexualität wahrscheinlich nicht gleichgestellt mit der Heterosexualität.

    Schwule Politiker sind inzwischen kein Skandal mehr. Homosexuelle Schauspieler, Sänger oder sonstige Künstler sind ebenfalls von einer großen Zahl an Menschen akzeptiert.
    Dennoch hört und liest man, vor allem unter dem Schleier der Anonymität des Internets, Dinge wie:


    "Als ich erfahren habe, dass Ricky Martin schwul ist, ist seine Musik für mich gestorben."


    "Ich heule hier buchstäblich an Weihnachten. Ich hätte heute nicht aufstehen sollen." (auf die Enthüllung von Tracer's Sexualität)

    "Ganz ehrlich, das erklärt, warum Charly's Mutter in Two and a Half Men immer so eine ätzende [zensiert] war!" (über Holland Taylor's spätes Outing im Dezember 2015)


    Nur um ein Paar widerwärtige Beispiele von Homophobie zu nennen.


    Um auf die Frage vom Anfang zurückzukommen, warum ist dieser Schritt von Blizzard gewagt bzw. mutig?
    Entwickler müssen wirtschaftlich denken. Ein Großteil der Gamer ist auf das klassische Charakterprofil ihrer Protagonisten geprägt.


    "Großer maskuliner Kerl. Ein echter Weiberheld. Reißt sich Frauen auf, wie 'ne Tüte Chips."


    Die Vorstellung, dass so ein Muskelmann ohne Furcht, der obendrein eine One-Man-Army darstellt, in seinem privaten Leben einen gleichgeschlechtlichen Partner hat - unmöglich!


    Deshalb wird die Sexualität oft gar nicht in Spielen thematisiert. Falls doch, dann handelt es sich natürlich um einen Hetero!


    Natürlich ist ein gutes Stichwort. Denn genau das ist Homosexualität, sowie Heterosexualität oder auch Bisexualität.


    Darum ist die Entscheidung Blizzards auch mutig. Darum ist es gewagt. Denn die Welt der Games ist noch lange nicht bereit für das ausreichende Maß an Akzeptanz gegenüber Homosexualität.


    Zu selten findet man homosexuelle Videospielcharaktere.


    Deshalb war es für mich ein freudiger Moment, als ich erfahren habe, dass Chloe aus Life is Strange lesbisch ist.


    Ein wunderschönes Beispiel für Offenheit und Akzeptanz sind Spiele wie Mass Effect oder Sims. In diesen Games sind gleichgeschlechtliche Romanzen und sogar Ehen kein Problem. Im Gegensatz zu Tomodachi Life... Wer das erste Statement Nintendos kennt, der wird meine Enttäuschung verstehen.


    Um zum Schluss dieses Textes zu kommen, der meiner Meinung nach eigentlich gar keinen Grund zur Existenz haben dürfte, verabschiede ich mich mit den Worten: Sei wer du bist, sei wie du bist. Hauptsache du bist glücklich!


    Und nein, ich selber bin nicht schwul. Vor einigen Jahren war ich selbst noch homophob und ich schäme mich dafür.


    Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit.



    Spoiler anzeigen
    Sieh dich nur an.... du bist klasse! Ein toller Mensch. Lass dir nichts anderes erzählen.

    1.302 mal gelesen

Kommentare 16

  • cohen -

    Mutig ist daran nix. Schöne Frauen die sich küssen sieht jeder gerne. Interessanter wäre es gewesen, hätten sie einen maskulinen Charakter genommen (z.B. McCree oder Hanzo). Homosexuelle Männer werden weniger in der Gesellschaft akzeptiert als Homosexuelle Frauen.
    Lesben vermarkten kann jeder.

    • Luga -

      Die überwiegenden Reaktionen zeigen was anderes :P Klar wäre es noch ne ganz andere Nummer gewesen, wenn einer der männlichen Probanden homosexuell gewesen wäre, aber wie wäre es gewesen, wenn sie statt Tracer Zarya gewählt hätten?

    • billy_blob -

      Also ich für meinen Fall finde es auch ästhetischer wenn sich zwei Frauen küssen als z.B. zwei Männer. Liegt aber einfach daran dass Frauen auch einfach viel ansehnlicher in meinen Augen sind, einfach attraktiver. Trotzdem habe ich nichts gegen Männer die sich lieben und sich nunmal auch küssen.

      Ich verstehe sowieso nicht warum es Menschen gibt die homosexuelle Partnerschaften verabscheuen. Jetzt mal ganz abgesehen von erzchristlichen Gläubigen. ;)

  • Raiser -

    Geschlecht, Hautfarbe, Religion, Herkunft, Orientierung.
    In diesen Themen gibt es so viel unnötige Missgunst und Hass, dass ich mich manchmal frage, wie die Menschheit überhaupt so weit gekommen ist.
    Wir sind mittlerweile immerhin an einem Punkt angekommen, an dem diese Dinge an vielen Orten nicht/kaum mehr wichtig sind. Aber leider nur offiziell. Es wird wohl noch sehr lange dauern, bis "Andersartigkeit" auch in den Köpfen der Menschen so weit akzeptiert wird, dass ihre Handlungen nicht mehr durch Angst bestimmt werden.

    Zurück zu Videospielen:
    Wenn ein Entwicklerstudio dazu beitragen will, dass "nicht-hetero" Orientierungen mehr Akzeptanz finden, sollte es diese Beziehungen so in seine Spiele einbauen, dass sie entweder ganz natürlich wirken, oder bewusst die Story bereichern.
    Aber man sollte nicht versuchen, alle Entwickler in die Verantwortung zu ziehen.
    Nicht jedes Spiel muss eine Lesbe enthalten. Und wenn ein Studio einen überzeichneten Schwulen in sein Spiel einbauen möchte, soll es das machen, schließlich gibt es auch etliche überzeichnete Machos in Spielen. Solange diese Charaktere nicht aufgrund ihrer Orientierung als Minderwertig dargestellt werden, finde ich ein bisschen Geschmacklosigkeit OK. Denn auch Überzeichnung hilft, Hemmungen abzubauen.
    Es sollte nur nicht darin ausarten, dass es ständig einen "Quoten-LGBT" gibt, der/die nur Mittel zum Zweck ist.

  • Tama -

    Mir isses ansich recht wurscht auf welches Geschlecht Tracer steht, hab nix dagegen und wenn es manchen Spielern hilft selbstvertrauen aufzubauen dann gut für sie. Ich mein das wirklich ernst, GG GL HF genießt es.

    Allerdings finde ich das die sexuelle Orientierung in einer übergeordneten Story Rund um Helden mit Comic Fähigkeiten nicht wirklich die Interessanteste Eigenschaft eines Charakters ist die man zeigen kann. Fast alle OW Charaktere brauchen dringend evidente Charakterschwächen um sie wirklich auszuarbeiten. Hier und da wird was angedeutet aber die meisten Comics von OW kommen oft als Mary/Gary Sue/Stu Marketing daher, lyncht mich dafür is mir egal.

    Zumindest Künstlerische Präsentation is nice.

    Beziehungen und Verhältnisse in Games ob Hetero oder Schwul kommen bei mir persönlich immer als schlecht geschrieben an. Besonders schlimm sind alle Mass Effect und Dragonage Romance Subplots.

    Ich sehe momentan ein Problem das verhindert das die LGBTQ Charaktere in Games akzeptanz finden und das liegt daran das es einen imensen Pusch gibt was LGBTQ Charakter Repräsentation angeht.
    Konfrontation mit guten LGBTQ Charakteren ist wichtig, allerdings geht das oft einher mit der Dämonisierung von allem was nicht den neuen Sensibilitäten gerecht wird und das kann es auch nicht sein.

    Character Writing ist ein Tretminenfeld von "Gefühlen" geworden, statt das man gute Charaktere erschafft mit Fehlern und Motivationen werden oft schlichte Karikaturen gezeichnet sowohl was Hetero-Charaktere angeht als auch Schwule-Charaktere. Irgendjemand Ist trotzdem immer sauer. Dasselbe gilt für das visuelle Design.

    Ich bin für mehr Fanservice, mehr Fanservice für alle:

    Sexy Dudes für die Männer und Frauen,
    gut aussehende Ladys für Frauen und Männer.

    Abstumpfungstherapie bis sich niemand mehr dafür schämen muss ein Primat mit Vorliebe für das Geschlecht XY oder XX zu sein.

  • David Pettau -

    Homosexualität in Unterhaltungsmedien halte ich auf die Art und Weise, wie sie präsentiert wird, oftmals für sehr fragwürdig. Blizzard kann man an dieser Stelle für Tracer nur loben – und das hat diverse Gründe.

    Furchtbar finde ich es persönlich, wenn es bei der Einbindung homosexueller Charaktere den Eindruck erweckt, man wolle nur eine “Quote“ erfüllen bzw. man würde sie nur einbinden, weil man nach außen eben tolerant erscheinen will. Das gilt im Übrigen nicht nur für Homosexualität, sondern für nahezu alle Themen (Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben, je nach Situation Frauen/Männer etc.). Das Gefühl dieser “Quote“ kommt dann meist dadurch auf, dass die jeweiligen Charaktere hauptsächlich durch dieses entscheidende Merkmal charakterisiert werden – die Persönlichkeit solcher Charaktere besteht dann nur aus diesem einen Merkmal.

    Bei Tracer ist das nun gänzlich anders, auch wenn Overwatch in dem Bezug sicher nicht das Vorzeigebeispiel schlechthin ist. Tracer hatte schon lange vor ihrem “Outing“ seitens Blizzard eine Persönlichkeit – im Laufe der Zeit wurde sie immer mehr beleuchtet. Ihre Sexualität ist nun nichts weiter als ein weiterer Teil dieser bereits existierenden Persönlichkeit, weshalb das ganze sehr stimmig wirkt. “Tracer“ definiert sich nicht ausschließlich durch ihre Sexualität, sondern man kennt sie vor allem für ihre lockere und pfiffige Art. Das ist es, was mir bei der Einbindung von sämtlichen Charakteren wichtig ist – ich will nicht, dass sie mir anhand ihrer Sexualität, ihrer Hautfarbe etc. vorgestellt werden, diese haben mit ihrer Persönlichkeit nämlich sehr wenig bis überhaupt nichts zu tun.

    • Luga -

      Ich wünschte ich könnte mich so gut artikulieren. Würde die Qualität und Verständlichkeit meines Blogs steigern :D

      Besser kann man es gar nicht ausdrücken :)

  • retr089 -

    Warum genau war das jetzt eig mutig, wie du es nennst?
    Wäre es nicht mutig gewesen, wenn man sie von vornherein als lesbisch geoutet hätte und somit einen eventuell geringeren Absatz des Spieles in Kauf genommen hätte?
    Aber jetzt ist das Spiel auch schon draußen und das auch nicht erst seit gestern ...

    • Luga -

      Das stimmt. Aber wie sagt man so schön: Lieber spät als nie.

      Außerdem darf man nicht vergessen, dass ein Nachfolger erscheinen soll ;D

    • retr089 -

      Insgesamt gesehen bin ich übrigens kein Fan von Outings in Videospielen. Mal von Chloe in Life is Strange abgesehen (aber war die nicht nur bi?) - dort hat's wenigstens etwas zur Story beigetragen und war somit unerlässlich.
      Hab ehrlich gesagt noch nie Overwatch gespielt. Ist ihr Outing storyrelevant? Falls nein -> überflüssig und nur "Effekthascherei".
      Aber dennoch interessanter Blog von dir ;)

    • Luga -

      Ob Chloe nun bi oder lesbisch war kann ich dir ehrlich gesagt nicht sagen ^^' Ich weiß nur, dass sie romantische Gefühle für Rachel hatte, die nicht erwidert wurden.

      Storyrelevant ist es in Overwatch nicht, da es ja keine richtige Story hat (also das Spiel selbst). Allerdings gibt es ja eine Comicreihe dazu, in der sie ja auch "geoutet" wurde. Also ist es schon nicht uninteressant, wenn man Fan des OW-Universums ist :)

      Ich persönlich erfahre gerne mehr über meine Gaming-Helden :)
      Beispielsweise ist es ja vollkommen unwichtig, dass Mario Italiener ist, aber ich finde es trotzdem schön, dass über so etwas nachgedacht wurde :D

  • Oberst Dummbatz -

    Solange die Leute so ein "Outing" jedes Mal aufs Neue an die große Glocke hängen, egal ob sie es toll oder scheiße finden, kann man es ja gar nicht als normal ansehen. Man sollte einfach nicht so ein Fass aufmachen, sonst entbrennen nur endlose Debatten, die niemandem etwas bringen.
    Die "richtige" Reaktion auf solch eine "große Enthüllung" dürfte ein plumpes "Aha" sein, da man etwas mehr über eine Person oder einen Charakter aus einem Spiel oder sonst wo erfahren hat.

    • Luga -

      Mein Blog ist eine Reaktion auf die ganzen Hass-Kommentare die als Antwort auf das "Outing" kamen. Meine Art und Weise mit der Homophobie umzugehen.
      Das ein "Aha" die richtige Reaktion wäre sehe ich auch so, aber wie du sicherlich im Blog gelesen hast, gehe ich ja ein wenig darauf ein, warum es nicht bei einem "Aha" bleibt.

      Tatsächlich war meine erste Reaktion, bevor ich den Hass zu spüren bekommen habe auch, und ich zitiere dabei aus WhatsApp : "Oha, Tracer ist lesbisch :D"

    • Oberst Dummbatz -

      Um mal weniger ernst an die Sache zu gehen: Die meisten Leute sind wahrscheinlich eh nur beleidigt, weil ihre Waifu auf Frauen steht :^)

    • Luga -

      Ja, das stimmt wohl :')

    • Fairbention -

      Eine große Zielgruppe von Videospielen ist nach wie vor jene, der Jugendlichen (sie haben Zeit + Geld). In der Jugend beginnt für diemeisten auch die auseinandersetzung mit der (eigenen) Sexualität. Gerade in der Phase des inneren Coming Outs (wenn sich die Person selbst klar wird, dass sie Bi-, Homo-, etc. -Sexuell ist) können Idenifikationsfiguren (und das können in meinen Augen durchaus auch Videospielfiguren sein) von außen helfen. Gerade in der Pubertät sind solche Bestärkungen wichtig und können sogar Selbstmorde verhindern (wir erinnern uns, dass die Selbstmordrate bei homosexuellen jugendlichen höher ist, weil sie da Gefühl haben, nie ein glückliches Leben führen werdne können).
      Videospiele sind ein wichtiges Medium und da in unserer Welt nunmal nicht nur Heterosexualität existiert, ist es gut, wenn sie sich anpassen und etwas mehr die Realität abbilden, zumindest da, wo es um Menschen geht. :)