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Nintendo-Konsolen: Virtual Boy

Nintendo war eigentlich immer ein sehr vorsichtiges Unternehmen. Eigentlich sogar altmodisch, wenn man sich die Produktpolitik einmal genauer ansieht. Sei es die CD/DVD als Datenträger, viele Online-Fähigkeiten oder die HD-Auflösung, Nintendo verweigerte sich oftmals gegenüber zukunftsweisenden Technologien und zog immer erst zu einem späteren Zeitpunkt nach. Doch bei völlig neuen Innovationen war und ist Nintendo immer die Nr. 1 im Videospielsektor. Geniale Interface-Ideen kombiniert mit einmaligen Spielen, für uns Fans macht doch genau das Nintendo aus.



Doch die tollen Ideen fruchten nicht immer. Am 15.11.1994 präsentierte Nintendo auf der hauseigenen Shoshinkai Exhibition in Tokio den von Gumpei Yokoi (Erfinder des Game Boys) entwickelten Virtual Boy. Kurz darauf erschien die neue Hardware in Japan am 21.07.1995 für 15.000 Yen und in den USA am 14.08.1995 für 179 US-Dollar. Der sonderbare Konsolen-/Handheld-Hybrid mit dem internen Titel VR-32 war nicht Fisch und nicht Fleisch. Ist es nun eine Heimkonsole oder ein Handheld? Pascal und Dennis diskutieren immer noch darüber. Ich kann euch sagen, dass es nichts von beidem ist. Denn Nintendo nannte es offiziell eine „table-top“-Konsole.

Man stellt sich also eine rote Taucherbrille auf den Tisch, schaut hinein und wartet, bis ein monochromes 3D-Bild erzeugt wird. Kann das wirklich gut gehen? Wenn man heute zurückblickt, kann man das mit einem klaren „Nein“ beantworten.

Der Virtual Boy hatte einfach zu viele Nachteile. Beispielsweise kann längeres Spielen Kopfschmerzen verursachen. Der diesbezügliche Warnhinweis auf der Verpackung schreckte viele Konsumenten ab. Ebenso hatten viele ein tragbares System erwartet, doch der Virtual Boy war mit seinen 760 Gramm viel zu schwer und deshalb mussten die Entwickler auf ein Ständersystem ausweichen. Mit dem Ständer ist die Körperhaltung allerdings mehr als ungemütlich. Auch ein Link-Kabel, mit dem man zwei Virtual Boys für eine Mehrspieler-Session verbinden sollte, war zwar geplant, wurde aber nie in die Realität umgesetzt. Der wirkliche Genickbruch war allerdings der sehr schlechte Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die kuriose Konsole konkurrierte mit SEGAs Flaggschiff Saturn, der super erfolgreichen Playstation von Sony und dem bereits angekündigten Nintendo 64.

Der Virtual Boy verwendet zwei 1x224 LEDs (für jedes Auge eines) und produziert ein dreidimensionales Bild. Der 3D-Effekt wird durch zwei sehr schnell oszillierende Spiegel generiert. Deshalb hört man auch ein Summen, während die Konsole eingeschaltet ist. Allein durch diesen technischen Aufbau konnte man die Plattform nicht als tragbare Konsole verwenden. Denn Stöße (z.B. im Auto oder Zug) beschädigten sehr schnell die damals aufwendige Architektur. Die Technik wurde damals von Reflection Technology INC. entwickelt, patentiert und an Nintendo lizenziert. Es gab auch die Idee von zwei Full-Size-Displays mit 384x224 LEDs, allerdings wäre das zum damaligen Zeitpunkt einfach zu teuer gewesen. Ein mehrfarbiges Display war 1995 auch ziemlich unrealistisch. Verschiedenfarbige LEDs kamen erst zu einem späteren Zeitpunkt auf den Markt, deshalb beschränkte sich Nintendo auf ein rotes Bild.

Für den virtuellen Jungen wurden 1995 lediglich 22 Spiele veröffentlicht:

  • 3D Tetris (USA)
  • Galactic Pinball (JPN, USA)
  • Golf (JPN, USA)
  • Insmouse No Yakata (JPN)
  • Jack Bros. (JPN, USA)
  • Mario Clash (JPN, USA)
  • Mario's Tennis (JPN, USA)
  • Nester's Funky Bowling (USA)
  • Panic Bomber (JPN, USA)
  • Red Alarm (JPN, USA)
  • SD Gundam Dimension War (JPN)
  • Space Invaders Virtual Collection (JPN)
  • Space Squash (JPN)
  • Teleroboxer (JPN, USA)
  • V-Tetris (JPN)
  • Vertical Force (JPN, USA)
  • Virtual Bowling (JPN)
  • Virtual Boy Wario Land (JPN, USA)
  • Virtual Fishing (JPN)
  • Virtual Lab (JPN)
  • Virtual League Baseball (JPN, USA)
  • Waterworld (USA)

Das erfolgreichste der 22 Spiele war Mario's Tennis, aber auch nur, weil es in den USA der Konsole beigelegt wurde. Insgesamt 30 weitere Spiele von namhaften Entwicklern waren geplant. Darunter sogar richtige Hits wie Donkey Kong Country 2 und GoldenEye aus der Rareware-Entwicklerschmiede. Mit insgesamt 770.000 weltweit verkauften Einheiten war der Virtual Boy für Nintendo allerdings ein echter Flop, deshalb wurde die Produktion relativ zeitnah nach dem Erscheinungstermin auch wieder eingestellt. Selbst die Preissenkung in den USA auf 159 US-Dollar im Oktober 1995 und im Juni 1996 auf 99 US-Dollar konnten das Baby nicht mehr retten.



Die Idee des Virtual Boy war einfach seiner Zeit voraus, die Technik aber unausgereift. Wie bei Nintendo üblich, wurde die 3D-Idee aber auch noch jahrelang weiterverfolgt. Das Endprodukt resultierte über 16 Jahre später dann im Nintendo 3DS und der ist mittlerweile mehr als erfolgreich.

Trotz des Misserfolgs hat der Virtual Boy heute unter Sammlern einen hohen Stellenwert. Zahlreiche Emulatoren für Windows, Mac, Linux, Xbox und PSP gibt es heute zum Herunterladen. Und sogar komplett neue Spiele werden von Fans für das rote Kästchen entwickelt. Wer also einen Virtual Boy in seinem Regal stehen hat, besitzt ein echtes Nintendo-Sammlerstück.

Autor: Holger Wettstein


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