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Film-Kritik: Ralph reichts

Pünktlich vor Weihnachten bringt Disney traditionell einen Zeichentrick-/Animationsfilm ins Kino, in dem entweder ein Märchen neu aufgelegt oder eine neue Geschichte für die ganze Familie erzählt wird. Das immer gepaart mit Musicaleinlagen und einem Hauch Magie. Im Grunde ein alljährlicher Vorgang und schon lange ist eine Ankündigung von einem Film aus dem Hause Disney nichts überraschendes mehr. Doch dies sollte sich dieses Jahr ändern. Denn kaum wurde der Trailer von „Ralph reichts“ veröffentlicht, entstand in der Szene ein relativ großer Hype. Doch nicht in der Filmszene, nein, in der Gamingszene brach der Hype aus und der erste Trailer wurde schnell populär. Disney musste sich diesmal gar nicht so richtig um Werbung kümmern, der Film vermarktete sich im Grunde selbst, getragen durch die Community. Dabei sollte man aber nicht außer Acht lassen, dass auch Filmfans auf diesen Hypezug aufspringen sollten, denn „Ralph reichts“ ist ein klassischer Disneyfilm, der irgendwie dann doch anders ist und einen Hauch Revolution im Hause Disney mitbringt. Denn der Mauskonzern geht diesmal einen etwas anderen Weg und beweist Mut, ohne dabei die eigenen Stärken und Besonderheiten zu vergessen. Im Film scheint Ralph zu stinken, doch der Film riecht nach Oscar...



Der gute Ralph, der irgendwie böse sein soll, hat seinen programmierten Mund eindeutig voll. Seit nun genau 30 Jahren muss er den bösen Buben für das Computerspiel „Fix it Felix, Jr.“ spielen. Die Aufgabe von Ralph ist dabei relativ einfach. Er muss auf das Dach des Hochhauses klettern und wild herumtrampeln und -wüten, damit die Fensterscheiben kaputt gehen. Diese muss Fix it Felix, Jr. dann mithilfe seines goldenen Hammers reparieren. Wenn Felix alle Scheiben repariert hat und aufs Dach geklettert ist, bekommt Felix eine Goldmedaille und Ralph wird vom Dach geschmissen. Sind wir mal ehrlich, dieser Job ist nicht wirklich motivierend. Doch Ralph reichts! Ralph kann zwar keine Medaille in seinem Spiel gewinnen, aber vielleicht in einem anderen Videospiel? Vielleicht geht da ja was in dem Spiel „Hero´s Duty“? Hier muss sich der Spieler einen Weg zum Turm freiballern, wo er von Insekten angegriffen wird. Ralph beschließt nun tatsächlich, sich in dieses Spiel einzumischen und gefährdet dadurch die komplette Spielwelt, aber auch andere Spielwelten geraten dadurch ins Chaos...

Das Mäusestudio beweist viel Mut und der Film wirkt unglaublich frech. Dabei ist es ein Segen, dass Disney auch einige namhafte Spiele-Entwickler ans Land ziehen konnte, denn dadurch kommen auch die Gamer voll auf ihre Kosten. So ist es schon lustig, wenn man bei einem Treffen der Anonymen Bösewichte dabei sein darf und sich Bowser oder Street-Fighter-Klopper Zangief ausheulen, weil sie immer nur den Bösewicht spielen dürfen. Man könnte jetzt meinen, in diesem Film wird man mit Anspielungen auf die Gamingwelt regelrecht überschwemmt, doch dem ist nicht so.

Disney scheint Blut geleckt zu haben und nimmt gleich auch noch den Rest aufs Korn. So müssen Oreo-Kekse als Wachpersonal dienen und Mentos darf für den Dauergag mit der Cola nicht fehlen. Auch hier ist es erstaunlich, wie Disney auf Beutefang ging und andere Firmen ausserhalb der Gamingszene für das Projekt dazuholte. Dabei wirkt das alles nie wie nerviges Produkt-Placement. Einmal im Rausch, lässt man es sich auch nicht mehr nehmen, den Star Wars-Einkauf anzuspielen oder die eigene Filmreihe „Tinkerbell“ aufs Korn zu nehmen. Selbst ich als Disney-Fan hätte dem Konzern nicht so viel Offenheit und Selbstironie zugetraut.

Doch die Zocker sollen natürlich nicht zu kurz kommen. Für die lohnt es sich, den Film aufmerksam zu verfolgen, denn dann werden sie mit einigen Fangeschenken belohnt. Viele kleine Details im Hintergrund lassen sich entdecken, wie zum Beispiel ein Promibild von Sonic in einem Resturant. Disney beweist hier Liebe zum Detail, erfüllt die Erwartungen der Zockergemeinde und hält das Versprechen, das in Trailern angedeutet wird. Wenn das Disney-Intro mit Micky Maus auf dem Schiff im 8 Bit-Modus abgespielt wird, kann man schon erahnen, in welche Richtung der Humor gehen wird.



Man bringt die Insider zum Schmunzeln, und Menschen, die mit der Gamingwelt nichts zu tun haben, bleiben ebenfalls nicht auf der Strecke und so ist für jeden etwas dabei. Die vielen Anspielungen auf die Popkultur sind im übrigen kein Zufall, der Regisseur ist in dieser Thematik mehr als geübt. Rich Moore war auch schon für einige Episoden der Serien „Die Simpsons“ und „Futurama“ zuständig. Diese mutige Verpflichtung bringt mit „Ralph reichts“ ein wenig Abwechslung in die Filmografie von Disney. 

Doch ich kann die Disney-Fans unter uns beruhigen. Der Film vergisst die alten Tugenden des Konzerns nicht. Zwar wird nicht gesungen, aber die Disney-Magie ist definitiv vorhanden. Der Film schafft den Spagat zwischen modernen Animationsfilmen, wie man sie von Pixar oder Dreamworks kennt, und dem klassischen Disneyfilm perfekt. „Für jedes Lachen muss es eine Träne geben“, sagte Walt Disney einmal. Auch dieser Film erfüllt diese Aufgabe und auf emotionaler Ebene macht „Ralph reichts“ alles richtig. Irgendwann sieht man Ralph in der bunten Rennspielwelt von „Sugar Rush“, wo er auf Venellope von Schweetz trifft.

Diese vorlaute und leicht nervige Spielfigur hat ein trauriges Schicksal: Durch einen Programmierfehler wurde sie zu einem Glitch und darf nicht an den Rennen teilnehmen. Dieser Teil war für mich völlig überraschend. Denn wer den Trailer gesehen hat, wird mit so einer traurigen Geschichte nicht unbedingt gerechnet haben. Wer hätte gedacht, dass man mit einer Videospielrennfahrerin derart mitfühlen würde? Dieser Teil geht nicht nur ans Videospielerherz und rundet den Film inhaltlich toll ab.

Aus technischer Sicht ist „Ralph reichts“ sehr stark, ohne dabei das Rad neu zu erfinden. Besonders gefallen hat mir aber die Abwechslung der Bilder. Die etwas düsteren Welten von „Hero´s Duty“ stehen im starken Kontrast zu den knallbunten Welten von „Sugar Rush“. Der 3D-Effekt wird, bis auf ein paar Ausnahmen, so gut wie gar nicht ausgenutzt. Lediglich am Anfang spielt man ein wenig mit dieser Technik. Hier sieht man einen ArcadeAutomaten von oben und es sieht wirklich so aus, als würde man davor stehen. Da hätte man wieder mehr rausholen können, aber daran sollte man sich so langsam gewöhnt haben.



Fazit (9):
Viel Liebe zum Detail und eine rührende, aber auch witzige Geschichte machen „Ralph  reichts“ zum besten Animationsfilm des Jahres. Selbst Videospielmuffel sollten sich diesen Film nicht entgehen lassen. So eine freche und moderne Geschichte hätte man eher Pixar zugetraut, doch Disney kann das auch selber und verzichtet dabei nicht auf die alten Werte einer Disney-Produktion. Zudem hat man keine Kosten und Mühen gescheut, gewisse Marken ans Land zu holen und die Rechnung sollte aufgehen. Denn dadurch erreicht man auch die Zielgruppe der Zocker, benutzt das aber nicht nur als Marketing-Gag. Wer Lust hat auf einen kurzweiligen Kinoabend, der sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen! Ich war positiv überrascht, denn selbst als Disney-Fan hatte ich so einen Film nicht unbedingt erwartet. Doch nach „Küss den Frosch“, „Winnie Puhh“ und „Rapunzel, Neu Verföhnt“ bringt Disney den nächsten Klassiker heraus. Das Studio ist endlich wieder auf Kurs.

Autor: Dirk Apitz

Vielen Dank an das Cinestar Leipzig für die Karte zur Vorpremiere von "Ralph reichts"!


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