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  • Roman Dichter

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Das Ende der Videospiel-Revolutionen – Womit können Videospiele uns in Zukunft noch begeistern?

Bewertung:

Von Roman Dichter, Donnerstag, 26. Juli 2012, 15:37

Die Geschichte der
Videospiele
ist eine noch recht junge. Parallel zu anderen Entwicklungen
rund um den Computerbereich prägt sie einen beachtlichen Teil der heutigen
Gesellschaft. Videospiele haben eine enorm schnelle Phase der Weiterentwicklung
durchlebt und Millionen von Menschen damit begeistert.

Aber jetzt scheint eine schwierige Phase zu beginnen – die Weiterentwicklung
scheint zu stagnieren. Und damit besteht die Gefahr, dass es weniger Innovation
gibt und dass viele Videospieler vor großen Enttäuschungen stehen. Und das ist
sehr wahrscheinlich, denn ein großer Teil dessen, was die Begeisterung an
Videospielen ausmacht, ist die Weiterentwicklung!

Damit ihr versteht, was ich genau damit meine, möchte ich
etwas genauer darauf eingehen – und zwar mit Blicken in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Videospiele:


Die Vergangenheit

Die Technik hinter Videospielen hat schon immer viele
Spieler fasziniert. Neue, nie dagewesene Elemente lösten WOW-Erlebnisse aus, die mit sehr positiven Emotionen einhergingen
und sich dauerhaft im Gedächtnis derer einbrannten, die diese Neuerungen miterleben
durften. Nehmen wir zum Beispiel den Beginn der Videospielära: Bildschirme
waren den Menschen schon bekannt, aber dass man mit seinen eigenen Händen dafür sorgen konnte, das sich auf dem
Bildschirm etwas bewegt – Wahnsinn! Das Ganze zu Spielen programmieren –
Genial! Die ersten Spiele waren zwar einfachster Natur, aber sie haben Spaß
gemacht und lösten die Faszination des Neuen aus.

Später gab es immer wieder neue WOW-Erlebnisse, die diese
Faszination am Leben erhielten und dafür sorgten, dass Videospiele-Fans nicht einfach
nur auf neue Spiele warteten, sondern auf neue Systeme, neue Technik, neue
Arten zu spielen. Und immer wieder bekamen sie solche großen, historischen Momente geliefert.

Einige Beispiele:

1. Es wurden Kästen erfunden, die man zu Hause an den Fernseher anschließen konnte. Man musste nicht mehr
an Münzautomaten spielen!

2. Dann kam man auf die Idee, diese Kästen von den Spielen
zu trennen. Also war es plötzlich möglich, einfach die Spiele zu wechseln und mit nur einem „Kasten“ viel Abwechslung zu
haben.

3. Irgendwie haben diese genialen Techniker es dann
geschafft, dem „Kasten“ einen eigenen Bildschirm zu geben und ihn so klein zu
machen, dass man ihn überall mit
hinnehmen
konnte!

Neben diesen grundsätzlichen „Revolutionen“ gab es zusätzlich eine kontinuierliche „Evolution“, die allerdings - wie der gesamte Bereich der Computertechnik
– derart schnell voranschritt, dass sie ebenfalls einen revolutionären
Charakter hatte. Gemeint ist natürlich die technische Entwicklung, die
Rechenpower, die sich auf die realisierbare Grafik und den Sound
auswirkte.

Die Grafik machte einige gewaltige Schritte. Der
Detailreichtum, die Farbdarstellung und schließlich der Schritt in die dritte
Dimension (des Gameplays zu Zeiten von PlayStation und N64) lösten eine Grafikbegeisterung aus, die bis heute
deutlich zu sehen ist. Dabei ging es damals aber nicht nur darum, wie hübsch
das Bild am Ende aussieht, sondern es wurden auch Grenzen des Machbaren überschritten. Mit jeder neuen Konsole gab es
auch neue Möglichkeiten für die Spielehersteller, ihre Ideen zu realisieren.
Immer mehr wurde möglich. Immer mehr Genres entstanden und die Auswahl an
unterschiedlichen Spiele-Erlebnissen für die Spieler wuchs.


Die Gegenwart

Wie zu Beginn geschrieben, sehe ich diese Entwicklung in
einer Stagnation. Nicht, dass sie völlig still stehen würde, aber die Zeit der kontinuierlichen
WOW-Erlebnisse und Revolutionen scheint vorbei zu sein.
Warum? Dafür nenne
ich drei Gründe:

1. Die Genres

Über die Jahre wurden diverse Ideen gefunden, wie man den
Spielern neue Erlebnisse bieten kann. Man realisierte Sportspiele,
Puzzlespiele, Shooter, Karaoke-Spiele… Ihr kennt das ja alles. Aber was bleibt
übrig? Was ist wirklich noch Neu? Ich behaupte, es wäre schon eine ziemliche
Ausnahmeleistung, wenn ein Entwicklerteam es schaffen würde, in den nächsten
Jahren etwas wirklich Neues zu erschaffen. Es ist einfach alles schon da
gewesen. Natürlich bieten neue Spiele immer auch neue Ideen, neue Levels, neue
Variationen – aber im Endeffekt sind es doch immer nur neue Varianten von alten Konzepten. Und weil das so ist, erwarten
wir auch gar keine Gameplay-Revolutionen mehr, wir wollen einfach mehr von dem,
was wir zu lieben gelernt haben. Die Folge ist klar zu sehen, wenn man sich die
Listen von kommenden Spielen anschaut: Fortsetzungen,
Fortsetzungen, Fortsetzungen
. Und wer innerlich dann doch immer wieder auf
ganz neue und frische Ideen hofft, ist dann sogar enttäuscht, wenn fast
gleichzeitig zwei Teile einer extrem beliebten Spielereihe wie „New Super Mario
Bros.“ angekündigt werden.

2. Die Grafik

Zugegeben – grafische Entwicklung findet weiter
kontinuierlich statt, aber sie hat nicht mehr den revolutionären Charakter früherer Zeiten. Während es früher beim Wechsel von
Konsolen-Generationen darum ging, was überhaupt darstell- und machbar war, ist
heute klar: Alles ist machbar. Die grafischen Fortschritte, auch wenn sie
beachtlich sind, bewegen sich letztlich im Bereich der Details. Und dann stellt
sich die Frage: Wie wichtig sind
Verbesserungen in diesen Bereichen überhaupt noch?
Beispiel Super Mario:
Natürlich sind grafische Fortschritte von Super Mario 64 zu Super Mario Galaxy
deutlich erkennbar – aber sind sie wirklich relevant? Für ein Mario Spiel ist
die N64-Variante, zumindest meiner Meinung nach – grafisch auch heue völlig
ausreichend. Natürlich ist es gut, wenn man mit der Zeit geht und möglichst die
beste Grafik aus einem System herausholt, aber ist das wirklich noch ein
Kaufargument? In einem anderen Bereich spielt Grafik noch eine größere Rolle:
Spiele, die versuchen, möglichst
realistisch
auszusehen. Jetzt kommt die provozierende Frage: Wollen wir
solche Spiele überhaupt noch? Die Antwort fällt natürlich unterschiedlich aus,
Geschmäcker sind verschieden. Für mich habe ich aber festgestellt, dass Spiele,
die zu sehr versuchen, realistisch zu sein, mich oft langweilen. So ähnlich
habe ich es schon in einem anderen Blogeintrag geschrieben: Die Realität haben
wir doch draußen, in Spielen wollen wir Phantasie! Aber ich sollte nicht zu
sehr abschweifen und den Fans realistisch aussehender Spiele ihre Freude daran
lassen. Trotzdem bleibt die Erkenntnis: Die Zeit der revolutionären
Grafiksprünge scheint vorbei zu sein, auf mich wirken neue Grafikerlebnisse
derzeit eindeutig wie eine evolutionäre Entwicklung.
In anderen Bereichen hat man den Grafikfokus längst aufgegeben und bringt
Spiele im Retro-Look. Das Ausreizen des grafisch machbaren ist längst nicht
mehr für jeden Entwickler zentral. Insofern ist es eine logische Konsequenz von
Nintendo, jetzt schon in der zweiten Konsolengeneration die grafischen
Möglichkeiten der Konsolen im Vergleich zum aktuell Machbaren stark zu
reduzieren. Nicht wenige Experten erwarten ähnliche Schritte ja auch von den
kommenden Konkurrenzkonsolen.

3. Die Technik

Wie oben schon geschrieben, schränkte die Technik früher das
ein, was überhaupt in Videospielen realisierbar war, entsprechend war jeder
technische Fortschritt bedeutender als heute, weil er die Grenzen verschob. Da
heute praktisch Alles möglich ist, wird versucht, Neuerungen auf anderen Gebieten zu finden. Die Auswahl an solchen „Gebieten“
ist aber nüchtern betrachtet sehr klein. Bei Videospielen sind das die Wahrnehmung (also Grafik und Sound) und
die Interaktion (also wie man Spiele
steuert). Im Wahrnehmungsbereich ist die reine Grafikpower wie geschrieben
nicht mehr so zentral. Im Soundbereich sind aktuell ebenfalls keine bedeutenden
Neuerungen in Sicht. Aktuelle Innovationsansätze sind die Darstellung von 3D-Bildern
(beim 3DS bzw. bei Konsolen in Verbindung mit aktuellen Entwicklungen im
Bereich der Fernsehgeräte) und die Nutzung von zwei Bildschirmen zugleich (DS,
3DS, Wii U). Insgesamt scheint der Bereich „Wahrnehmung“ aber deutlich an
Zugkraft verloren zu haben. Stärker setzt man derzeit auf den Bereich „Interaktion“.
Nintendo hat dies wie so oft als Vorreiter betrieben und mit Steuerungsvarianten
wie Touchscreen (DS) und Bewegungssteuerung (Wii) enorme Erfolge eingefahren, wogegen die Konkurrenz mit ihrem
Grafikfokus von den Verkaufszahlen her nicht viel entgegensetzen konnte. Wir
wissen ja, dass sowohl Microsoft als auch Sony inzwischen nachziehen.

Aber trotz WiiMote, Move, Kinect und des künftigen Wii U
GamePads würde ich auch diesem Trend nicht den Revolutionscharakter
zuschreiben, der früher die Videospielbranche geprägt hat. Zugegeben, für die
Wii-Konsole mit Bewegungssteuerung würde ich das mit Einschränkungen
zurücknehmen. Sie löste damals eine starke Begeisterung aus und motivierte
viele Menschen erstmals zu Spielen. Das Problem: Diese „kleine Revolution“
erwies sich als langfristig nicht praktikabel genug. Für manche Spiele wie Wii
Sports ist Bewegungssteuerung großartig und sicher auch zukünftig sinnvoll,
aber für die große Masse an Spielen ist sie nicht unbedingt sinnvoll. Damit
wird sie sich in einer Nische
etablieren, aber nicht die Zukunft des Spielens prägen
. Ähnlich schätze ich
die Ansätze der Konkurrenz sowie von Wii U ein. Also alles tolle Sachen, aber
wohl keine Revolutionen.


Die Zukunft

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie es weitergehen
kann. Womit kann man Videospieler zukünftig noch begeistern? Kommen weitere
Revolutionen?

Natürlich kann man nicht in die Kristallkugel blicken, aber
das Revolutionspotenzial ist aus heutiger Sicht sehr beschränkt. Im Bereich
Interaktion fragt sich, was jetzt noch kommen kann. Hardwarekomponenten von
Konsolen- und Spieleherstellern wie WiiMote oder Balance Board schafften bisher
immer nur eingeschränkten Erfolg. Für mich ist nur eine Steuerungsvariante
denkbar, die wirklich Revolutionspotenzial hätte: Gedankensteuerung! Ohne Umwege durch das Drücken von Knöpfen oder
Durchführen von Bewegungen das Geschehen im Spiel beeinflussen können – das wäre
sensationell. Forschungen und erste Erfolge in diesem Bereich gibt es bereits,
aber von einer Marktreife in dem Sinne, dass man prinzipiell alle Spiele so
steuern kann, sind wir wohl so weit entfernt, dass es sich nicht lohnt, jetzt
schon ausführlich darüber nachzudenken.

Im Wahrnehmungsbereich ist ebenfalls der nächste
revolutionäre Schritt noch weit entfernt: Die Loslösung von herkömmlichen Bildschirmen. Denkbar wären die
Projektion von Hologrammen, eine neue Art „Virtual Boy“ – also eine „Brille“,
mit der man sich komplett ins Spiel hineinversetzt – oder eine Technik, mit der
die Bilder direkt ins Hirn gesendet werden. Die Zeit wird zeigen, wann solche
Dinge tatsächlich auf uns zukommen. Für die nächsten Jahre sollten wir uns aber
mit einer weniger spektakulären Evolution abfinden.

Wir müssen wohl lernen, unsere Begeisterungsfähigkeit nicht zu sehr an die technischen
Möglichkeiten zu klammern, sondern uns stärker auf die einzelnen Spiele zu konzentrieren. In gewisser Weise ist
die Videospiele-Branche jetzt da angekommen, wo die Film-Branche schon lange
ist. Technisch gibt es natürlich Fortschritte, die 3D, die Bildzahl pro
Sekunde, die Auflösung oder die Bildbreite betreffen. Aber im Grunde ist das
nicht entscheidend. Nach Avatar sind kaum noch Leute ins Kino gegangen, nur
weil ein Film 3D geboten hat. Wichtig ist, dass ein Film gut ist – gute Technik
nimmt man dann gerne mit. Genauso muss bei Spielen das Gameplay stimmen. Die
Zeiten, in denen eine Super-Grafik alleine zu überzeugen vermochte, sind
vorbei.

Die letzte Frage, die ich in den Raum werfen möchte: Was
bedeutet das für Konsolenhersteller? Wie
erfolgreich können neue Konsolen noch sein?
Nintendo versucht es mit neuen
Controller-Varianten, doch was wird ihnen in der nächsten Generation noch
einfallen? Microsoft wird wohl auf Kinect setzen, aber wird das neu genug sein?
Und was ist mit Sony? Haben die noch ein Ass im Ärmel, oder setzen sie auf
Grafik-Power? Wie viele Fans wird das noch mitreißen können? Wann kommt der
Zeitpunkt, an dem die Spieler sagen, dass sie mit der aktuellen Hardware
einfach zufrieden sind und sich ohne
echte Revolution keinen teuren Nachfolger mehr kaufen wollen? (Umfrage dazu )

Wie gesagt – eine Kristallkugel habe ich nicht, aber ich bin
sehr gespannt, wie sich die Branche weiterentwickeln wird. Was meint ihr?
  1. Umfrage dazu

Dieser Artikel wurde bereits 256 mal gelesen.

Tags: Revolution, Videospiele, Zukunft

Kategorien: Die neue Konsolengeneration

Artikel bewerten

Kommentare (2)

  • 2

    Von TristanMueller (Donnerstag, 26. Juli 2012, 18:17)

    Um meine Meinung mal kurz und knapp zusammenzufassen: Früher lag das Hauptaugenmerk in der Videospielbranche darauf, künstlerisch Wertvolles zu schaffen. Heutzutage steht vor allem Kommerz an erster Stelle. Dazu wird das Publikum auch immer anspruchsloser.

    Heute geht es eben vor allem darum, wer die "geilste" Grafik, die brutalsten Cutscenes oder die brachialste Action zu bieten hat. Eine tiefgründige Story, eine einzigartige Atmosphäre oder komplexes Gameplay ist leider kaum noch gefragt.

  • 1

    Von Gingo (Donnerstag, 26. Juli 2012, 17:23)

    Schön formuliert, kriegt 5 Sterne von mir! :nsaf:

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