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Test zu Guitar Hero Live - Wii U

Germany Deutschland: Guitar Hero Live
Plattform
Wii U
Erscheinungsdatum
23.10.2015
Vertrieb
Activision
Entwickler
FreeStyle Games
Genre
Musik
Spieleranzahl
Lokal: 3 - Online: 1
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Unser Test zum Spiel: Guitar Hero Live

Von Dennis Meppiel ()

Als Harmonix Rock Band 4 und Activision Guitar Hero Live ankündigten, fand ich das schon merkwürdig. Warum kündigen beide Entwickler ihre Musikmarken wieder zum fast gleichen Zeitpunkt an? Seltsam, seltsam. Rock Band 4 setzt bekanntlich auf die alten Wurzeln. Man hat die aufwändige Entwicklung von Rock Band 3 zurückgeschraubt und sich am klassischen Gameplay von Rock Band 2 orientiert. FreeStyleGames von Activision jedoch setzen auf Innovation und so kommen sie mit einem völlig neuen Gitarren-Controller und Spielerlebnis daher. Ob die Übersättigung des Genres im Jahr 2010 ein Ende hat und das Prinzip erneut Spaß macht, erfahrt ihr in unserem Test.


In Guitar Hero Live fühlt ihr euch wie ein echter Rockstar. Ihr begeistert die Massen und legt fantastische Shows auf die Bühne.

Eines vorab: Solltet ihr eine große Sammlung an Hardware-Peripherie von vergangenen Guitar Hero-Spielen besitzen, könnt ihr sie ruhig wieder in die Kartons zurückpacken. Während Rock Band 4 nämlich die alten Instrumente unterstützt, funktionieren diese in Guitar Hero Live nicht mehr. Schade. Im Ausgleich wurde jedoch ein völlig neuer Gitarren-Controller entwickelt, der mit sechs in zwei Dreierreihen angeordneten Tasten aufwartet. Bei den ersten Liedern musste ich daher noch stark umdenken, was mir anfangs nicht gerade leicht fiel. Doch nach einer guten halben Stunde und dank des angenehmen Schwierigkeitsgrads war ich dann drin.

Nun mag man jetzt vielleicht denken, dass die fünf bekannten Noten-Highways doch wesentlich schwieriger zu spielen sein müssten als die drei Spuren in Guitar Hero Live. Sobald ihr euch aber für den fortgeschrittenen Schwierigkeitsgrad entscheidet, wird klar, dass ihr das in den alten Teilen erlernte Können von Bord werfen könnt. Aber keine Sorge, die Lernkurve ist angenehm! Die weißen Notenanschläge entsprechen den unteren drei Tasten, die schwarzen Noten hingegen den oberen. Auf den schwereren Schwierigkeitsgraden kann es passieren, dass ihr verschiedene Kombinationen hintereinander greifen müsst. Während ich zu Beginn fast keine Noten traf, merkte ich nach einigen Tagen, dass ich immer besser wurde, was mich stark dazu motivierte weiterzuspielen.

Die Plastik-Klampfe bietet aber noch mehr. So könnt ihr mithilfe einer Taste direkt zu Guitar Hero TV gelangen (dazu später mehr). Neben dem Standard-Anschlagsschalter gibt es noch den Knopf für die Hero-Power, denn wenn ihr eine bestimmte Reihenfolge an Noten erfolgreich getroffen habt, könnt ihr wie in den Guitar Hero-Teilen zuvor euren Multiplikator noch einmal verdoppeln und so mehr Punkte einsacken. Ebenfalls mit dabei ist das Tremolo, welches euch erneut die Noten verzerren lässt und für die passende Rock-Stimmung sorgt. Als alter Hase der Rock Band- und Guitar Hero-Spiele brauchte ich, wie oben bereits geschrieben, eine kurze Zeit, um mich wirklich an das neue Gameplay zu gewöhnen. So fing ich etwa nach einer Stunde damit an, den Schwierigkeitsgrad hochzuschrauben.

Als Spieler einer echten Gitarre war schnell klar, dass die neue Spielweise von Guitar Hero Live wesentlich realitätsgetreuer ausgefallen ist. Was mich am Controller allerdings wirklich stört, ist das kleine Griffbrett. Sobald ich versuche, meinen Mittel- und meinen Zeigefinger in eine Reihe zu bringen, und das bei stetig wechselnden Griffen, fange ich schnell an zu verkrampfen. Das liegt einfach daran, dass die Buttons an sich zu klein sind. Kleinere Hände mit kürzeren Finger haben dabei eventuell weniger Probleme als ich, jedoch erhoffe ich mir von Activision bald eine größere Plastik-Gitarre. Ansonsten ist der Controller sehr gut verarbeitet, auch wenn es mich etwas nervt, dass der Anschlagschalter wieder Klick-Geräusche von sich gibt. Die Bünde sind ebenfalls sehr gut verarbeitet und machen einen hochwertigen Eindruck. Auch nach mehreren Stunden quietscht keiner der Buttons, was bei vorherigen Guitar Hero-Gitarren gerne mal vorgekommen ist.

Kommen wir aber zum Gameplay und Hingucker von Guitar Hero Live. In den vergangenen Teilen war es ja so, dass man neben dem Spielen der Noten der Band zuschauen konnte. Der Live-Modus in Guitar Hero Live hingegen bringt ein völlig neues Spielerlebnis mit. In dieser Karriere seid ihr der Gitarrist und erlebt die Shows aus dessen Ego-Perspektive. Auf über 10 Gigs mit über 40 Songs spielt ihr vor einem großen Publikum und habt dabei das Gefühl, ihr ständet wirklich live auf der Bühne. Die Mittendrin-Szenen wurden dazu in einem Greenroom aufgenommen und danach überarbeitet. So ist zwar nur das Publikum in den ersten Reihen echt, jedoch wurde der Hintergrund für tolles Konzert-Feeling überarbeitet. Der Funke springt auf jeden Fall über und das Spiel gibt einem wirklich das Gefühl, dabei zu sein.

Die Musiker sind ebenfalls real und schauen euch völlig begeistert an, wenn ihr alle Noten trefft. Sobald ihr aber Teile eines Songs verhaut, verändert sich gerne mal die Laune und so kann es passieren, dass euch das Publikum mit Flaschen oder Plastik-Bechern bewirft. Eure Mitmusiker sind dann ebenfalls nicht begeistert und werfen euch böse Blicke zu. Auf den höheren Schwierigkeitsgraden konzentriert man sich jedoch eher auf den Noten-Highway und hat leider wenig Zeit, das Publikum näher zu betrachten. Sehr schade: ihr könnt nicht scheitern – auch wenn ihr keine einzige Note spielt. Es gibt beispielsweise keinen Sänger, der den Song abbricht, nur die Punktzahl leidet darunter. Wieso hat man keine Szenen eingebaut, in denen man für das totale Scheitern ausgebuht wird? Ob hier der Mehraufwand vergessen oder eingespart wurde, kann zwar keiner beantworten, aber man hätte sich eine Lösung einfallen lassen können.

Auf jedem Gig ist eine andere Band vertreten. So gibt es ein Konzert, auf dem unter anderem Folkrock mit beispielsweise „I will wait“ von Mumford & Sons auf einer kleineren Bühne gespielt wird. Dementsprechend ist die Band dann auch besetzt. Bei einer Show bestehend aus Songs von Avril Lavigne, Katy Perry und Rihanna befindet ihr euch in einer Frauenband. Die Entwickler und kreativen Köpfe haben sich für Guitar Hero Live also einige Gedanken darüber gemacht, wie man Lieder und Bands passend zusammenführt. Die Darsteller machen dabei einen sehr guten Job und bringen das Konzert-Gefühl schön rüber. Ich habe außerdem darauf geachtet, ob die Lippensynchronität und die Drum-Schläge stimmen. Ergebnis: Bei keinem Song wird Mist gespielt, die Musiker spielen sie allesamt tatsächlich nach.


Ihr steht zusammen mit anderen Musikern auf der Bühne. Sie reagieren genauso wie die Fans auf eure Performance.

Als ein größeres Publikum nach mir schrie, musste ich schon mal grinsen. So ein Gefühl habe ich bei Rock Band noch nie gehabt. Und als Blink-182-Fan ist mit The Rock Show für mich ein Titel dabei, der besonders rockt. F#@! yeah! Aber auch wenn das Spielprinzip Spaß macht, nach drei bis vier Stunden habt ihr die Karriere bereits durchgespielt und daran anschließend Zugriff auf alle Songs im „Schnelles Spielen“-Modus. Darin könnt ihr noch zusätzlich ein Mikrofon anschließen und zu den Liedern singen. Skeptisch macht mich nur, dass Activision wohl keine weiteren Songs für den Live-Modus anbieten wird. Kein Wunder, man müsste die Szenen komplett neu aufnehmen. Und ob sich dieser Aufwand lohnt, kann sich wohl jeder selbst beantworten. Doch um das zu umgehen, hat Activision mit einem zweiten großen Modus vorgesorgt: dem Guitar Hero TV-Modus.

Hierbei handelt es sich um einen Streaming-Dienst, der rund um die Uhr ein wechselndes Themenprogramm von Sendungen zwischen 30 Minuten und 2 Stunden anbietet. Derzeit gibt es zwei Kanäle, ein dritter sollte bald folgen. Momentan stehen über 200 Songs zur Verfügung, die aus allen möglichen Genres stammen. Hier wurde sich ordentlich darum bemüht, fast jedes Musik-Genre zu bedienen. Aber wenn wir schon bei den Songs sind: Die Musik setzt zwar größtenteils auf Rock in seinen verschiedenen Ausprägungen, doch auch der Mainstream ist inzwischen angekommen, wie beispielsweise die erwähnte Rihanna. So möchte man wohl die Zielgruppe erweitern. Während des Spielens empfand ich das aber nicht als schlimm, denn rockig bleibt Guitar Hero Live trotzdem.

Im TV-Modus wählt man sich in einen Kanal ein und es geht umgehend los. Im Hintergrund wird das dazugehörige Musikvideo abgespielt und ihr müsst eben passend dazu die Noten treffen. Sollte eure Internet-Verbindung teilweise nicht mitmachen wollen, wird das Video ausgeblendet und der Ton und die Noten-Highway bleiben euch erhalten. So wird Flexibilität gewährt und der Spielfluss nicht unterbrochen. Während des Songs könnt ihr links im Bild eine Online-Rangliste mit eurer Platzierung verfolgen. Je besser ihr seid, desto mehr Statuspunkte und Münzen erhaltet ihr am Ende. Ist die Abrechnung erfolgt, spielt ihr direkt den nächsten zufällig ausgewählten Song. Oder ihr wechselt den Kanal und spielt einen anderen Song in einem anderen Musikstil, der dort gerade läuft.

Die Statuspunkte sorgen dafür, dass ihr Stufen aufsteigt und neue Heldenkräfte freischaltet. Diese Heldenkräfte könnt ihr während der Songs verwenden. So sprengt ihr die kommenden Noten auf dem Highway einfach weg oder senkt kurzzeitig den Schwierigkeitsgrad. Die Münzen gebt ihr im internen Shop aus, zum Beispiel für Kartenbilder, die in der Rangliste angezeigt werden. Wer auf Tapetenwechsel steht, kann so auch neue Noten-Highways freischalten. Die Spielwährung ist aber auch dafür wichtig, sich Wertmarken zu holen, die ihr für einzelne Songs verwenden könnt. So habt ihr auf den vorgegebenen Kanälen keinen Einfluss darauf, welches Lied gerade gespielt wird und was als nächstes kommt. Es könnte daher durchaus passieren, dass euch ein Song dreimal innerhalb einer Stunde begegnet, was natürlich schnell für Unmut sorgen kann. Aus diesem Grund lassen sich Songs mit diesen Wertmarken einmalig zum gewünschten Zeitpunkt spielen. Um also euer Lieblingslied spielen zu können, müsst ihr eventuell erst einmal in die Kanäle schalten und zocken, was euch gerade geboten wird.

Während ich nun sehr flexibel bin, wenn es um den Musikgeschmack geht, da ich gerne viele Genres höre, könnte das bei euch anders sein. Dann könntet ihr euch beispielsweise von Amy Whinehouse oder Pink genervt fühlen und schnell an eine Geduldsgrenze stoßen. Ihr bekommt zwar im Tutorial zehn Wertmarken geschenkt, doch sobald ihr damit anfangt, eure Setliste aufzubauen oder Abende mit Freunden und Guitar Hero Live zu verbringen, gehen die Wertmarken schneller verloren als ihr ihnen hinterhertrauern könnt. Und dann müsst ihr mindestens vier bis fünf Songs im TV-Modus spielen, um eine weitere Marke freizuschalten. Es dauert also etwas, bis man seinen geliebten Song spielen kann.

Und hier kommt der optionale Einsatz von Hero Coins ins Spiel. Dabei handelt es sich um eine versteckte Microtransactions-Funktion, in der ihr echtes Geld in diese Sonderwährung investiert. 900 Hero Coins kosten 2,99 €. Das sind knapp 15 Cent pro EINMALIG gespieltem Song. Ihr kauft den Song also nicht, sondern könnt ihn nur EINMAL spielen! Solch ein System ist zumindest fragwürdig. Activision bietet für Party-Abende immerhin einen unbegrenzten 24-Stunden-Zugriff an, der knapp 6 Euro kostet. Ich kann ja gut verstehen, dass Activision versucht Einnahmen zu generieren. Immerhin müssen auch die Serverkosten bezahlt werden. Aber warum kann man Songs nicht wahlweise auch dauerhaft kaufen?

Ich bin kein Freund von Microtransactions und finde, in Guitar Hero Live hat man es etwas übertrieben. Wenn ihr im späteren Spielverlauf die Premium Shows freischaltet, werdet ihr zum Spielen dieser ebenfalls dazu gezwungen, Wertmarken oder Hero Coins einzusetzen. In diesen Premium Shows lassen sich dann für einen bestimmten Zeitraum spezielle Belohnungen wie Visitenkarten oder andere Boni freispielen. Momentan bin ich froh darüber, dass ich alle Songs mag, die auf den Kanälen laufen, aber es gibt natürlich auch Spieler, bei denen das nicht so ist und die sich diesen Modus etwas anders vorgestellt haben. Wie sehr euch das stören würde, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Redaktionswertung

8

Cooles Spiel

So werten wir

Unser Fazit zu Guitar Hero Live

Meinung von Dennis Meppiel
Auch wenn die alte Hardware nicht mehr eingesetzt werden kann und man auf der Microtransactions-Schiene fährt, hat Activision mit Guitar Hero Live einiges richtig gemacht. Die Gitarre und der Live-Modus tragen einiges an Frische bei und sorgen dafür, dass sich das Spiel wesentlich runder spielt als noch vor fünf Jahren. Allerdings gibt es da die beschriebenen Kritikpunkte sowohl im Live- als auch im TV-Modus, doch sollte Activision Mut zeigen und diese beheben, hat Guitar Hero Live noch mehr Potenzial vorzuweisen. Plant doch also bitte für Teil 2 mehr Inhalt, weniger Microtransactions und einen richtigen Song-Shop ein! Bis dahin werde ich weiterhin mit viel Spaß den Guitar Hero TV-Modus spielen und hoffen, dass weitere Kanäle mit neuen Songs erscheinen. Wenn ihr wieder Lust darauf habt, mit einer Plastik-Klampfe ordentlich abzurocken, solltet ihr euch Guitar Hero Live trotz aller Kritik zulegen. Im Wii U-Ableger fehlt auch keinerlei Inhalt.

Kommentare 5

  • SAM - 03.11.2015 - 16:12

    Ich hab mal wieder richtig bock auf ein Guitar Hero, wollte mir aber nächstes Jahr auch mal ne echte E Gittare kaufen. Gut geschriebener Test der mich jetzt dazu bewegen wird das Game zu kaufen, obwohl ich es mir verkneifen wollte ;)
  • Xanoxy - 03.11.2015 - 16:57

    Hört sich echt gut an, vielleicht dann zu Weihnachten...
  • StMaster3000 - 03.11.2015 - 17:55

    Trauriger Wahrheit, dass so ein letzter Satz nötig ist.
  • Tisteg80 - 03.11.2015 - 19:13

    Ich habe auch schon mit dem Kauf geliebäugelt. Aber was bleibt einem bei diesem Spiel auf Dauer? Wenn irgendwann mal die Server offline gehen, hat man nur noch den Einzelspieler-Content auf der Disc. Irgendwie ist das deutlich zu wenig, um 80 € zu rechtfertigen. Denn wie man so liest sind die Songs der Kampagne nur okay.
  • toratio - 03.11.2015 - 21:06

    @Tisteg80: Die Songs sind nur ok? Das ist doch aber alles eine Frage des Geschmacks. Ich muss ehrlich sagen, ich hatte bisher jeden Teil von Guitar Hero und mir haben nie alle Songs von Vornherein zugesagt. Ja, generell würde ich behaupten, dass ich die meisten Songs erst lieben gelernt habe, als ich das Spiel gespielt hatte. Ansonsten hätte ich mir davon 90% nie gegeben. Heute ist "Lazy Eye" von den Silversun Pickups (GH World Tour) eines meiner Lieblingssongs und die Band sogar eine meiner Lieblingsbands. Das finde ich an einem Guitar Hero so gut. Ich kannte sehr viele Songs im Voraus nicht, aber über 90% der Auswahl in der Karriere gefallen mir mittlerweile. Nur weil ich das Spiel einfach gespielt habe.
    GH Live spiele ich seit Kurzem auf PS4 und bin da noch nicht allzu weit. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich auch hier die ein oder andere Perle finde, obwohl mir die Tracklist beim bloßen Anschauen mit weniger als 10% zusagt :D

    Ich muss dazu sagen, ich habe ebenfalls Rocksmith und Rocksmith 2014 am PC und dachte, ich brauche nie wieder Guitar Hero. Deswegen hatte ich die gesamte Sammlung verkauft. Heute beiße ich mir dafür in den Allerwertesten. GH ist nicht Rocksmith und Rocksmith ersetzt für mich auch kein Guitar Hero.
    Ein geiles Spiel :thumbsup: