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Test zu Human Resource Machine - Wii U

Germany Deutschland: Human Resource Machine
Plattform
Wii U
Erscheinungsdatum
03.12.2015
Vertrieb
Tomorrow Corporation
Entwickler
Tomorrow Corporation
Genre
Puzzle
Spieleranzahl
Lokal: 1 - Online: 0
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Unser Test zum Spiel: Human Resource Machine

Von Roman Dichter ()

Hätte man mich noch vor kurzem gefragt, ob ich ein Spiel, das Elemente des Programmierens beinhaltet, nicht nur spielen, sondern auch testen möchte, dann hätte ich mich wahrscheinlich zitternd unter der Bettdecke versteckt. Ich habe nämlich keinerlei Erfahrung darin und zugleich großen Respekt davor. Als ein solches Spiel aber ausgerechnet von Tomorrow Corporation angekündigt wurde, den Machern von Little Inferno, wurde daraus in Sekundenbruchteilen ein Pflichtkauf für mich. Lest also im Folgenden, wie ein blutiger Anfänger wie ich mit den teilweise komplexen Herausforderungen eines solchen Puzzle-Spiels zurechtkommt.


In den ersten Arbeitsjahren ist es noch einfach: Nehmt Zahlen und Buchstaben aus der Inbox und legt sie in die Outbox.

Zu Beginn sucht ihr euch einen Charakter aus, der Angestellter einer Firma ist. Zunächst sind diese Mädels und Jungs recht kindlich in der Gestalt, altern aber im Verlauf des Spiels deutlich. Kein Wunder – jedes Level repräsentiert ein ganzes Arbeitsjahr. Eure Aufgabe ist es jetzt, den Angestellten arbeiten zu lassen. Allerdings sind eure Vorgesetzten auf totale Optimierung aus, darum sollen die Arbeitsprozesse effektiv und automatisiert ablaufen. Ihr erhaltet also eine Reihe von möglichen Befehlen, die ihr dem Arbeiter auftragen könnt. Ihr ordnet nun diese Befehle in einer Kette so an, dass er sie nur stumpf nacheinander ausführen muss, um die Aufgaben fast wie ein Computer erfolgreich zu erledigen.

Die Grundstruktur ist immer gleich: Am Arbeitsplatz befinden sich zwei Fließbänder. Aus der Inbox kommt eine Reihe von Zahlen oder Buchstaben. Diese sollen auf das zweite Fließband – die Outbox – gelegt werden. Das wäre natürlich noch nicht allzu schwer, darum gibt es zusätzlich ganz spezielle Herausforderungen zu absolvieren. Beispielsweise sollt ihr die Reihenfolge umdrehen, Zahlen multiplizieren oder die Zahlen der Größe nach ordnen. Nicht selten haben diese Aufgaben meinen Kopf zum Rauchen gebracht. Ihr müsst bedenken, dass ihr nicht einfach die Zahlen und Buchstaben schnappen und sortieren könnt. Ihr gebt nur allgemeine Befehle vor, die der Angestellte ausführt.

Die Herausforderung liegt auch gerade darin, dass die Anzahl der Befehle sehr begrenzt ist: Mit „inbox“ schnappt ihr euch eine Zahl, „outbox“ legt sie auf das Ziel-Fließband. Auf dem Boden könnt ihr Kopien ablegen und sozusagen zwischenspeichern. Dafür gibt es die Befehle „copyfrom“ und „copyto“. Nach und nach wird die Befehlspalette erweitert, was die Komplexität der Aufgaben deutlich erhöht. So könnt ihr zwei Zahlen mit „add“ bzw. „sub“ addieren oder subtrahieren. Wenn ihr „bump+“ einsetzt, wird 1 zur Zahl hinzu addiert, entsprechendes geschieht bei „bump-“, dann wird die Zahl um 1 kleiner.

Zuletzt gibt es noch drei „jump“-Befehle in Human Resource Machine. Damit könnt ihr festlegen, dass nun nicht einfach der nächste Befehl in der Reihe ausgeführt wird, sondern zu einer anderen Stelle im Code gesprungen werden soll. Der allgemeine „jump“ ist beispielsweise wichtig, wenn ihr am Ende angekommen seid und es wieder von vorne beginnen soll – es soll ja automatisiert weiterlaufen, solange Nachschub aus der Inbox kommt. Zudem gibt es Sprünge, die nur ausgeführt werden, wenn der Wert einer Zahl Null ist („jump if zero“) oder wenn es sich um eine negative Zahl handelt („jump if negative“). Auf die Gefahr hin, euch zu langweilen, habe ich jetzt bewusst sämtliche möglichen Befehle aufgezählt, um zu verdeutlichen, wie beschränkt eure Handlungsmöglichkeiten sind.


Die Befehlsketten werden später deutlich komplexer! Hier werden Zahlen mithilfe von Additions-Befehlen multipliziert.

Jetzt möchte ich euch noch deutlicher machen, was auf euch zukommt. Dafür erkläre ich den Ablauf anhand eines konkreten Beispiels. Damit wird leider auch ein Level gespoilert. Entscheidet also selbst: Wer es nicht wissen möchte, springt zum übernächsten Absatz (nennen wir den Befehl „jump if -spoilers“). Wer das Gameplay besser verstehen möchte, liest weiter: In einem Level soll euer Arbeiter zwei Zahlen aus der Inbox multiplizieren und das Ergebnis in die Outbox legen. Ihr habt richtig gelesen – ihr sollt multiplizieren! Das bedeutet, dass ihr euch zunächst ganz grundsätzliche Gedanken darüber machen müsst, wie man das anstellen kann, obwohl es nur Befehle für Addition und Subtraktion gibt! Ein gewisses mathematisches Grundverständnis ist also Pflicht, wenn ihr Spaß am Spiel haben wollt. Wer sich daran erinnert, dass es einen Zusammenhang zwischen Addition und Multiplikation gibt, ist der richtigen Lösung auf der Spur. Ihr legt also zwei Zahlen auf dem Boden ab.

Wenn die Aufgabe beispielsweise 3 mal 2 lautet, dann kann man das ja auch als 2+2+2 beschreiben. Also gebt ihr den Befehl, eine Zahl zu kopieren und zu sich selbst zu addieren. In diesem Beispiel hättet ihr dann schon 2+2=4 gerechnet. Ein weiteres mal 2 addieren und fertig? Nein! Denkt daran: Ihr müsst einen allgemeinen Code verfassen, der auch für alle anderen Zahlen funktioniert. Also lautet der nächste (genau genommen der vorherige) Befehl, von der anderen Zahl 1 abzuziehen. So wird aus der 3 eine 2. Mit dem „jump“-Befehl wird dieser Vorgang immer wieder wiederholt. So wird die 2 in der nächsten Runde zur 1 reduziert. Zur 4 wird dann ein weiteres Mal 2 addiert (wir erhalten 6). Jetzt müssen wir noch dafür sorgen, dass es nicht endlos weiterläuft, denn die Mathe-Genies unter euch werden bemerkt haben, dass wir mit der Zahl 6 bereits das richtige Ergebnis erzielt haben. Wir legen also fest, dass bei der nächsten „bump-“-Runde, wenn aus der 1 eine 0 wird, der „jump if zero“-Befehl zum Tragen kommt. Auf diese Weise verlasst ihr den Befehls-Kreislauf und ordnet an, dass im Folgenden die Zahl 6 in die Outbox gelegt wird und das Spiel für die nächsten Zahlen von vorn beginnt.

Wie sieht es nun allgemein mit dem Schwierigkeitsgrad aus? Das ist kaum eindeutig zu beantworten. Wer mathematisch begabt ist, logisches Denken zu seinen Stärken zählt oder vielleicht schon selbst Erfahrung mit dem Programmieren hat, wird es sicherlich leichter haben. Wer sich dagegen in dieser Beschreibung überhaupt nicht wiederfinden sollte und auch nicht sonderlich motiviert ist, daran etwas zu ändern, macht wohl lieber einen großen Bogen um Human Resource Machine. Andererseits kann das Spiel auch für die nötige Motivation sorgen, wie ich in der Einleitung schon angedeutet habe. Programmieren kann ich nicht, ein Mathe-Genie bin ich ebenfalls nicht, aber logisches Denken ist nicht mein Problem und mathematische Grundkenntnisse besitze ich ebenfalls. Mit diesen Voraussetzungen habe ich das Spiel durchspielen können – ohne zu schummeln! Allerdings hatte ich an einigen Levels deutlich über eine Stunde lang zu tüfteln.


Der Chef hat nicht nur Tipps für euch parat, sondern erklärt euch auch, warum er selbst nicht gut in Mathe ist...

Das Tüfteln und Optimieren gehört dabei zum Konzept. Wenn eure Befehlskette nicht funktioniert, stoppt euer Arbeiter und es kommt ein kurzer Hinweis vom Chef, warum es nicht weitergeht. Dann könnt ihr Schritt für Schritt vor- und zurückgehen, um in aller Ruhe nachvollziehen zu können, wo es hakt, und zum Feintuning überzugehen. Wenn ihr auf dem Schlauch steht, gibt es leider kaum Hilfen; der Chef hat nur wenige Hinweise für euch. Hilfreich sind manchmal Beispiele, was bei einer bestimmten Inbox für die Outbox erwartet wird. Ich bin aber auch verwundert, dass ich es bis zum Spielende geschafft habe, ohne externe Hilfen zu holen. Das ist wohl auch eine Qualität von Human Resource Machine: Es motiviert zum Ausprobieren – und selbst wenn im ersten Moment ein großes Fragezeichen über dem Kopf schwebt, kann man mit Ruhe und Logik doch auf die Lösung kommen.

Dabei gibt es nicht immer nur eine einzige! Verschiedene Wege können zum Ziel führen. Wichtig ist, dass ihr stets allgemeine Lösungen findet und nicht konkrete. Das bedeutet: Eine Befehlskette kann für einen bestimmten Inbox-Inhalt funktionieren, aber wenn er nicht für eine beliebige andere Zahlen- oder Buchstabenfolge funktioniert, dann wird sie nicht akzeptiert. Ist aber schließlich eine Lösung gefunden, dann dürft ihr zum nächsten Level voranschreiten. Die meisten Herausforderungen der insgesamt 41 „Arbeitsjahre“ sind Pflicht – ihr müsst also eine Lösung finden, um nicht festzustecken. Wer es zum Ziel geschafft hat, kann neben einigen optionalen Levels auch die schon bestandenen optimieren. Bei der Größenoptimierung versucht ihr, möglichst wenig Befehle zu benutzen. Die Laufzeitoptimierung beschreibt die durchschnittliche Anzahl der Schritte, die euer Arbeiter ausführen muss. Eure erreichten Werte könnt ihr nach Abschluss eines Levels einsehen. Zum Vergleich werden erwünschte Werte als Verbesserungsziele angegeben. Für Langzeitmotivation ist also gesorgt.

Kommen wir zur Präsentation, die mein Herz ohne Umwege erobern konnte. World of Goo (WiiWare) und Little Inferno (Wii U eShop) lassen grüßen! Der einzigartige, liebenswerte, auch etwas abgedrehte und düstere Grafik-Stil weiß auch in Human Resource Machine voll zu überzeugen. Perfekt unterstützt wird er von der musikalischen Untermalung. Dabei muss man unterscheiden: Während des Spiels selbst läuft eine dezente Hintergrundmusik. Da man allerdings hochkonzentriert mit dem „Programmieren“ der Arbeiter beschäftigt ist, kann es manchmal sogar angenehmer sein, die Musik abzuschalten – das geht auch sehr praktisch direkt auf dem Touchscreen. Die Titelmelodie dagegen ist fantastisch! Sie packt mich so sehr, dass ich bei jedem Starten des Spiels einfach für ein paar Minuten den Titel-Screen anstarre und etwa 10 bis 20 Durchgängen der musikalischen Endlosschleife lausche, bevor ich mit dem eigentlichen Spiel beginne – hört unbedingt mal rein!

Der kreative, verrückte Stil lässt sich auch in der Story wiederfinden. Leider ist sie nicht sehr umfangreich ausgefallen. Im letzten Titel von Tomorrow Corporation, Little Inferno, war ich begeistert, als nach gelegentlichen Story-Häppchen das beeindruckende Finale eine ganz andere Dynamik ins Spiel brachte. In Human Resource Machine bleibt es bei den Häppchen, die allerdings neben Humor auch kritische Anspielungen beinhalten. Es ist schon ziemlich brillant, wie Automatisierung und Optimierungsprozesse in der Arbeitswelt und der Vormarsch der Technisierung auf der einen Seite als faszinierend, andererseits als bedenklich dargestellt werden. Im Grunde werden einfach die Widersprüche der realen Welt aufgegriffen: Computer – Fluch oder Segen?


In kurzen Zwischensequenzen könnt ihr euch auf abgedrehten Humor und den bekannt liebenswerten Zeichenstil freuen.

Redaktionswertung

8

Cooles Spiel

So werten wir

Unser Fazit zu Human Resource Machine

Meinung von Roman Dichter
Euer Spaß an Human Resource Machine steht und fällt mit eurer Begabung für Mathematik und logisches Denken. Wer damit auf Kriegsfuß steht, sollte lieber Abstand halten, denn einige Grundlagen des Programmierens sind zentrale Gameplay-Elemente, die zu einem herausfordernden Puzzle-Spiel gewandelt wurden. Wer damit keine Probleme hat, wird diesen Titel wahrscheinlich lieben! Lange war ich nicht mehr so stolz auf mich selbst, weil ich ein Spiel gemeistert habe! Als jemand, der keinerlei Programmier-Erfahrung hat, bin ich begeistert davon, auf spielerische Weise so etwas wie erste Einblicke darin zu erhalten. Wie einfach es für Profi-Programmierer ist, kann ich dagegen kaum beurteilen. Allerdings verweise ich auf das Zusatzfazit von Niels, dem das Programmieren im Gegensatz zu mir nicht fremd ist. Jedenfalls besteht die Herausforderung darin, dass man die Aufgaben mit einem sehr begrenzten Portfolio an Befehlen meistern muss. Zudem bietet die Optimierung eurer Codes weiterführende Herausforderungen. Zusätzlich gibt es eine tolle Titelmusik, einen abgedrehten Grafik-Stil wie bei Little Inferno und eine coole Story, die mit etwas Gesellschaftskritik gewürzt, aber leider sehr knapp ausgefallen ist. Wer sich also von knackigen Denksport-Aufgaben nicht abhalten lässt, sondern die Herausforderung liebt, sollte unbedingt zuschlagen!
Meinung von Niels Uphaus
Mit Human Resource Machine hat Tomorrow Corporation ein wirklich interessantes Spiel geschaffen. Für viele ist das Programmieren ein Buch mit sieben Siegeln. Der Wii U eShop-Titel hat die Logik hinter Sprachen wie Java allerdings so weit vereinfacht, dass auch der normale Mensch Dinge und Funktionen wie Schleifen und ähnliches versteht. Programmierer werden jedoch erst in späteren Levels wirklich gefordert. Da der Titel in seiner Art aber so einzigartig ist, kann er Spieler und Programmierer vereinen.

Kommentare 4

  • Alphatac - 12.12.2015 - 18:01

    Da ich Tomorrow Corporation sehr gern unterstützen würde, so gibt's aktuell sau viel im eShop das ne höhere Priorität hat. Vielleicht ja auch neue Smash Kämpfer. Aber nächstes Jahr bestimmt. Guter Test!
  • tuk - 12.12.2015 - 18:51

    Wird spätestens zu Weihnachten geholt! Tomorrow Corp hat mit den vergangenen Spielen Klasse bewiesen, von daher mach ich mir um die Qualität des Spiels keine Sorgen!
  • Tisteg80 - 12.12.2015 - 20:14

    Danke für den Test!

    Kommt zu Terraria für 3DS auch noch einer? Es gibt offenbar noch keinen einzigen im Netz. Dabei wäre es doch so interessant zu wissen, wie sich der Titel auf Nintendos Handheld so schlägt.
  • WiiandU - 14.12.2015 - 12:44

    Das liest sich richtig toll!
    Mal wieder ein "out of the box"-Spiel von den Erfindern des digitalen, heimischen Kamins.