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Test zu YO-KAI WATCH - Nintendo 3DS

Germany Deutschland: YO-KAI WATCH
Plattform
Nintendo 3DS
Erscheinungsdatum
29.04.2016
Vertrieb
Nintendo
Entwickler
Level-5
Genre
RPG
Spieleranzahl
Lokal: 2 - Online: 0
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Unser Test zum Spiel: YO-KAI WATCH

Von Kevin Maßmann ()
Kennt ihr auch diese Tage, an denen selbst die einfachsten Handgriffe nicht so sitzen, wie ihr es euch vorstellt? Ihr verpasst etwa den Bus, obwohl ihr euch mehr als sicher wart, dass ihr es pünktlich schaffen werdet? Ist euch schon wieder euer Smartphone mit der Frontseite nach vorn auf den Boden gefallen? Mir persönlich hat letztens in der Bibliothek ständig mein Magen geknurrt, was man vermutlich bis zum anderen Ende des Saals hören konnte. Lange habe ich überlegt, worin die Ursache dieser peinlichen Situation liegen könnte. Habe ich mich falsch ernährt? Sollte ich mehr Sport machen? Doch mittlerweile bin ich mir sicher: Da hatten Yo-kai ihre Finger im Spiel!


YO-KAI WATCH ist in vielerlei Hinsicht ein klassisches RPG. Schauplatz ist die Großstadt Lenzhausen.
 
Die mysteriösen Yo-kai sind unsichtbare Wesen, die sich direkt vor unserer Nase überall um uns herum aufhalten. Es gibt weit mehr als 200 verschiedene Arten, welche sich in ihrem Aussehen und ihren Fähigkeiten unterscheiden. Doch eines haben fast alle Yo-kai gemeinsam: Sie haben nichts als Unsinn im Kopf und sind „die“ Troublemaker des neuesten Rollenspiels aus dem Hause Level 5. Meist sind es die Yo-kai, die dafür verantwortlich sind, dass euch oder eurem Umfeld etwas Unglückliches, Merkwürdiges oder Tollpatschiges passiert. 
 
Ganz zu Beginn eures Abenteuers entscheidet ihr euch zunächst, ob ihr die Kontrolle des männlichen oder weiblichen Protagonisten übernehmen wollt. Anschließend findet ihr euch mit eurer Clique auf dem örtlichen Spielplatz in Lenzhausen, dem Schauplatz eures Abenteuers, wieder. Nach einem verbalen Schlagabtausch verschlägt es euch auf den Waldberg, um mit einem Fangnetz ein paar Käfer zu fangen. Dabei werdet ihr auf einen alten Automaten aufmerksam, welcher euch eine Kugel auswirft. Der Inhalt: Die Yo-kai Watch!
 
Die Yo-kai Watch verleiht ihrem Träger mehrere Funktionen. Durch die Yo-kai Linse könnt ihr zunächst alle Yo-kai in eurer Umgebung sehen und diese ausfindig machen. Der Yo-kai Radar eurer Uhr schlägt zudem aus, wenn ihr euch einem versteckten Yo-kai nähert. Weiterhin könnt ihr verschiedene Yo-kai Medaillen in eure Watch schieben, um die zugehörigen Yo-kai zu Hilfe zu rufen. Die Yo-kai Watch verändert das Leben des Protagonisten schlagartig. Dies liegt auch an Whisper, einem geistartigen Yo-kai, welcher sich euch noch im Wald anschließt und fortan mit klugen (und nicht so klugen) Ratschlägen zur Seite steht. 
 
Offensichtlich nimmt der Kampf- und Sammel-Aspekt in YO-KAI WATCH eine zentrale Rolle ein. Freundet ihr euch als Träger der Uhr mit einem Yo-kai an, so erhaltet ihr die zugehörige Medaille. Schiebt ihr die glänzende Medaille zu einem späteren Zeitpunkt in eure Uhr, eilt sein Yo-kai herbei und hilft euch. Medaillen werden in eurem Medaillium verwaltet und verschaffen euch notwendige Informationen zu ihrem Ebenbild. Yo-kai können sich überall befinden: Unter Autos, in Mülleimern oder auch im Gewässer. Schlägt euer Radar aus, wechselt ihr am besten umgehend in den Such-Modus, um den Yo-kai aufzuspüren. Anschließend wechselt ihr in den durchaus innovativen Kampf-Modus des Spiels.
 
Das Kampfsystem umfasst sowohl aktive als auch passive Elemente und setzt beide Bildschirme eures Handhelds ein. Grundsätzlich kämpft ihr mit sechs Yo-Kai zur gleichen Zeit, wobei diese in zwei Gruppen aufgeteilt sind. Die vorderen drei Yo-kai kämpfen aktiv gegen gegnerische Yo-kai, während die anderen drei als Reservebank bezeichnet werden können. Ihr könnt die aktiven Yo-kai zu jeder Zeit wechseln, indem ihr die Drehscheibe auf dem unteren Screen bedient. Die aktiven Yo-kai greifen in regelmäßigen Abständen automatisch ihre Kontrahenten an. Auch hier könnt ihr jedoch aktiv auf das Kampfgeschehen eingreifen, indem ihr Ultiseelschläge ausführt.
 
Jeder Yo-kai verfügt über einen individuellen Ultiseelschlag. Diese Angriffe sind besonders mächtig, können jedoch nur bei aufgeladener Seelanzeige eingesetzt werden. Setzt ihr den Ultiseelschlag eines Yo-kai ein, startet eines von drei kurzweiligen Minispielen auf dem unteren Bildschirm. Schließt ihr dies erfolgreich ab, setzt der Yo-kai seinen Ultiseelschlag ein. Sind die Seelanzeigen eurer aktiven Yo-kai gerade einmal leer, empfiehlt es sich, die Drehscheibe zu betätigen und „frische Kräfte“ ins Spiel zu bringen. Über den unteren Bildschirm lassen sich auch andere Kampfkommandos auswählen, etwa das Anvisieren von bestimmten Gegnern (oder Körperstellen) sowie das Einsetzen von Items. 
 
Es lässt sich festhalten, dass das Kampfsystem durchaus innovativ ist und zudem mehr Tiefe mit sich bringt, als es zunächst den Anschein macht. Ihr könnt eure Kampfstrategien auf verschiedene Arten verfeinern, um noch effektiver zu agieren. Positioniert beispielsweise mehrere Yo-kai desselben Stammes auf der Drehscheibe nebeneinander, um durch Synergieeffekte Kampf-Boni zu erzielen. Auch kann es in bestimmten Situationen hilfreich sein, die Angriffe auf einen beseelten Gegner zu bündeln, um die eigene Seelanzeige schneller zu erhöhen. Auf der anderen Seite wurde es bei mir schon schnell ermüdend, für Ultiseelschläge immer und immer wieder die gleichen Minispiele zu bewältigen. Dies liegt neben ihrer geringen Variation vor allem daran, dass es für die Intensität des Angriffes relativ egal ist, wie gut man das Minispiel abschließt. Auch die Tatsache, dass die Energieleiste des Gegners nur beim Anvisieren sichtbar ist, wurde nicht optimal gelöst.


Hier kämpft ihr gegen Wabbelwutz. Visiert seine Schwachstelle an und verpasst ihm einen Ultiseelschlag!
 
Im Laufe der etwa 25-stündigen Story erkundet ihr ganz im Stile klassischer Rollenspiele die Spielewelt von Lenzhausen, sprecht mit etlichen Charakteren und erfüllt unzählige Haupt- und Nebenmissionen. Auffällig (und schade zugleich) ist jedoch, dass das Spiel nur sehr marginal einer umhüllenden Handlung folgt. Stattdessen bewältigt ihr regelmäßig kleinere Fälle, um die Sorgen und Probleme der Bewohner von Lenzhausen mithilfe der Yo-kai zu beheben. Zwei Beispiele: Euer Vater arbeitet als Beamter für die Infrastrukturplanung und hat ein wichtiges Meeting. Zu allem Ärgernis wurde er auf dem Weg zur Arbeit von Amnesimon, einem tückischen Yo-kai, beseelt und hat dadurch seine Unterlagen auf dem Bahnhof liegen lassen. Nun liegt es an euch, die Unterlagen einzusammeln, zum Arbeitsplatz eures Vaters zu schlendern und zwischendurch einige Amnesimons in ihre Schranken zu weisen.
 
Ein weiteres Beispiel einer Hauptmission: Im örtlichen Museum gehen seit einiger Zeit merkwürdige Dinge vor sich: Eine altertümliche Rüstung bewegt sich ganz von selbst! Natürlich können die Bürger der Stadt nicht sehen, dass ein Yo-kai für diesen Streich verantwortlich ist. Es liegt also an euch, mit eurem Kumpel bei Nacht ins Museum einzubrechen, die Sicherheitsmechanismen der Einrichtung zu manipulieren und schließlich den Übeltäter zu besiegen. Dass das Museum nachts nur so vor bösartigen Yo-kai wimmelt, macht es euch nicht gerade leichter...
 
Lenzhausen ist wirklich groß, kann jedoch in Sachen Variation und Umfang nicht mit ähnlichen Rollenspielen mithalten. Dennoch macht es einfach Spaß, die verschiedenen Stadtteile mit ihren asiatischen und westlichen Charakteristika zu erkunden. Die Metropole umfasst mehrere Regionen, die euch erst mit zunehmender Spielzeit sukzessive zugänglich werden. Euer Eigenheim liegt im beschaulichen Wohngebiet Neudorf, in dem es mit seinen gemütlichen Geschäften und einer Grundschule eher ruhig zugeht. In der Innenstadt geht es wiederum alles andere als ruhig zu, da dieser Stadtteil vor allem durch Hochhäuser, befahrene Straßen und Baustellen geprägt ist. Es lässt sich festhalten, dass Lenzhausen eine ganze Menge zu bieten hat, wodurch man ständig etwas Neues entdeckt. Besonders auffällig sind die unzähligen Menschen auf der Straße und in Gebäuden, die euch ständig das Gefühl einer belebten Großstadt vermitteln. Für noch bessere Mobilität erhaltet ihr schon bald ein eigenes Fahrrad, um eure Ziele noch schneller zu erreichen. Nach etwa zehn Stunden bekommt ihr zudem Zugang zur Schnellreisefunktion. Bedankt euch beim Spiegel-Yo-kai Portalex!


Bei "Rund um die Uhr" könnt ihr den Watch-Rang eurer Yo-kai Watch aufrüsten.

Kein Rollenspiel ohne Nebenmissionen! Die Bürger von Lenzhausen machen da natürlich keine Ausnahme und haben zahlreiche Aufträge, die ihr mit eurer Yo-kai Watch ausführen könnt. Dabei wird zwischen Bitten und Gefallen unterschieden. Während die Quests der ersten Kategorie endlich sind, könnt ihr die Gefallen auch mehrfach ausführen. So oder so werdet ihr durch eure wohltätige Ader mit Erfahrungspunkten und Items belohnt. Die Aufgaben der Nebenquests haben die unterschiedlichsten Beschäftigungen zum Gegenstand. Meist läuft es jedoch mittel- oder unmittelbar darauf hinaus, irgendetwas zu besorgen, finden, transportieren und ständig zahlreiche Yo-kai zu besiegen. 
 
Ein gutes Beispiel hierfür dürfte die Bitte „Lachversuch“ sein: Eine Bürgerin spricht euch verzweifelt an und berichtet euch, dass ihr Mann, ein Comedian, alles andere als lustig ist. Ihr geht der Sache zunächst selbst auf den Grund und stellt fest, dass seine Witze in der Tat nicht einmal Clowns zum Lachen bringen werden. Was tun? Ihr erbittet Hilfe vom Yo-kai Aalbernd! Dieser sorgt mit seiner albernen Beseelung dafür, dass seine Freundin fortan über jeden Witz ihres Geliebten lacht. Mission erfüllt, Yo-kai sei Dank!
 
YO-KAI WATCH umfasst noch zahlreiche andere Elemente, die es zu einem waschechten Rollenspiel machen. Stichwort looten und leveln: Lenzhausen beherbergt unzählige Itemkisten und Läden, um euren Itemvorrat aufzufüllen. Die Items erfüllen die verschiedensten Effekte und können etwa eure Attribute verbessern oder zu Geld gemacht werden. Kommt ihr mal bei bestimmten Bossgegnern nicht weiter, so kann sich etwas Training empfehlen. Dafür gibt es in ganz Lenzhausen mehrere Seitengassen, in denen sich Yo-kai befinden, die besonders auf Krawall gebürstet sind. Repetitives „Grinden“ ist jedoch eher nicht notwendig, um die Story mit ihrem moderaten Schwierigkeitsgrad durchzuspielen.
 
Hervorzuheben ist zudem die wirklich hübsche Optik des Spiels. Dies liegt vor allem an der detaillierten und farbenfrohen Szenerie von Lenzhausen und dem coolen Design der Yo-kai. Die Story wird hin und wieder sogar durch ansehnliche Cutscenes vorangetrieben, von denen es gern noch etwas mehr hätte geben können. Dass YO-KAI WATCH wirklich vorbildlich lokalisiert wurde, sieht man nicht zuletzt auch an der deutschen Vertonung, welche sich am Anime orientiert und ebenfalls sehr gelungen ist.
 
Die erste 3DS-Episode von YO-KAI WATCH macht vieles, aber nicht alles richtig. Das Kampfsystem gilt als kritischer Faktor eines Rollenspiels und konnte mich, wie weiter oben erläutert, nicht hinreichend überzeugen. Die Spielewelt von Lenzhausen ist wirklich schön und belebt, bietet jedoch ebenfalls noch eine Menge Potenzial. Weiterhin kann es manchmal eine echte Geduldsprobe, ja fast schon Glückssache sein, bestimmte Yo-kai als Freund für das eigene Team zu gewinnen. Darüber hinaus musste ich im Laufe des Abenteuers immer wieder kosmetische Aspekte feststellen, die eher stören als dass sie das Spielerlebnis verbessern. Ich denke hierbei etwa an die Tatsache, dass man keine eigenen Wegpunkte auf der Karte platzieren kann. Auch werden euch hin und wieder unpräzise Anweisungen in den Nebenquests gegeben, die euch die Aufgaben unnötig verkomplizieren. Multiplayer-Kämpfe gegen befreundete Yo-kai-Teams sind übrigens leider ausschließlich lokal möglich.
 
Mehr als 1.500 Wörter konnte ich es umgehen, doch zumindest einmal muss ich den Vergleich zum - auf dem ersten Blick - ähnlichen Pokémon-Franchise ziehen. Ist YO-KAI WATCH denn nun das bessere Pokémon? Wahrscheinlich nicht, aber das ist am Ende eigentlich auch egal. YO-KAI WATCH ist ein mehr als solides Rollenspiel, welches ohne Zweifel auch Fans der Pokémon-Reihe unterhalten wird. Während die teilweise wirklich lustigen Dialoge, die ansehnliche Grafik und die Integration der 3DS-Features in Level 5s RPG sogar besser sind, können aktuelle Pokémon-Editionen mit einem anspruchsvolleren Schwierigkeitsgrad, einer deutlich prägnanteren Geschichte und noch vielseitigeren Spielewelt punkten. Auch das Fangen von Pokémon für das eigene Team ist wesentlich transparenter und nicht so von Glück geprägt. 


Für Ultiseelschläge müsst ihr Minispiele bestreiten. Diese wiederholen sich leider schnell.

Redaktionswertung

8

Cooles Spiel

So werten wir

Unser Fazit zu YO-KAI WATCH

Meinung von Kevin Maßmann
Der Anfang ist gemacht! YO-KAI WATCH ist ein richtig cooles Rollenspiel und verbindet ein innovatives Kampfsystem mit lustigen Charakteren und überzeugendem Umfang. Ob besser oder nicht: Pokémon-Fans sollten in jedem Fall einen Blick riskieren! Nehmen sich die Entwickler von Level 5 auch die letzten Kritikpunkte zu Herzen und überraschen uns beim nächsten Mal mit einer noch abwechslungsreicheren Spielewelt, braucht man sich nicht mehr vor der mobilen RPG-Konkurrenz zu verstecken. Hütet euch dennoch weiterhin vor den frechen Yo-kai. Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

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