© IRMINA von Barbara Yelin

Irmina in unserer Graphic-Novel-Rezension – Das Schicksal einer selbstbestimmten Frau im Dritten Reich

In erster Linie ist Irmina eine Graphic Novel, die die Geschichte einer jungen und ehrgeizigen Frau in den 1930er-Jahren erzählt und auf einer wahren Begebenheit beruht. Irmina ist der Welt gegenüber aufgeschlossen und möchte ihr Leben, das zu sehr von Männern und der Gesellschaft bestimmt wird, selbst in die Hand nehmen. Doch mit der Machtergreifung Adolf Hitlers und des darauffolgenden Krieges bemerkt die Protagonistin schnell, dass das Leben, wovon sie als junge Frau geträumt hatte, keinen Platz in dieser Welt hat. Die Autorin und Künstlerin Barbara Yelin beschreibt in ihrem Buch ein Einzelschicksal, das jedoch symbolisch für eine Frau zur Zeit des Dritten Reiches gilt, der ein selbstbestimmtes Leben verwehrt wurde.


Eine spannende Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht.

© Reprodukt

Irmina von Behdinger reist 1934 nach London, um dort eine Ausbildung als Fremdsprachensekretärin zu absolvieren. Schnell lernt sie Howard kennen, der ursprünglich aus der Karibik kommt und nun an der Oxford Universität studiert. Beide verlieben sich und hoffen, schon bald ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.


Doch die Geschichte will es anders und schon bald muss Irmina nach Deutschland zurück, in der die Propaganda der Nationalsozialisten auch vor ihr nicht mehr Halt macht. Während Irmina es zu Beginn noch schafft, Howard regelmäßig zu schreiben, bricht der Kontakt irgendwann ab und ihr ergeht es wie den meisten Deutschen zu dieser Zeit.


Es beginnt eine Reise, die unbequem und doch spannend ist. Denn während Irminas Mann an der Ostfront kämpft, versucht sie, den Krieg im heimischen Berlin zu überleben. Die Diktatur hat das Schlechte in ihr hervorgebracht und wo sie sich zuvor noch für Ungerechtigkeit eingesetzt hat, schaut sie nun weg, wenn der jüdische Laden auf der gegenüberliegenden Straßenseite geplündert wird. Irminas Entwicklung ist nicht immer nachvollziehbar und doch natürlich für die Zeit, in der sie lebt. Es ist spannend und doch auch unbequem mit anzuschauen, was die Diktatur, die Propaganda und die Menschen um sie herum mit ihr machen, sodass sie letztendlich nur noch ein Schatten ihrer selbst ist.


Barbara Yelin schafft es erfolgreich, ein sonst so verschwiegenes Thema ohne jegliche Tabus zu erzählen – sowohl in Wort als auch mit ihrem außergewöhnlichen Zeichenstil. Während man die Graphic Novel Seite für Seite verschlingt, sind es gerade die großflächigen Bilder, bei denen man als Leser innehält. Dunkel und düster porträtiert sie Deutschland in seinen dunkelsten Stunden und für einen kurzen Moment schafft sie es, dass man als Leser selbst kurz an diesen Orten verweilt.


Man ist dennoch froh, dass man über das Privileg verfügt, einfach weiterblättern zu können. Und doch bleibt man am Ende nachdenklich sitzen. Irmina ist eine Graphic Novel, die sich an jeden richtet, den sowohl menschliche Geschichten als auch die deutsche Geschichte interessiert, denn das Werk liest sich beinahe schon wie ein Geschichtsbuch selbst.


Eine kostenlose Leseprobe zu Irmina findet ihr beim Reprodukt-Verlag.


Irmina ist erschienen beim Reprodukt-Verlag, ISBN: 978-3-95640-227-2, 288 Seiten, Soft-Cover, 14,90 Euro


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Unser Fazit

Meinung von Kerstin Steiner

Als Enkelin eines ehemaligen Marinesoldaten hatte der Zweite Weltkrieg schon immer eine besondere Faszination auf mich. Je älter ich wurde, umso mehr Facetten dieser düsteren Zeit wollte ich versuchen, zu verstehen und ein weiteres Puzzlestück fand ich in der Graphic Novel Irmina von Barbara Yelin. Die Autorin und Künstlerin schafft es, einem zumindest zum Teil zu vermitteln, welche Rolle man als Frau in einer Zeit hatte, in der Selbstbestimmung ein absolutes Privileg war und welches einem von heute auf morgen komplett genommen werden kann. Auch wenn Gewalt nicht explizit thematisiert wird, bekommt man durch die Zeichnungen, Dialoge der Charaktere und die künstlerische Atmosphäre genau mit, welche Stimmung auf den Straßen von Berlin herrschte, ohne es letztendlich doch zu verstehen. Irmina ist eine wunderschöne, ehrliche und doch auch unbequeme Geschichte, die jeder, der sich für Geschichte begeistern kann, lesen sollte.
Mein persönliches Highlight: Die ehrliche Erzählweise und die bedrückende Stimmung, die durch den einzigartigen Zeichenstil aufkommt.

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Kommentare 2

  • AnimalM

    SR388 Cleaner

    Wer nicht ganz so viel Kohle hat, es aber trotzdem lesen möchte: es gibt auch eine Ausgabe über die Bundeszentrale für politische Bildung. Kostet nur 7 Euro da :) https://www.bpb.de/shop/bueche…iftenreihe/215166/irmina/

  • Cordovan Karolus

    Turmritter

    Ich habe es mir jetzt auch mal gegönnt und bei dem lauen Wetter auf der Terrasse gelesen. Ich finde den Artstyle sehr atmosphärisch. Hat mich eingefangen und direkt in die Zeit transportiert.


    Ausserdem fand ich den Charakter wirklich super geschrieben, weil man auch von Anfang bis Ende so mitfiebern konnte und sich genau ausmalen konnte, was die Person wohl gedacht hat und man kann sich einfach super in die Figur hineinversetzen, weil man sie tatsächlich "versteht".


    Ein bisschen deprimierend ist die Message aber, wenn auch zu 100% wahr. Nämlich, dass man eben nicht seines eigenen Glückes Schmied ist. Oft sind äußere Einflüsse schuld, auch wenn man immer sagt, die Person habe nicht ausreichend für ihr Ziel gekämpft. Aber an Irmina sieht man ganz deutlich, dass die Verwirklichung der Ziele eines einzelnen eben bei weitem nicht nur von dessen Kampfeswillen abhängt.