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BRZRKR von Keanu Reeves in unserer Comic-Rezension – Eine Waffe für Jahrtausende

Wenn Keanu Reeves an einem Projekt beteiligt ist, bin ich zumindest erst einmal interessiert. In seiner Karriere über die letzten knapp 40 Jahre sind dabei immer wieder unterhaltsame Filme entstanden, die mich noch heute begeistern. Angefangen über die Bill-&-Ted-Filme in den 80ern, dem ersten Matrix-Film im Jahr 1999 oder auch die John Wick-Reihe in den letzten Jahren, weiß sich Reeves immer wieder mit interessanten Projekten in Verbindung zu bringen. Sicher ist nicht immer alles Gold was glänzt, gab es doch in seiner Karriere auch so manchen Flop, aber es ist dennoch erstaunlich, wie erfolgreich Reeves nun seit Jahrzehnten ist. Ich halte ihn nicht für einen guten Schauspieler, aber für einen guten Darsteller, der in seinen Filmen auch gerne mal seine eigenen Stunts macht. Als dann vor einiger Zeit bekannt wurde, dass Keanu Reeves an einem neuen Comic-Projekt mitwirkt, war die Erwartungshaltung groß, ohne dass man auch nur wusste, worum es überhaupt geht. Nun liegt das Projekt namens BRZRKR (gesprochen wohl Berserker) auch auf Deutsch beim Cross Cult-Verlag vor. Grund genug, uns das Buch mal näher anzusehen.


Im Mittelpunkt der Geschichte steht die menschenähnliche Kampfmaschine namens „B“, die in der Gegenwart im Auftrag der US-Regierung in Einsätze geschickt wird, in denen sie wie ein Berserker alles tötet, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Zum Einstieg in das Buch bekommen wir einen dieser Einsätze präsentiert, der auch gleich klarmacht, wo die Reise inhaltlich und optisch hingeht. Hier werden die Antagonisten nicht nur einfach getötet, sondern direkt in blutigster Art und Weise massakriert. So wie es ein Berserker halt tun würde.


Nicht nur bei der Geschichte hat man sich an Keanu Reeves orientiert...

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Im weiteren Verlauf verfolgen wir ein Gespräch zwischen B und einer Wissenschaftlerin, die versucht, mehr aus B herauszubekommen und gemeinsam mit ihm nach seinen Erinnerungen sucht. Diese Erinnerungen gelangen immer mehr an die Oberfläche und die Autoren und Zeichner lassen uns Leser dann diese auch miterleben. Wir erfahren, dass B bereits 80.000 Jahre alt zu sein scheint, als Übermensch zur Verteidigung seines Stammes geboren wurde und seit seiner Jugend das sinnlose Töten immer mehr in Frage stellt. B wurde als Waffe von den Göttern gesandt, zumindest nehmen das seine Eltern an, weil seine Mutter nach nicht einmal 60 Tagen ihren Sohn bereits gebar. Sein Dasein als menschenähnliche Berserker-Waffe stellt B bereits früh in Frage, er altert auch schneller als normale Menschen.


Sein Vater setzt B daraufhin gegen feindliche Stämme ein und rottet diese mit seiner Hilfe nach und nach aus. In Rückblicken erfahren wir von diesen und ähnlichen brutalen Überfällen auf die Umgebung, in denen B quasi im Alleingang die „Probleme“ blutig beseitigt. Auch wenn B nun schon knapp 80.000 Jahre alt zu sein scheint, hat es die Natur mit Charakterentwicklung bisher nicht so gut gemeint. Auch in der Gegenwart hadert B mit seinem Schicksal, lässt sich aber immer noch für blutige Massaker einspannen, nun halt von der US-Regierung.


Meist wird die Geschichte in Form des Dialoges zwischen der Wissenschaftlerin und B erzählt, immer wieder unterbrochen durch Rückblicke und Bilderstrecken von blutigen und menschenverachtenden Handlungen durch Berserker B. Zeichner Ron Garney lässt hier wenige Details aus und es ermüdet mich schon bei der zweiten Schlacht, mir diese brutalen und Gedärme spritzenden Bilder anzusehen. Es wird offensichtlich, dass hinter B und seinem Weg noch mehr stecken muss, denn er kann nicht sterben, bringt aber seit Jahrtausenden andere Lebewesen um. Innerhalb der ersten 4 Hefte, die im ersten Band gebündelt vorliegen wird uns Lesern einiges angeteast, aber wir bekommen wenige Antworten.


Nicht nur beteiligte sich Keanu Reeves an der Entwicklung des Geschichtsstoffes, sein Konterfei stand auch bei der Figur des Protagonisten Pate. Kein Wunder, ist doch auch eine Verfilmung des Stoffes angedacht. B sieht daher ein wenig aus, wie Keanu Reeves in den John Wick-Filmen, jedoch mit mehr Muskelmasse und er kommt von daher wuchtiger daher. Mal wieder stellt der Protagonist hier den einen „Auserwählten“ dar, der sich im Lauf seiner „Heldenreise“ allen Widrigkeiten zum Trotz durchsetzen muss. Wobei man bei B eher von Antiheld sprechen muss und die Reise von 80.000 Jahren doch ein wenig länger ausfällt.


Ich hatte keinen hohen Erwartungen an BRZRKR, ich freute mich einfach auf gute Unterhaltung. Leider habe ich davon sehr wenig bekommen, eine Geschichte, die sehr dünn und nach Schema F daherkommt und eine Optik, die sich an blutigen Details ergötzt. Das ist mir persönlich zu wenig, insbesondere wenn mir auf jeder zweiten Seite Blut und Gedärme um die Ohren fliegen. Nicht falsch verstehen, ich hab gar nichts gegen ein wenig Splatter und bin da auch nicht zartbesaitet, aber mittlerweile habe ich da andere Ansprüche an eine Geschichte. Was bringt es mir zu sehen, wie B seitenweise immer wieder auf brutale Art Menschen tötet und das in vollen Details immer und immer wieder? Ich habe nach dem ersten Massaker verstanden, dass wir hier einen Berserker sehen, der sich nicht unter Kontrolle hat. Warum muss ich mir das immer und immer wieder anschauen. Bringt die Story nicht voran und wird nur als vermeintliches Schockelement eingesetzt.


Am Ende des ersten Bandes bleiben noch einige Fragen offen, die im weiteren Verlauf vielleicht beantwortet werden. Das war mir zu dem Zeitpunkt fast schon egal. Abgerundet wird die deutsche Veröffentlichung von Cross Cult mit einigen Coverzeichnungen als Anhang am Schluss des Bandes.


Wenn ihr euch vom Artwork zu BRZRKR ein Bild machen wollt, könnt ihr hier in die Leseprobe reinschauen.


BRZRKR Band 1 ist erschienen bei Cross Cult, ISBN: 978-3-96658-687-0, 16x24 cm, Softcover, 144 Seiten, 16,– Euro


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Unser Fazit

Meinung von Dennis Gröschke

Wer auf blutige Action mit wenig Tiefgang steht, wird bei BRZRKR voll auf seine Kosten kommen. Hier geht es von einer Schlachteplatte über in die nächste, kein Organ bleibt bei den Gegnern an der Stelle, an der es seine eigentliche Bestimmung hat. Optisch wird uns Lesern also jede Menhe archaisches Verhalten präsentiert und die gedeckten Farben tun ihr übriges. Zeichner Ron Garney kann hier mal ungehemmt sein Können präsentieren, was ich durchaus wertschätzen kann. Die Geschichte bleibt innerhalb des ersten Bandes aber dünn und kommt nicht richtig in die Gänge. Immer wieder werden wir mit Rückblenden über den Werdegang von B informiert, ohne auch nur den Hauch einer Charakterentwicklung. Was es genau mit seiner Existenz auf sich hat wird nicht beantwortet, stattdessen ergötzen sich die Künstler an einem John Wick auf Steroiden, der sich wie ein Berserker durch die Jahrtausende schnetzelt. Man kann nicht sagen, dass einen der Titel des Werkes nicht gewarnt hätte, man erhält als Leser genau das. Das ist mir persönlich zu wenig, könnte euch aber durchaus gefallen, wenn ihr entspannt mal das Hirn nivellieren wollt.

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Kommentare 1

  • Anbu

    Turmritter

    In den USA sind sie bei Comic #8 angekommen und auch dort fehlen immer noch viele Infos. Ich hab mich sehr über den Comic damals gefreut, aber das Potenzial wird einfach nicht genutzt. Meines Wissens soll es insgesamt 12 Aussage geben und ich bin gespannt wie sie es abschließen wollen.