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Marsupilami: Das Humboldt-Tier in unserer Comic-Rezension

Wer kennt es nicht, das Fabeltier mit dem meterlangen Schwanz und den schwarzen Tupfen auf seinem gelben Fell. Das Marsupilami ist schon seit Jahrzehnten auch in der deutschen Comic-Landschaft nicht wegzudenken. Es gibt eine Verfilmung, eine Zeichentrickserie und erst im letzten Jahr kam mit Marsupilami: Hoobadventure auf der Nintendo Switch ein aktuelles Videospiel heraus. Neben Gaston Lagaffe, dem Büroboten, sowie Spirou & Fantasio gilt Zeichner André Franquin auch als Vater des Marsupilami. Es erscheinen bis heute Alben in der Reihe, auch wenn Franquin schon länger nicht mehr unter uns weilt. Das Marsupilami erlebt nicht nur im Dschungel von Palumbien mit Freunden und Familie neue Abenteuer. Abseits der bekannten Comic-Reihe hinterließ im letzten Jahr eine Neuinterpretation der Geschichte rund um die Entdeckung des Marsupilami einen bleibenden Eindruck in der Comic-Landschaft. Mit „Die Bestie“ erschufen die Künstler Zidrou und Frank Pé eine Graphic Novel, die den Lesern einen völlig neuen Ansatz bot und auch erwachsener daherkam.


Nun erschien vor Kurzem eine weitere Interpretation und Hommage an das Marsupilami, dieses Mal allerdings von einem deutschen Zeichner und Autor. Mit Spirou in Berlin durfte Flix vor vier Jahren als erster deutscher Künstler überhaupt ein Spirou-Album inszenieren. Nun stand dieses Jahr für Flix (Glückskind) das Marsupilami auf dem Programm. Konnte mich der Spirou-Band damals nicht übermäßig begeistern, bereitet mir „Das Humboldt-Tier“ von Flix so richtig Spaß. Doch was hat das Marsupilami mit dem Forscher Alexander Humboldt zu tun? Die offizielle Inhaltsangabe liest sich so:


Aus der Kiste von Palumbien nach Berlin!

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„Alexander von Humboldt entdeckt auf seiner Südamerika-Reise Anfang des 19. Jahrhunderts ein neuartiges Tier und verstaut es in seinen Kisten. Nahezu 130 Jahre später sind im Berliner Naturkundemuseum noch immer nicht alle Kisten ausgepackt, und von magischen Düften umhüllt steht plötzlich das Marsupilami auf den Straßen von Berlin. Mit Hilfe seiner neuen Freundin Mimmi erlebt es ein rasantes Abenteuer im winterlichen Berlin der 30er Jahre. Auf der Suche nach seinen drei Kindern hinterlässt es einiges Chaos und trotzt mit seiner Stärke jeder Gefahr. Witzig, authentisch, spannend und berührend.“


Zu Beginn begleiten wir Alexander von Humboldt auf eine seiner Reisen in den Dschungel, wo er mit seinem Begleiter Bonpland nicht nur auf neuartige Flora trifft, sondern auch in Hinsicht auf die Fauna einen Volltreffer mit dem Marsupilami landet. Neben vielen anderen Fundstücken landet auch das ungewöhnliche Tier in einer der Kisten mit neu entdeckten Pflanzen und gelangt somit nach Berlin. Flix stellt Humboldt ein wenig tollpatschig dar, dennoch mit großer Neugier gesegnet.


Nach ein paar Seiten springt das Geschehen dann ins Jahr 1931, wo wir das Mädchen Mimmi mit ihrer Mutter in Berlin zu Gesicht bekommen. Mimmi Löwenstein ist ein sehr aufgewecktes und wissbegieriges Mädchen, das sich unheimlich für die Flora und Fauna interessiert und dessen Lieblingsort das Naturkundemuseum ist. Doch wieder einmal muss ihre Mutter ihrem Job am Flughafen nachgehen, wo Mimmi nicht mit darf. Ein Bekannter der Familie namens Otto hat just im Naturkundemuseum eine neue Anstellung als Tierpräparator angenommen. Kurzum nimmt er Mimmi mit ins Museum, in welchem sie schließlich auf die noch verschlossenen Kisten von Humboldt treffen, die bereits seit Jahrzehnten dort lagern. Es dauert nicht lange, bis Mimmi auf das Marsupilami trifft und das Abenteuer seinen Lauf nimmt.


Das Humboldt-Tier ist zwar nicht Teil der regulären Marsupilami-Alben-Reihe, fügt sich in meinen Augen dennoch schön in den Kosmos des Fabeltieres ein, soweit ich das als Neuleser beurteilen kann. Im Verlauf der Geschichte geht es nun darum, dass das Marsupilami selbstverständlich nicht im kalten und schneebedeckten Berlin bleiben kann, doch wie bekommt man ein solches Tier wieder zurück in den Dschungel nach Palumbien? Otto hat da so seine eigenen Motive, versucht sich am Marsupilami zu bereichern und dabei seinen Vorteil rauszuschlagen. Klar können das Mimmi und ihre Mama nicht zulassen.


Das Humboldt-Tier – Ein Marsupilami-Abenteuer von Flix trägt das Herz am rechten Fleck. Nach der Einführung mit Alexander von Humboldt gelingt Flix mit dem Fokus auf das Mädchen Mimmi und ihrer alleinerziehenden Mutter der richtige Kniff, um daraus eine herzerwärmende Geschichte zu machen. Mimmi schließt das Tier mit dem ellenlangen Schwanz direkt ins Herz und stellt sich mitsamt ihrer Mutter und dem Fabeltier den Obrigkeiten und anderen Widersachern entgegen. Doch es geht nicht nur um das Marsupilami allein, auch die Eier vom Fabeltier sollen den Weg in die Heimat finden.


Autor und Zeichner Flix gelingt es, mit kleinen Referenzen den Leser daran zu erinnern, dass wir uns in Berlin befinden. Seien es der Dialekt, den der Hausmeister spricht oder ein paar Gebäude und Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt. Das Marsupilami und Mimmi auf der verschneiten Siegessäule sitzend zu sehen, gibt einfach ein wunderschönes Bild ab. Immer wieder gelingen Flix tolle Panels, die ganz ohne Dialoge auskommen, die dem Leser aber enorm viel über die Beziehung von Mimmi und dem Marsupilami verraten. Einfach schön.


Das Humboldt-Tier – Ein Marsupilami-Abenteuer ist erschienen bei Carlsen, ISBN: 978-3-551-78168-0, 72 Seiten, Albumformat, Hardcover, 16,00 Euro


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Unser Fazit

Meinung von Dennis Gröschke

Das Marsupilami-Album von Flix ist eine Geschichte, mit der alle Altersgruppen ihren Spaß haben können. Entgegen dem Spirou-Album von Flix spielt der politische Aspekt in der Geschichte eine eher untergeordnete Rolle, wenngleich diese Punkte im Hintergrund vorhanden und sichtbar sind. Sie dienen aber nur als Setting und drängen sich in keinster Weise in den Vordergrund. Den Kern der Geschichte bilden die Abenteuer von Mimmi und dem Marsupilami und wie sie es schaffen, dass das Marsupilami von Berlin wieder nach Palumbien gelangt, wo es hingehört. Immer wieder schafft es Flix, im Album Panels einzubauen, die den Leser für das ungleiche Team die Daumen drücken lassen, die sich einfach wunderschön einfügen und ans Herz gehen. Ein Album für die ganze Familie.
Mein persönliches Highlight: Immer wieder werden Panels ganz ohne Dialoge eingestreut, mein Highlight dieses Comics.

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