© Nintendo / Illumination Entertainment
Der Super Mario Bros. Film in unserer Film-Kritik – Eine Liebeserklärung an das legendäre Franchise
Geschrieben von Krispin Berndt am 05.04.2023
Seit wenigen Stunden flimmert Der Super Mario Bros. Film über die weltweiten Leinwände – und lockt in den kommenden Wochen höchstwahrscheinlich hunderttausende Fans von Nintendo und des berühmten Klempners in die Kinosäle. Wir hatten die Chance uns den Der Super Mario Bros. Film vor dem offiziellen Kinostart in der Astor Filmlounge in Hamburg gemeinsam mit anderen Pressevertretern anzuschauen und teilen in den folgenden Zeilen unsere Eindrücke mit euch.
Bevor wir über den heißerwarteten Film sprechen noch ein kurzer Hinweis: Zwar werden wir in diesem Bericht keine unbekannten Spoiler zur Handlung, dessen Verlauf oder bisher unveröffentlichte Szenen im Detail beschreiben, dennoch können kleinere Spoiler vorkommen. Im besten Falle wurden diese aber schon in einem der vielen Trailern gezeigt. Solltet ihr euch bis auf den Ankündigungstrailer noch kein weiteres Bewegtbild angeschaut haben und weitestgehend ungespoilert in den Film gehen wollen, so besucht diesen Bericht erst, nachdem ihr den Der Super Mario Bros. Film selber anschauen konntet. Sicherheitshalber folgt hiermit trotzdem letztmalig eine Spoilerwarnung!
Kurz nach der offiziellen Bekanntgabe von Der Super Mario Bros. Film brannte vielen die Frage auf der Zunge, ob eine Videospielverfilmung zu Mario funktionieren kann? Immerhin versuchte das japanische Unternehmen im Jahre 1993 mit der Realverfilmung „Super Mario Bros.“ schon einmal einen Anlauf – ob mit Erfolg lassen wir im Raum stehen. Im Gegensatz zu dem ersten Film holte sich Nintendo mit Illumination Entertainment dieses Mal aber namhafte Unterstützung ins Boot. Das amerikanische Studio konnte in den vergangenen Jahren mit Animationsfilmen wie Ich – einfach unverbesserlich oder den Minions gigantische Erfolge feiern. Der Super Mario Bros. Film ist ebenfalls eine Animation und die „Ähnlichkeiten“ zu den oben genannten Titeln sind nicht von der Hand zu weisen. Illumination Entertainment und Nintendo: Zwei der weltweit erfolgreichsten Unternehmen der Medien-Branche setzen sich an einen Animationsfilm zu einer der bekanntesten Videospielreihen unserer Zeit – gute Voraussetzungen für ein visuelles Spektakel?
Der Super Mario Bros. Film basiert bekanntlich auf den breitgefächerten Videospielen von Mario und seinen Freunden und Feinden, allerdings stehen hauptsächlich die Gründung von Mario und Luigis Firma und die ersten Abenteuer im Mittelpunkt des Geschehens. Inmitten von unterirdischen Reparaturarbeiten an einer geplatzten Wasserleitung werden die beiden Klempner Mario und Luigi aus der amerikanischen Stadt New York, genauer gesagt aus dem Stadtbezirk Brooklyn, in eine geheimnisvolle grüne Röhre gesaugt und prompt in eine geheimnisvolle Welt entführt.
Dort angekommen werden die beiden Brüder voneinander getrennt und so begibt sich Mario durch das Pilz-Königreich auf die Suche nach Luigi. Im Laufe seiner Reise trifft Mario auf zahlreiche (uns) bekannte Gesichter wie Donkey Kong, Toad und Prinzessin Peach – der Herrscherin des Pilz-Königreiches. Natürlich darf ein Antagonist nicht fehlen. Getreu den Videospielvorlagen übernimmt niemand geringeres als Bowser höchstpersönlich diese Rolle. Bowser droht das Königreich zu zerstören, sollte Prinzessin Peach die teuflische Schildkröte nicht heiraten. Das kommt den Spielern der Mario-Videospiele bekannt vor, oder?
Zahlreiche Szenen fühlen sich an, als würden diese aus einem Videospiel von und mit Mario und Luigi stammen. Die Brüder haben im Animationsfilm aber natürlich keinerlei Ahnung, dass sie in der realen Welt Videospielcharaktere sind – und verhalten sich auch nicht so. Sie sind normale Bürger aus Brooklyn, die zunächst ihre Zeit alltäglich mit Familie und dem Schuften in einem normalen Beruf verbringen. Im Laufe des rund neunzigminütigen Streifens erleben die Zuschauer eine konsequente Weiterentwicklung und Verwandlung von unscheinbaren Bewohnern einer Großstadt, bis hin zu gefeierten Helden von Brooklyn und dem Pilz-Königreich. Sicherlich gespickt mit einer großen Portion Klischee, wird trotzdem eine herzerwärmende Geschichte erzählt. Dem unwissenden Zuschauer werden die vielen verschiedenen Charaktere nicht im Detail vorgestellt, dafür fehlt am Ende auch die wertvolle Sendezeit. Es gibt aber auch einige Hintergrundgeschichten zu Mario, Luigi und Peach, welche vielleicht auch dem einen oder anderen Fan bisher unbekannt waren.
Der FIlm ist ab 6 Jahren freigegeben und im Großen und Ganzen geht die Alterseinstufung vollkommen in Ordnung. Es gibt aber ein, zwei Szenen im Film, die bei den jüngeren Zuschauern eventuell „Angst“ auslösen könnten. Solltet ihr also mit euren Kindern in Kino gehen wollen, schaut auch im besten Falle vorher mit euren Kindern das hier verlinkte Video an. Dort werden Ausschnitte der besagten Szene gezeigt und ihr könnt im Anschluss durch die Reaktionen einschätzen, ob die geschätzten zwei Minuten im Film doch zu „gruselig“ für eure Kinder sein könnten.
Der heimliche Star von Der Super Mario Bros. Film sind aber die zahlreichen Anspielungen auf die Videospielvorlagen. Es vergehen kaum Szenen, bis alteingesessene Fans und Spieler irgendwo auf dem Bildschirm eine weitere Anspielung finden, während sich auch Serien-Neulinge an witzige Situationen und Slapstick-Einlagen erfreuen dürfen. Der Super Mario Bros. Film bedient sich zweifellos an den verschiedensten Videospielen aus dem Mario-Universum und macht daraus auch wahrlich kein großes Geheimnis. Im Laufe des Filmes können so Parallelen zu Spielen wie Mario Kart 8 Deluxe, über Super Mario Odyssey bis hin zu Super Mario 3D World + Browser's Fury entdeckt werden. Außerdem warten noch schier unendlich weitere Easter-Eggs darauf, von findigen Adleraugen entdeckt zu werden.
Der Super Mario Bros. Film strotzt vor Anspielungen an diverse Mario-Videospiele – darunter befindet sich natürlich auch Mario Kart
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Ein Animationsfilm steht und fällt natürlich mit den Animationen und dem Zeichenstil. Hier zeigen die kreativen Köpfe und Zeichner von Illumination Entertainment ihre geballte Erfahrung. Sämtliche Schauplätze aus dem Film wurden mit viel Liebe zum Detail umgesetzt, ganz gleich, ob vom eher tristen Brooklyn bis zum kunterbunten Pilz-Königreich. Jede Szene und jeder Schauplatz wurde bis in das letzte Detail ausgearbeitet und animiert, ohne dabei aber auf Dauer unnatürlich oder für die Augen übersättigend zu wirken.
Das Gleiche gilt auch für die zahlreichen Charaktere aus dem Nintendo-Universum. Hier spielt es ebenfalls keine Rolle, ob es sich um die Bewegungs- oder Gesichtsanimationen von Haupt- und Nebencharakteren handelt – oder lediglich um einen, für die Szene, eher unwichtigen Charakter im Hintergrund. Die Handschrift von Illumination Entertainment ist in diesem Streifen definitiv nicht von der Hand zu weisen, weshalb sich der Film optisch und qualitativ mit Ich - einfach unverbesserlich oder den zahlreichen Filmen der gelben Minions vergleichen lässt. Es ist aber keine bloße Kopie von den Stilen dieser Filme. Zu keinem Zeitpunkt werden die Charaktereigenschaften, Bewegungen und Mimiken der allseits bekannten Nintendo-Charaktere vernachlässigt.
Beispielsweise übernimmt Mario stets die Rolle einer starken und mutigen Persönlichkeit, während Luigi tendenziell schnell zur Unsicherheit und Ängstlichkeit neigt. Diese individuellen Eigenschaften werden dem Zuschauer bei jedem Charakter auf eine charmante visuelle Art und Weise vor Augen gehalten und orientiert sich dabei auch hier streng an die Vorlagen von Spielen wie Luigi's Mansion – wahlweise in 2D oder 3D. Unsere Pressevorführung lief in 3D und ich persönlich sehe nur bedingt einen Mehrwert dahinter. Es gab kaum nennenswerte Szenen, bei denen der 3D-Effekt richtig in Szene gesetzt wurde. Vielleicht sind mittlerweile auch die Zeiten vorbei, in denen den Zuschauern von dreidimensionalen Kinofilmen regelmäßig die Gegenstände um die Ohren geschmettert werden. Solltet ihr keine Wahl haben, so geht eine 3D-Vorstellung schon in Ordnung, ansonsten sollte der Film in 2D auch definitiv ausreichen – wodurch die Kinokarte, zumindest in den meisten Fällen, sogar noch ein paar goldene Münzen günstiger sein dürfte.
Bevor die nächste Lobeshymne zum Soundtrack erklingt, möchte ich noch ein paar kurze Worte zur Synchronisation dalassen. Uns wurde die deutschsprachige Fassung des Films gezeigt, sodass ich, bis auf die englischsprachigen Trailer, keinen Bezug zu den Kritiken und Zweifel an der internationalen und starbesetzten Synchronisation nehmen kann. Dafür fehlte mir der direkte Vergleich in voller Filmlänge. Sicherlich lesen sich die Namen unserer Synchronsprecher für das breite Publikum „unspektakulärer“ als die der englischsprachigen Version. Dennoch leisten – unter anderem – Leonhard Mahlich als Mario, Gerrit Schmidt-Foß als Luigi, Dalia Mya Schmidt-Foß als Prinzessin Peach, Sascha Rotermund als Toad und Tobias Meister als Bowser hervorragende Arbeit. Durch die fehlende Synchronisation in den Videospielen gibt es allerdings auch keine wirklichen Vergleiche. Besonders die Stimme mitsamt dem italienischen Akzent von Mario konnte überzeugen, während es kaum Sprechrollen gab, die als störend empfunden werden könnten.
Der Soundtrack ist eine der absoluten Königsdisziplinen einer Videospieladaption. In diesem Falle ist es sicherlich noch einmal kniffliger, da es kaum ein Videospiel mit so vielen eingängigen und weltweit bekannten Melodien gibt, wie bei Super Mario. Können sich die Musikstücke aber auch in einem Film entfalten und für die richtige Stimmung sorgen? Definitiv. Die Melodien ziehen sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film und sobald die ersten Klänge einer der vielen bekannten Melodien erklingt, zaubern sie einem ein Lächeln auf die Lippen. Das musikalische Repertoire beinhaltet eine gesunde Balance aus alten und neuen Stücken – und zwar aus allen möglichen Super Mario-Videospielen. Zwar wurden viele der Melodien für den Film etwas abgeändert, allerdings niemals so, dass diese nicht mehr erkannt werden können. Abgerundet wird das auditive Gesamtkunstwerk durch eine Handvoll an bekannten Musikstücke aus der „realen“ Welt – und vielleicht erwartet euch auch sonst die eine oder andere musikalische Überraschung.