Remnant II für Xbox Series X|S im Test – Ein Sequel, das sich zu Recht so nennen darf

Nachdem wir dieses Jahr einen Switch-Port des bereits 2019 erschienenen Third-Person-Shooters Remnant: From the Ashes erhalten haben, war Gunfire Games indes nicht untätig und kommt nun mit dem designierten Nachfolger Remnant II daher, der aktuell bisher nur auf der PS5, der Xbox Series X|S und dem PC erschienen ist. Die Koop-Hatz soll nach reichlich Community-Feedback ordentlich aufgemöbelt worden sein und macht es sich zur Aufgabe, vor allem die größten Schwachpunkte des Erstlings adäquat auszubessern. Was sich in den fast vier Jahren Entwicklungszeit im Vergleich zum Vorgänger getan hat und ob das Studio an den richtigen Stellschrauben gedreht hat, erfahrt ihr in unserem Test!


Im Kern könnte ich meinen Test vom Vorgänger hier reinkopieren und es würde bei den Punkten Story und Spielprinzip absolut nicht auffallen, denn hier sind die Änderungen marginal. Es handelt sich noch immer um einen Third-Person-Shooter, der sich am besten im Koop spielen lässt, einige Mechaniken aus den sogenannten Soulslike-Spielen übernimmt und immer noch knackschwer ist – warum sollte sich ein direktes Sequel auch grundlegend ändern? Die Story spielt einige Jahre nach dem ersten Teil und noch immer bedroht die Saat die Menschheit und wir machen uns wieder mal auf und durchschreiten Weltenportale, um den Bösewichten, die einen Großteil der Menschheit bereits auslöschten, den Garaus zu machen. Die Station 13, unser Safezone-Hub im Spiel, ist mittlerweile fast schon ein kleines Städtchen geworden und hat nichts mehr mit der spartanischen Unterkunft aus dem Vorgänger zu tun. Hier bessert ihr wieder eure Waffen auf und bastelt euch neue Modifikationen, die euch eine zusätzliche auslösbare Fähigkeit gewähren, während ihr die Waffe tragt. Doch zuerst erstellt ihr euch einen Charakter aus einer der vordefinierten Klassen, wobei es hier eine Auswahl von insgesamt vier verschiedenen Archetypen gibt. Ich entschied mich für den sogenannten Draufgänger, der dem klassischen Tank am ähnlichsten ist und mit dicker Rüstung und Schrotflinte daherkommt. Neu ist die Kombination der verschiedenen Archetypen, denn im Verlauf des Spiels wird es euch ermöglicht, eine Subklasse zu wählen und euren Spielstil so weiter zu verfeinern. Dies ist eine extrem sinnvolle Änderung und ermöglicht so von vornherein eine viel größere Auswahl an verschiedenen Builds, mit denen es zu experimentieren gilt.


Die Weltensteine sind Checkpoints, ähnlich wie die Feuerstellen in Dark Souls

© Gunfire Games / Gearbox Publishing

Der Spielbeginn ist wesentlich weniger langatmig als im Erstling und kommt relativ zügig zur Sache. Was als Erstes auffällt, ist die stark aufpolierte Grafik, die nun auf der Unreal Engine 5 basiert. Hier merkt man wirklich, wie viel Arbeit in die visuelle Präsentation geflossen ist und wie wichtig es Gunfire Games war, das Spiel auf Triple A-Niveau zu hieven. Auch das Trefferfeedback, ob mit Nah- oder Fernkampfwaffe, kommt extrem wuchtig daher und sorgt für große Augen beim Durchschnetzeln der einzelnen Gebiete. Apropos Gebiete: Die Level sind auch in Remnant II wieder prozedural generiert und sollen so für möglichst großen Wiederspielwert sorgen. Wem es bei den Wörtern „prozedural generiert“ direkt die Fußnägel hochrollen lässt, der kann beruhigt aufatmen, denn das klingt auf dem ersten Blick schlimmer, als es wirklich ist. Die einzelnen Versatzstücke der Karte sind durchaus handgemacht und werden am Ende quasi nur noch zusammengepuzzelt und mit Gegnern gefüllt. Die einzelnen Gebiete unterscheiden sich stark voneinander. So erinnert beispielsweise die Welt Losomn fast schon an das FromSoftware-Spiel Bloodborne, wohingegen die Welt Yaesha eher einem Dschungel gleicht. Es dürften für meinen Geschmack gerne noch ein paar mehr Welten sein, die aber sicherlich mit den bereits angekündigten DLCs nachgeliefert werden.


Auch die Widersacher sind einem gewissen Randomisierungsfaktor unterlegen, was bedeutet, dass wirklich nahezu keiner den gleichen Spielablauf ein zweites Mal erleben wird. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass Gunfire Games hier die richtigen Erkenntnisse aus dem ersten Teil gezogen hat und das ganze System mit einer ordentlichen Zusatzportion Erfahrung noch ein ganzes Stück besser machen konnte. Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, mich auf einer computergenerierten Karte zu befinden, denn die Gebiete waren meist sinnvoll aufgebaut und endeten nicht permanent in Sackgassen, die dann wirklich gar nichts zu bieten hatten. Es war oftmals eher so, dass ich auf der neu eingeführten 3D-Karte einen kleinen Leitervorsprung gesichtet habe und so noch mal einen Abstecher dorthin machte, bevor ich in den nächsten Dungeon wanderte, und regelmäßig wurde ich mit neuen Ringen oder anderen Ressourcen belohnt. Es sind aber sowieso mehr die kleinen Veränderungen, die Remnant II ausmachen. Gerade den audiovisuellen Sprung will ich dabei gar nicht runterreden, denn der ist wirklich signifikant, allerdings waren es Dinge wie die erwähnte neu eingeführte 3D-Karte, die Remnant: From the Ashes gegen den Nachfolger alt aussehen lassen. Auch Funktionen wie den nicht mehr vorhandenen Ausdauerverbrauch beim Sprinten, während keine Gegner im Umkreis sind, klingen absolut banal und eigentlich nicht wirklich erwähnenswert, doch machen diese Änderungen das Spielerlebnis wahnsinnig flüssig und belohnend, während man sich vorher gerne mal über solch unnötigen Ballast aufgeregt hat.


NPCs reagieren individuell auf euch, je nachdem, welche Entscheidungen ihr vorher getroffen habt

© Gunfire Games / Gearbox Publishing

Remnant II lässt sich problemlos auch alleine durchspielen, was aber mit einem hohen Schwierigkeitsgrad bezahlt wird. Im Vergleich zum Vorgänger ist dieser aber weniger drastisch. Sobald eure Truppe auf zwei bzw. das Maximum von insgesamt drei Spielern anwächst, skalieren auch die Gegner wieder dementsprechend. Für mich zeichnete sich ab, dass das Optimum bei zwei Spielern liegt, da das Chaos so noch relativ gering ist und die Gegner noch recht moderat skalieren, wohingegen man als Spieler den Vorteil von Absprachen und gegenseitiger Rückendeckung genießen kann. Aber alle Spielmethoden sind absolut machbar und für jeden halbwegs frustresistenten Soulslike-Spieler zu bewältigen. Im Koop zeigt sich aber die wahre Stärke von Remnant II, da man die Intensität gemeinsam erleben und gerade bei den Bossen wesentlich taktischer agieren kann. Diese kommen nämlich, wie bereits im Vorgänger, häufig wieder mit einer gehörigen Anzahl an Standardgegnern daher, die einen einzelnen Spieler gerne mal durch das gestiftete Chaos überrennen. Für ein halbwegs eingespieltes Duo ist das dann schon weniger problematisch, da sich einer auf die ankommenden Gegnerwellen konzentrieren kann, während der andere den Boss permanent beharkt und ihm keine Ruhe gewährt. Hier hätte ich mir durchaus eine größere Varianz und auch mal mehr Mut zum Experimentieren gewünscht als nur mehr Bosse wie aus dem Vorgänger.


Der Koop funktioniert auch online hervorragend. Entweder man lässt das Matchmaking für sich arbeiten und tritt einfach einem zufälligen Spiel bei oder man sucht sich selbstständig eine gewisse Levelpassage raus und wird dann einer zufälligen Welt zugeteilt, in der sich bereits ein oder zwei andere Spieler befinden. Trotzdem ist der Multiplayer mein größer Kritikpunkt am Spiel und das alleine, weil es im Jahr 2023 manchmal immer noch kein Crossplay gibt. Remnant II bietet sich förmlich an, einen großen Spielerpool mit allen Plattformen anzubieten, da man eh kooperativ zusammenspielt und es hier völlig egal ist, auf welchem System ein Spieler zuhause ist. So hätte ich die Möglichkeit gehabt, mit Freunden auf dem PC und der PS5 zusammenspielen zu können, wohingegen jetzt jeder für sich gespielt hat und wir nur über unsere Erlebnisse sprechen konnten – was für ein unfassbar trauriges Manko. Versteht mich nicht falsch, jede Plattform hat genügend Spieler, damit der Online-Modus tadellos funktioniert, aber hier hätte sich eine Crossplattform-Funktionalität einfach super angeboten und mir ist absolut schleierhaft, warum das stillschweigend einfach so akzeptiert wird. Remnant II lebt von der Interaktion mit anderen Spielern und spielt sich mit großer Sicherheit am besten mit Freunden im Voice-Chat. Hier hat Gunfire Games meiner Meinung nach eine große Chance verpasst, eine schlagkräftige Community aufzubauen, der keine künstlichen Grenzen gesetzt werden.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Kim Davids

Ich habe lange keinen zweiten Teil einer Spielereihe mehr gespielt, der so sehr wie Remnant II die richtigen Schlüsse aus den Erfahrungen des Erstlings ziehen konnte. Denn mit dem Nachfolger zum eher nischigen Remnant: From the Ashes hat Gunfire Games nahezu alle negativen Kritikpunkte des Vorgängers bereinigt und auch audiovisuell eine ganze Schippe draufgelegt. Die Welten wirken noch einzigartiger, die Kämpfe noch wuchtiger und trotzdem wurde der Kern des Spiels nicht vergessen und beibehalten. Mit Remnant II bekommt man, ganz besonders im Koop-Modus, einen brachialen und zugleich wahnsinnig belohnenden Third-Person-Shooter serviert, der sich absolut nicht zu verstecken braucht. Die kleinen Kritikpunkte, wie beispielsweise die etwas geringe Biom-Anzahl oder die etwas einfältigen Bosskämpfe, können hoffentlich in der Zukunft mit den bereits angekündigten DLCs angegangen werden. Denn wenn die Entwickler weiterhin so auf das Community-Feedback reagieren und die richtigen Schlüsse aus ihren Releases ziehen, kann etwas ganz Großes entstehen – so weit ist Remnant II davon nicht entfernt.
Mein persönliches Highlight: Die Momente, in denen Gegnerwellen auf die Gruppe zurollen und für Chaos sorgen

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Kommentare 3

  • nec3008

    Turmbaron

    Eine wirklich grandiose Fortsetzung, die alles richtig macht. Gegenüber den typischen Soulslike-Spielen wird man auch nicht wirklich bestraft, wenn man stirbt, da man keine Ressource oder ähnliches verliert. Und man hat sogar Schwierigkeitsgrade, bei der der leichte schon knackig ist und man es "nur" schwerer machen kann, bis Hardcore was man am ehesten mit den Weltenstufen von Diablo 4 vergleichen kann. Dadurch hat Remnant 2 auch viel von einem Roguelike, da man es immer stärker werdend neu versuchen kann, das Gute dabei: Die Level werden einmal ausgewürfelt und bleiben dann gleich, bis man selbst sagt "neu Würfeln" (dabei wird bestehender Kampagnenfortschritt und Checkpoints zurück gesetzt). Hat man den Oberboss einer Welt besiegt, hat man Zugriff auf den Abenteuer-Modus der getrennt vom Kampagnen-Modus läuft, aber hilft zu looten & zu leveln.

    Sollte man lieber solo spielen empfehle ich den Archetypen "Helfer". Dann hat man einen Hund an der Seite, der einen wiederbelebt und zum Teil die Gegner ablenkt, macht es etwas einfacher. ;)

    Und durch die angesprochene Möglichkeit, einen zweiten Archetypen dazu zu nehmen, kann man schön variieren. Auch kann man den ursprünglich gewählten Typen wechseln, wenn man will.

  • Pascal Hartmann

    I'm not a cat

    Das ist ein Soulslike, das mich interessiert. Aber es ist immer noch ein Soulslike, also nichts für mich, wenn ich noch eine Weile leben will :ugly:

  • nec3008

    Turmbaron

    Pascal Hartmann

    Die Soulslike Elemente beschränken sich eigentlich nur auf die Checkpoint-Mechanik (bei Benutzung füllt sich alles auf, Gegner respawnen und dienen als Schnellreisepunkte). Der Rest erinnert mehr an Roguelikes, da die Welten beim ersten Betreten zufällig zusammen gewürfelt werden und auch die Gegner immer zufällig verteilt werden.

    Der Schwierigkeitsgrad ist bei beiden Genres nicht leicht, aber bei Roguelikes wird man meiner Meinung nach spürbarer stärker, da man auch nichts verliert, im Gegensatz zu Soulslikes bei denen man eigentlich immer die Ressource verliert, die zum Leveln wichtig ist.

    Meiner Meinung nach ist es jedenfalls angenehmer zu spielen auf dem Einstiegsschwierigkeitsgrad als die meisten Souls-Spiele. ;)