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Pioneers of Pagonia in der gamescom-Vorschau – Wuseliges Bauen mit Volker Wertich

Die Spielreihe „Die Siedler“ reiht sich wahrscheinlich in die Hall of Fame der Videospiele ein, die man einfach kennt – ob man nun leidenschaftlich zockt oder nicht. Denn sie hat damals den Stein gelegt für sämtliche Aufbausimulationen, die es mittlerweile auf dem Markt gibt und der Urvater, der den Stein damals mit „Die Siedler“ ins Rollen gebracht hat, war Volker Wertich. Wir hatten die einzigartige und ehrenvolle Möglichkeit, den Wusel-Vater persönlich auf der gamescom zu treffen und schauten ihm gebannt dabei zu, wie er sein neues Spiel „Pioneers of Pagonia“ vorstellte.


Natürlich gab es wieder einen ordentlichen Wuselfaktor und viele, viele verschiedene Warenketten, inklusive Förster! Eben genau das, was man von einem neuen Titel mit dem Stempel „Volker Wertich“ erwartet. Und wie er selbst im Interview betont hat, will er mit seinem Team das wuseligste Aufbauspiel schaffen, das es je gegeben hat. Ob ihm das bisher gelungen ist, haben wir uns einmal genauer angeschaut.


Ein Neubeginn für deine Pioniere


Wie in jedem Aufbauspiel beginnen wir auch in Pioneers of Pagonia mit einem Haupthaus, das am Strand von einer der unzähligen Inseln der neuen Welt errichtet wurde. Dann geht es auch schon los und die altbekannte Mechanik, die wir seit Kindertagen verinnerlicht haben, setzen sich automatisch in Gang. Es werden Holzfäller, Sägewerk sowie erste Wohnhäuser gebaut und die fleißigen Pioniere tragen nach und nach die Ressourcen für den Bau der verschiedenen Gebäude aus dem Haupthaus. Denn wie gewohnt findet sich im ersten Haus eine bestimmte Anzahl von Ressourcen und Arbeitern, die direkt loslegen.


Der Wuselfaktor in Pioneers of Pagonia ist enorm groß

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In altbekannter Siedler-Manier tragen sie Holzstämme oder Bretter zu den einzelnen Baustellen, allerdings nur, wenn die Gebäude auch mit einem Weg verbunden werden. Ihr könnt übrigens die Gebäude hinsetzen, wo ihr wollt, allerdings hilft euch ein Gitter bei der Planung. Denn die verschiedenen Gebäude benötigen unterschiedlich viel Platz und gerade wenn ihr um die letzten Kästchen kämpft, ist das Gitter sehr hilfreich. So wächst und gedeiht eure erste Siedlung und dadurch, dass ihr eure Gebäude frei setzen könnt, ergibt sich auch ein schönes, organisch aussehendes erstes Dörfchen.


Das wird begleitet von den Wegen, die ihr theoretisch überall hin verlegen könnt, allerdings müsst ihr manchmal ein paar kleine Umwege einbauen. Hier ist auch eine logistische Planung notwendig, denn manche Wege, die zu Gebäuden wie einem Gildenhaus führen, sollten sich nicht mit der Hauptwarenroute kreuzen. Dann kann es nämlich schnell zu einem Rückstau kommen und die Ressourcen kommen nicht schnell genug zu den entsprechenden Orten.


Volker Wertich hat uns aber auch einen späteren Spielstand gezeigt, in dem es schon sehr wuselig zuging. Bei mehreren hundert Pionieren war schon einiges mehr los und hier zeigte er uns auch verschiedene Mechaniken, darunter auch, wie man das Gebiet erweitert. Hier kommen die guten alten Grenzsteine wieder ins Spiel, die mühsam von einem Wachturm verlegt werden und das Gebiet so erweitern. Das machen die Pioniere von ganz alleine, auch wenn man ihnen Gebiete zuweisen kann, die sie priorisieren sollen. Zuvor könnt ihr natürlich Entdecker losschicken, um den dichten Nebel über den unentdeckten Gebieten loszuschicken. Hier kommt eine recht neue Mechanik ins Spiel, denn eure Entdecker wollen mit einem Lunchpaket ausgestattet werden, das sie brauchen, um ihre lange Reise zu überstehen.


Die Taverne versorgt all eure Pioniere mit Nahrung

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Als Nahrungsquellen stehen euch sowohl die Jagd verschiedener Tiere als auch der Anbau von Weizen oder Gemüse zur Auswahl. Denn nicht nur eure Entdecker wollen ernährt werden, sondern all eure Pioniere, da es sonst keinen Nachwuchs gibt. Dafür ist dann die Taverne zuständig, die direkt in der Nähe einen Markt benötigt, auf dem die Köche einkaufen gehen können. An kleinen Tischen drum herum können dann eure Bewohner eine Mahlzeit zu sich nehmen und ihr könnt mit den vorhandenen Nahrungsmitteln auch eure Minenarbeiter versorgen. Boni bekommt ihr übrigens, wenn ihr eine vollwertige Nahrung aus vier verschiedenen Zutaten zusammenstellt, denn dann arbeiten eure Pioniere effizienter.


Wenn die Siedlung dann mal eine gewisse Größe erreicht hat, müssen natürlich auch entsprechend viele Wohnhäuser und Lager vorhanden sein. Daher lohnt es sich, Häuser in der Nähe von den unterschiedlichen Arbeitsstätten zu errichten, denn eure Bewohner ziehen sich dorthin zurück, wenn sie untätig sind. Bei den Lagern könnt ihr euch aussuchen, ob ihr ein großes Zentrallager bauen wollt oder einzelne Lagerorte direkt bei den verschiedenen Arbeitsplätzen. Pro Lager kann zudem nur eine Ressource gelagert werden, allerdings könnt ihr das alles sehr bequem einstellen. Hier gibt es übrigens auch eine schöne Anzeige, wie viele der Rohstoffe gerade unterwegs oder bereits für Bauobjekte eingeplant sind.


Weitere Einstellungen lassen sich auch in anderen Gebäuden vornehmen. So könnt ihr zum Beispiel beim Förster entscheiden, ob er Nadel- oder Laubbäume pflanzen soll. Ihr benötigt nämlich unterschiedliche Holzsorten für Werkzeuge oder den Bau von Gebäuden. Das gleiche gilt auch für den Jäger oder die Farm, denn hier könnt ihr verschiedene Tiere bestimmen, die gejagt werden sollen, oder entscheiden, ob es Kohl oder Kürbisse zum Abendessen gibt.


Beim Heranzoomen seht ihr jede Menge Details

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Natürlich werden die Änderungen direkt visuell dargestellt und das ist eine große Stärke des Spiels. Denn es wird wirklich jedes Detail visualisiert und man sieht regelrecht die einzelnen Tätigkeiten der Pioniere oder die verschiedenen Ressourcen, wie sie sich vor den Gebäuden sammeln und auftürmen. In der Bäckerei kann man beobachten, wie der Teig mühsam geknetet wird und am Brunnen warten die Pioniere darauf, dass sich der Eimer mit Wasser füllt, ehe er wieder hochgehievt werden kann. Auch die Warenketten sind logisch aufeinander aufgebaut. Ein Förster benötigt Wasser, um seine frisch gepflanzten Setzlinge zu gießen und eine Farm benötigt fruchtbaren Boden, damit die Kürbisse darauf gedeihen können. Weizen wird natürlich zu Mehl verarbeitet, damit daraus Brot gebacken wird und so weiter.


Laut Volker Wertich ist das Spiel allerdings noch nicht an allen Stellen perfekt. Die Bauhilfe berechnet irgendwelche kleinen Unebenheiten noch nicht und auch manche Assets fehlen noch im Spiel. Bisher gibt es nämlich noch keine visuelle Unterscheidung zwischen Nadel- und Laubbäumen und statt kleiner Pflanzen befinden sich noch Minikürbisse auf dem Feld, wenn sie gerade frisch gesät wurden. Auch einige Animationen müssen bis zum Early Access im Dezember noch angepasst werden. Zudem betonte er im Interview, dass die Benutzerfreundlichkeit im Vergleich zu den ersten Siedler-Spielen noch mal deutlich komfortabler ist und man auch als Einsteiger leicht in Pioneers of Pagonia Fuß fassen kann.


Bei der ganzen Wuselei kann die Performance natürlich schnell in die Knie gehen und jeder, der mal Anno 1800 mit mehreren Tausend Einwohnern gespielt hat, weiß, wie schnell der Rechner dort an seine Grenzen kommt. Volker Wertich versicherte uns jedoch, dass sie bewusst keinen Grafikfresser entwickelt haben und ein Rechner, der schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, selbst bei mehreren Tausend Pionieren noch hinterherkommt. Wie flüssig das fertige Spiel dann aber auch auf älteren Rechnern läuft, muss sich noch zeigen.

Unser Fazit

Meinung von Kerstin Steiner

Die Siedler-Spiele waren unter anderem daran beteiligt, dass ich heute so leidenschaftlich gerne Aufbauspiele spiele. Ich könnte stundenlang Warenketten optimieren und den vielen kleinen Helfern dabei zusehen, wie sie Ressourcen von A nach B schleppen, nur um anschließend dem Gebäude beim Wachsen zuzusehen. Natürlich war Volker Wertich mit daran „Schuld“, dass ich noch heute auf der Suche nach dem ultimativen Wuselfaktor bin. Daher bin ich umso erfreuter, dass er mit Pioneers of Pagonia genau das Bedürfnis erfüllt, denn das, was ich bisher vom Spiel gesehen habe, lässt nicht nur Erinnerungen hochkochen, sondern auch die Vorfreude ins Unermessliche steigen. Wenn weiterhin so viel Herz und Leidenschaft in das Spiel hineinfließt und Volker Wertich selbst immer noch beim spielen staunen lässt, dann bin ich absolut zuversichtlich, dass uns ab Dezember mit Pioneers of Pagonia etwas ganz Großes erwarten wird. Zwar muss sich noch zeigen, welche Aspekte die Langzeitmotivation hochhalten, wenn es schon keine Kampagne gibt, jedoch ist der Ausblick auf Magie in dieser Welt schon Grund genug, das Ganze genau im Auge zu behalten.

Meinung von Florian McHugh

Mit den Siedlern-Spielen, vor allem den ersten beiden, verbinde ich, ähnlich wie Kerstin, wohlige Erinnerungen. Den ersten Teil habe ich damals auf dem Amiga meines großen Bruders gespielt und Siedler 2 hatte ich noch zusammen mit meinem Vater an einem PC mit zwei angeschlossenen Mäusen gespielt. Umso mehr war ich ziemlich von der Präsentation zu Pioneers of Pagonia angetan. Der Ansatz, ein weiteres Spiel mit dem für die Reihe typischen Wuselfaktor zu erstellen und diesen noch weiter hochzudrehen, hat mir sehr gut gefallen. Das Gezeigte hat auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht und ich bin mir ziemlich sicher, dass alle Fans der klassischen Siedler-Spiele hier ein absoluter Hit erwartet. Bleibt nur noch abzuwarten, ob das Spielprinzip auch alle anderen Spieler begeistern kann. Die Ambitionen seitens des Entwicklerteams sind auf jeden Fall da.

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Kommentare 9

  • Cyron

    Turmheld

    Vielen Dank für die Vorschau :) / ich bin auch schon ganz heiß auf den Titel; natürlich mit Vorsicht. Aktuell sieht es aber wirklich gut aus und ich hoffe, dass die Vollversion dann richtig gut wird

  • Armstrong

    🐉🤺

    Schön, dass die Fans der Reihe nun doch noch ein gutes 'Siedler' bekommen werden.


    Mit dem etwas generisch und zu pastellich wirkenden Grafikstil müsste ich mich erst noch anfreunden. Aber so ging es mir auch anfangs bei BOTW.


    Da ich aber immer noch in Anno 1800 festhänge und demnächst mit Cities Skylines II das nächste zeitfressende Aufbauspiel ins Haus steht, werde ich den Titel erst mal vorüberziehen lassen und dann evtl. zu einem späteren Zeitpunkt zuschlagen.

  • Haby

    Blackmaster

    Bin gespannt auf die Berichte; ob es Volker Wertich wirklich gelungen ist ein besseres neues Siedler zu erschaffen, als Ubisoft mit Die Siedler – Neue Allianzen! Beim zweiten Teil, der die meisten Siedler Fans hat, darunter mich, war er ja nicht dabei. Daher bin ich echt auf die Meinung zu Release gespannt.

  • Therodon

    Turmheld

    Kommt nur für den PC nehme ich an?

  • Kerstin Steiner

    Verrückte Katzen-Lady

    Ja, bisher ist nur eine PC-Version geplant.

  • Misty

    schon 50 Tage dabei

    Hi,


    bin auch sehr gespannt auf das Spiel. Nach dem Siedler-Desaster bin ich echt froh und voller Hoffnung dass man mit diesem Game ein neues "richtiges" Siedler bekommt. Wobei für mich persönlich der 4. Teil nach wie vor der beste Teil bleibt. Toll ist auch dass der auch heute noch eine aktive Community hat und auch aktiv im Multiplayer gespielt werden kann - das mache ich auch noch ab und zu. Wobei man wenn man da mithalten will ganz anders die eigene Siedlung ausbauen muss als ich das mache - nämlich nach Aussehen. :D


    Etwas schade finde ich dass man aktuell komplett auf PVP verzichten will aber das muss ja nicht so bleiben und eventuell führt Volker ja auch noch ein einfaches PVP-System ein, um Fans glücklich zu machen.


    LG Misty

  • Kerstin Steiner

    Verrückte Katzen-Lady

    Hey Misty!


    Im Interview konnten wir leider deutlich heraushören, dass es im Spiel keinen PVP-Modus geben wird. Volker möchte sich bei Pioneers of Pagonia komplett auf den Aufbau fokussieren.

  • Misty

    schon 50 Tage dabei

    Hi Kerstin und danke für Deine Antwort,


    laut Hand of Blood teilte Volker ihm im persönlichen Gespräch mit, dass es zwar zum Release kein PVP geben wird, er es aber nicht ausschließt dass es danach noch nachgereicht wird. Kann natürlich auch nur ein schlauer Marketing-Gag gewesen sein. :D


    Ein kleiner Funke Hoffnung kann große Feuer entfachen. :saint:


    LG Misty

  • Kerstin Steiner

    Verrückte Katzen-Lady

    Na klar, hoffen kann man immer und man weiß ja nie, was die Entwicklerinnen und Entwickler noch hinzufügen! Vielleicht hat der gute Max auch einfach einen besseren Draht zu Volker :D