© Splitter Verlag / Éditions Glénat by Jan Kounen, Omar Ladgham & Mr Fab, Bildmontage: © ntower

Der Turm 1 in unserer Graphic-Novel-Rezension

Im Jahr 2072 ist die Welt eine andere: Der letzte Zufluchtsort der verbliebenen Menschheit ist ein himmelhoher Turm in der ehemaligen Metropole Brüssel, der durch Künstliche Intelligenz am Laufen gehalten wird. Der Weg nach draußen ist todbringend, denn vor dreißig Jahren ist ein Krankheitserreger aufgetaucht, der die Menschheit nahezu ausradiert hat. Diese düstere Dystopie nutzt die Graphic Novel Der Turm des Künstlerteams Jan Kounen, Omar Ladgham und Mr Fab. Was passt besser, als einen Turm der Zukunft in diesem Turm der Gegenwart zu betrachten? Wir haben uns einen Blick in den ersten Band des Werks gegönnt und verraten, wieso er euren Blick ebenfalls wert sein könnte.


Die letzte Hoffnung der Menschheit ist vor Rost nicht gefeilt …

© Splitter Verlag / Éditions Glénat by Jan Kounen, Omar Ladgham & Mr Fab

Bereits seit vergangenem November gibt es die französische Graphic Novel hierzulande im Splitter Verlag auf Deutsch zu lesen. Wie bereits eingangs erwähnt, sind drei Personen die Federführer dieses Projekts. Hierbei sind es Jan Kounen und Omar Ladgham, die die Handlung planen, wohingegen Mr. Fab der Geschichte mit seinen Zeichnungen Leben einhaucht.


Nach dreißig Jahren der biologischen Katastrophe leben die verbliebenen Menschen in einem hoch technologisierten Turm, den sie nicht verlassen dürfen, denn die Ansteckungsgefahr an der frischen Luft ist zu groß. Während Tiere und Pflanzen keinerlei Probleme mit dem Bakterium haben und dieses nur übertragen, tötet es Menschen rasant und gilt als hochinfektiös. In all dem Chaos dort draußen ist es Newton, eine KI, die den Menschen versucht dabei zu helfen, ein schönes, aber vor allem kontrolliertes Leben zu führen. Die Handlung rückt dabei verschiedene zentrale Figuren und ihre Probleme in den Mittelpunkt. Deren Geschichten werden immer wieder abwechselnd erzählt.


Was die Handlung von Der Turm so faszinierend macht, ist die Tatsache, dass die Menschen zwar alle eingepfercht sind, aber versuchen, eine gewisse Normalität zu leben. Das Perfide dabei ist, dass jener Turm über wunderbare Fensterfronten verfügt, was die Menschen nach draußen blicken lässt und ihnen immer wieder vor Augen führt, was sie nicht mehr haben. Einige der Menschen kennen das Leben vor der Katastrophe gut, wohingegen andere Teil der neuen Generation sind, die nur dieses neue, eingeschlossene Leben kennen. Gleichwohl die Zahl der Menschen eher gering ist, entstehen verschiedene Gruppierungen, die einander nicht immer wohlgesonnen gegenüberstehen. Manche Ebenen sind gar völlig von dem Rest der Gesellschaft abgeschnitten, was ebenfalls viel über die menschliche Natur verrät. Im Laufe der Handlung erhaltet ihr dank des Expeditionsteams, das mit Schutzanzügen Jagd auf Tiere macht, einen Blick nach draußen, seht aber auch, wie einzelne Personen innerhalb des Turms leben und handeln. Schnell wird klar, dass der Turm wie ein Druckkochtopf wirkt und zu rosten beginnt ...


Der Drang der Menschheit, den Weg aus dem Turm zu finden, der doch eigentlich ihren Schutz gewährleistet, bringt dem Werk eine nachdenkliche Tiefe, die auch immer wieder aufgegriffen und im Laufe der Handlung ins Zentrum gerückt wird. Ist es ein gutes Leben, wenn man nach dem Diktat einer KI lebt? Diese Frage ist ebenso vertreten wie die tiefe Sehnsucht nach dem, was längst vergangen ist. Dabei gehen die vielseitigen Charaktere unterschiedlich mit dieser Frage und ihren Gefühlen um, was als perfekter Stoff für eine dramatische Geschichte dient.


Der Zeichenstil von Mr. Fab ist schonungslos und glänzt besonders dort, wo es hässlich zugehen soll. Auch die Natur, die sich langsam die Straßen Brüssels zurückerobert, wirkt eindrucksvoll gezeichnet und bildet einen direkten Kontrast zu den teils modernen oder menschlichen Inhalten, die vereinzelte Panels abbilden. Viele Details schmücken die Szenen aus, wohingegen das wahre Highlight die vielseitigen Gesichter sind, die besonders durch ihre glaubhaften Ausdrücke zu fesseln wissen. Etwas auffällig sind die wenigen Sprechblasen, die verwendet wurden. Tatsächlich erzählt diese Graphic Novel den Großteil der Geschichte über großflächige Bilder. Hier kann man sich fragen, ob das nun ein Vor- oder Nachteil ist: Durch den doch spärlichen Text ist die Lesezeit sehr kurz, was mir weniger gut gefallen hat.


Splitter Verlag hat dieser Graphic Novel ein Hardcover im Großformat spendiert, das einen wertigen Eindruck macht. Die deutsche Übersetzung wirkt authentisch und schreckt ebenso wenig vor umgangssprachlicher sowie ungeschmückter Sprache zurück. Der Druck überzeugt ebenfalls mit satten Farben und angemessener Papierstärke. Fans von Science-Fiction und Action mit einem Hauch von nachdenklichem Tiefgang werden hier sicherlich Spaß am Lesen finden.


Wenn ihr euch einen ersten Eindruck von den tollen Illustrationen verschaffen möchtet, könnt ihr hier verschiedene Seiten aus der Graphic Novel online einsehen.

  • Hardcover, farbig
  • ISBN: 978-3-96792-397-1
  • 23,1 x 32,2 cm, 64 Seiten
  • 16,00 €


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Lust auf mehr Artikel dieser Art? Dann schaut gern im Nerdkultur-Bereich vorbei und genießt weitere Rezensionen und spannende Berichte!

Unser Fazit

Meinung von Simon Münch

Der Turm zeichnet ein düsteres Bild für die Zukunft der Menschheit: Nicht nur ist die Natur, unser eigentliches Lebenselixier, für uns verloren, sondern wir müssen auch noch unser Dasein in einer Gefangenschaft fristen, in der eine KI sogar das Duschwasser rationiert. Ist das überhaupt ein lebenswertes Leben? Diese Graphic Novel stellt wichtige Fragen, liefert facettenreich Antworten und zeigt dabei schonungslos Konsequenzen auf, die Einzelpersonen, aber auch das Kollektiv betreffen. Ebenso brutal wird auch die menschliche Natur offengelegt, welche sich sogar in der größten Stunde der Not nach Gier, Macht und Zwietracht sehnt. Viele Geheimnisse sind in dieser Geschichte aber noch offen und der Cliffhanger zwingt regelrecht dazu, direkt den nächsten Band einzutüten. Fans von tiefergehenden Handlungen und dystopischen Zukunftsszenarien werden hier viel Spaß haben. Dank der hochwertigen Ausführung des Splitter Verlags reiht sich dieser Band wunderbar in eine gut gepflegte Comic-Sammlung ein. Ich für meinen Teil bin neugierig, was im nächsten Band von Der Turm wartet!
Mein persönliches Highlight: Die kontrastreichen Zeichnungen und der ständige Erzählwechsel

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Kommentare 7

  • dr.retro

    Retrogamer aus Leidenschaft

    Bei all den Bücher-Rezensionen die hier zwischendurch auftauchen, wundert es mich, das sich noch niemand das inoffizielle Super Mario Buch vorgenommen hat. Da überlege ich seit Monaten drüber und niemand rezensiert das. Muss ja sehr schlecht sein. :|

  • Simon Münch

    Inselbewohner

    dr.retro Falls du Das inoffizielle Super Mario-Kochbuch meinst, haben wir hier kürzlich einen Bericht veröffentlicht. Wenn du ein anderes Buch meinst, wäre die ISBN hilfreich :D

  • dr.retro

    Retrogamer aus Leidenschaft

    Simon Münch Simon Münch


    Ne, ich meine dieses:


    ISBN-10 ‎3735852327

    ISBN-13 ‎978-3735852328

  • 5cool3me

    High Tech, Low Life

    100% inoffizielle klingt jetzt nicht soooo geil :troll:


    Die Bücher, die hier vorgestellt werden, sind auch eher novels oder Comics. Ich freu mich immer wenn ich auf neue Serien aufmerksam gemacht werde, auch wenn mein Interesse eher bei Vertigo/black Label liegt, die in De meinst über Panini kommen.

  • dr.retro

    Retrogamer aus Leidenschaft

    5cool3me


    Warum? Weil es vielleicht Themen anspricht, die nicht von Nintendo abgesegnet sind? Vielleicht sogar, so Gott verhüte, kritisch?

  • 5cool3me

    High Tech, Low Life

    5cool3me


    Warum? Weil es vielleicht Themen anspricht, die nicht von Nintendo abgesegnet sind? Vielleicht sogar, so Gott verhüte, kritisch?

    Ne eher weil ein Fan denkt er sei der Überfan und muss sein Wissen auf uns unwissende niederregnen lassen.


    Ich persönlich kann mir dieser Fanfiction nicht viel anfangen, dann lese ich liebe Frag Iwata.

  • dr.retro

    Retrogamer aus Leidenschaft

    5cool3me


    Seltsam, da ist es nicht seriös. Aber wenn ein anderer Superfan sein Produkt hier vorstellt und ich dies kritisch bewertet habe, war das auch nicht in Ordnung. Schon seltsam, scheinbar alle nur noch auf Krawall gebürstet.