© Masayuki Kusumi / Jiro Taniguchi / Carlsen Verlag

Der Gourmet in unserer Graphic-Novel-Rezension

Ursprünglich erschien der erste Band von Der Gourmet bereits 1997 in Japan als Manga, allerdings fand die Geschichte erst 2014 den Weg in die deutschen Comicbuchläden. Ein weiterer Band folgte 2015 in Japan, der die Geschichte rund um den namenlosen Protagonisten auf der Suche nach der nächsten Mahlzeit fortsetzt. 2023 erschien schließlich im Carlsen Verlag ein Komplettpack aus beiden Bänden, wobei es mittlerweile gar nicht mehr so einfach ist, das Paket bestehend aus beiden Episoden zu bekommen. Doch worum geht es in den beiden Manga, die vom Carlsen Verlag als Graphic Novel verkauft werden, und lohnt sich die mühselige Suche nach einem Exemplar? Mehr dazu erfahrt ihr in unserer folgenden Rezension.


Eine spannende, kulinarische Reise durch Japan

© Masayuki Kusumi / Jiro Taniguchi / Carlsen-Verlag

Ganz klar steht das japanische Essen im Mittelpunkt der Geschichte, denn jedes einzelne Kapitel dreht sich darum, dem hungrigen Magen etwas kulinarisch Wertvolles zu geben. Dabei streift unser Protagonist durch die verschiedenen Orte, Städte und Präfekturen Japans, um seinen knurrenden Magen ruhigzustellen. Beruflich ist er viel unterwegs, denn er importiert Haushaltswaren aus dem Ausland und trifft sich daher an verschiedenen Orten mit Geschäftspartnern und Kunden. Das gibt ihm auch die Möglichkeit, unterschiedliche Gerichte und oft auch Spezialitäten der jeweiligen Orte auszuprobieren. Dabei lässt er sich meist von seinem Instinkt leiten, wobei er sehr auf traditionelle japanische Küche setzt, sich hier und da aber auch einmal koreanische oder französische Küche schmecken lässt.


Jedes Kapitel hat demnach den Titel eines Gerichtes inklusive Ort, in der unser Gourmet derzeit unterwegs ist. Seine Suche leitet ihn dann zu gebratenem Schweinefleisch in Sanya, im Taito-Bezirk von Tokyo oder zu Enoshima-Donburi in Enoshima, in Fujisawa in der Präfektur Kanagawa. Der Gourmet läuft dabei oft nach seinen Geschäftsterminen ziellos durch die Straßen und Gassen des jeweiligen Ortes und lässt sich von seinem Hungergefühl leiten. Hat er sich für ein Lokal entschieden, ist er manchmal unsicher, was er bestellen soll und lässt sich von den Einheimischen und Stammgästen beeinflussen. In anderen Lokalen bleibt ihm nur die Möglichkeit, aus wenigen Gerichten zu entscheiden und manchmal geht er auch mit deutlichen Vorurteilen in einem Restaurant essen, nur um schließlich von der guten Qualität überzeugt zu werden.


Dabei ist jedes Kapitel gleich aufgebaut und man bekommt zunächst eine kurzen kurzen Einblick in den Tag des Gourmets. Manchmal bekommen die Leserinnen und Leser auch persönliche Informationen des Protagonisten dargeboten, wobei man am Ende beider Bände dennoch nicht all zu viel von ihm weiß. Allerdings bekommt der Leser einen detaillierten Einblick in die japanische Kochkunst und die geografisch unterschiedlichen Spezialitäten, für die manche Orte berühmt sind. Nicht selten wird das jeweilige Gericht in unglaublich detaillierten Bildern von Mangaka Jiro Taniguchi inszeniert, sodass man selbst genau weiß, was einen erwarte, wenn man das Gericht selbst bestellen würde. Ist man mit der japanischen Küche weniger vertraut, findet man am Ende eines jeden Bandes ein Glossar, in dem Begriffe wie Oden, Bento oder Onigiri erklärt werden. Am Ende des Kapitels wartet meist ein Protagonist, der viel zu viel gegessen, aber dennoch seine Zeit in den Restaurants genossen hat.


Beim Lesen von Der Gourmet erfährt man auch einiges über die japanische Kultur und welchen Stellenwert Essen im ostasiatischen Land einnimmt. Reist man mit dem Zug, ist es gang und gäbe, dass man sich zuvor mit einer kunstvoll arrangierten Bento-Box eindeckt und es gehört zum guten Ton, Alkohol zu trinken, auch wenn viele es nicht vertragen. Dadurch, dass die Umgebung mehr im Vordergrund steht als der Protagonist selbst, nimmt man als Leserin und Leser die Funktion eines Gastes ein, der mit am Tisch sitzt und den Gourmet dabei beobachtet, wie er sich durch die verschiedenen Leckereien arbeitet.


Der Mangaka Jiro Taniguchi setzt die Geschichte von Autor Masayuki Kusumi wunderbar detailverliebt um, sodass man jedes einzelne Bild mit viel Begeisterung anschaut. Beide harmonieren wunderbar miteinander und im Vor- und Nachwort von Band 1 bekommt man weitere Einblicke in die Zusammenarbeit der beiden.


Der Gourmet, Band 1 & 2 – Komplettpack ist erschienen im Carlsen-Verlag.


Softcover, farbig

ISBN: 978-3-551-02400-8

21 x 14,6 cm, 368 Seiten

Unser Fazit

Meinung von Kerstin Steiner

Der Gourmet ist bestimmt kein Manga für jedermann, allerdings ist er ein wundervoller Einblick in die japanische Küche. Der Protagonist ist mit Absicht namenlos, sodass man sich als Leserin und Leser selbst in den Straßen von Tokyo und Co. verlieren kann, auf der Suche nach einem leckeren Gericht, das den Hunger bekämpfen soll. Daher ist es auch ratsam, die beiden Manga nicht mit leerem Magen zu lesen, da man sich dank der detaillierten Zeichnungen selbst schnell auf der Suche nach etwas Essbarem begibt. Außerdem ist es leider keine leichte Aufgabe, in den Besitz der beiden Bände zu kommen. Solltet ihr aber dennoch einmal über die Manga stolpern und Interesse an der japanischen Küche haben, kann ich jedem die beiden Bände wärmstens ans Herz legen, auch wenn ich mit dem Protagonisten selbst nicht wirklich warm geworden bin.
Mein persönliches Highlight: Die detaillierten Zeichnungen und die Insider-Infos aus der japanischen Küche

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Kommentare 3

  • Armstrong

    Turmbaron

    Einige Bücher von Taniguchi werden bei Carlsen immer mal wieder neuaufgelegt. Dauert aber ein bisschen, teilweise ein paar Jahre.


    Ich bin 2007 mit Vertraute Fremde in sein Werk eingestiegen und hab mir seitdem ein paar Bücher von ihm zugelegt. Die Sicht der Dinge gefiel mir bisher am besten. Leider sind die deutschen Titel der Bücher manchmal etwas nichtssagend im Gegensatz zum jap. Original.

  • goku736

    Greato

    Speziell diesen Band kenne ich nicht, aber ich finde, dass Jiro Taniguchi einer der Besten Mangakas gewesen ist. Seine Geschichten sind so ruhig und dennoch so wirkungsvoll. Ich liebe auch seinen Stil.


    Ich habe vor einigen Jahren mal eine Serie über das Essen in Japan gesehen. Ich hab gerade gegoogelt und sah, dass dieser Manga eine Serie bekommen hat. Ich weiß nicht, ob es die war, die ich gesehen habe.

  • Lucine

    Turmbaronin

    Ich mag die Werke von Jiro Taniguchi, die haben immer eine ganz besondere Atmosphäre und Botschaft.


    Der Gourmet habe ich mir damals in unserer Stadtbibliothek ausgeliehen und weiß noch, dass ich ganz erfreut war, dass auch solche Nischentitel ihren Weg in den Bestand unserer Bibliothek gefunden hatten.