© Hamburg Messe + Congress / Super Crowd Entertainment
Unser Besuch bei der Polaris Convention 2024 in Hamburg: ntower zwischen Cosplays und Besucherrekorden Spezial
Geschrieben von Krispin Berndt am 29.10.2024
Die Community- und Videospielmesse Polaris Convention konnte sich in den vergangenen Jahren einen Namen machen und knackte von Jahr zu Jahr die eigenen Rekorde. Dementsprechend war es keine große Überraschung, dass die Veranstaltung von Super Crowd Entertainment und Hamburg Messe + Congress auch in diesem Jahr im Herzen von Hamburg stattfand. Selbstverständlich sind wir erneut in Richtung Messehallen aufgebrochen und haben uns die dritte Ausgabe angeschaut – erreichte die Messe in diesem Jahr neue Höhepunkte, oder ebbt das Interesse doch schon wieder ab?
Insbesondere die letztere Frage lässt sich mit einem Blick auf die veröffentlichten Zahlen einfach beantworten. Satte 40.000 Besucher strömten an einem sonnigen, aber kalten Wochenende ins Zentrum von Hamburg. Im Jahr 2022 startete die Polaris zunächst mit 10.000 Besuchern, 2023 waren es dann schon 30.000 und in diesem Jahr folgte ein erneuter Besucherrekord. Das große Interesse machte sich vor allem am Samstagvormittag am Eingang bemerkbar: Geschätzte zwei Kilometer zog sich die Warteschlange für den Einlass durch die Straßen des Messegeländes. Spätestens am frühen Nachmittag war die Menschentraube aufgelöst und der Einlass klappte ohne Wartezeit. Doch was zieht eine solche Menschenmasse zu der Polaris Convention?
Eine wahre Reizüberflutung: Merchandise soweit das Auge reicht
© Hamburg Messe + Congress / Super Crowd Entertainment
Die offensichtlichste und einfachste Antwort ist das breite Spektrum an Themen. Die Veranstalter bewerben die Polaris Convention mit einer bunten Mischung aus Gaming, Cosplay, Anime, Manga und japanischer Popkultur. In diesem Jahr kam außerdem noch eine großzügige Tabletop-Area hinzu, in der namhafte Hersteller der Branche ihre aktuellsten Produkte zur Schau gestellt haben. Dort konnten mit anderen Interessierten ein paar Runden vor Ort gespielt oder an einem Stand auf Spendenbasis Miniaturfiguren angemalt und anschließend mit nach Hause genommen werden.
Dementsprechend erfreute sich der Stand des Künstlers und Streamer „Painting After Midnight“ großer Beliebtheit – mit einer stark limitierten Anzahl an verfügbaren Plätzen. Hier musste streckenweise ein bisschen Wartezeit in Kauf genommen werden. Wer in Richtung der Hallen für die Videospiele oder zu der großen Arena für die Panels wollte, musste sich durch die Artist-, Shopping- und anschließend durch die Tabletop-Area drängeln. Aufgrund der relativ schmalen Hallen kam es des Öfteren zu Stau und einem langsamen Vorankommen – bummeln in Schrittgeschwindigkeit.
Insbesondere im Eingangs- und Shopping-Bereich machte sich der Umzug in eine „neue“ Location bemerkbar, die sich lediglich ein paar hundert Meter von der alten Location entfernt befand. Statt der beiden deutlich luftigeren Hallen aus den Vorjahren musste man sich schon zu Beginn der Messe durch relativ schmale Gänge bewegen. War diese kleine Hürde geschafft, wartete zunächst Merchandise zu allen möglichen Franchises auf potenzielle Käufer. Künstler und Künstlerinnen konnten in einem eigenen Bereich ihre Werke, ob Bilder oder gebastelte Kunst, zur Schau stellen und an Interessenten verkaufen. Besonders mutige Besucher hatten außerdem die Chance, sich bei den unterschiedlichen Tätowierern ihre Liebe zu Anime und Videospielen unter und auf die Haut stechen zu lassen. Zugegeben, nach meinem spontanen Tattoo bei Netflix auf der gamescom 2020 kam ich sogar in Versuchung. Mittlerweile bereue ich vielleicht ein bisschen die verpasste Chance auf ein Hamtaro-Tattoo – gestochen auf der Polaris Convention.
Schnell wurde einem vor Augen geführt, wer eine der größten Zielgruppen der Polaris ist: die Welt des Cosplays. Bereits im vergangenen Jahr teilte ich in unserem Bericht meine Begeisterung als Außenstehender für das zeitintensive Hobby und die ziemlich beeindruckenden Resultate. Zwischenzeitlich wusste ich nicht mehr, wohin ich als Erstes schauen soll. Insbesondere die Figuren aus Demon Slayer und One Piece waren beliebte Themen. Besonders ausgefallene und detaillierte Cosplays wurden in einem Wettbewerb von einer Jury bewertet und anschließend ausgezeichnet.
Nintendo lockte mit einem großflächigen Stand, Goodies, Dragon Quest III HD-2D Remake und Super Mario Party Jamboree
© Hamburg Messe + Congress / Super Crowd Entertainment
Im Vergleich zum Vorjahr waren Videospiele in diesem Jahr noch einmal ein deutlich präsenteres Thema. Es schien, als wäre noch einmal deutlich mehr Platz geschaffen worden. Das lag sicherlich auch am gesteigerten Interesse der Entwickler und Publisher im Hinblick auf die steigenden Besucherzahlen. Im vergangenen Jahr lockte Nintendo mit einem Stand und der erstmaligen Chance, Super Mario Bros. Wonder vor dessen Launch anzuspielen. In diesem Jahr war das japanische Unternehmen erneut und mit einem deutlich größeren Stand und Rahmenprogramm vor Ort.
Eine Premiere gab es ebenfalls: Super Mario Party: Jamboree konnte erstmals ausprobiert werden. Außerdem holte Nintendo niemand Geringeren als Square Enix ins Boot und stellte den Besuchern eine Anspielstation mit dem Dragon Quest III HD-2D Remake zur Verfügung – dementsprechend groß war dort der Andrang. Abgerundet wurde der Messestand mit Stationen zu Spielen wie EA Sports FC 25, Disney Epic Mickey: Rebrushed und bereits veröffentlichten Spielen von Nintendo wie Princess Peach: Showtime! und The Legend of Zelda: Echoes of Wisdom. Durch einen erfolgreichen Check-in konnten sich Besitzer eines Nintendo-Kontos außerdem eine Tragetasche sowie kleinere physische Goodies wie Postkarten oder Blumensamen abholen.
Capcom sorgte mit Stationen zu Kunitsu-Gami: Path of the Goddess, Street Fighter 6 sowie mit einer brandneuen Demo von Monster Hunter Wilds ebenfalls für ein sehr hohes Interesse bei den Besuchern. Zwar musste hier ein "bisschen" Wartezeit eingeplant werden, allerdings immer noch meilenweit entfernt von den stundenlangen Wartezeiten auf der gamescom. Die Indie-Area konnte mein größtes Interesse wecken und gehörte im letzten Jahr sowie alljährlich auch auf der gamescom zu meinen Lieblingsorten. Dort gab es einige spannende Titel, wobei mich das Spiel „About Cannons & Sparrows“ am meisten überzeugen konnte.
Ein Highlight der Indie-Area: Eine Kanone als Protagonist eines Metroidvanias ist außergewöhnlich, oder?
© About Cannons & Sparrows Creative Studio
Dabei handelt es sich um ein Metroidvania mit Jump ’n’ Run- und Rätselpassagen von den beiden deutschen Entwicklern Niko Tziopanos und Daniel Balzer aus Buchholz in der Nordheide. In About Cannon & Sparrows steuert ihr eine Kanone und müsst den doch eher ungewöhnlichen Protagonisten durch die idyllischen Schauplätze manövrieren, kleine Rätsel lösen und euch den feindlich gesinnten Kreaturen entgegenstellen. Das Spiel befindet sich noch in der frühen Entwicklungsphase, landete, auch aufgrund seines untypischen Settings, nach einem kurzen Anspielen umgehend auf meiner Wunschliste.
Geplant ist eine Veröffentlichung im kommenden Jahr, zunächst aber auf Steam für den PC. Nach einem kurzen Gespräch mit einem der Entwickler konnte ich in Erfahrung bringen, dass durchaus Interesse an einer Nintendo Switch-Version besteht. Versprechen konnten nicht gemacht werden, da es das Erstlingswerk der Entwickler ist und zunächst noch deutlich mehr Erfahrung gesammelt werden muss. Wenn ihr euch About Cannons & Sparrows einmal genauer anschauen wollt, findet ihr über diesen Link einen ersten Trailer und gelangt über diesen Link direkt zur Steam-Seite des kommenden Metroidvanias.
Nach den kleinen, spannenden Abenteuern der Videospiele ging es im Platz an der frischen Luft voll und ganz um das leibliche Wohl. Angeboten wurden Speisen wie Pizza, Pommes, Burger und Ramen – mit Fleisch, vegetarisch oder vegan. Hier blieb wahrscheinlich kaum ein Magen leer, vorausgesetzt, das Hungergefühl überwog den sinkenden Inhalt des Geldbeutels. Die Preise beliefen sich auf rund 4 Euro für Pommes, bis hin zu 10 Euro und mehr für Ramen und Burger, was mittlerweile leider typische Messepreise sind. Wer nach der Artist- und Merchandise-Area sowie nach einem Mittagessen dann noch ein bisschen Taschengeld übrig hatte, konnte seinen Geldbeutel auf dem großen Retro-Flohmarkt um weitere Scheine erleichtern.
Gemeinsam mit einem leicht gebeutelten Geldbeutel, einem gefüllten Magen sowie mit ein bisschen Merchandise im Gepäck ging es dann Sonntag in den Abendstunden wieder nach Hause – ein großartiges Wochenende auf der Polaris geht zu Ende. Bereits kurz nachdem die Tore geschlossen wurden, bestätigten die Veranstalter, dass die Polaris Convention auch im nächsten Jahr vom 10. bis 12. Oktober in Hamburg stattfinden wird . Wahrscheinlich mit einer noch größeren Fläche und einem weiteren Besucherrekord. Tickets für die Polaris Convention 2025 sollen demnächst in den Verkauf gehen.