© © Foto: ntower

Comic Con Stockholm Winter 2024 ​– Entschleunigung des Alltags zwischen Cosplays, Nerds und Kunst Spezial

Was die gamescom für Deutschland ist, stellt die Comic Con im Winter für Schweden dar. Jährlich reisen allerlei Nerdkultur-Begeisterte aus den verschiedenen nordischen Ländern an, treffen sich mit Gleichgesinnten und wohnen interessanten Q&A-Talks mit Schauspielerinnen und Schauspielern bekannter Serien und Filme bei. Auch vergangenes Wochenende ging die Comic Con in Stockholm in die nächste Runde und lockte Cosplay, Nerds und auch das ein oder andere Kunstwerk in die Messehalle der schwedischen Hauptstadt. Wir haben es uns natürlich ebenfalls nicht nehmen lassen, für einige Stunden das reale Leben zu vergessen und uns vollständig dem Nerdtum hinzugeben. Was uns auf der skandinavischen Messe erwartet hat und welche Stars wir beim Erzählen zuhören durften, erfahrt ihr in diesem Bericht.

Ein nerdiges Wochenende, um den Alltag kurz zu vergessen

Die Comic Con Stockholm Winter 2024 stellt meine mittlerweile dritte Nerd-Messe in der schwedischen Hauptstadt dar. Vor etwa genau einem Jahr beispielsweise war der Herr der Ringe-Star Elijah Wood zu Besuch, erzählte ein wenig von seiner mittlerweile Jahrzehnte zurückliegenden Hobbit-Reise und hat zu dem Zeitpunkt seine Freizeit gerne mit Super Mario Wonder verbracht. Leider konnte die Riege der Stars zumindest für mich in diesem Jahr das Niveau nicht ganz erreichen, trotzdem hat es sich die Messe nicht nehmen lassen, platztechnisch noch mal einen draufzusetzen und in eine größere Halle des Geländes zu wandern. Größentechnisch ist die Stockholmer Comic Con im Winter vergleichbar mit ungefähr einer großen Halle des Kölner Messegeländes, was also bedeutet: Die Comic Con des Nordens ist um Längen entspannter, beherbergt aber trotzdem Wohlfühloasen der Nerdkultur. Wer also eine Reizüberflutung auf Niveau der Spielemesse in Köln sucht, wird von der Comic Con in Stockholm enttäuscht werden.

Nahezu jeder Nerd wird auf der Winter-Comic Con in Stockholm fündig

© Foto: ntower

Trotzdem strotzt die dreitätige Messe der schwedischen Hauptstadt nur so von Nerdkultur, Cosplays, gutem Essen und allerlei Merch aus Fernost. Mit einem großen Programm trat auch die diesjährige Comic Con erneut auf und bot neben Kursen, Signierstunden oder Cosplay-Wettbewerben auch gewisse Tanzeinlagen oder Konzerte an. In der relativ geräumigen Halle angekommen, brannten auch schon die Scheinwerfer auf die Netzhaut und die Gespräche von Hunderten Gästen schallten auf die Ohren. An einer Stelle gab es japanische sowie koreanische Süßigkeiten, am Stand gegenüber wurden Instant-Nudeln zubereitet und zum Probieren an die Gäste verteilt.

Auf dem Weg zum Nudelstand erregte jedoch der Nintendo-Stand unsere Aufmerksamkeit und lud zu einer entspannten Runde Mario Kart 8 Deluxe ein. Groß und Klein konnten hier nicht nur Nintendos Klassiker auf der Nintendo Switch ausprobieren, sondern auch relativ neue Spieledemos angehen. Auf einer kleinen Bühne gab es drüber hinaus verschiedene Turniere, die beispielsweise in Mario Kart 8 Deluxe, Super Smash Bros. Ultimate oder Nintendo World Championships: NES Edition ausgetragen wurden. Vor Nintendos Bühne konnte man dem Trubel der lauten Messe zumindest kurzweilig entgehen.

Während Nintendo mit modernen Spielen begeisterte, wurden Retro-Fans bei den unübersichtlich vielen Retro-Ständen fündig. Angereist aus dem ganzen Land haben Einzelhändler und ebenfalls Retro-Begeisterte allerlei Second Hand-Spiele angeboten, aber auch relativ moderne Merch-Gegenstände auf ihren Tischen verteilt. Hier schlugen Gamer-Herzen wirklich höher – egal, nach was es euch dürstet, einer dieser Händler wird sehr wahrscheinlich eine Kopie eures ersehnten Titels im Verkauf haben. Seid ihr eher Manga-begeistert, könnt ihr durch die Regale der vielen Verlage schlendern und euch mit den japanischen Comics eindecken. Hier gab es ebenfalls ein tolles Second Hand-Aufgebot zu erschwinglichen Preisen, aber auch neue Bücher standen zum Verkauf.

Die Artist Alley hat unzählige handgemachte Plüschtiere, Gemälde und Kunstwerke

© Foto: ntower

Für heimische Dekorationen wurde auch gesorgt: Besonderes die ziemlich schmal geratene Artist-Alley hat es mir angetan. Hier konnten Künstlerinnen und Künstler ihre hausgemachten Plüschtiere, Sticker, Anstecker und Bilder zum Verkauf anbieten, waren für einen kurzen Schnack zu haben und haben der Messe noch mal einen schönen heimischen Flair gegeben. Durch die vielen verschiedenen Kunststände trat die kapitalistische Ader solcher Messen zumindest für einen Moment in den Hintergrund. Es hatte was Schönes, neben der wirklich tollen Kunst auch den Erschaffer oder die Erschafferin kennenzulernen – hinter den Gemälden stecken dann doch tatsächlich Menschen, die ihrer kreativ einen wahnsinnig schönen freien Lauf lassen. Falls ihr mal auf der Stockholmer Comic Con zugegen seid, kommt ihr nicht an der Artist Alley vorbei.

Habt ihr diese mit verschiedenen Artworks in der Hand wieder verlassen, könnt ihr euch im Brettspiel-Bereich wieder einen Moment der Ruhe gönnen. Egal ob neue Brettspiele oder alte Klassiker, hier finden auch Brettspielenthusiasten ihren Platz. Setzt euch mit einem warmen Getränk dazu, lernt neue Leute und vielleicht sogar Freunde kennen; auch hier kann die Comic Con abwechslungsreich überzeugen.

Das große Highlight einer jeden Comic Con ist aber nach wie vor die Vielfalt an Cosplays, die durch die Messehalle wandern. Natürlich waren Klassiker wie die Sturmtruppler oder Darth Vader aus Star Wars zugegen, aber auch eher außergewöhnlich und nicht weniger kreative Cosplays waren unterwegs. Ein Highlight war beispielsweise ein herumlaufender Nintendo Switch-Controller. Für mehr Begeisterung sorgte ein für meinen Geschmack beängstigend realistisch aussehender Iron Man, welcher ein paar Meter später auf Bat Man traf. Hier gab es ordentlich was zu sehen.

Ein wahres Highlight war die Q&A-Session mit Baldur's Gate 3-Star Neil Newbon

© Foto: ntower

Zu hören gab es allerdings auch einiges, nämlich die berühmten Q&A Talks bekannter Stars aus dem Nerduniversum. Für meinen Geschmack musste gerade hier die diesjährige Comic Con wohl etwas zurückstecken. Während uns wie gesagt im letzten Jahr Elijah Wood beiwohnte, sich im Mai 2024 dann noch Nolan North einigen Fragen stellte, war in meinen Augen dieses Jahr die größte Persönlichkeit definitiv Neil Newbon. Der Schauspieler aus Baldur’s Gate 3 kommt gemessen am Bekanntheitsgrad vielleicht nicht an den Frodo-Schauspieler heran, steht ihm in Sachen Sympathie und räumlicher Atmosphäre jedoch definitiv in nichts nach. Neil Newbon hat Fragen zur Industrie und zum Spiel beantwortet und mit einer unverwechselbaren Eloquenz überzeugt, die hier und da eine Prise Humor in den Raum sprühte. Auch mit einer relativ respektlosen und überheblichen letzten Frage ging der Schauspieler mehr als gelassen um, nutzte diesen Fauxpas als Plattform und kreierte eine angenehme Wohlfühlatmosphäre. Fans des Schauspielers durften im Anschluss natürlich Fotos machen und Autogramme abstauben – erneut zu unverschämt hohen Preisen, was Comic Con-Fans aber wohl mittlerweile gewöhnt sind.

Abschließend kann ich nur sagen: Wieder liegt ein angenehm nerdiges Wochenende zurück, das gefüllt war mit leckerem Essen, angenehmen Gesprächen und einem heimischen Gefühl von Nerdkultur. Erneut konnte die Comic Con Stockholm an nahezu allen Ecken überzeugen und die Gäste zumindest für drei Tage aus dem anstrengenden Alltag in fantastisch fiktionale Welten locken. Auch wenn noch kein neues Datum angekündigt wurde, wird die nächste Comic Con in Stockholm in der Winter-Edition wohl am ersten November-Wochenende stattfinden. Plant ihr also ohnehin einen nordischen Urlaub, schaut doch gerne für einen Tag bei der Welt der skandinavischen Nerds vorbei – ihr werdet nicht enttäuscht.

Kommentare 1

Noch nicht angemeldet?

Du möchtest aktiv an unserer Community teilnehmen oder deine persönliche Spielesammlung bearbeiten? Dann melde dich bei uns an.

Jetzt anmelden

  • Waddle Dee

    Return to Dreamland 9. November 2024 um 07:34

    Okay, habe mal die Route berechnet. Ich bräuchte mit dem Auto über 9 Stunden.

    Wäre mit der Fähre bestimmt angenehmer, aber immer noch sehr weit.