© SEGA
Two Point Museum für den PC im Test – Ein Museumstraum geht in Erfüllung!
Geschrieben von Kerstin Steiner am 25.02.2025
Vor über sieben Jahren erschien die Simulation Two Point Hospital und traf einen Nerv. Denn das Managementspiel nahm sich selbst nicht so ernst, wobei man sein Krankenhaus, in dem diverse und skurrile Krankheiten behandelt werden, durchaus mit einem wachen Auge verwalten sollte. 2022 folgte dann ein Ausflug an die Universität, wo übermüdete und engagierte Studierende im Zaum gehalten werden mussten. Auch hier zog sich der Humor durch das Spiel, denn gängige Studiengänge wie Jura, Medizin oder Germanistik findet man hier nicht wirklich. Mit Two Point Museum geht es nun in die dritte Runde und wie der Titel schon verrät, steht das eigene Museum im Mittelpunkt. Ob das Entwicklungsstudio Two Point Studios erneut einen Treffer landet, erfahrt ihr im folgenden Test.
Museen sind Orte, die man liebt oder eben nicht und in ihnen findet man häufig geballtes Wissen über die Vergangenheit und Gegenwart. Daher ist ein Museumsbesuch auch immer ein Blick in Zeiten, die man selbst nicht erlebt hat oder erleben konnte. Das ist auch der Fokus von Two Point Museum und bei Kampagnenstart befindet ihr euch in einem leeren Museum und sollt die Führung übernehmen. In Two-Point-Manier werdet ihr auch nach und nach an die Hand genommen, sodass ihr die neuen und alten Mechaniken direkt verinnerlichen könnt. Ihr startet damit, gefundene Artefakte auszustellen, denn die Besuchenden wollen natürlich auch etwas spannenden anschauen, wenn sie schon einen Fuß in euer neues Museum setzen.
Schnell finden Fußabdrücke von Dinosauriern oder Fossilien ihren Weg in die noch kahlen Hallen, ehe auch schon ein Ticketschalter sowie Dekorationen folgen. Das Prinzip ist bekannt und doch baut ihr nicht mehr ausschließlich geschlossene Räume, sondern offene Areale, die eure Besucher dann ablaufen können. Platziert ihr ein Artefakt, gibt es verschiedene „Bedürfnisse“ zu erfüllen, sodass es sich zum Besuchermagneten entwickelt und Begeisterung sammelt. Damit steigt ihr nämlich in der Museumsstufe auf und lockt immer mehr Leute in eure Hallen. Stellt die passende Deko auf, platziert Informationstafeln und eine Spendenbox, sodass es den Besuchern an nichts fehlt. Nach und nach trudeln also die ersten Interessierten bei euch ein, weswegen ihr euch auch direkt um Mülleimer, Toiletten und natürlich Personal kümmern solltet.
Das ist unersetzlich, denn der Laden – oder vielmehr das Museum – soll ja rund laufen. Hausmeister, Sicherheitsangestellte, Assistenten und Experten sorgen dafür, dass es dem Publikum an nichts fehlt und sie auch brav ihre Eintrittspreise bezahlen und Müll weggeräumt wird. Hier kommt es auch am ehesten zum bekannten Mikromanagement, denn Gehälter und Arbeitslast müssen stets angepasst und korrigiert werden. Pausenräume solltet ihr schon sehr früh bauen, denn gerade zu Beginn müssen sich Arbeitsplätze noch geteilt werden und schlecht gelaunte Angestellte werfen irgendwann theatralisch das Handtuch. Sind sie jedoch gut gelaunt und fühlen sich wohl in ihrem Job, könnt ihr sie auch mit Weiterbildungen versorgen, sodass sie effizienter arbeiten. Dann lohnt es sich auch, sie bestimmten Arbeiten zuzuteilen, in denen sie am besten sind.
Die Experten sorgen nicht nur dafür, dass vorhandene Artefakte gepflegt und gehegt werden, sondern bringen auch neue Artefakte und Ausstellungsobjekte von ihren Exkursionen mit. Die Ausflüge sind essenziell für das Spiel und eine ganz neue Mechanik, die euch zumindest theoretisch aus eurem Alltag als Museumsverwalter herausholt. Zwar könnt ihr aktiv nicht bei den Exkursionen dabei sein, dennoch könnt ihr sie ein klein wenig steuern. Auf einer Übersichtskarte findet ihr die verschiedenen Orte, die ihr besuchen könnt. Jede Exkursion erfordert nicht nur Personal, sondern kostet auch Geld. Später könnt ihr sogar noch verschiedene Gegenstände wie ein riesiges Fangnetz mitnehmen, sodass ihr mehr als nur einen Meeresfisch mit nach Hause bringt.
Darüber hinaus gibt es immer wieder Hindernisse auf den Expeditionen, bei denen euer sofortiges Handeln erforderlich ist. Durch eine Mitteilung werdet ihr davon in Kenntnis gesetzt und müsst schließlich eine Entscheidung treffen, die sich positiv oder negativ auf das Team auswirkt, das gerade unterwegs ist. Manche Konsequenzen sind tatsächlich tödlich, andere schleppt ihr mit ins Museum, wenn ihr zum Beispiel den Matsch aus dem Dschungel quer durchs Museum verteilt und die Hausmeister erst mal hinter euch her wischen müssen. Was den Humor angeht, liefert Two Point Museum hier wieder auf ganzer Linie ab.
Insgesamt warten fünf verschiedene Museumsarten auf euch, die ihr in der Kampagne nach und nach aufbaut und mit Artefakten füllen müsst. Ob nun klassische Dinosaurier und exotische Pflanzen oder bunte Fische und andere Meeresbewohner – jede Art von Museum bringt neue Dekorationen, spannende Ausstellungsstücke und skurrile Begegnungen mit sich. Im Laufe des Spiels werden sogar Experten von anderen Museen benötigt, um weitere Artefakte zu bekommen.
Nach und nach deckt ihr so die Exkursionskarte immer weiter auf und viele der noch unentdeckten Gebiete benötigen auch bestimmte Voraussetzungen, damit ihr sie freischalten könnt. Die könnt ihr euch als eine Art Questziel rechts im Bildschirm anzeigen lassen, sodass ihr sie die Ziele immer im Blick behaltet. Oft müsst ihr eine bestimmte Besucheranzahl oder einen Museumswert erreichen, damit ihr weitere Expeditionsorte freischalten könnt.
Die neu gefundenen Ausstellungsstücke finden schließlich ebenfalls einen Platz in eurem Museum und wenn ihr keinen Platz mehr habt, expandiert ihr gegen genug Geld eben und eröffnet ein weiteres Gebäude. Die Besucher danken es euch, denn es gibt unterschiedliche Arten, die ihr zufriedenstellen müsst. Insgesamt können 18 verschiedene Besuchertypen euer Museum besuchen, darunter normale Touristen, Goths oder Yeti-Familien. Alle haben verschiedene Bedürfnisse und Wünsche an ihren Besuch, weswegen ihr sie auch immer im Auge haben solltet.
Mit einem Klick auf sie erfahrt ihr, wie es ihnen gerade geht, welche Bedürfnisse sie haben oder wie ihr perfekter Tag im Museum aussehen könnte. Passt basierend auf den Informationen zum Beispiel die Preise im Museumsshop an oder installiert mehr Besuchertoiletten. Am Ende ihres Besuches seht ihr einen Bewertungskreis über ihren Köpfen, der sich auf die Gesamtbewertung eures Museums auswirkt. Kinder wollen übrigens anders bespaßt werden als Erwachsene, denn die kleinen Besucher interessieren sich nicht für tiefer gehendes Wissen auf einer der Informationstafeln. In der Werkstatt könnt ihr spezielle Ausstellungsstücke anfertigen, die Kindern das Wissen des Museums spielerisch vermitteln. Sorgt dafür, dass es genug solcher Attraktionen gibt und dass die Schlangen vor ihnen nicht zu lang werden.
Viele der Besucher haben den Wunsch, einen perfekten Tag im Museum zu verbringen. Der sieht natürlich für jeden unterschiedlich aus und doch könnt ihr viele Wünsche gleichzeitig abdecken. Einer davon ist zum Beispiel eine spannende Führung mitzuerleben, die ihr selbst gestalten könnt. Dafür müsst ihr einen Sammelpunkt im Museum setzen, ehe ihr die Route durch das Museum festlegt. Alles auf einmal könnt ihr nicht ablaufen, weswegen ihr hier herumexperimentieren und vor allem die Highlights hervorheben könnt. Die kristallisieren sich vor allem dann heraus, wenn große Exponate, die aus unterschiedlichen Teilen bestehen, komplettiert wurden oder ihr sehr viel Wissen über das jeweilige Stück angesammelt habt.
Denn immer wieder kommt ihr auch mit einem doppelten Exponat nach Hause, welches zunächst in eurem Inventar landet. Im Analysezimmer könnt ihr die doppelten Ausstellungsstücke dann „zerlegen“, sodass ihr mit mehr Wissen am eigentlichen Exponat angeben könnt. Das sorgt für mehr Prestige und lässt euch auf der Beliebtheitsskala weiter nach oben klettern. Durch erhöhtes Wissen sammelt ihr „Erleuchtung“, womit ihr auch weitere Dekorationsgegenstände freischalten könnt.
Was den Bau und das Gestalten des Museums angeht, habt ihr beinahe freie Hand. Wände und Böden können umgestaltet werden und ihr könnt sowohl neue Beläge freischalten als auch im Tausch gegen Dollar oder der Währung Kudosh kaufen. Mehr Kudosh erhaltet ihr übrigens, wenn ihr Aufgaben erfolgreich abschließt. Bei den einzelnen Dekorationsgegenständen könnt ihr zudem die Farbe oder aber auch die Form oder das Motiv ändern. Das Menü hierfür ist auf den ersten Blick etwas kompliziert, wenn ihr aber einmal den Dreh raus habt, findet ihr euch schnell zurecht.
Unter den Besuchern befinden sich natürlich auch immer ein paar schwarze Schafe, die gerne ihr Unwesen treiben wollen. Stellt sicher, dass ihr genug Sicherheitspersonal angestellt habt und sorgt dafür, dass ihr Überwachungskameras installiert habt. Denn je renommierter euer Museum wird, desto mehr Leute wollen sich an euren Errungenschaften bereichern. Hier kann es auch schon mal zu einem organisierten Raubüberfall kommen, weswegen ihr euer Sicherheitspersonal ebenfalls weiterbilden solltet.
Es kommen aber auch bekannte und wichtige Personen in euer Museum. Immer wieder bekommt ihr Mitteilungen in eurem Nachrichtenfach, dass besondere Persönlichkeiten oder aber andere wichtige Besucher im Museum vorbeikommen. Das können regelmäßige Checks sein, die sicherstellen, ob euer Museum auch sauber ist und reibungslos funktioniert, oder aber bekannte Menschen, die bei einem erfolgreichen Besuch natürlich auch davon erzählen. In eurem Postfach tummeln sich jedoch auch andere Ankündigungen, wie zum Beispiel Anfragen über einen freien Platz im Museum für ein Sonderexponat. Die solltet ihr stets annehmen, denn so fließen noch mal ein paar Taler mehr in eure Kassen und manchmal könnt ihr die Exponate sogar fest behalten.
Apropos Taler: Ein Museum lebt ja nicht von Bewunderung und wissenschaftlicher Begeisterung. Eure Finanzen zu haushalten gehört ebenfalls zu den Themen, die eure dauerhafte Aufmerksamkeit fordern. Im Idealfall macht ihr nämlich deutlich Plus, könnt eure Mitarbeitenden überdurchschnittlich gut bezahlen und das Museum mit der teuersten und besten Deko ausstatten. Das hängt allerdings sehr von eurem Ruf als Museum ab und letztendlich von euren Besuchern. Sind die glücklich und zufrieden, dann erledigt sich ein volles Konto fast von alleine. Im Notfall könnt ihr zwar auf Kredite und Sponsoring zurückgreifen, allerdings müsst ihr dann auch noch eure Schulden im Auge behalten.
Komplex wird es erst richtig, wenn ihr mehrere Museen gleichzeitig verwaltet und zwischen den einzelnen Standorten immer hin und her springen müsst. Denn neben einem vollen Konto sollen ja auch die einzelnen Museen immer voller und attraktiver werden, was wiederum neues Personal und natürlich teure Expeditionen erfordert. Der immerwährende Kreislauf ist das, was euch am meisten beschäftigt, aber oft auch mit ein paar Klicks erledigt werden kann. Die Übersichten sind nämlich recht gut strukturiert und ihr könnt sogar schnell Gehaltserhöhungen springen lassen oder Preise im Shop anpassen.
Die PC-Version des Spiels läuft aktuell butterweich, auch auf hohen Grafikeinstellungen, wenn es die Hardware zulässt. Performance-Schwierigkeiten oder sogar Bugs sind mir nicht begegnet, auch wenn einige Dinge bereits von Entwicklungsseite bekannt sind. Je wuseliger und größer eure Museen natürlich werden, desto mehr muss der PC berechnen, weswegen es bei älterer Hardware eventuell zu Rucklern kommen kann. Was etwas störte war, dass manche Tutorial-Banner immer wieder eingeblendet werden, wenn eine bestimmte Aktion in der Timeline erforderlich war. Wollt ihr euch erst einmal noch um andere Dinge kümmern, blieb der Banner und versperrte sogar einen Teil des Bildschirms, der wichtig war. Hier würde schon ein einfaches Wegklicken helfen, denn nicht immer hat man alle Voraussetzungen bereits erfüllt, um den nächsten Schritt zu machen.
Grafisch kann sich Two Point Museum seinen Vorgängern anschließen und punktet vor allem durch die niedlichen und absurden Animationen, welche die Besucher während ihres Aufenthalts machen. Positiv aufgefallen sind mir auch die Lichteffekte, die beispielsweise von Trink- oder Snackautomaten ausgehen und sich im Boden des Museums spiegeln. Darüber hinaus wird der Charme der beiden Vorgänger erneut eingefangen und es macht einfach Spaß, den Figuren zuzuschauen. Natürlich ist auch der einzigartige Humor fester Bestandteil des Spiels, weswegen ihr regelmäßig schmunzelnd vor dem Bildschirm sitzen werdet.
Was in einem Two-Point-Spiel natürlich nicht fehlen darf, sind die regelmäßigen Durchsagen, die euch nicht nur daran erinnern, dass vielleicht die Spendenboxen wieder überlaufen. Hier findet sich ebenfalls der Humor und Sarkasmus wieder, für den die Reihe so bekannt ist. Musikalisch geht es eher ruhiger zu und die Musik untermalt die Atmosphäre des Museums angenehm.
Die Menüführung von Two Point Museum ist recht übersichtlich gestaltet, dennoch ist es oft vorgekommen, dass ich gewisse Aspekte des Gameplays erst spät entdeckt habe. Manche Dinge wurden nämlich gar nicht erklärt und es dauerte seine Zeit, bis man gewisse Mechaniken entdeckt. Es lohnt sich daher, sich die Menüs und Schaltflächen genauer anzuschauen, da einem sonst wichtige Details entgehen. Neben dem Kampagnenmodus gibt es übrigens auch den Sandbox-Modus, in dem ihr euch kreativ ausleben könnt. Hier ist auch für alle Platz, die eher nicht so viel managen möchten, denn dort warten nicht nur verschiedene Modi wie Kreativ oder Karriere auf euch, ihr könnt die einzelnen Modi sogar sehr detailliert voreinstellen.