© Pearl Abyss

Crimson Desert für den PC im Test

Ojemine – was für eine Reise Crimson Desert hinter sich hat. Das ursprünglich geplante MMO-Prequel zum erfolgreichen Black Desert Online wurde im Jahre 2019 erstmalig vorgestellt, verschwand dann jedoch in der Versenkung. Pläne des südkoreanischen Entwicklerstudios Pearl Abyss wurden mehrfach umgeworfen und so entschied sich das Team, fortan an einem Singleplayer-Abenteuer zu arbeiten. Wie mein werter Kollege Florian zu sagen pflegt: „Crimson Desert ist ein Singleplayer-MMO“ – und irgendwie lässt mich diese Aussage nicht mehr los. Denn es stimmt, der Titel hat alles, was das MMO-Herz begehrt, und möchte trotzdem als üppig gefülltes Singleplayer-Spiel im Gedächtnis bleiben. Wir durften bereits während der letztjährigen gamescom reinschnuppern und waren schon damals verwirrt, was Crimson Desert eigentlich sein will. Immer noch etwas unschlüssig bezüglich dessen Identität habe ich mich aber trotzdem in die riesigen Weiten des Kontinents Pywell begeben und erzähle euch heute, warum keine Identität manchmal eben doch die richtige ist. Viel Spaß beim Lesen!

Crimson Desert möchte alles sein – und das klappt erstaunlich gut

Dieses Spiel ist so riesig, dass wir eigentlich keine Zeit verlieren dürfen, also lasst uns mit unserem fliegenden Rabenmantel direkt ins Geschehen springen: Wir schlüpfen in die selbstgestickte Lederrüstung von Kliff, einem nach außen hin steinhart wirkenden Anführer der Graumähnen. Dabei handelt es sich um ein umherstreifendes Söldnervolk, welches auf dem Kontinent Pywell zu Hause ist. Pywell besteht aus mehr als hundert einzelnen Adelshäusern, welche sich über die unfassbar riesige offene Welt erstrecken. Eines Morgens werden Kliff und seine Gefolgsleute von den Schwarzbären überfallen und nahezu vollständig ausgemerzt. Auch Kliff trifft dieser Überfall und er fällt regungslos in einen Fluss.

Auf einem Pferd, das ihr fangen könnt, bereitet ihr den riesigen Kontinent Pywell auf der Suche nach euren gefallen Gefolgsleuten

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Kurz danach wacht unser Held im Abyss auf, einer Parallelwelt, die sich langsam über Pywell öffnet. Dort erfährt Kliff, dass er fortan ein Auserwählter sein wird und deckt sich mit Abyss-Artefakten ein, die ihm magische Kräfte verleihen und ihn stärker machen. Kurzerhand springt er von den fliegenden Inseln zurück auf die Länder von Pywell und hat nur eine Aufgabe: sich an den Schwarzbären rächen. Allein schafft unser Held das natürlich nicht und braucht erneut starke Gefolgsleute, die nach dem Schwarzbärenangriff auf dem gesamten Kontinent verteilt sind.

Nach einer Weile kann Kliff bereits eine kleine Söldnertruppe zusammentrommeln, die ihm beim Wiederaufbau eines Lagers zur Hand gehen, welches schnell als Dreh- und Angelpunkt der Graumähnen fungiert. Einige dieser Helferlinge werden ebenfalls zu steuerbaren Charakteren, die ihrerseits besondere Eigenschaften und Spielstile mit sich bringen. So erzählt Crimson Desert eine tapfere Heldengeschichte rund um die einst besiegten Graumähnen, die versuchen, das politische und wirtschaftliche Gleichgewicht im zerrütteten Pywell wiederherzustellen.

Auch wenn ich schon zu meckern beginnen muss, bleibt dran – Die Geschichte um Kliff wirkt leider relativ langweilig und generisch. Das ist bei der Entwicklungsgeschichte auch nicht verwunderlich und durch die Vielfältigkeit des Gameplays in klassischen MMOs fungiert die Story selten als das Aushängeschild. Wir werden in Pywell von den verschiedenen, immer gleich wirkenden Adelshäusern überrumpelt, müssen aber dennoch durch verschiedene Aufträge allerlei Alliierte finden, um jene Schwarzbären zu besiegen. Ich war beeindruckt von der Fülle der politischen Intrigen, so richtig am Ball zu bleiben ist mir jedoch schwergefallen. Genossen habe ich dafür aber die Dialoge, die Kliff mit seinen Gefährten führt: Kliff ist zwar DER Held der Geschichte, dennoch kann er in Momenten auch innehalten und Schwäche zeigen – immerhin etwas im sonst sehr überladenen Rahmen des Spiels.

Insgesamt wirkt Crimson Desert auf mich, als hätte es sich hinsichtlich der politischen Vorkommnisse der verschiedenen Völker an Game of Thrones orientiert, was auch ganz ordentlich umgesetzt wurde. Interessant ist hier, dass das Spiel oft mit Erinnerungen spielt, in denen ihr mithilfe eines besonderen Helmes vergangene Events nacherleben könnt. Diese Visionen sind ganz nett umgesetzt und funktionieren in Sachen Storytelling definitiv besser als irgendwelche Logs oder Notizen, die sonst in Rollenspielwelten herumliegen. Hier macht das Spiel zwar etwas richtig – rein aufgrund der Story würde ich es aber trotzdem nicht empfehlen. Dafür gibt es genügend andere Aspekte, die Crimson Desert ausmachen.

WWE trifft auf Rollenspiel – Kliff verteilt die besten RKOs in Pywell

Einer dieser wunderbar umgesetzten Aspekte ist das Rollenspiel- und Kampfsystem. Wie zu Beginn schon angesprochen, werdet ihr in den meisten Hauptquests in die Rolle des Multitalents Kliff schlüpfen. Dieser kann allerlei Rüstungen tragen: Schwere, mittlere und leichte Rüstungen kommen je nach Gattung mit entsprechenden Verteidigungswerten, können beim Schmied verbessert werden sowie kleinere Artefakte tragen, die zusätzliche passive Boni geben. Beispielsweise könnt ihr euch dank eines magischen Steines etwas flinker bewegen oder regeneriert alle paar Sekunden einen kleinen Teil eurer HP. Diese Effekte können auch eure Ohrringe oder Halsketten tragen – wenn ihr möchtet, kann Kliff ein richtiges Fashion-Icon sein! Die Teile verbessert ihr beim Schmied, indem ihr genügend Geld und Materialien dabei habt. Manchmal könnt ihr besondere Münzen anstelle von Materialien verwenden, die zum jeweiligen Hoheitsgebiet passen. Habt ihr aber das gleiche Rüstungsteil mehrmals, könnt ihr auch dieses zum Aufbessern verwenden – hier ist Crimson Desert wirklich flexibel und belohnt direkt, einfach mal alles mitzunehmen, was euch vor die Füße fällt. Das Rüstungssystem ist sehr angenehm und übersichtlich umgesetzt. Hier könnt ihr euren eigenen Spielstil finden und gerne ausprobieren, was am besten zu euch passt. Das solltet ihr auch schleunigst herausfinden, denn Abyss-Artefakte sind rar.

Natürlich hat Kliff auch den ein oder anderen Wrestling-Move drauf

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Habt ihr euch für eine der wenigen Waffengattungen entschieden (Schwert und Schild, Großschwert, Speer, Axt und Dolch) könnt ihr auch schon beginnen, die jeweiligen Fertigkeiten im „Tree“ zu skillen. Einen richtigen Tree werdet ihr nicht vorfinden, sondern ein etwas verschachteltes System, das aus drei Grundattributen besteht: Geist, Ausdauer und HP. Diese Stränge beherbergen jeweils passive und aktive Fähigkeiten unter einem Schirm, die wiederum ebenfalls eigene Skills tragen. Hier könnt ihr die Reihenfolge aber leider nicht selbst bestimmen – wenn ihr beispielsweise einen besonderen neuen Move haben möchtet, müsst ihr die beiden vorherigen Fertigkeiten zuerst lernen, die euch bis zu drei Abyss-Artefakte kosten. Das ist etwas mühselig und anstrengend, sind die Artefakte doch besonders am Anfang sehr rar. Trotzdem muss ich sagen, dass sich die neuen Skills wirklich sofort auf die Stärke des jeweiligen Charakters auswirken – das ist toll umgesetzt und verhält sich im Einklang mit den neuen Waffen und Rüstungen, die ihr verbessert und schmiedet. Im Kampf merkt ihr ebenfalls, dass ihr stärker werdet – die Gegner scheinen nicht mitzuleveln, sondern werden je nach Gebiet anspruchsvoller.

Ihr habt euch sicherlich gefragt, was „Geist“ im Skilltree bedeutet, oder? Hierbei handelt es sich um die oben angesprochene magische Kraft, die Kliff und die anderen Charaktere durch den Abyss erlernen. Kliff kann damit Elementar-Waffen tragen, die besonders starke Moves draufhaben. Mit jedem Einsatz von Geist-Fertigkeiten verringert sich die Leiste – ist sie leer, könnt ihr Geist-Moves nicht mehr verwenden. Nun müsst ihr warten oder bestimmtes Essen zu euch nehmen, um die Leiste wieder zu füllen. Geist ist somit ähnlich zu klassischen Magie-Angriffen und eine ganz nette Integration in Crimson Desert. Mir haben diese vielen verschiedenen Geist-Angriffe der Elementarwaffen wirklich gefallen: Eine Windwaffe zu Beginn lässt euch beispielsweise öfter angreifen, eine andere Erdwaffe ist eher für AOE-Schaden nützlich, wenn ihr euch durch die Massenschlachten schnetzelt. So oder so erweitern sie sinnvoll das Kampfpaket der Charaktere.

Ich habe mich in die klassische Schwert und Schild-Kombination verliebt, grundsätzlich steht euch aber komplett offen, welchen Spielstil ihr wählt. Wenn es euch beliebt, könnt ihr auch mit zwei Kurzschwertern spielen – das geht dann jedoch auf Kosten der Verteidigung. Denn mit dem Schild könnt ihr nicht nur Angriffe abwehren, sondern auch parieren. Das ist vor allem in vielen Bosskämpfen nützlich, um die Haltung der Gegner zu brechen. Habt ihr die Leiste voll, könnt ihr einen „Finishing-Blow“ einsetzen, um noch größeren Schaden anzurichten. Bei manchen Feinden ist dies der Weg zum Sieg, bei anderen ist höherer Druck die bessere Offensive. Diese wechselnden Kampftaktiken möchte ich wirklich loben: In Crimson Desert gibt es selten „diesen einen Weg“, um siegreich hervorzugehen.

Die Bosskämpfe sind teilweise wirklich bombastisch und erfordern einen alternativen Spielstil

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Während ihr die kleinen Massenkämpfe à la Dynasty Warriors in den Belagerungsschlachten bruteforcen oder vollständig umgehen könnt, solltet ihr euch bei den Bossgegnern wirklich Gedanken machen und euch ordentlich vorbereiten. Manche Kolleginnen und Kollegen sprechen hier von einem Souls-System, das sehe ich nicht wirklich, trotzdem sind die Bosse deutlich anspruchsvoller als der Alltag in Pywell. Hier ist Taktik und Kondition gefragt. Ihr werdet nicht selten ins Gras beißen, so viel steht fest. Leider ist aber hier eine Taktik, die Kämpfe in irgendeiner Form zu cheesen – meistens, indem ihr einfach euren ganzen Rucksack mit hochwertigem Essen vollstopft und die Sachen nonstop während der Kämpfe mampft.

Hier wird euch eine wunderschöne, riesige Welt präsentiert, die Elden Ring-Gefühle auslöst. Alles, was eure müden Augen in der Ferne erkennen können, dürft ihr euch auch aus nächster Nähe anschauen. Die Gebiete sind divers, farbenfroh und unfassbar detailreich – ich habe mich wirklich in Pywell verliebt. Die Schlachten zwischen den Adelshäusern, aber auch die kleinen Teilbereiche strotzen nur so von menschlichem und tierischem Leben. Eine Dynamik, die Crimson Desert unverwechselbar lebendig wirken lässt. Klar, an den Dialogen mit den unzähligen NPCs musste gespart werden, aber überall pulsiert organisches Leben, als würde man sich in einer eigenen kleinen Welt befinden. Hinzu kommt, dass ihr an jeder Ecke Geheimnisse mit allerlei Belohnungen entdecken könnt. Schade ist hier nur, dass die Rätsel, die in Pywell auf euch warten, leider zu oft wirklich anstrengend und unbeschreiblich schwierig zu lesen sind. Questmarker stehen zu oft an falscher Stelle, die Operatoren sind fehlerhaft gewählt und visuell sind die Instrumente nicht deutlich genug hervorgehoben. Hier beißt sich definitiv gewollter (und zurecht gelobter) Realismus mit klassischen Spielelementen. Pearl Abyss, nimm mich hier bitte etwas mehr an die Hand oder stelle mir wenigstens die Hilfestellung zur Verfügung.

Crimson Desert ist euer eigenes Singleplayer-MMO

Puh, … jetzt haben wir die Hauptelemente durchgekaut, die Crimson Desert übergeordnet ausmachen. Ignorieren können wir die kleinen Mechaniken rund um das gigantische Rollenspiel aber nicht: Überall gibt es Nebenquests, Sammelsachen wie Tiere und Käfer, Ressourcenabbau wie besondere Erze und eben die Suche nach Alliierten. Während die Nebenquests stark mit Letzteren zusammenhängen, sammelt ihr Tiere und Ressourcen nebenbei. Die Aufgaben sind inhaltlich selten der Rede wert, bescheren euch aber ebenfalls Artefakte oder besondere Ausrüstungsgegenstände. Diese wirken eher zweckmäßig statt Liebe zum Detail und können dementsprechend behandelt werden – als kleine Auszeit von der Hauptquest funktionieren sie aber allemal und stärken zudem euren jeweiligen Charakter.

Selbst mit Haustier sind manche Rätsel echte Kopfnüsse

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Die Tiere könnt ihr fangen und an entsprechender Stelle für etwas Geld verkaufen; Ressourcen hingegen müsst ihr mit dem geeigneten Werkzeug abbauen und zum Schmied bringen. Habt ihr noch Platz im Inventar, könnt ihr neben einigen Gewürzen oder Hülsenfrüchten, die in Pywell wachsen, auch Materialien gehäuteter Tiere sammeln. Das Leder ist ebenfalls nützlich für den Schmiedbesuch, das Fleisch könnt ihr im Lager zu Gerichten weiterverarbeiten, die ihr dann in den Bosskämpfen spammen könnt. Bei diesen ganzen Elementen macht Crimson Desert ebenfalls nichts Neues, sondern orientiert sich an vergangenen Open World-Hits wie Red Dead Redemption 2, Zelda BOTW/TOTK oder Elden Ring. Das ist aber keine negative Kritik, sondern wirkt wie eine natürliche Fortsetzung im Genre. Ach, und Angeln könnt ihr natürlich auch … und euer Haus einrichten?

Richtig gelesen: Crimson Desert ist nicht nur Rollenspiel, Koch- und Schmiedesimulation oder Ressourcenmanager, sondern scheinbar auch Einrichtungssimulator. Zu Beginn eurer Reise baut ihr zusammen mit anderen Graumähnen ein Lager auf, in welchem ihr unter anderem euer eigenes Haus einrichten könnt. Dazu gibt es auf Märkten allerlei Möbel, die ihr im Haus platzieren könnt. Das müsst ihr natürlich nicht machen, ermöglicht aber ebenfalls eine Verschnaufpause vom stressigen Helden-Alltag. Habt ihr die Schränke und das Bett nach euren Vorlieben platziert, geht ihr gegenüber zurück zu euren Kolleginnen und Kollegen, die ihr ebenfalls managen könnt. Denn zum Aufbau eures Lagers könnt ihr Ressourcen spenden und eure Gefolgsleute auf Missionen schicken. Dort bauen sie Holz oder Erze ab, können aber auch den ein oder anderen Kriminellen erledigen. Das passiert nebenbei und belohnt euch ebenfalls mit Ressourcen und Geld. Diese Mechanik ist grundsätzlich nett umgesetzt, für das Spiel aber nicht essenziell – und das „könnt ihr machen, müsst aber nicht“-Prinzip zieht sich durch das ganze Spiel.

Überall in Pywell herrscht reges Treiben

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Das gigantische Rollenspiel hat alles, was das (MMO-)Rollenspielherz begehrt – verlangt von euch aber nicht, dass ihr euch alles anschauen müsst. Denn es ist EURE Reise, und es liegt an euch, wie ihr sie beschreitet. Ich habe mich persönlich eher auf die Hauptstory und das Entdecken verschiedener Geheimnisse gestürzt, mein Kollege Florian vom „Kein Brot, nur Spiele“-Podcast hat eher Gefallen daran gefunden, die Welt und ihre Nebenaufgaben zu entdecken. Das ist, wie ich finde, das, was Crimson Desert ausmacht: die unendliche Freiheit, euer ganz eigenes Abenteuer zu erleben. Hinzu kommt hier, dass Pearl Abyss noch lange nicht fertig zu sein scheint und auf jede Kritik sofort aufspringt.

Egal welche Ungereimtheit auftritt oder was von Fans gemocht wird – Pearl Abyss widmet sich diesen Anliegen und liefert nach nur wenigen Tagen riesige Patches, die das Spiel häppchenweise perfektionieren sollen. Beispielsweise wurde kritisiert, dass Kliff nur auf Pferden durch Pywell reiten kann – es hat nicht lange gedauert, bis mehrere Reittiere implementiert wurden. Die ausrüstbaren Katzen kamen (natürlich und zurecht) megagut an – schwupps wurden neue Ausrüstungsgegenstände für die pelzigen Vierbeiner hinzugefügt, die eigentlich nur kosmetischer Natur sind. Ach ja, Hunde könnt ihr auch adoptieren. Die helfen euch beim Looten und stecken euch allerlei Items in die Taschen.

Auch um die zu Anfang unerträgliche Steuerung wurde sich blitzschnell gekümmert, sodass das Spiel während des Testzeitraums sogar einen Wertungspunkt nach oben klettern konnte. Anfangs war der Controller vollständig überladen, die Menüführung furchtbar und das Drücken mehrerer Knöpfe gleichzeitig so kontraintuitiv, dass ich schreien wollte. Nun, einige Wochen später, gehören diese kleinen Ungereimtheiten einer jeden Spielsession der Vergangenheit an. Hier also ein großes Lob an Pearl Abyss – dieses schnelle Kümmern und Entgegenkommen erfahren wir aktuell nicht so oft in der Gaminglandschaft, wirklich eine tolle Leistung, die zu Recht sehr gut bei den Fans ankommt.

Der Skilltree ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, doch jede Fähigkeit macht Kliff spürbar stärker

© Pearl Abyss

Mittlerweile werdet ihr alle schönen Clips und Screenshots durch das weite Internet gesehen haben, sodass ich mich bei der Grafik kurzfasse: Crimson Desert sieht wirklich extrem gut aus, nicht nur in der detaillierten Mikrosicht, sondern auch in der Weitsicht, dass quasi jeder Frame ein Gemälde sein könnte. Besonders die Gebirge in der Ferne, aber auch die Felder in der Nähe sehen fantastisch aus, sodass sich Kliff und seine Kumpanen wirklich nicht verstecken müssen. Der Soundtrack ist in den meisten Szenerien subtil oder ausgeschaltet, damit das Bild atmen kann – das ist völlig in Ordnung und hat der Atmosphäre in keiner Weise geschadet.

Im Gegenteil: Die soundarmen Kulissen haben mir wirklich gut gefallen. In den riesigen Schlachten hingegen gab es genug Feuerwerk auf die Ohren, wenn unzählige Soldaten aufeinander eindreschen und Dinge rufen. Auch hier wirkt das Spiel durch die Bank sehr lebendig. Technisch schluckt Crimson Desert relativ viel, kann nach einigen Minuten in den Einstellungen aber auch bei leistungsschwächeren Geräten eine gute Figur machen. Nicht nur wird Nvidias DLSS unterstützt, sondern auch AMDs Framegeneration, damit auch ältere Systeme auf die gewünschten Bilder pro Sekunde kommen. Dennoch hat mir Crimson Desert gezeigt, dass ich mich langsam mal um Upgrades für mein System kümmern sollte … Für ca. 70 Euro bekommt ihr ein vollgepacktes und reines Rollenspielerlebnis, das jeden Spieler auf die eigene Weise glücklich machen wird. Für eine ausführlichen Diskussion über Crimson Desert mit Florian schaut gerne hier vorbei.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Michael Barg

Dieses Spiel weiß nicht, was es sein will, und ist damit doch so vieles. Zwar können wir dem Titel von Pearl Abyss vorwerfen, er habe keine Identität, doch genau das sorgt dafür, dass Crimson Desert eben diese spezielle Identität besitzt. Übergeordnet findet ihr hier ein Open-World-Rollenspiel mit eher schwacher Geschichte, aber Game-of-Thrones-artiger Welt. Pywell lädt zum Verweilen und Entdecken ein, überall gibt es Geheimnisse zu entdecken und leider langweilige Rätsel zu lösen. Trotzdem wirkt die Open World so lebendig und dynamisch, wie ich es selten erlebt habe – und die mich einfach nicht mehr loslassen wollte. Auch wenn es so viel zu tun gibt, dass man schnell den Überblick verliert, müsst ihr nicht einer Sache davon nachgehen, und das ist die spielerische Freiheit, die Crimson Desert zu einem Toptitel dieses Jahres macht. Egal ob Ressourcenmanagement, dem Einrichten von Häusern, das tiefgehende Rollenspielsystem oder Ausrüstungsmanagement – hier gibt es alles und das auch noch ziemlich gut umgesetzt. Für manche Spielerinnen und Spieler kann das schnell überladen wirken, doch ich empfehle, das zu machen, worauf ihr Lust habt. Eben ganz entspannt. Weniger entspannt ist das actionreiche und vielfältige Kampfsystem, welches sich je nach Thematik anpassen lässt und auch anspruchsvoll daherkommen kann. Kuriose Wrestling-Moves sorgen für den ein oder anderen Lacher, Bosskämpfe können euch zur Weißglut treiben. Zu guter Letzt überraschen nicht nur die Katzen und Hunde, sondern die komplette Ästhetik des Rollenspiels. Schaut ihr in die Ferne, könnte jeder Frame ein Screenshot sein. Crimson Desert ist eine Wucht von Rollenspiel, was nicht jedem zusagen mag, aber zumindest dafür geehrt werden sollte, was es ist. Kontinuierlich erweitert wird der Titel ebenfalls!
Mein persönliches Highlight: Die sehr dynamische und lebendige offene Welt sowie das wuchtige und kuriose Kampfsystem

Kommentare 21

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  • FullmoonCeres

    Beyond Journey's End 29. April 2026 um 09:21

    Ich würde am liebsten sofort losrennen und das Spiel kaufen und spielen, aber für so ein umfangreiches Spiel bei dem man auch dranbleiben sollte fehlt mir einfach die Zeit.:( Es kribbelt trotzdem in den Fingern.:D

    Das Spiel rennt einem ja nicht weg:love:

  • Mephiles

    Nowhere to Run 29. April 2026 um 09:21

    Werde mir das Spiel bestimmt mal im Sale holen. Aktuell kommen so viele gute Spiel raus, da passt so ein Zeitfresser leider nicht so gut rein. ||

  • Taske

    Meister des Turms 29. April 2026 um 09:24

    Vielen Dank für den interessanten Test! :)

    Das Spiel soll mittlerweile übrigens auch auf dem Steamdeck halbwegs passabel laufen, was eine SW2-Version zumindest denkbar (wenn auch vermutlich nicht empfehlenswert) erscheinen ließe.

    "Crimson Desert" ist - insgesamt - sehr passabel geworden, wenn auch (noch) kein Spiel, von dem ich das Gefühl habe, ich würde es uuuunbedingt brauchen.

    Vielleicht dann ja beim 2. Teil? :)

  • Paakun

    Turmknappe 29. April 2026 um 09:29

    FullmoonCeres

    same problem, das scheint ja sogar noch mehr Spielstunden zu haben als Zelda TotK und dafür hab ich 6 Monate gebraucht bis ich durch war 😅

  • Soulshock

    Turmritter 29. April 2026 um 09:32

    Für mich ist das Spiel eine Wucht, ein echter Generationssprung. Es ist ein atemberaubendes Erlebnis, das andere große OpenWorld Spiele weit, weit hinter sich lässt.

  • Ngamer

    Son of a Patriot 29. April 2026 um 10:00

    Ich kaufs nur wenn es für die erste Switch erscheint. Über 300p rühr ich das Spiel nämlich nicht an. Ist mir alles zu scharf hier.

  • EmpireOfSilence

    Skagerrak 29. April 2026 um 10:20

    Hab kein System auf dem ich es spielen könnte aber einfach nur eine vollgepackte Open World war schon bei den letzten Assassins Creed Titeln zur gänze uninteressant, Spiele müssen nicht immer größer und noch vollgepackter werden denn soviel Zeit hat man eh nicht mehr.

    Eine gute Story ist schon wichtig so wie sie ein Witcher 3 bietet oder zumindest sehr gute/interessante Nebenquests wie bei Elder Scrolls denn da war ja auch die Hauptgeschichte nie der Bringer. Elden Ring liebe ich zwar auch was jetzt keine Mega Story bietet aber wo die kryptische spannende Geschichte/Welt überzeugt, vor allem das vertikale Weltdesign.

  • HAL 9000

    I'm sorry, Dave. 29. April 2026 um 10:40

    EmpireOfSilence

    Man braucht nicht immer eine gute Story. CD ist halt sehr Sandbox mäßig aufgebaut. Wem das nicht gefällt, weil er Spiele Storyorientiert spielt, für den ist das Spiel halt nichts gemacht. Aber zu sagen das ein Spiel eine Story braucht um gut zu sein halte ich für Falsch.

    BotW und TotK hatten auch keine wirklich gute Story. Der Reiz der Spiele lag auch im Erkunden, im Lösen von Rätseln, im Sammeln und Verbessern von Ausrüstung und darin, die vielen kleinen Quests und Dinge überall in der Welt zu finden. Das macht die Spiele aus und sie so gut.

    Crimson Desert fährt halt eine ähnliche Schiene.

  • link82

    Meister des Turms 29. April 2026 um 11:21

    mein GotY, es sei denn es erscheint tatsächlich noch ein OoT Remake oder 3d Mario

    klar, es ist eine eierlegende Wollmilchsau, aber in den Punkten die MIR persönlich sehr wichtig sind (Spielwelt / Exploring, Kämpfe, Soundtrack, Artstyle, Detailverliebtheit) ist Crimson Desert herausragend und wischt trotzdem mit den meisten „fokussierteren“ Spielen den Boden auf

    klar, es hat keine herausragende Story, aber seien wir mal ehrlich, Zelda TotK oder Elden Ring sind diesbezüglich auch kein Stück besser, zudem hat Crimson Desert eine Spielwelt mit viel Lore und Geheimnissen, wird einem halt nur nicht in stundenlangen Cutscenes in Gesicht gedrückt, das Game hat halt als Zielgruppe eher die Veteranen die schon in den 90er / frühen 2000ern gezockt haben bevor es losging, dass Spiele immer anspruchsloser wurden und es allen Recht machen mussten

  • pale81

    Turmritter 29. April 2026 um 16:29

    Ich hab’s knapp 20h versucht gern zu haben, aber die Steuerung ist Müll, die UX der Menüs ein Graus und die Grafik schrecklich (Pop-Ups wie auf dem N64).

    Die Story find ich gar nicht so schlecht, leider ist mir dass nicht genug für den Preis.

  • Brommel

    Lord of Glencoe 29. April 2026 um 17:39

    Mein Buddy liebt auch alles daran. Werde es vielleicht mal anfangen. Die schiere Größe macht mir nur “Sorgen”.
    Es sieht jedenfalls toll aus.

  • Tomek2000

    Meister des Turms 29. April 2026 um 19:27

    Macht einen wirklich guten Eindruck…

  • Count Dooku

    Turmheld 29. April 2026 um 19:54

    Ich hab’s knapp 20h versucht gern zu haben, aber die Steuerung ist Müll, die UX der Menüs ein Graus und die Grafik schrecklich (Pop-Ups wie auf dem N64).

    Die Story find ich gar nicht so schlecht, leider ist mir dass nicht genug für den Preis.

    Mit welcher Version hast du es gespielt?

    Bei vielen Patches wird ja viel umgemodelt.

  • pale81

    Turmritter 29. April 2026 um 19:58

    Das letzte Mal so vorletzte Woche, da müssten sie schon gewaltig was umstellen, damit ich das noch mal anfasse :)

  • Rueberich

    Turmritter 30. April 2026 um 09:34

    Habe mir nach zwei Stunden das Geld auf der XSX zurückgeholt, etwa Anfang April. Ich habe Bock auf das Erkunden und werde es mir irgendwann mal ermäßigt zulegen, aber so wie es jetzt ist, ist CD noch viel zu ungeschliffen. Mir der Steuerung kam ich klar, aber allein schon die NPCs, die Charaktermodelle und das HDR haben mir gereicht, den Kauf zu bereuen. Es ist halt von seinen Ambitionen AAA, aber nicht in der Umsetzung und dem Feinschliff.

    Aber props an die Entwickler, dass sie es weiter stückweise verbessern^^

  • Kurt C. Hose

    Ich mag Züge 30. April 2026 um 10:29

    Super geschrieben! Danke für den Test 🫶❤️

  • kneudel

    Turmheld 30. April 2026 um 12:08

    Nur meine Meinung, aber das Spiel wirkt wie als ob ein Management eine Feature List erstellt hat was ein Open World spiel alles haben muss. Die Entwickler mussten dass dann alles implementieren. Egal ob es Sinn ergibt oder nicht. Somit kam ein Spiel heraus das alles kann, aber nichts davon richtig.

  • Ravana

    Nerdkulturler 30. April 2026 um 20:25

    War mir eine Freude mit dir über das Spiel gequatscht zu haben :) Aber das Ding ist ja so ein Inhalts-Monster, denke das wird leider erstmal links liegen lassen müssen. Weil sonst hat man ja echt für nichts anderes mehr Zeit.

  • link82

    Meister des Turms 1. Mai 2026 um 08:29

    Nur meine Meinung, aber das Spiel wirkt wie als ob ein Management eine Feature List erstellt hat was ein Open World spiel alles haben muss. Die Entwickler mussten dass dann alles implementieren. Egal ob es Sinn ergibt oder nicht. Somit kam ein Spiel heraus das alles kann, aber nichts davon richtig.

    ist deine Meinung ok, aber sehr ich anders… mal abgesehen von der Story machen andere Openworldgames einzelne Aspekte wie Kämpfe, Grafik, Soundtrack usw auch nicht besser, im Gegenteil

  • Count Dooku

    Turmheld 1. Mai 2026 um 12:36

    Nur meine Meinung, aber das Spiel wirkt wie als ob ein Management eine Feature List erstellt hat was ein Open World spiel alles haben muss. Die Entwickler mussten dass dann alles implementieren. Egal ob es Sinn ergibt oder nicht. Somit kam ein Spiel heraus das alles kann, aber nichts davon richtig.

    Es gab zumindest eine Aussage in einem Entwicklerforum, dass die Himmelsinseln reinkamen weil die Chefs das in Tears of kingdom gesehen haben.

  • kneudel

    Turmheld 7. Mai 2026 um 08:57

    Es gab zumindest eine Aussage in einem Entwicklerforum, dass die Himmelsinseln reinkamen weil die Chefs das in Tears of kingdom gesehen haben.

    Und genau so wirkt das. Ist einfach drin weil es drin sein muss. Man merkt dem Spiel leider an das es aus Süd-Korea kommt. Die Arbeitsmentalität dort entspricht dem Motto viel hilft viel. Kreativität und Qualität bleiben dann auf der Strecke.