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Nintendo Arcade Games – Teil 10: Die Sky Skipper Sage

Spezial Historie

Nicht viele wissen, dass Nintendo neben SEGA, Taito und Namco einer der Pioniere und Vorreiter in der Entwicklung von Arcade-Automaten in Japan und später, neben Bally Midway, ein Weltmarktführer in diesem Bereich war. Doch bei der Frage nach den Namen dieser Automaten dürfte vielen nur ein Titel einfallen: Donkey Kong. Zugegeben war dies der größte Erfolg für Nintendo in diesem Segment – doch nicht der Einzige. Daher möchte ich mit euch in meiner mehrteiligen Reihe einen Blick zurück auf die Geschichte dieser überwiegend vergessenen Gerätschaften aus dem Hause Nintendo werfen.

Sky Skipper - das Mysterium

Der große Erfolg des Donkey Kong-Automaten war Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite stand natürlich der Ruhm und das Geld. Der Name Nintendo war nun weltweit bekannt. Zahlreiche Hersteller von Heimcomputern und Konsolen wie Coleco, Mattel und Atari lieferten sich einen Bieterstreit, um den Erfolgsgarant exklusiv auf ihre Geräte portieren und verkaufen zu dürfen. Dazu kamen natürlich die Einnahmen des Automaten selbst. Auf der anderen Seite stand Nintendo nun aber unter Druck. Denn man erwartete nicht weniger als den nächsten Hit. Und das stellte sich viel schwieriger heraus als gedacht.

Lange Zeit der einzige Nachweis für die Existenz des Automaten: ein Werbeflyer

Sky Skipper ist ein Mysterium. Es gibt nur sehr wenige offizielle Informationen zu der Entstehung und der Lebenszeit des Automaten. Sicher ist nur, dass es der nächste Automat nach Donkey Kong war, welcher von Nintendo selbst programmiert wurde und der ebenfalls 1981 veröffentlicht wurde. Dies waren schon alle gesicherten Informationen dazu. Manche behaupten, dass Sky Skipper zumindest in Japan regulär verkauft wurde - wenn auch mangels Interesse nur in geringen Stückzahlen. Andere behaupten, dass er sowohl in Japan als auch in Amerika nicht über die Testphase (dem Aufstellen des Automaten in ausgewählten Örtlichkeiten um die Resonanz von Spielern zu beobachten) nicht hinauskam. Wieder andere behaupten, dass wegen des Misserfolgs des Automaten in Japan, die wenigen bereits nach Amerika verschifften Exemplare nie die Lagerhallen von Nintendo of America verließen. Und es gibt sogar Gerüchte, dass einzelne Automaten nach Europa gelangten, nachdem Nintendo of America mit diesen nichts anzufangen wusste. Doch all das liegt gut verborgen unter einem Nebelschleier, den vermutlich nicht mal Nintendo selbst mehr komplett auflösen könnte.

Fest steht nur eines: Der Automat war der bisher größte Misserfolg des Unternehmens (sozusagen der Virtual Boy unter den Arcade-Automaten). Wahrscheinlich wollte Nintendo seinen durch Donkey Kong neu erworbenen positiven Ruf nicht gefährden und ließ die Automaten möglichst schnell und unauffällig verschwinden. In den wenigen produzierten Automaten wurden die Spieleplatinen zu einem neuen Spiel modifiziert und die Gehäuse umgestaltet.

Sky Skipper - der Automat

Daher werfen wir einen genauen Blick auf das Spiel selbst: Wonder Kingdom wurde von einer Horde wilder Gorillas überfallen und die königliche Familie wurde gefangen genommen. Der Spieler schlüpft nun in die Rolle des Flugzeugpiloten Mr. You (was für ein Wortspiel), dessen Aufgabe es ist die Herrscherfamilie aus den Fängen der Primaten zu befreien. Mit einem kleinen Flugzeug fliegt der Spieler also über den Bildschirm, betäubt die Gorillas mit Bomben und versucht auf diese Weise an die einzelnen Familienmitglieder heranzukommen. Dabei muss man stets darauf achten nirgendwo dagegen zu fliegen und sich nicht von den Gorillas treffen zu lassen. Diese sind nämlich schwer bewaffnet - mit Zeitungsrollen und Baseballs! Dazu kommt, dass man sich bei der Rettungsmission nicht zu viel Zeit lassen sollte. Denn das Flugzeug verfügt nur über einen gewissen Treibstoffvorrat. Schaffte man es alle Familienmitglieder zu retten, startete ein neues Level.

Wie bei jedem Automaten dieser Zeit ging es vor allem darum einen möglichst hohen Highscore zu erzielen bevor man alle Versuche verlor und den Game Over-Bildschirm zu Gesicht bekam. Für jeden Bombentreffer auf einen Gorilla und für jede befreite Person bekam man Punkte gutgeschrieben. Dabei spielte zum Teil auch die Reihenfolge der geretteten Personen eine Rolle. Diese trugen nämlich die Namen und Symbole von Kartenspielen (King, Queen, Joker, Spade (Pik), Heart (Herz), Dia (Caro) und Club (Kreuz)). Befreite man z.B. vier Personen eines Symboles hintereinander, bekam man eine höhere Punktzahl gutgeschrieben.

Die Steuerung des Flugzeugs erfolgte über den gewohnten 8-Wege-Joystick. Die Bomben wurden mit einem simplen Feuerknopf abgeworfen. Für wagemutige Piloten gibt es noch einen Speed-Knopf, der das Flugzeug kurze Zeit beschleunigte. Auf technischer Seite bot Sky Skipper auch etwas Besonderes. Es war der erste Arcade-Automat von Nintendo, der nicht aus Einzelbildschirmen bestand, sondern flüssiges scrollen innerhalb eines Levels ermöglichte. Die Sprites hingegen waren zwar detailreich, aber auch sehr pixelig. Und der Soundtrack war zum Teil aus Donkey Kong recycelt. Überhaupt ist der Zusammenhang von Donkey Kong und Sky Skipper unklar: Haben sich die Entwickler bereits während der Entstehung der beiden Automaten ausgetauscht? Wurde Sky Skipper durch den Erfolg von Donkey Kong in letzter Minute noch überarbeitet? Oder waren die Affenthematik und der ähnliche Soundtrack nur Zufall? Wir werden es vermutlich nie erfahren.



Sky Skipper - die Gegenwart

Durch den mystischen Status sorgte der Automat im Jahr 2017 allerdings für Aufsehen – mehr als zu seinem Erscheinen im Jahr 1981. Denn am 10. Juni 2017 wurde in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia auf der Southern Fried Gameroom Expo ein zum Teil nachgebauter und lauffähiger Sky Skipper-Automat enthüllt. Doch der Weg dorthin war schwer.

Der langjährige Nintendo-Fan und Sammler Alex Crowley aus Großbritannien verbrachte viele Jahre mit der Suche nach einem Sky Skipper-Automaten oder zumindest einer lauffähigen Spieleplatine. Denn die Informationen zu dem Automaten sind wie bereits berichtet sehr spärlich. Anhand eines Werbeflyers verbrachte er viel Zeit mit der Suche in den USA. Doch dort gab es einfach keine Spuren mehr zu dem Automaten. Er besuchte dort viele erfahrene Sammler und Bastler von Arcade-Automaten. Doch alle sagten aus, nie einen Automaten bzw. eine Platine von Sky Skipper gesehen zu haben. Alex dachte schon, dass dieses Spiel für immer verschollen wäre. Durch Zufall erfuhr er aber von einem schwedischen Sammler, dass dieser eine Sky Skipper-Platine besaß und diese verkaufen würde. Doch leider war diese modifiziert worden und enthielt nun das Spiel Popeye. Alex wusste nicht, ob es überhaupt möglich sei auf einer einzigen 35 Jahre alten Platine das ursprüngliche Spiel wieder zum Laufen zu bringen und so verzichtete er dankend.

Ein Mann, eine Mission: Alex mit dem Sky Skipper-Flyer

Allerdings hatte er nun ein neues Jagdgebiet: Europa. Bei einem Streifzug durch das Lagerhaus eines ehemaligen Spielhallenbetreibers im August 2015 im Norden Englands wurde er schließlich fündig. Zwischen einigen Automaten und zahlreichen Spieleplatinen versteckt, schlummerte der Schatz: eine brandneue und noch originalverpackte Spieleplatine von Sky Skipper. Dies erkannte er an den Produktcodes und der Jahreszahl 1981 auf der Platine. Auf der Verpackung hingegen prangte aber der Schriftzug Popeye. Und wie ein Test herausstellte, war auch diese Platine modifiziert worden. Er kontaktierte darauf seinen guten Freund und Ingenieur Mark Whiting. Dieser sagte seine Unterstützung zu. Zusammen mit der zweiten Platine aus Schweden gelang es ihnen in wenigen Monaten endlich die Platine in ihren Urzustand zu versetzen und das Original-Spiel zum Laufen zu bringen - auf beiden Platinen.

Mit zwei lauffähigen Spieleplatinen im Gepäck wandte sich Alex an die Öffentlichkeit: Am 14. November 2015 stellte er auf YouTube ein Video seiner großen Errungenschaft ins Netz. Es wurden einige Personen darauf aufmerksam, die den Automaten ebenfalls wieder zum Leben erwecken wollten und gingen auf Alex zu. Und so wurde am 31. Januar 2017 das Sky Skipper Projekt gestartet. Mit Hilfe von Aufzeichnungen und Bildern aus dem Archiv von Nintendo of America rekonstruierte man ein Gehäuse, lackierte dieses und verbaute die Hardware, bevor man Sky Skipper (wie bereits geschrieben) am 10. Juni 2017 auf der Southern Fried Gameroom Expo der Öffentlichkeit live präsentierte. Mittlerweile hat auch die zweite Platine ein passendes Zuhause gefunden. Eine dritte Spieleplatine, die während des Projekts in einem Online-Auktionshaus auftauchte, ging leider an einen unbekannten Bieter und wurde seitdem nicht mehr gesehen.
Wer mehr über das Sky Skipper Project erfahren will, kann sich hier informieren.

Sky Skipper wäre somit der beste Kandidat für einen Re-Release auf der Nintendo Switch in Verbindung mit der Arcade Archives-Reihe von Hamster. Denn im Gegensatz zu Mario Bros. und anderen geplanten Titeln gibt es für Jung und Alt kaum Möglichkeiten einen eigenen (legalen) Blick auf das Spiel zu werfen. Daran dürfte auch die existierende Portierung von Sky Skipper für das Atari 2600 aus dem Jahr 1983 nicht viel ändern. Und objektiv betrachtet ist das Spiel nicht schlechter oder besser gealtert als andere Automaten aus den 80ern wie z.B. Mario Bros. Es besitzt sogar einen ganz eigenen Charme und Spielwitz, wie wir es von Nintendo-Spielen kennen und lieben.

Fortsetzung folgt...

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