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Wie ABZÛ, Breath of the Wild und GRIS mir halfen, den stressigen Alltag zu bewältigen

Kommentar

Der Alltag von uns allen kann sehr stressig werden. Nicht nur tragen Arbeit, Uni oder Schule einen großen dazu Teil bei, auch können Hobbys, Familie und weitere Alltagsdinge uns belasten. Die Stressspirale dreht sich bei langanhaltender Belastung immer weiter und langsam aber sicher rutscht man immer tiefer in diese hinein – bis hin zu psychischen Folgen. Mir selbst ging es die letzten Wochen vor Weihnachten nicht anders: Mein ganzes Leben beanspruchte eine Menge von mir, auch wenn ich in erster Linie selbst daran schuld bin aufgrund von Selbstdruck und teilweise Perfektionismus – bis ich letztendlich nicht mehr konnte und unter der Last zusammenbrach. Aber selbst, wenn man in der tiefsten Spirale gefangen ist, gibt es eine Sache, die einem oder besonders mir das Leben erhellen kann: Videospiele.

In ABZÛ erkundet ihr in einer Unterwasserwelt verschiedenste Gebiete – dabei greift euch kein einziges Lebewesen an.

Videospiele lenken wie viele Hobbys vom stressigen Alltag ab und bereiten uns einfach Spaß. Dies trifft eigentlich auf jedes Videospiel zu, welches einem gefällt. Im Rahmen dieses Spezials möchte ich mich aber explizit drei Titeln widmen, die mir besonders weitergeholfen haben, für viele Minuten und Stunden den Alltag zu vergessen sowie Stress abzubauen – insbesondere, weil sie sich von anderen Titeln massiv unterscheiden.

ABZÛ erschien erst vor wenigen Wochen für die Nintendo Switch und konnte bereits in den Jahren zuvor auf anderen Plattformen die Spieler begeistern. Bereits vor wenigen Wochen durfte ich dazu meinen Spieletest veröffentlichen, in welchem ich besonders das meditative Gameplay des Spiels gelobt habe. In diesem Unterwasserabenteuer geht es nämlich nicht um viel Action, eine epische Geschichte, eine Vielzahl von Charakteren oder kompliziertes Gameplay. Als Taucher schwimmt man so viel unter Wasser wie man will. Ohne jeglichen Zeitdruck. Ohne irgendwelche Missionen. Ohne groß nennenswerte Gefahren in den allermeisten Fällen. Der Fokus des Spiels ist deutlich: genau das Gegenteil von unserem Alltag und vielen anderen Videospielen zu sein.

Sorgenlos lässt sich dadurch diese wunderschöne und atemberaubende Unterwasserwelt erkunden – ein richtiges Ziel hat das Spiel nämlich auch nicht, außer immer ins nächste Gebiet fortzuschreiten und durch einige Hinweise sich eine eigene Geschichte zusammenzustellen. Damit man selbst nicht mehr schwimmen muss und maximal entspannen kann, lassen sich die zahlreichen Meereslebewesen durch bestimmte Meditationsplätze beobachten. Es ist quasi wie ein riesiges Aquarium für daheim oder unterwegs.

In ABZÛ kann man sich von größeren Unterwasserlebewesen durch das jeweilige Gebiet schwimmen lassen und einfach nur zusehen.

Durch diesen Fokus haben Matt Nava, Creative Director des Spiels, und der Rest des Teams von Giant Squid ein Abenteuer geschaffen, wovon sich heutige Titel eine Menge abschauen können. Heutzutage braucht es immer noch mehr Inhalt, mehr Quests, mehr Story, mehr Modi, von allem mehr. Dabei zeigt ABZÛ genau, dass weniger mehr sein kann. Dass auch ein anderer Fokus als Action möglich ist. Dass ein großartiges Spiel auch ohne viel Drumherum auskommt. Der Kern des Spiels zählt. Dabei möchte ich aktuellen Blockbustern nicht ihre Qualität absprechen – nur auch aufzeigen, dass es anders gehen kann.

Warum ich genau meine, dass sich gerade die großen Blockbuster-Spiele etwas abschauen können? Egal welches große Spiel man sich heutzutage herauspickt, oftmals sind sie gespickt von Missionen, Möglichkeiten, Wegen und generell einer Menge Inhalt. Dieser Wahn nach immer mehr und größer ist an sich natürlich zu loben – ein noch umfangreicheres Spielerlebnis. Für mich bedeutet das aber auch oftmals unterbewussten Stress – das kann aber auch an meiner Persönlichkeit liegen. Ich denke dann, dass ich noch dieses und jenes erledigen will, jener Charakter noch eine Quest für mich hat, ich ins nächste Dorf muss, um die Geschichte weiterzubringen, im nächsten Moment wieder Gegner angreifen werden und so weiter. Daher sind ABZÛ und Co. eine gelungene Abwechslung zu den actionlastigen Titeln.

Ein riesiges Spiel, in welchem sich hunderte Stunden verbringen lassen, macht aber eine Sache bedeutend anders, auch wenn es noch lange kein so ein entspannendes Gameplay wie ABZÛ besitzt: The Legend of Zelda: Breath of the Wild – ein Spiel gespickt mit Missionen, Quests, Schreinen und Story. Wie soll das nun entspannend sein? Diese Frage werdet ihr euch vielleicht stellen und mit der Aussage liegt ihr zuerst auch gar nicht falsch. Ein Teil des Spiels wird hierbei aber außenvorgelassen: Es lässt einen alles machen, was man will. Eine kleine Sandbox-Welt gefüllt mit Inhalten, könnte man sagen.

Mit Epona oder einem anderen Pferd kann am Tag entspannt durch Hyrule spaziert werden.

Erst kürzlich habe ich mich wieder dazu entschieden, für einige Minuten in dieser riesigen Welt zu versinken. Sofort wurde ich wieder von Hyrule aufgesaugt und ich habe mich wie Zuhause gefühlt. Aber wie bereits erwähnt, lässt das Spiel einen alles machen, was man sich in dieser Welt vorstellen kann. Anstatt mich auf die vielen angenommenen Quests zu fokussieren oder Story-Fortschritt zu erreichen, bin ich einfach durch die Welt gelaufen, mit dem Pferd durch den Dschungel geritten, auf Berge geklettert und habe den einen oder anderen Krog entdeckt. Auf einem Berg stehend habe ich die kleine Welt unter mir fasziniert beobachtet. Ich konnte einfach diese wunderschöne Welt erkunden, ohne an viel anderes im Spiel zu denken. Dieser Gameplayaspekt wurde mir beim ersten Durchspielen 2017 gar nicht so recht bewusst, aber diese Entscheidungsfreiheit bedeutet mehr als man zuerst denken mag. Es lässt die Spieler immerhin komplett bestimmen, wie sie ihr Spiel erleben wollen. Allein dafür hat es den Titel "Meisterwerk" wahrlich verdient.

Dazu kommt der geniale Soundtrack, welcher von derselben Komponistin stammt, wie jener der Animal Crossing-Reihe. Die Musik davon ist weit entfernt, episch zu sein oder actionreiche Momente zu unterstreichen. Das Gleiche trifft in großem Maße auch auf Breath of the Wild zu. Hier spielt die Musik sogar eher eine weniger prominente, trotzdem sehr wichtige, Rolle und unterstreicht nur gewisse Momente oder Orte. Selbst wenn keine Musik spielt, was öfter vorkommen kann, lassen sich etliche Umgebungsgeräusche hören: Der pfeifende Wind, die schnarchenden Gegner oder allerlei Tiere. Ich bin der Meinung, dass dies genauso viel zur Entschleunigung beiträgt wie das Gameplay selbst.

Breath of the Wild ist zwar kein "Entspannungsspiel", besitzt aber allerlei gefahrenfreie, schöne Momente.

Ein paar Elemente "zerstören" dieses eher meditative Gameplay zwar ein wenig, allerdings ist das auch nicht schlimm. Immerhin bleibt es eine Art von Action-Spiel, das seine epischen und gefährlichen Momente hat. Die Entwickler hatten sicherlich nicht denselben Gedanken hinter dem Spiel wie es Giant Squid bei ABZÛ hatte. Trotzdem kreierten sie ein Abenteuer, welches durch diese enormen Freiheiten, die der Spieler genießt, sowie durch das Sounddesign den Spieler nicht nur vom Alltag ablenkt, sondern dabei hilft, Stress zu bewältigen und viele entspannende Momente zu erleben.

Die visuelle Darstellung von GRIS haut mich jedes Mal vom Hocker.

Eigentlich wäre mein Spezial hier schon fast zu Ende, aber kurz vor knapp hat es noch ein weiteres Videospiel geschafft: GRIS. Mein persönliches Spiel des Jahres! Es handelt von einem Mädchen namens Gris, welches durch ihre schmerzhafte Erfahrung am Anfang des Abenteuers gekränkt ist. Daraufhin macht sie sich auf in ein emotionales Abenteuer, auf dem ihr sie begleitet.

Wie bereits bei den zuvor erwähnten Titeln kommt auch hier ein meditatives Gameplaykonzept vor. Es gibt zwar ab und zu eine Gefahr in Form eines Schattens, allerdings kann euch nichts und niemand etwas anhaben. Ihr könnt nicht "Game Over gehen" oder müsst irgendwelche schwierigen Passagen dutzende Male versuchen. Das Gameplay ist mit den wenigen Fähigkeiten von Gris und dem anspruchslosen Gameplay zwar sehr simpel, aber durch manche Aspekte genauso genial. Niemals werdet ihr frustriert sein. Und trotz dieses eher langweilig klingenden Gameplays konnte mich GRIS in jeder Spielminute fesseln. Die audiovisuelle Präsentation spielt die allerwichtigste Rolle und weckt in euch unzählige Gefühle. Noch nie hatte ich so oft Gänsehaut, noch nie habe ich so oft gestaunt, noch nie habe ich meine Umwelt so sehr vergessen wie in GRIS.

Nomada Studio hat hier eine einmalige Spielerfahrung kreiert – genau wie es Giant Squid und Nintendo bei ABZÛ und Breath of the Wild geschafft haben. Insbesondere diese drei Spiele halfen mir in letzter Zeit, den Alltagsstress für Stunden zu vergessen, in eine andere Welt einzutauchen – ohne jeglichen großen Frust. Dafür bedanke ich mich bei den drei Studios von ganzem Herzen und hoffe, dass wir weiterhin solche Perlen mit meditativen Gameplayteilen erwarten können. Giant Squid legt mit ihrem für 2019 angekündigten "The Pathless" vielleicht nach.

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    ABZÛ

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Kommentare 9

  • Miriam-Nikita Bewohnerin - 05.01.2019 - 13:14

    Dem kann man nur zustimmen. Besonders BotW schafft halt eine perfekte Symbiose zwischen Action und den ruhigen Momenten.
    Und irgendwie wünsche ich mir nun ein Endless Ocean für Nintendo Switch
  • Kutti Turmamazone - 05.01.2019 - 13:28

    @Thomas Steidle
    Vielen Dank für den Einblick.
    Die Gesundheit ist unser wichtigstes Gut. Falls du erneut das Gefühl hast, dass dir alles Zuviel wird, dann habe ich ein Ohr offen. Lass dich nicht unterkriegen. Alles Gute.
  • alfalfa Turmbaron - 05.01.2019 - 13:36

    Wunderbarer Kommentar, in dem ich mich selbst wiederfinde.

    Videospiele dienen mir auch zur Entspannung, aber ebenso, um mich herauszufordern.
    Es ist schön, wenn es Spiele gibt, in denen man beides findet, auch wenn man das zuerst gar nicht vermutet.

    Ich bin jemand, der Titel wie GTA V, Starlink, oder Assassins Creed nie durchspielt, denn ab einem gewissen Zeitpunkt wird es mir zu stressig, alle Missionen der Reihe nach zu erfüllen.
    Dann setze ich mich in GTA ins Auto, Boot, oder aufs Motorrad und in AC in die Kutsche oder aufs Pferd und gucke mir einfach nur die tolle Umgebung an, oder mache verrückte Dinge, die man im wahren Leben nicht einfach so tun kann.

    Bei Assassins Creed kann die Idylle schnell mal unterbrochen werden, wenn man plötzlich angegriffen wird. In GTA hat man die Polizei im Nacken, wenn man übertreibt und in Starlink stößt man auch immer wieder auf Gegner auf den Planeten oder im All.
    In diesen Momenten hat man dann kurz eine Herausforderung, die man meistens schnell bewältigen kann. Für mich eine perfekte Mischung, um mal für eine Weile in eine fremde Welt abzutauchen und dem Alltagsgeschehen entrissen zu werden.

    Videospiele sind schon ein tolles Hobby, auch, weil sie so vielfältig sind.
    Man kann Rätsel lösen, sich in Geschicklichkeit üben, Welten erschaffen, Welten zerstören, gemeinsam mit anderen etwas erreichen, oder sich gegenseitig herausfordern und bekämpfen.
    Die Möglichkeiten sind eigentlich kaum begrenzt.

    Dennoch muss man aber aufpassen, dass man sich selbst mit seinem Hobby nicht unter Druck setzt, wenn man z.B. unbedingt das nächste Ziel erreichen oder das Spiel "endlich" durch haben will.
  • Solaris Legendärer Lichtbringer - 05.01.2019 - 13:41

    Im Redaktions Turmolymp gibt es es
    Stress? Ich dachte immer das Schwierigste sei hier Testwertungen zu verteidigen und sich die Überreste der Trauben, die im Ambrosia schwimmen, aus den Zähnen zu klauben. :P

    Aber trotzdem schon zu hören, dass es dir geholfen hat zu entspannen. Sind auch richtig schöne Spiele geworden. Und es gibt fast nichts Schöneres, als gemütlich bei einem guten Spiel und einem warmen Sektglas neben sich zu zocken. :ddd:
  • HabyX Cyrobotic Mechaborg - 05.01.2019 - 13:58

    @Thomas Steidle:
    Ich kann dir gut nachfühlen; ich Spiele auch gerne Videospiele um von meinen stressigen Alltag zu entfliehen; damit ich wieder den Kopf frei bekomme. | Wobei ich unterschiedliche Viedeospiele zu
    unterschiedlichen Gemütslagen spiele. z.B: bin ich stark gefrusstet und muss meine Wut raus lassen
    dann brauch ich ein Action reiches Spiel wie z.B: Mothergunship.
    Wenn ich aber mal meine Ruhe brauche und einfach eine Welt erkunden möchte, dann ist so ein
    Spiel wie ABZU einfach genial; kann das aber bei frust nicht spielen da es mir dann einfach zu Ruhig ist. Manchmal ist es gut wenn man einfach mal seinen Stress raus lässt; dann geht es einen auch viel
    besser. / Wenn man aber nur vom Alltag sich mal entspannen will dann ist jedes Spiel für einen perfekt, und gerade so ein Strategiespiel hielft gut auf andere Gedanken zu kommen.
  • felix SSB #hypebrigade - 05.01.2019 - 13:58

    Zitat von Thomas Steidle:

    Ein paar Elemente "zerstören" dieses eher meditative Gameplay zwar ein wenig, allerdings ist das auch nicht schlimm.
    Wer kennt es nicht? Man entspannt auf einem schönen Plateau und schaut sich die malerische Bergwelt an... und plötzlich kommt ein Wächter, man wird aus allen Gedanken gerissen und flüchtet panisch vor den Laserstrahlen :P

    Schönes Spezial, solche Spiele heben sich vom Einheitsbrei einfach ab und sind immer wieder eine angenehme Abwechslung^^
  • Pascal Hartmann Ta da da daaaaaaa - 05.01.2019 - 18:28

    Schon seit einiger Zeit bin ich Fan der ruhigen, kurzen und entspannten Spiele. Herausforderung gut und schön, aber das möchte ich meistens gar nicht mehr. Lieber zurücklehnen und einer rührenden Story folgen, während ich so gut wie nichts im Spiel machen muss. Vor ein paar Jahren habe ich über die sogenannten Walking Simulatoren oder Story-driven Titel wie OPUS gelacht, aber ich habe schon so tolle Spielerlebnisse mit denen gehabt, dass diese Genres mittlerweile ganz weit oben bei mir rangieren (dazu zählt auch Abzû). Dann noch gemütliche Puzzler wie Picross dazu. Sollen sich andere durch schwere Spiele wie Dark Souls kämpfen :thumbup:

    Mein Mindset kann sich natürlich auch wieder ändern. Aber momentan passt es mir einfach so.

    Und sehr schön Text, @Thomas Steidle :iwata:
  • Venom316 Turmritter - 06.01.2019 - 00:41

    Ich kann dem nur Zustimmen,
    Videospiele können einem gerne mal runterkochen nach nem Stressigen Arbeitstag,

    In der Zeit von November und Dezember ist bei uns auf Arbeit auch immer der Bär los und es ist immer sehr Stressig,
    Ich habe mich gerne Abends in die Welt von Xenoblade Chronicles 2 Vertieft, das lässt die Gedanken dann ganz weit vom Arbeitsstress abdriften und man Taucht einfach ein in eine Andere Welt :D

    Funktioniert bei mir aber nur bei Storylastigen Spielen, bei South Park lache ich mich gerne mal weg nach nem Harten Tag,
    War aber der Tag scheisse und ich Spiele Splatoon oder Mario Kart und Verliere dort in einer Tour ist die Laune danach noch mehr im Keller.
  • saurunu SSB #hypebrigade - 06.01.2019 - 00:54

    Ich spiele Video-Games auch gerne zur Entspannung. Dafür liebe ich auch Splatoon so sehr . Da mache ich einfach ein paar Turf war Runden und spiele so vor mich hin ohne irgendein Ziel erreichen zu müssen.