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EGX Berlin 2019: Weiterentwicklung trotz Spieleflaute

Spezial

Im letzten Jahr fand zum ersten Mal die Berliner Ausgabe der EGX statt. In diesem Jahr wurde die Messe, deren Zutritt nur für Personen ab 18 Jahren erlaubt ist, erneut in der Station Berlin veranstaltet, allerdings fand die nunmehr zweite Ausgabe nicht mehr Anfang Oktober, sondern erst Anfang November statt. Dadurch ist genug zeitlicher Abstand zur gamescom und der auch im letzten Jahr zum ersten Mal in Erfurt veranstalteten MAG Erfurt, welche Anfang Oktober stattfand. Ich war dieses Jahr erneut vor Ort, um die neuesten Spiele auszuprobieren und ein paar Kontakte zu knüpfen. Einen Bericht vom letzten Jahr könnt ihr hier lesen.

Gleich beim Hineinkommen in die Halle begrüßten zahlreiche Indie-Titel die Gäste. Am Freitagmorgen war es aber auch entsprechend leer. Foto: © ntower

Das Grundprinzip der EGX Berlin ist recht schnell erklärt: Es ist eine kleine Messe rund ums Gaming (samt Vorträgen, Merchandise und eSports) ganz nach dem Vorbild der britischen EGX. Und dieses Konzept ist auch in diesem Jahr meiner Meinung nach gelungen. Insgesamt verbesserte sich der allgemeine Auftritt und die Atmosphäre der Messe, denn die Messehallen wirkten im Gegensatz zum letzten Jahr farbenfroher und vom Platz her besser ausgenutzt. Die Eingangshalle – im letzten Jahr nur ein Ort für Essen und Retro-Spiele – war voller, mit eSports-, Turnier- und Essens-Ständen. Auch ein paar Merchandise-Stände und ein Platz für analoge Spiele wie Brettspiele konnten hier gefunden werden. Dazu gab es eine Bühne mit Liveprogramm an jedem Tag. Allerdings wurde die Halle 2, welche an die Eingangshalle grenzt und die Bereiche eSports, Turniere und analoge Spiele im letzten Jahr abdeckte, fast komplett für Besucher gesperrt. Lediglich ein kleiner Teil dieser Halle diente in diesem Jahr als Ort für Panels und Vorträge. Ob es gut war, die Halle 2 nicht zu nutzen, liegt im Auge des Betrachters. Letztes Jahr fiel sie meines Erachtens nach nicht direkt auf und die Bereiche wie Turniere und eSports kamen 2019 besser zur Geltung.

An der Gaming-Halle (Halle 7) angrenzend war noch ein weiterer Präsentationsraum, in welchem Live-Gameplay-Präsentationen zu Cyberpunk 2077 angeschaut werden konnten. Die entsprechende Schlange für die Events am Samstag zog sich durch die Halle 7, jedoch bekam nicht jeder Zulass. Wer als Erstes da war, konnte ein begehrtes Ticket für die Präsentation ergattern. Ein Teil der Schlange hat dies leider nicht geschafft, was schade ist, aber bei einem heiß erwarteten Titel leider in Kauf genommen werden muss. Aber zurück zur Halle 7, dem Herzstück der Messe. Ich war am Freitag und Samstag vor Ort und habe somit die Halle einmal leer und einmal voll erleben können. Im Vergleich zum letzten Jahr tat sich einiges in der Anordnung der Stände. Durch den Wegfall des riesigen Standes von PlayStation hatten nun mehr Indies Platz sich zu präsentieren. Die großen Titel, also DOOM Eternal und Final Fantasy VII Remake, waren in zwei Ecken der Halle gut platziert. Die Schlangen, welche auch am Samstag recht lang waren, hatten dadurch genug Platz, um sich über die Sperrbänder hinaus zu bilden. Im Indie-Bereich waren ebenfalls sehr viele Spiele, leider jedoch manchmal nur mit einer Anspielstation, platziert. In der Mitte der Halle fand sich auch der Stand von astragon. Der Retro-Bereich, welcher letztes Jahr meines Empfindens nach etwas lieblos platziert war, fand sich nun zwischen Final Fantasy und der Mitte, aber konnte leider auch recht schnell übersehen werden, wäre nicht ein großer Bildschirm an der Wand angebracht, wo das Spielgeschehen des Nintendo Classic Mini: NES auf „großem Format“ von der anderen Seite der Halle beobachtet werden konnte. Erwähnenswert wären noch ein paar Anspielstationen zum Smartphone-Hit Honkai Impact 3rd sowie auch Anspielstationen zu Devil May Cry 5 und Resident Evil 2, welche ebenfalls im letzten Jahr dort waren. Ob sich der Aufbau dieser Stände lohnte, wage ich etwas zu bezweifeln, dennoch lockten sie interessierte Besucher an.

Bei Final Fantasy VII Remake gab es am Samstagvormittag eine lange Schlange. Foto: © ntower

Begonnen hat mein Rundgang bei dem recht guten Final Fantasy VII Remake. Ob es wie am Stand abgebildet auf der PlayStation 4 Pro gespielt werden konnte, stelle ich in Frage. Vielleicht war aber nur der Monitor falsch eingestellt. Trotz des gelungenen Gameplays fehlte mir beim Anspielen aber irgendetwas, sodass der Wow-Moment für mich ausblieb, obwohl es grafisch recht gut aussah. Danach ging es zu astragon. Begonnen bei Fishing: Barents Sea mit wunderbaren Erklärungen durch die Entwickler (eine Vorschau könnt ihr hier lesen) widmete ich mich anschließend Asterix & Obelix XXL3. Ich kannte die Vorgänger nicht, wollte es aber dennoch probieren, immerhin habe ich sehr viele Asterix-Comics in meiner Kindheit gelesen. Das Spiel machte Spaß, auch wenn ich es nur alleine gespielt habe. Danach erlebte ich einen ersten Einblick in die Welt von Blacksad. Vom selben Entwicklerteam wie Yesterday Origins stammend habe ich einige gleiche Gameplay-Elemente sofort erkannt und auch die deutsche Vertonung war sehr gut. Die Detektivarbeit wurde gut in das Spiel integriert und auch hier habe ich bereits etwas Vorfreude auf den Titel erhalten, auch wenn ich die Vorlage nicht kenne. Danach ging es in die Welt der Simulatoren. Bus-Simulator für die PlayStation 4, Bau-Simulator US für die Nintendo Switch sowie Train Sim World. Da ich früher gerne Bus- und Zug-Simulatoren am PC gespielt habe, wollte ich sehen, wie sich beide Genres entwickelt haben. Ich war positiv überrascht und genoss die Spielmomente, auch wenn ich bei Bus-Simulator zum Ende meiner Linie doch mehr Fehler machte und es bei Train Sim World ein paar kleinere Probleme gab, hatte ich dennoch Spaß mit den Titeln. Nach dem Anspielen bei astragon ging ich noch schnell zur Anspielstation von Shenmue 3. Das Spiel fühlt sich an wie Shenmue und ist grafisch auch sehr an die originalen Spiele angelegt, zumindest von den Animationen. Leider vermisste ich etwas die verrauschten Stimmen, obwohl die Vertonung recht gut war. Mein Freitag endete leider etwas früher, da ich einen Zug erwischen musste, aber am Nachmittag erblickte ich zumindest eine recht lange Schlange und die Messe schien gut gefüllt gewesen zu sein.

Am Samstag war ich leider erst nach Öffnung der Eingänge vor Ort. Dennoch war hier der Andrang deutlich größer und auch die Messehallen viel voller. Da ich einen Großteil von den Spielen, die ich anspielen wollte, am Freitag ausprobieren konnte, waren für mich ein paar Abstecher zu den Indie-Titeln geplant. Doch leichter gesagt als getan, denn die Indie-Spiele genossen ebenfalls einen recht großen Andrang. An manchen waren sogar kleine Schlangen erkennbar, was positiv zu bewerten ist. Auch sonst schien das Interesse nicht nur bei den großen Spielen zu liegen, auch wenn sie die Highlights waren. Bei Zombie Army 4: Dead War stand ich beispielsweise 30 bis 45 Minuten, bis ich vorgelassen wurde, weil in der Regel zwei Dreier-Teams spielten und gerade ein Platz frei wurde. Das Spiel spielte sich super, Waffen, Munition und das allgemeine Gameplay wirkten solide und ich habe deutlich Spaß gehabt und freue mich sogar auf die Veröffentlichung im nächsten Jahr, obwohl ich bislang nicht so sehr von Shootern angetan war. Bei den Indie-Spielen konnte ich auch ein paar ausprobieren, darunter Stronghold: Warlords und Cat Quest II. Ansonsten waren auch viele deutsche Indie-Spiele dabei, wie Lost Ember, Minute of Islands vom The Inner World-Entwickler Studio Fizbin und viele mehr. Auch bei der Nintendo Switch-Version von ibb & obb habe ich mitgerätselt. Insgesamt haben die Indies meiner Einschätzung nach einen sehr guten Zulauf und hohes Interesse erhalten.

Auch Björn Pankratz hat einen Vortrag gehalten. Wolf Speer führte dabei durch das Programm. Foto: © ntower

Da ich den Freitag bereits gut genutzt habe, konzentrierte ich mich am Samstag eher auf Vorträge. Ich habe mir drei spannende Themen angehört. So erklärte Thorsten Röpke von Keen Games, wie sein Weg in die Videospielbranche aussah: Vom Schüler in der Schülerzeitung über die Arbeit im Support für ein Distributionsunternehmen und dem Übersetzen von Handbüchern hin zum Game Design und schließlich zu Keen Games. Danach setzte Björn Pankratz von den Piranha Bytes an und beantwortete die Frage, ob Open-World-Rollenspiele der reinste Masochismus seien. Das Team bestand bei der Entwicklung vom Spiel Elex aus 27 Personen, allerdings gab es 37 Rollen. Dies wurde durch Doppelbelegungen einzelner Mitarbeiter erzielt. Und auch sonst führte er sehr unterhaltsam alles auf, was in Elex drinnen ist. 400 individuelle Charaktere, die alle cool aussehen mussten, jeder einen Dialog bekam, das recht eigene Setting und vieles mehr. Beide Vorträge waren je 45 Minuten lang und baten Platz für Fragen der gut gefüllten Räume. Am Abend lauschte ich dann noch dem Vortrag von Johanna Janiszewski, Gründerin und Leiterin von Tiny Crocodile Studios. Sie sprach über ihren Weg vom Hobby zum Freiberufler in die Festanstellung zurück zur Freiberuflerin und Unternehmensgründerin. Allgemein gaben viele Vorträge Einblicke in die Karrieren von einzelnen Personen und über die Entwicklung von Spielen, aber auch Diskussionen zu diversen Themen waren geboten. Insgesamt lockten sehr viele interessante Panels.

Von der Messe habe ich erneut einen positiven Eindruck erhalten, jedoch mit einem Haken. Während die allgemeine Präsentation und Anordnung der Anspielstationen für mich viel gelungener als im letzten Jahr erschien, hat das Spieleangebot leider abgenommen. Größere Blockbuster waren kaum vorhanden. Ob dies an dem relativ mauen Spielejahr liegt oder dieses Jahr vom Veranstalter andere Prioritäten gesetzt waren, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls war ich auch dieses Jahr von der Messe recht angetan und empfinde dies als gute Weiterentwicklung vom letzten Jahr, auch wenn es weniger große Blockbuster gab. Dennoch war genug zum Spielen und Erleben da. Außerdem würde ich es begrüßen, wenn auch die Halle 2 wieder genutzt wird, um beispielsweise Anspielstationen verschiedener Spiele dort anzubieten. Auch die Cosplayer, welche am Samstag durch die Halle in einer „Parade“ zogen, hatten nur zwei kleinere Bereiche für sich. Und auch die Merchandise-Stände waren dann doch teilweise in irgendeine freie Ecke gepackt worden. Dennoch bin ich auch mit der EGX Berlin 2019 zufrieden und freue mich auf das nächste Jahr, dann hoffentlich mit ein paar Blockbustern mehr.

Berichtsbild: Original-Artwork: © Reed Exhibitions, Foto: © ntower, Artwork-Komposition: © ntower

Kommentare 1

  • Dunnkare Hardcore Noob - 01.12.2019 - 10:58

    Ich sehe das etwas anders. Letztes Jahr war die Messe schon eher schwach, was Präsentation und Angebot anging, aber es gab durch Sonys starke Präsenz immerhin ein paar richtig gute Spiele ohne endlose Wartezeit anzuspielen. Das kann ja nur besser werden, dachte ich, und habe der EGX dieses Jahr noch mal eine Chance gegeben - ziemlich genau eine halbe Stunde war ich dort. Sony war dieses Mal offensichtlich nicht an Bord, es gab keinen Zugang zur Cyberpunk Präsentation mehr (dass die Plätze dort limitiert sein würden, wurde nicht wirklich kommuniziert), genau zwei größere Spiele mit jeweils endlosen Warteschlangen davor waren vertreten (Doom Eternal und FF7 Remake) und sonst war alles voller uninteressante Mini- und Mobile-Spiele. Zwei Hallen voller gähnender Langeweile. Für mich hat sich damit das Thema EGX leider erledigt.