Film-Kritik: Sonic the Hedgehog Über den Tellerrand

Sonic the Hedgehog steht schon seit ich denken kann für die Marke SEGA und hat mich bis zum heutigen Zeitpunkt begleitet. Ich habe bei jedem Spiel Anpassungen, Innovationen und neue Freunde des stacheligen Adrenalinbündels verfolgt. Auch als es über die Jahre eher bergab ging, hoffte ich stets, dass mich die nächste Neuerscheinung positiv überraschen würde. Mit dem neu erschienenen Film ist SEGA ein kurzweiliger Spaß gelungen, an dem sich die gesamte Familie erfreuen kann, was jedoch vermutlich nicht lange in Erinnerung bleibt. Woran das liegt, möchte ich euch in den kommenden Zeilen erklären.


Die Geschichte und Umsetzung von Sonic the Hedgehog


Der Film zu Sonic wurde nicht direkt von SEGA produziert, sondern von Paramount Pictures, was an und für sich erst einmal nichts Schlimmes zu heißen hat. Man merkte jedoch im ersten Trailer schnell, dass hier die Liebe zum Charakter gefehlt hat, denn was auch immer dort präsentiert wurde, es war nicht Sonic. Nach starker Kritik an der Charaktergestaltung von Sonic ruderte Paramount Pictures von der ursprünglichen Veröffentlichung im November 2019 zurück und versprach, sich das Design noch einmal anzuschauen. Wie sich kurze Zeit später herausstellte, hielten sie ihr Wort und präsentierten uns einen Sonic, der dem Original sehr nahekommt.


Die Geschichte des Films ist relativ schnell erzählt: Sonic muss in seinen Kindertagen von zu Hause fliehen, da er mit außergewöhnlichen Kräften geboren wurde und gierige Mächte hinter ihm her sind. Dies gelingt ihm mithilfe von Ringen, die im Film die Funktion von Teleportern innehaben. Mit ihnen beamt er sich auf die Erde, wo er von nun an ungesehen von den Menschen in der Kleinstadt Green Hills aufwächst. Jahre später wird er aufgrund seiner bis dahin schlummernden Kraft Ziel von Doktor Robotnik, welcher ihn als Energiequelle für seine Roboter missbrauchen will. Auf seiner Flucht vor dem Doktor läuft einiges schief, weshalb er seine Tasche mit den Ringen nach einem missglückten Teleportationsversuch verliert und beinahe gefangengenommen wird. Gerettet wird er von dem gutmütigen Polizisten Tom, welcher sich dazu bereit erklärt, Sonic bei der Suche nach den Ringen zu unterstützen. Der Weg dorthin ist jedoch nicht so einfach wie anfangs gedacht und beide erleben das ein oder andere ungewollte Abenteuer.


Wer offen und ohne Erwartungen auf eine typische Welt im Sonic-Stil in den Film geht, wird meines Erachtens sehr positiv überrascht! Auch wenn der Film aufgrund seiner kinderfreundlichen Gestaltung viele Klischees bedient, wartet er immer wieder mit spaßigen Sprüchen, Referenzen und Szenen auf, die hauptsächlich dem erwachsenen Publikum ein Lachen entlocken kann. Mich haben der konstante Fluss an humorvollen Gesprächen und der lineare Fortschritt der Geschichte sehr überrascht. Ich hatte nie das Gefühl, dass eine Szene unnötig in die Länge gezogen wurde, um den Film mit Material auszufüllen. Auch wenn ich hier und da ein Schmunzeln unterdrücken musste (beispielsweise bei einer Tanzeinlage von Dr. Robotnik), so trägt ziemlich jede Handlung zur Hauptgeschichte bei, ohne groß abzuschweifen. Warum das so gut funktioniert, ist meines Erachtens im Verhalten von Sonic begründet, da er sich den ganzen Film über aufführt wie ein Teenager in der Pubertät. Da wir keine genauen Zeitdaten erhalten, wie lange Sonic schon auf der Erde wohnt, können wir davon ausgehen, dass er sich zum Zeitpunkt des Films tatsächlich in seiner Teenager-Phase befindet, was sein Verhalten und seinen Charakter erklären würde.


Die Hauptdarsteller Jim Carrey (Dr. Robotnik) und James Marsden (Tom Wachowski) überzeugen in ihren Rollen als verrückter Wissenschaftler und hilfsbereiter Sheriff auf ganzer Linie. Auch wenn ich der Meinung bin, dass die Rolle des Dr. Robotnik etwas zu überzogen wirkt, so setzt Jim Carrey diese genial um. James Marsden passt ideal in die Rolle des Sheriffs mit dem goldenen Herz, der auch gerne mal handgreiflich wird, falls es sein muss. Auch die Nebendarsteller passen hier super ins Bild und lockern die Situation immer wieder auf! Ich meine, wer kennt nicht die schrullige Schwester, die einem andauernd einreden will, dass man den falschen Mann geheiratet hat und sich endlich scheiden lassen soll?


Ein Kritikpunkt ist einzig der etwas seltsam anmutende Umgang mit der Zeit bzw. der Geschwindigkeit. Wie allen bekannt ist (oder relativ schnell im Film gezeigt wird), ist Sonic mit seinen circa 300 Miles per Hour (ungefähr 483 km/h) der schnellste Igel der Welt. Auch wenn diese Geschwindigkeit beachtlich ist, wirkt es doch etwas seltsam, wenn er quasi die Zeit anhält, um Kugeln auszuweichen oder Unfug bei einer Kneipenschlägerei anzustellen. Mir ist durchaus bewusst, dass dies rein dazu beiträgt, seine Geschwindigkeit hervorzuheben, bei manchen Szenen ist es jedoch etwas zu überzogen.


Die Optik und der Soundtrack


Optisch ist Sonic the Hedgehog kein Ausreißer. Die Animationen sind auf einem Niveau, das man heutzutage bei einen Animationsfilm voraussetzt und bergen kaum Innovationen oder Wow-Effekte. Nichtsdestotrotz fühlt sich das Gesamtbild nie überzeichnet an und auch Sonic bzw. die Roboter wirken zu keinem Zeitpunkt fehl am Platz. Besonders gut gefallen hat mir die Darstellung von Sonics „Fell“, was sehr detailreich gestaltet wurde und durch seine vereinzelten Stacheln trotzdem den Igel erkennen lässt. Der innovativste Teil der Animationen war der erste Teil des Abspanns, in dem sich Sonic in klassischer 2D-Manier durch die einzelnen Etappen des Films kämpft. Hier bekam ich direkt Lust auf einen Spieleableger des Films, da es einfach zu gut aussah.


Musiktechnisch hat der Film meiner Meinung nach wenig zu bieten. Die Hintergrundmusik ist sehr generisch, hin und wieder wird mal ein bekannter Song aus dem Radio mit eingebunden, da dieser gerade in einer Bar gespielt wird. Auch sonst besteht kaum eine Verbindung zu bekannten Sonic-Themes. Einmal wird kurz die Melodie der Green Hills Zone eingespielt (was sich auf dem Klavier sogar richtig gut anhört), dieser Moment ist aber schnell wieder vorbei. Hier hätte ich mir mehr Referenzen zu Sonic-Leveln gewünscht! Eine enorme Enttäuschung war für mich darüber hinaus der Titelsong des Films. Dieser wurde bereits vor dem offiziellen Filmstart präsentiert und hat mir dort schon nicht gefallen. Im Film selbst wirkte der Song am Ende des Films allerdings noch abschreckender. Ein rockiges Stück von Crash 40, die bisher viele Lieder für Sonic-Spiele eingespielt haben, hätte dem Ganzen noch einen befriedigenden Abschluss eingebracht.


Die Synchronstimmen der Schauspieler und von Sonic geben eine überzeugende Vorstellung ab, mit der man sehr zufrieden sein kann. Vor allem bei Sonic (Ben Schwartz) habe ich meine Bedenken gehabt, da ich kein großer Fan seiner deutschen Stimme (Marc Stachel) in den Spielen bin und diese lieber auf Englisch umstelle. In der deutschen Fassung des Films erhält der blaue Igel die Stimme allerdings von Julien Bam, welche trotz vorangegangener Skepsis hervorragend zu einem heranwachsenden Sonic passt und auch etwas von seiner sonst so prägnanten Spitzfindigkeit mitbringt.


Unsere Meinung zu Sonic the Hedgehog


Ich bin mit geringen Erwartungen in den Film gegangen, da mich die erste Umsetzung von Sonic im Trailer schon daran zweifeln ließ, ob Paramount Pictures überhaupt die Kernessenz verstanden hat, die Sonic ausmacht. Auch wenn die Story keine großen Überraschungen mit sich gebracht hat, so kann ich nur von einem positiven Erlebnis reden. Das Niveau des Humors bleibt stets auf einem Level, bricht selten ein und brachte mich konstant zum Lachen. Es gab viele gute Referenzen zu anderen Filmen, zu Situationen, die Eltern nur allzu gut kennen, und allgemein viel zu lachen! Falls es eine Fortsetzung geben sollte, werde ich mir diese mit ein wenig höheren Erwartungen als beim Vorgänger anschauen. Paramount Pictures hat hier einen soliden Familienspaß erschaffen, der sowohl Neulinge als auch alteingesessene Fans unterhalten kann!



Berichtsbild: © Paramount Pictures

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Kommentare 16

  • Torben22

    Meister des Turms

    Ich fand den Film ok, iwie eine Origin Story AAAAABBBER es war kein Sonic Film. Da muss ich Christian von den Gaming Clerks recht geben: Sonic hätte man durch Herbert dem Eichhörnchen ersetzen können und hätte Robotnik anders genannt und schwupp perfekt

  • Knusel

    Turmbaron

    Ich fand den Film nett
    Und durchaus unterhaltsam...
    Nicht mehr und nicht weniger...

  • Sebi.L.

    Turmfürst

    Ich hatte keine hohen Erwartungen, habe mich aber auf den Film gefreut und wurde nicht enttäuscht. :)

  • Lycanroc

    Wolwerock

    Habe das Originaldesign nie wirklich kritisiert oder gar gehated, da halten mich eher die deutsche Stimme von Sonic und die Fortnitetänze vom Film ab. Auch wenn ich Sonics neues Design wirklich gut finde.

  • Jwka_20

    #SplatoonFanForever

    Ich weiß auch nicht was so viele bei der Stimme von Sonic hatten. Ich finde Julien Bam hat das gut gemacht und hat auch einen guten Sonic abgegeben.
    Insgesamt fand ich den Film ganz in Ordnung. Keine Meisterleistung aber auch nichts schlechtes.

  • Solaris

    NextGen is coming 💚💙

    Also, was ich bislang gehört habe ist eine breite Bamdseite von ganz solide Kost bzw. Mittelmäßig bis Kernschrott. Das größte Problem soll wohl die unklare Zielgruppe sein. Sonic Fans ist es zu wenig Sonic was Referenzen angeht und Kinder (die wohl angestrebte Zielgruppe) dürften so gut wie nichts von Sonic wissen. :dk:

  • Knoso

    sTÜRMER

    Insgesamt gutes Familien-Popcorn-Kino. Jim Carrey ist als Bösewicht natürlich eine brillante Besetzung, muss sich aber auch an seiner legendären Joker-Rolle messen lassen und hat diese zumindest nicht übertroffen.
    Mir ist es egal, ob der Film die Essenz des Spiels einfängt oder nicht, Hauptsache, er unterhält. Wobei man nicht leugnen kann, dass Sonics Eigenschaft als superflinkes Wesen dargestellt und oft gekonnt persifliert wird. Mehr hätte nicht sein müssen und wäre wohl auch krampfhaft gewesen.

  • Njubisuru

    Unbeliebteste Ntower-User

    Ich weiß auch nicht was so viele bei der Stimme von Sonic hatten. Ich finde Julien Bam hat das gut gemacht und hat auch einen guten Sonic abgegeben.

    da halten mich eher die deutsche Stimme von Sonic und die Fortnitetänze vom Film ab

    Ist ja auch kein Wunder. Der Film hat eindeutig eine sehr junge Zielgruppe. In dem Alter kennen nun mal alle Julien Bam, und in dem Alter spielen sowieso die meisten auch Fortnite. Der Film ist, so wie auch der Trailer bereits vermittelt hat, nichts anderes als Mittelmäßige Qualität, die man nach dem Kinobesuch am nächsten Tag wieder völlig vergessen hat, worum es in dem Film ging. Julien Bam wurde sicherlich nicht wegen seiner qualitativen Stimme gerufen - sondern war einzig und allein ein Marketing-Instrument, um den Film bekannter zu machen. Da macht man auch gern Abstriche in der Qualität, solange es die Leute lockt.


    Das persönlich finde ich auch absolut schade. SEGA, der das erste Design auch abgesegnet hat, täte gut daran, seinen Igel wenigstens wieder halbwegs aufzupolieren, in dem sie einen erstklassigen Film abgeliefert hätten. Das witzige daran ist, dass ohne Jim Carrey der Film nicht einmal einen alzu großen Erfolg verbucht hätte. Ohne Jim Carrey und weiterhin mit dem alten Design, wäre es der Film zu oft gern in zukünftigen Paradebeispielen genannt werden. Aber selbst jetzt könnte man alle Charaktere austauschen. Dann hieß es nicht mehr "Sonic The Hedgehog" sondern "Tomy The Squirrel" und keiner würde es merken. Lediglich die allgemeine Kritik wären deutlich geringer und auch wesentlich negativer, weil Sonic bei vielen dann doch einen Sympathie-Bonus erhalten - sonst der Film bei einer Pizza-Abend praktisch einfach gar nichts bietet.


    Ich bin da sehr gespannt auf das nächste "Videospiel" zu Sonic. Da sich jedes Sonic-Spiel in letzter Zeit immer weiter exponentiell in Richtung Blödsinn streckt (Sonic Forces, Sonic Boom, Sonic Lost World), wird auch hier wahrscheinlich das Videospiel zum Film an vielen Ecken und Kanten hängen. Sonic ist als Qualitätsmarke leider.. gestorben, weil SEGA diese Marke zu oft gegen die Wand fahren lassen, dass es de facto seit Jahrzehnten irreparable Schäden wiederfahren hat. Ganz gleich, was da noch kommt.

  • megasega2

    Turmbaron

    Ich fand den Film gut, hatte weitaus schlechtere Kost erwartet.


    @Njubisuru


    Seit Jahrzehnten sicher nicht, aber gerade die vergangenen 10 Jahre waren, abgesehen von Colors und mit viel gutem Willen, Generations, wirklich furchtbar. Da waren es eher die Spin Offs und Ausflüge (All-Stars Racing, Mario & Sonic) die Punkten konnten. Wobei das letzte Racing-Game mich maßlos enttäuscht hat.


    Was Sonic Team, oder wie sie jetzt heißen, Team Sonic mal gebraucht hat, was ein Mania. Do etwas wie Forces passiert denen hoffentlich nicht nochmal, nach 3 Jahren Entwicklungszeit so einen Bullshit zu präsentieren. Lieber mal wieder ein Sonic und die geheimen Ringe, Unleashed oder auch Rush- mäßiges Spiel.


    Zum möglichen Filmsequel: Ich erwarte wieder solide Kost. & Knuckles.

  • Puma

    Turmheld

    wie wäre es Filme auch mit Punkte zu bewerten, wie ihr es bei Spielen macht. So finde ich zumindest, kann man sich noch ein besseres Bild machen

  • Wowan14

    Gamer aus Leidenschaft

    @Puma ich glaube Filme kann man sogar schon schwerer objektiver bewerten, als Videospiele. Zudem machen sie generell kaum Filmtests, sodass es sowieso sinnfrei wäre da jetzt da ein Bewertungssystem aufzustellen

  • nikothemaster

    Turmbaron

    Sonic ist für mich eine 8/10 und ja der Film ist für Kinder und ja der Film ist streckenweise schwach, aber im Gesamtbild macht er übelst Spaß und außerdem hat der Film Support verdient wegen Fanservice und die letzte Szene im Abspann war der Burner. So unerwartet aber auch so geil dadurch. Sehr geiler Film!

  • Jwka_20

    #SplatoonFanForever

    @Njubisuru Übrigens ich interessiere mich nicht für Julien Bam. Ich wäre auch in den Film gegangen wäre Sonic von jemand anderem synchronisiert worden.
    Außerdem bin ich 22 Jahre alt.
    Ich wollte einfach den Film gucken, einmal weil es Sonic ist und um zu gucken wie gut es umgesetzt wurde.


    Leute wie mich gibt es zum Glück auch genug.


    Und die "Fortnite-Tänze" jucken mich null. Das hat den Film jetzt nicht besser aber auch nicht schlimmer gemacht. Es ist einfach da, mehr nicht.

  • Njubisuru

    Unbeliebteste Ntower-User

    @Jwka_20


    Das ist doch völlig okay. Habe ja nicht gesagt, dass der Film gänzlich unbesucht wäre. Wenn dir der Film gefallen hat, wie vielen anderen Leuten auch, ist es vollkommen in Ordnung. Ich hetze ja nicht über die Zuschauer.


    Der Film kommt übrigens am 20. Dezember 2020 auf Bluray raus. Passend als Weihnachtsgeschenk für Sonic-Fans, angehende Fans und diejenigen, die einfach nur nach Unterhaltung suchen.

  • retr089

    Einzelgänger

    @Njubisuru


    Welcher Film kommt im Dezember auf Bluray raus?
    Sonic ganz sicher nicht.
    Der Film läuft jetzt im Kino.
    10 Monate für eine Bluray/DVD-Auswertung wäre viel zu lange.

  • Ascredaris

    Don't blink!

    @Njubisuru Das sind lediglich Platzhalterdaten, da die BD noch nicht offiziell angekündigt wurde.
    In der Szene wird im Moment mit Ende Mai als möglichen Release gemunkelt...