Comic-Rezension: Androiden Band 1 – Wiederauferstehung Über den Tellerrand

Wenn wir uns die Wörter Schafe, Träumen und Asimov anschauen, wird der geneigte Leser den Zusammenhang nicht direkt feststellen können. Bei dem einen oder anderen werden dadurch aber direkt Assoziationen geweckt. Der bekannte Film Blade Runner basiert auf einem Roman von Philip K. Dick, der im Deutschen den Titel Träumen Androiden von elektrischen Schafen? trägt. Auch wenn der Film vom eigentlichen Roman abweicht, behandeln sie doch dieselben Themen. Was unterscheidet den Menschen von einem Androiden? Sollte es wirklich unser Ziel sein, so menschenähnliche Androiden wie möglich zu erschaffen? Was unterscheidet Data aus Star Trek beispielsweise von den Androiden aus Dicks Roman?


Androiden faszinieren uns Menschen schon seit Jahrzehnten, wenn nicht sogar seit Jahrhunderten. Immer wieder setzen wir uns mit den menschenähnlichen Maschinen in Romanen, Filmen und auch Comics auseinander. Da ist etwas, was wir nicht ganz greifen können, etwas was uns menschlich macht und ein Android nicht erreichen kann, auch wenn er noch so sehr danach strebt. Sollte es uns gelingen, in der Entwicklung von Androiden weiter Fortschritte zu machen, sollte man auch entsprechende Regeln aufstellen. Autor Issac Asimov hat bereits in den 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts dazu drei Gesetze postuliert:

  • Ein Robot darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit gestatten, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
  • Ein Robot muss dem ihm von einem Menschen gegebenen Befehl gehorchen, es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.
  • Ein Robot muss seine eigene Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Gesetz eins oder zwei kollidiert.*

Diese Gesetze von Asimov sind der Geschichte von Androiden Band 01: Wiederauferstehung vorangestellt. Jeder Band der Androiden-Reihe stellt eine eigene Geschichte dar, das übergeordnete Thema sind in diesem Fall die Androiden. Im Splitter Verlag sind in dieser Form auch schon andere Anthologien erschienen, zum Beispiel Die Saga der Zwerge oder Elfen, die sich ein Oberthema nehmen, zu dem dann mehrere Alben erscheinen, die völlig unabhängig voneinander gelesen und erlebt werden können. Ergänzend dazu unterscheiden sich auch die jeweiligen Künstler der einzelnen Alben, seien es Autoren oder Zeichner, was die Lektüre umso spannender gestaltet.


Die Polizistin Liv wird zu einem mysteriösen Mordfall gerufen. Schon bald ist ein Verdächtiger auf der Flucht. © Splitter Verlag


In Wiederauferstehung ist die Sterblichkeit besiegt, niemand muss im 26. Jahrhundert mehr sterben. Das wird durch kleine blaue Kapseln erreicht, die liebevoll „die Mischung“ genannt und an alle Menschen gratis verteilt werden. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass Frauen unfruchtbar sind und seit knapp 500 Jahren kein Kind mehr geboren wurde. Weiterhin ist der technische Fortschritt mittlerweile so hoch, dass Androiden mit einer entsprechend weit ausgereiften künstlichen Intelligenz das Leben der Menschen unterstützen. Wir begegnen als Leser der Polizistin Liv und der Kunstrestauratorin Anna, die uns als Protagonistinnen durch das Buch begleiten.


Zum Einstieg sehen wir, wie ein Meteorschauer ungebremst auf die Erde stürzt. Dieser trifft auch eine Raumstation namens „Tesla“ in der Umlaufbahn der Erde, welche daraufhin abstürzt. Tesla war als irdischer Datenspeicher im Weltraum angelegt, auf dem vier Androiden beschäftigt waren. Sollte der Menschheit ein Unglück geschehen, wären auf Tesla alle relevanten Daten die Erde betreffend gespeichert gewesen.


Anschließend starten wir gemeinsam mit Polizistin Liv in einen neuen Arbeitstag. Sie und ihr Partner, der Android Job, werden zu einem Mordfall gerufen, der ihnen zunächst Rätsel aufgibt. Der Ermordete ist Direktor des Museums für Comic-Kunst. Die Überwachungskameras geben keine Auskunft, da sie nachträglich manipuliert wurden. Zwar ist schnell ein Verdächtiger ausfindig gemacht, dieser wird allerdings ebenfalls erschossen. Parallel dazu verfolgen wir die Geschehnisse um die Kunstrestauratorin Anna, die sich schon seit Tagen unwohl fühlt und von Übelkeit geplagt wird. Zusätzlich macht ihr ein aufgeblähter Bauch zu schaffen, bei dem die Leser schnell merken, dass er nur eine Schwangerschaft bedeuten kann. Doch die Menschen auf der Erde sind schon so lange unfruchtbar, dass ihnen diese Idee zunächst nicht kommt. Erst die Diagnose eines Professors offenbart das Undenkbare.


Wie kann es sein, dass Anna schwanger ist? Seit Jahrhunderten wurde kein Kind mehr geboren. © Splitter Verlag


Wie bereits erwähnt, stehen die Robotergesetze von Asimov dem Buch voran. Wenn so etwas geschieht, kann sich der Leser eigentlich sicher sein, dass diese im Lauf der Geschichte gebrochen werden, auch wenn man noch nicht weiß, warum und wodurch. Wer sie bricht, sollte niemanden überraschen, bekommen wir als Leser doch nur einen Androiden näher vorgestellt. Liv gerät im Verlauf ihrer Ermittlungen auch in eine Geiselnahme, wobei der Geiselnehmer mit seinen Thesen ihre Existenz infrage stellt und behauptet, die kleinen blauen Kapseln würden sich als große Lüge herausstellen. Das kann doch nicht sein, oder doch?


Im Verlauf der Geschichte werden Anna und Liv auch zusammengeführt und vieles ist nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint. Dabei bleiben die jeweiligen Plots stets spannend und gekonnt inszeniert. Zum Schluss gibt es dann auch so etwas wie einen Plottwist, den ich zumindest nicht habe kommen sehen – vermutet schon, aber nicht gewusst. Androiden Band 01: Wiederauferstehung spielt mit der Frage nach der menschlichen Identität und wirft innerhalb der kurzen Geschichte auch die Frage nach der menschlichen Existenz auf.


Bereits auf dem Cover springt einem Liv mit dem Motorrad förmlich ins Auge – mit Anleihen von Akira? © Splitter Verlag


Optisch konnte mich der erste Band der Reihe sofort begeistern und fängt den Leser auf den ersten Seiten direkt mit großflächigen Panels ein. Alles ist ein wenig düster gehalten, Parallelen zu Blade Runner sind mit Sicherheit nicht ganz unbeabsichtigt. Dennoch steht Wiederauferstehung genug auf eigenen Beinen, um sich gegenüber anderen Vertretern des Genres abzugrenzen. Ein wenig schade ist jedoch, dass die Geschichte innerhalb eines Bandes beendet werden muss. Hier wäre Potenzial für mindestens einen zweiten Band gewesen. Das hätte uns Liv und Anna noch ein wenig näher gebracht, denn so lernen wir sie als Leser kaum kennen, sondern verfolgen die Ereignisse nur innerhalb eines kurzen Abschnitts ihres Lebens. Mit einem Buch mehr hätte die Geschichte ein wenig mehr Luft zum Atmen gehabt, was in meinen Augen auch an der Wirkung der Geschehnisse nichts geändert hätte. So wirken einige Szenen ein wenig gehetzt, wenn auch insgesamt durchaus noch rund.


Fazit


Mit Wiederauferstehung gelingt Autor Jean-Luc Istin (Die Druiden, Elfen) ein toller Einstieg in die Buchreihe, die sich wie gesagt auch gerne über zwei Bände hätte erstrecken können. Aber das Konzept ist nun mal ein anderes. Optisch stehen die Zeichnungen und Farben von Jesús Hervás Millán (Sintflut, Orks & Goblins) sowie Olivier Héban (Elfen) der Geschichte in nichts nach und fangen die Zukunft mit tollen Farben und düsteren Settings gekonnt ein. Manch ein Panel verliert durch die Anzahl an Dialogen und Sprechblasen an Wirkungskraft, dafür entschädigen andere Zeichnungen mit schön ausgearbeiteten Details. Der erste Band der Reihe bekommt von mir eine klare Empfehlung, insbesondere da man ohne Vorkenntnisse einsteigen und direkt loslegen kann. Insgesamt ist die Reihe momentan auf acht Titel ausgelegt, von denen dieses Jahr weitere erscheinen werden. Die Geschichte ist wirklich gut zu lesen und insgesamt mit einem tollen Finale versehen. Gerne würde ich noch einmal in diese Welt zurückkehren, um zu sehen, wie es für Anna und Liv weitergeht, und das ist ja immer ein gutes Zeichen.


Androiden Band 1 – Wiederauferstehung ist erschienen im Splitter Verlag – ISBN: 978-3-95839-568-8, Hardcover, 64 Seiten, 15,80 Euro
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* Asimov, Isaac, „Runaround“, In: Alle Robotergeschichten. Köln: Bastei Lübbe GmbH und Co. KG 2010


Berichtsbild: © Splitter Verlag

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