LEGO und Super Mario – Ein Knaller im Jubiläumsjahr?

Kommentar

Es gibt in meinem Leben wenige Firmen, die mich über einen längeren Zeitraum begleiten. Sony ist so eine Firma, aber auch Nintendo und vor allem LEGO sind da vorne mit dabei. LEGO kenne ich bereits von klein auf und mein erster Kontakt mit den Bausteinen ist bei mir immerhin knapp 40 Jahre her. Einige der Sets von damals habe ich noch heute und werde sie auch nicht weggeben. Damals gab es Ritterburgen und Weltraum-Themensets, aber auch die Legoland-Sets, die mit der heutigen City-Themenwelt vergleichbar sind und in denen Feuerwehr- und Polizeistation mein Herz erfreuten. Lizenzen waren in der LEGO-Welt in den 80er-Jahren ein Fremdwort, so etwas gab es einfach nicht.

Das Starterset im Überblick. Könnt ihr Bowser Jr. besiegen? © LEGO / Nintendo

Erst Ende der 90er-Jahre begann LEGO zum Start von Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung auch Sets herauszubringen, die auf Lizenzen basierten. Seitdem war der Bann gebrochen und sowohl von Star Wars als auch von diversen anderen Lizenznehmern wurden LEGO-Sets auf den Markt gebracht. Sei es Indiana Jones, Fluch der Karibik, DC Comics, Marvel oder Scooby Doo, so ziemlich jedes Franchise konnte sich in den letzten gut 20 Jahren mit einem LEGO-Set brüsten. Aber LEGO brachte mit Ninjago oder Nexo Knights zudem eigene Lizenzen auf den Markt, die teilweise auch den Sprung auf die Kinoleinwand oder auf Nintendo-Konsolen geschafft haben.

Über eine Kooperation von Nintendo und LEGO gab es schon seit einiger Zeit Gerüchte und wie wir aus einem aktuellen Video zu LEGO Super Mario nun auch wissen, wurde bereits seit vier Jahren an dieser Idee gearbeitet. Dies würde im Umkehrschluss bedeuten, dass bereits im Jahr 2016, also noch vor dem Release der Nintendo Switch, begonnen wurde, sich mit dieser Idee auseinanderzusetzen. Es wundert auch nicht, dass ausgerechnet Super Mario als Grundlage für den Einstieg in die Kooperation zwischen LEGO und Nintendo gewählt wurde – ist doch Mario der unumwundene Star und das Maskottchen von Nintendo. Doch allem Anschein nach wird es keine Verbindung zwischen den LEGO Super Mario-Sets und der Nintendo Switch geben. Und genau das halte ich auch für eine gelungene Entscheidung.

Zum einen konnte im Jahr 2016 noch niemand abschätzen, dass die Nintendo Switch den Konzern aus Kyoto wieder in die richtige Spur bringen würde. Zum anderen würde eine mögliche Verbindung, auch wenn sie lediglich optional wäre, die Zielgruppen erheblich einschränken. Auch wenn es Überschneidungen zwischen Fans von Nintendo (oder im aktuellen Fall von Super Mario) und denen von LEGO geben mag, so würde man diejenigen ohne eine Nintendo Switch ausschließen und Eltern wären aufgrund der höheren Anschaffungskosten vielleicht auch reservierter, was die LEGO Super Mario-Sets angeht.

Gibt es eine Schnittstelle zwischen den Fangruppen?

Überhaupt lohnt es, sich mal die Zielgruppen anzusehen. Beide Firmen sind in erster Linie auf Kinder oder ein jugendliches Publikum ausgerichtet. LEGO mit seinen Bausteinen in physischer Form und Nintendo mit seinen Software-Angeboten klassischerweise als digitaler Lieferant von Spaß und Vergnügen (wir lassen die Vergangenheit von Nintendo als Kartenspiel-Hersteller mal außen vor). Mit großer Wahrscheinlichkeit gibt es bei den Fans beider Unternehmen ab dem jugendlichen Alter einen Bruch im Interesse an ihren Produkten. Bei LEGO kommt nach den Technik-Sets in der Regel nichts mehr und Nintendo verlor einen Teil seiner Spieler auch an die Mitbewerber mit ihren vermeintlich „erwachseneren“ Spielangeboten. Sicher ist diese Annahme nicht für alle Spieler zutreffend, aber ich möchte diese These hier mal aufstellen. Doch was führt die ehemaligen Fans und Kunden dann wieder zurück?

Bei den LEGO-Fans gibt es dafür auch den Ausdruck AFOLs (Adult Fans of LEGO – erwachsene LEGO-Fans) - hier finden erwachsene Menschen nach einer längeren Pause wieder zu den Klemmbausteinen zurück. Da spielt mit Sicherheit auch das Nostalgie-Gefühl eine Rolle, aber in diesem Bereich gibt es natürlich auch Sammler, die sich dann auch die größeren und teureren Sets nachkaufen oder leisten können.

Im Werbematerial sind ausschließlich Kinder abgebildet. Lässt man die Erwachsenen außen vor? © LEGO / Nintendo

Einen ähnlichen Effekt gibt es meines Erachtens bei Nintendo auch, spätestens wenn Kinder in der Familie angekommen sind, machen sich die Eltern irgendwann Gedanken um die digitale Spielwelt und erinnern sich an ihre Zeit mit dem Game Boy oder einer anderen Nintendo-Hardware aus ihrer Kindheit. Beide Firmen bieten in der Regel auch im erwachsenen Alter eine Vertrautheit und können über Jahrzehnte hinweg mit Qualität punkten. Seien es die alten Cartridges und Module, die noch heute funktionieren oder die LEGO-Steine, die – einmal vom Dachboden geholt und gesäubert – immer noch so einwandfrei funktionieren wie damals. Dank des Internets sind auch verlorene Anleitungen zu den Sets kein Problem, stehen doch im Netz die PDFs zum Aufbau zur Verfügung.

Die ersten Präsentationen zu LEGO Super Mario haben uns noch nicht alle Funktionen offenbart, jedoch sind Sound und visuelle Darstellung an der Super Mario-Figur schon gezeigt worden. Gepaart mit den Möglichkeiten der weiteren Sets ergeben sich daraus Interaktionen mittels der Figur und dem Aufbau der anderen Steine. Ergänzend dazu wird es auch eine LEGO Super Mario-App geben, in der der Fortschritt gespeichert werden kann (eventuell, wie viele Münzen ich auf meinem Parcours gesammelt habe) und wo auch weitere digitale Anleitungen zu finden sein werden. Und genau das ist für mich der Knackpunkt, denn etwaige Apps oder Anbindungen des LEGO-Universums an die Smartphone-Welt haben in den letzten Jahren in meinen Augen einfach nicht funktioniert.

Bereits seit Jahren versucht LEGO sich mit ihren Produkten auch an den Smartphone-Konsument anzubiedern, seien es die Interaktionen der Nexo Knights (Schilde scannen), der LEGO Boost-Roboter oder die relativ aktuelle Reihe namens Hidden Site. Als Vater eines zehnjährigen Sohnes beobachte ich diese Entwicklung nun bereits seit ein paar Jahren und bin da mit dem bekannten YouTuber „Held der Steine“ einer Meinung. Warum möchte man bei LEGO die Kinder immer mehr an die Smartgeräte binden, mit denen sie sich in der Regel schon mehr beschäftigen, als es für sie förderlich wäre. Sicher kann ich derzeit noch nicht beurteilen, inwieweit die Begleit-App zu LEGO Super Mario notwendig ist, aber warum nicht den mutigen Schritt gehen, und es bei den Interaktionen mit der Mario-Figur (oder etwaigen anderen zukünftigen Figuren) belassen. Es steckt ja schon genug Technik in diesem Starter-Set drin, also reißt die vermutlich jüngeren Kinder doch nicht wieder von den Bauerfolgen weg an den Bildschirm. Mensch, LEGO!

LEGO und Nintendo – Eine smarte Entscheidung?

Meinem Sohn ist das LEGO Super Mario-Set allerdings egal – und nach dem, was ich bisher sehen konnte, würde das Set auch nach 20 Minuten in der Ecke liegen. Es bleibt zweifelhaft, wie viel Spielgehalt wirklich dort drin enthalten ist, hat man das Prinzip einmal durchschaut. Mit Super Mario peilt man also die jüngere Zielgruppe mit sechs Jahren und älter an, was auch in Ordnung ist, aber zumindest nicht die AFOLs abholen wird. Dennoch wird es meiner Meinung nach genügend potenzielle Käufer finden und ich bin auch davon überzeugt, dass man mit dieser Kooperation neue Kunden gewinnen kann. Super Mario ist einfach vielen Menschen ein Begriff, auch denen, die sich bisher nicht mit den Produkten und Geräten aus dem Hause Nintendo auseinandergesetzt haben.

Auf der Rückseite der Mario-Figur befinden sich Tasten. © LEGO / Nintendo

Gepaart mit dem 35-jährigen Jubiläum unseres Lieblingsklempners könnte diese Strategie also durchaus aufgehen. Wenn im August die ersten LEGO-Sets zu Super Mario auf den Markt kommen und sich die Gerüchte bewahrheiten, dass im Lauf dieses Jahres auf den Geräten der Nintendo Switch weitere, auch klassische, Spiele von Mario erscheinen sollten, dann greift diese Kooperation gelungen ineinander.

Für beide Firmen könnte dies bedeuten, neue Kunden zu gewinnen und auch andere Produkte aus dem jeweiligen Portfolio abzusetzen. Super Mario- und Nintendo-Fans sind generell offen gegenüber Merchandise und mit einer so großen, bekannten und beliebten Marke wie LEGO im Hintergrund, werden auch dort viele Menschen zugreifen. Für LEGO-Fans stellen die Super Mario-Sets vielleicht einen Einstieg in die Welten von Nintendo dar. Wie Jonathan Bennink, der Lead-Deigner hinter LEGO Super Mario in einem Interview bereits andeutete, arbeitet man mit Sicherheit nicht vier Jahre im Verborgenen, nur um dann knapp zehn Sets zu Super Mario zu veröffentlichen und danach aufzuhören.

Aus diesem Grund möchte ich zum Abschluss noch kurz mögliche weitere Themenwelten aufzeigen, die sich für LEGO-Sets aus meiner Sicht aufdrängen und die vermutlich noch weitere Fangruppen ansprechen würden. Sollte im nächsten Jahr die Fortsetzung zu The Legend of Zelda: Breath of the Wild erscheinen, drängen sich LEGO-Sets zwingend auf. Dass diese Idee nicht ganz so abwegig ist, zeigt die Plattform LEGO Ideas, auf der unabhängige LEGO-Designer Vorschläge einreichen können, die bei genügend Interesse auch von LEGO einem näheren Review-Prozess unterzogen werden. Dort wurde bereits ein Stall aus Breath of the Wild eingereicht, den ihr euch hier ansehen könnt. Vielleicht hat man da also schon etwas in Vorbereitung? Für die älteren Nintendo- und LEGO-Fans wären auch Sets zum Metroid Prime-Universum denkbar, vielleicht auch für etwas geübtere LEGO-Bauer und im Technik-Segment von LEGO angesiedelt?

Aber vielleicht habt ihr ja noch viel bessere Ideen als ich. Was haltet ihr bisher von LEGO Super Mario und welche weiteren Themenwelten von Nintendo würdet ihr euch bei LEGO wünschen? Lasst es mich doch in den Kommentaren wissen.

Berichtsbild: © LEGO / Nintendo

Kommentare 11

  • LegendaryFabii Turmheld - 18.04.2020 - 12:14

    ich habe zwar als Kind super gerne mit Lego gespielt, aber zum heutigen Zeitpunkt ist das nix für mich mehr

    Ich sehe mehr Kinder als Zielgruppe sowie natürlich auch Sammler.
  • Linnea Gewitterziege - 18.04.2020 - 12:38

    Ich finde die Wahl der Zielgruppe äußerst unglücklich.

    Nintendo und insbesondere Mario stehen eigentlich dafür, dass sie für alle Altersklassen geeignet sind.
    Hier hingegen nimmt man die Mario-Lizenz, bastelt ein Spielzeug für die ganz, ganz Kleinen, welches wiederum für die ganz Großen gedacht ist, da sich erstere dieses übertrieben teuere Plastik mit dürftiger Elektronik vom Taschengeld nicht leisten können und obendrein braucht man für den ganzen Quatsch auch noch ein Smartphone...

    Und ich sitze hier und denke mir da einfach nur so: „Hä?!“
  • FALcoN Hüter der Spiele-Datenbank - 18.04.2020 - 12:40

    @LegendaryFabii

    Also ich bin Sammler. Aber das spricht mich überhaupt nicht an. Als Sammler will man etwas schönes bauen und irgendwo optisch in Szene setzen. Das hier geht aber bisher mehr in Richtung Duplo und Interaktivität. Für Kinder sicher ein netter Zeitvertreib. Aber für Erwachsene und Sammler, die sich mehr "realistische" Sets wie bei Star Wars gönnen, ist das nicht geeignet. Vielleicht wird es zu einem späteren Zeitpunkt noch schöne Sets zu anderen Nintendo-Marken geben wie Zelda.
  • Dunnkare Hardcore Noob - 18.04.2020 - 12:53

    Den Punkt mit der Smartphone Anbindung und dem elektronischen Mario finde ich auch bedauerlich. Aber bei allen Lego Sets, nicht nur Super Mario. Wenn die Kreativität durch starre Vorgaben durch digitale Zusatzfunktionen eingeschränkt wird, dann geht das komplett gegen alles wofür Lego in meinen Augen steht. Ich werde meinen Kinder deshalb weder eins dieser Hidden Side Sets noch etwas aus der Super Mario Serie ins Kinderzimmer stellen.
  • TomParis Turmbaron - 18.04.2020 - 13:08

    Bin hin und her gerissen. Einerseits kann ich Super Mario spielen ohne am Fernseher zu daddeln, bestimmt spaßig. Andererseits sind die Sets meht als minimalistisch, das Pilzkönigreich in einem LegoSet sollte optisch mehr hermachen.
    Das fehlt irgendwie bei den Set's. Mario ist mehr als ein 10er Plättchen zwischen einer Röhre uns einem Gumba.
  • gamebuster Turmknappe - 18.04.2020 - 13:51

    Mir wäre das Pilzkönigreich als reines Spiel Set lieber. Ein Schloss,eine Burg oder die Unterwelt und Wasserwelt Vielkeicht verbunden mit Röhren

    Dschungel von Donkey Kong

    Hyrule
  • dr.retro Retrogamer aus Leidenschaft - 18.04.2020 - 14:19

    Ich halte die Kooperation für den genau richtigen Schritt. Lego ist für Kinder, gibt trotzdem genug Erwachsene wie mich, die sich auch damit beschäftigen.
    Nintendo ist für Kinder, gibt genug Erwachsene, die aber treu bleiben und weiter Nintendo spielen.

    Diese Sets begeistern junge Nintendo Fans und holen sie weg von der Glotze. Mario ist ja dann nur der Einstieg in größere Lego Welten und das tolle an Lego, man wird kreativ und schafft sich seine eigene Welt. Das es eine App geben soll, halte ich auch für Quatsch, da versucht Lego aber schon länger Fuß zu fassen, wie es auch erwähnt wird. Ob notwendig oder nicht, wird sich zeigen.

    Bevor wieder das Preis Gerede losgeht: Lego ist generell teurer geworden die letzten Jahre. In Lego Mario steckt Technik, diese hat seinen Preis. Ich halte die Preise aber für angemessen und besser, als ein 700 Euro Set, was im Regal verstaubt. Der AFOL weiß es natürlich zu schätzen, aber für den sind diese Mario Sets auch nicht gemacht!

    Ich habe trotzdem das Starter Set bestellt, einfach weil ich es testen möchte und die Idee klasse finde. Und sollte wirklich Zelda oder Mario Kart realistisch sein, bin ich eh dabei.
  • Rick Jedi Knight Defender of the Triforce - 18.04.2020 - 19:58

    Was noch niemand angesprochen hat... ich kann mir auch alle scannbaren platten hintereiander packen... und einmal mario drüber ziehen... zack unschlagbarer rekord der evtl in der App verzeichnet wird... oder mir auf diese art und weise so viele münzen sichern wie ich möchte falls man damit was "freischalten" kann in der app... daher erschließt sich mir nicht ganz der sinn von diesem elektronikgedöns...

    schöne tolle sets wie die anderen Franchises mit normalen minifiguren wäre deutlich besser gewesen... ich sehe zB eine möglichkeit die figur von Killer Croc (Lego DC Heroes) wie man es mit Bowser auch machen könnte und so vieles mehr... die idee der Pferde neue form Yoshi etc also möglichkeiten sind gegeben aber nein... nichts desto trotz habe ich mir die Mario sets trotzdem vorbestellt... warum? es ist Lego & Nintendo... und man kann anhand von extra steinen sich quasi selber die passenden Dioramen fürs Regal zusammenbauen... nicht unbedingt die beste lösung..., aber das ist lego selber was draus machen können
  • Yuuen Turmheld - 18.04.2020 - 21:00

    Ich feier's immer noch!

    Ein Mario, der lachen, weinen und mir zuzwinkern kann. Ein Parcours zum bauen und spielen!

    Fantastisch! Nur nichts für meinen Geldbeutel. :thumbsup:
  • Ralf74 Turmheld - 18.04.2020 - 22:31

    Ich finde Videospiele und auch Lego super!

    ABER diese Sets sprechen mich persönlich überhaupt nicht an. Speziell die Figuren sind einfach nur grobe Klötze.

    Sehe hier als Hauptzielgruppe eher so vier- bis achtjährige Kinder. Unser Sohn(6) findet es zumindest von den Bildern her toll.
  • Brokenhead Turmfürst - 19.04.2020 - 13:16

    Was mich nur stört ist das lego ziemlich zeitlich hinterher hängt und ein Lizenz problem hat... zuviele lizenzen von diversen Marken und innovativen wie bei anderen noppenstein hersteller sucht man vergebens oder es kostet im vergleich zur Konkurrenz deutlich mehr. Wenn lego nicht bald aufpasst werden die von der Konkurrenz überrollt.
    Lego versucht in letzter zeit extrem mit rechtlichen schritten der Konkurrenz steine in den weg zu stellen... statt einfach mal auf ihre fans zuhören und zugucken wieso es nun soviel Konkurrenz gibt... lego ist so groß geworden das sie sich selber behindern