Comic-Rezension: Invincible Band 1

Über den Tellerrand

Wer in den letzten 10 Jahren nichts von The Walking Dead mitbekommen hat, muss schon unter einem Stein gelebt haben. Die Reihe rund um die umherwandernden Toten hat nicht nur im Bereich der TV-Serien Rekorde gebrochen (und nebenbei den Standard von Splatterelementen im Fernsehen drastisch erweitert) sondern basiert wie so vieles auf einer erfolgreichen Comic-Reihe. Erst gegen Ende des letzten Jahres wurde die Reihe im Comic nach knapp 15 Jahren zu Ende gebracht und liegt nun komplett auf Deutsch beim Cross Cult-Verlag vor. Geschrieben wurde The Walking Dead von Robert Kirkman, der sich damit einen Namen in der Industrie machen konnte und mittlerweile auch in einer leitenden Position beim amerikanischen Verlag Image Comics zu finden ist.

Invincible trägt diesen netten Herrn mit Bombe mal woanders hin. © Cross Cult



Noch bevor Kirkman mit The Walking Dead seinen Durchbruch erlebte, hinterließ er mit Invincible auch seinen Fußabdruck in einer Superhelden-Serie. Bereits im Januar 2003 erschien die erste Ausgabe von Invincible in den Vereinigten Staaten von Amerika, während im Oktober 2003 dann das erste Heft zu The Walking Dead erschien – was für ein Jahr für den Autoren! Während die Reihe um die Zombies hierzulande relativ schnell im Jahr 2006 vom deutschen Verlag Cross Cult aufgegriffen wurde, dauerte es bei Invincible viel länger, bevor nun die ersten Bände der Reihe auf Deutsch vorliegen. Erst im Jahr 2019 begann wiederum Cross Cult mit der Veröffentlichung des Superhelden-Comics im deutschsprachigen Raum und hinterließ damit große Vorfreude im hiesigen Fandom. Ich kannte die Reihe bis dato nicht und möchte euch daher den ersten Band heute vorstellen.

Schamlos kopieren auch angesehene Autoren bei ihren Vorgängern aus den letzten knapp acht Jahrzehnten. Wenn ich mir einen Nite Owl in Watchmen anschaue, dann denke ich nicht zuletzt an Batman. Auch Kirkman bedient sich bei seiner Eingreiftruppe namens Guardians of the Globe munter bei bereits vorhandenen Charakteren und so kann man auch hier Batman, Wonder Woman oder den Green Lantern wiedererkennen. Glücklicherweise finden diese Charaktere unter anderem Namen in Invincible nur am Rande eine Erwähnung, so ganz ohne die Vorbilder kann aber auch ein Robert Kirkman nicht. So liest sich die ursprüngliche Prämisse auch sehr ähnlich, wie die des Mannes aus Stahl, Superman. Ein Mann von einem anderen Planeten kommt auf die Erde, hat enorme Superkräfte und beschützt die Menschen vor Außerirdischen und anderen schurkischen Gefahrenquellen. Soweit wie möglich hält der sogenannte Omni-Man seine Identität geheim, nur wenige Menschen, darunter auch seine menschliche Frau und sein jugendlicher Sohn, kennen seine wahre Herkunft und Identität.

Wie jeder geheimer Superheld, muss sich auch Mark mit den Dingen des Alltags auseinandersetzen. © Cross Cult



Identität ist auch das Stichwort für Mark Grayson, als Sohn von Omni-Man Nolan Grayson schlägt er sich bisher mit dem Leben eines durchschnittlichen amerikanischen Jugendlichen durch. Doch erst jetzt bekommt er von seinem Vater erklärt, dass auch er diese Superkräfte in sich trägt, da diese quasi weitervererbt werden. Bisher hatte sich die Familie mit der geheimen Identität des Vaters (er ist Buchautor zur Tarnung) arrangiert, nun kommt auch noch der Sohn hinzu. Klar, dass sich Mark einmal ausprobieren muss, was dann schnell auch zu Problemen führt. Schließlich gilt es seine Zeit nun noch besser einzuteilen. Neben der Schule beschließt Mark nun als Invincible für Recht und Ordnung zu sorgen und schließt sich einer Gruppe von weiteren jungen Superhelden an. Auch sein Vater nimmt ihn mit auf einige Einsätze und lässt Mark auch schon auf einige Großkaliber los. Die Ereignisse geraten erst ins Stocken, als ein Großteil der Guardians of the Globe ermordet wird und die Regierung sich um den Nachwuchs kümmern muss. Hier sind nun Invincible und seine neuen Freunde gefragt, auf seinen Vater kann Mark nun jedoch nicht mehr zählen…

Die Geschichte plätschert die ersten Heft so vor sich hin, ohne jedoch in irgendeiner Weise zu langweilen. Doch bevor man es sich als Leser allzu bequem einrichtet und sich auf eine Coming-of-Age-Story einstellt, dreht Kirkman an der Stellschraube und präsentiert dem Leser einen Plottwist. Fortan möchte man dann wissen, wie es weitergeht und schnell sind die ersten 13 Hefte der Reihe, die in diesem Wälzer gebündelt wurden, aufgesogen. Mark ist als Invincible noch nicht im Besitz seiner vollständigen Kräfte und muss sich noch weiterentwickeln, doch die Situation am Ende des ersten Bandes lässt ihn ziemlich ratlos zurück.

Vater und Sohn treten ein für die Gerechtigkeit – oder etwa nicht?. © Cross Cult



Optisch präsentieren uns Zeichner Cory Walker, der für die ersten 7 Hefte verantwortlich ist und Ryan Ottley, der die Reihe dann fortführte, einen bunten, fast schon cartoon-artigen Stil, der sich insbesondere in den außerirdischen Wesen niederschlägt. Aber auch die menschlichen Figuren sind ein wenig kantiger gehalten und zeichnen sich nicht immer durch einen hohen Detailgrad aus. Der Übergang von Walker zu Ottley ist nicht gravierend und stört den Lesefluss also wenig bis kaum. Beide Zeichner folgen einer eher klassischen Anordnung der Panels, nutzen einige Seiten dazu maximal aus, indem sie bis zu 13 Panels auf einer Seite unterbringen. Wer es als Leser also lieber oldschool mag, kommt hier ganz auf seine Kosten.

Fazit

Invincible liest sich einfach so weg. Als Leser merkt man nicht, dass man nach dem ersten dicken Band bereits 13 Hefte verschlungen hat. Cross Cult tut gut daran, die Reihe flott auf den Markt zu bringen. Dazu bündeln sie die Hefte hier in fetten Softcover-Ausgaben von knapp über 300 Seiten, wie gehabt auch mit einigen Extras am Ende des jeweiligen Buches. Dort findet ihr Skizzen, Design-Entwürfe und auch weitere Cover. Ich kann verstehen, warum sich viele deutsche Leser auf diese Ausgabe gefreut haben. Die Qualität der deutschen Ausgabe ist wirklich top, dazu eine spannende Geschichte mit einem Twist in der Mitte des Buches, den man so nicht kommen sieht. Der Wechsel des Zeichners nach den ersten Ausgaben steckt Invincible locker weg, schon nach ein paar Seiten merkte ich den Unterschied nicht mehr. Band 2 hab ich bereits auch schon hier liegen, der wird dann demnächst besprochen. Band 3 und 4 sollen auch noch dieses Jahr erscheinen. Erst jahrelang nichts und nun fliegen uns die Superhelden nur so um die Ohren – gut so!

Invincible Band 1 ist erschienen bei Cross Cult ISBN: 978-3-959813-80-8, 16x24cm, Softcover, 330 Seiten, 30,00 Euro
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Berichtsbild: © Cross Cult

Kommentare 2

  • Lazarus Turmfürst - 19.04.2020 - 10:27

    Ich finde ja auch die "Outcast" Reihe vom Kirkman ganz geil muss ich sagen.
  • gerdsen Turmritter - 21.04.2020 - 23:25

    2011 hat Nona Arte bereits Band 1 und 2 in Deutsch rausgebracht und dann abgebrochen.
    Das beste Leseerlebnis sind, sofern man englisch kann, die Ultimate Editions aus den USA.

    Cory Walker kommt als Zeichner gelegentlich wieder. Zeitweise teilen sich Ottley und Walker eine Ausgabe.
    Mit Ottley gab es m. E. aber einen Qualitätssprung und er wird immer besser.

    Kirkman kopiert nicht Batman und Co sondern stellt eine Homage dar. In Invincible wird viel mit Helden Klischees gespielt und etwas einzigartiges geschaffen.

    Ich bin auf die Umsetzung in den Film und der Animatonsserie gespannt :)