Comic-Rezension: Asterix – Tempus Fugit: Wahre Mythen und falsche Fakten

Über den Tellerrand

Wer in den vergangenen Jahrzehnten mit Asterix und Obelix zu tun hatte, dem war der Name Albert Uderzo auch ein Begriff. Der Zeichner und Autor war eng mit den Comics rund um die gallischen Abenteuer verknüpft und ließ es sich bis ins hohe Alter nicht nehmen, ein Auge auf seine Schöpfung zu haben. Nicht immer waren Fans und Leser mit ihm einer Meinung, aber es ging im Lauf der Jahrzehnte auch nicht mehr nur um die Comics. Asterix & Obelix sind schon sehr lange Bestandteil der Popkultur, nicht nur in Frankreich, sondern auch hier in Deutschland. Wenn in regelmäßigen Abständen ein neues Album der Gallier erscheint, kann man sich sicher sein, dass dieses Abenteuer nicht nur in Fachzeitschriften besprochen wird, sondern auch das Feuilleton darüber berichtet. Das muss man auch erst mal schaffen.

Stolz warf Vercingetorix seine Waffen Cäsar auf die Füße. © ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2019 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO

Ich bin mit Asterix & Obelix in den 80er-Jahren groß geworden und mein Sohn verfolgt die Abenteuer der schlagkräftigen Gallier auch mit großem Vergnügen; sei es in Comicform oder im Fernsehen, wenn mal wieder auf Sat 1 die Filme der Asterix-Reihe laufen. Die Geschichten sind immer wieder ein Spaß für junge Menschen, aber auch Erwachsene. Das zu schaffen, ist immer ein besonderes Qualitätsmerkmal, vor allem über einen so langen Zeitraum. Schon seit Jahrzehnten fragen sich kleine und große Kinder, ob denn alles, was in den Asterix-Comics so dargestellt wird, auch der Wahrheit entspricht. Diese Frage wird mit Sicherheit auch schon zahlreiche Studenten und Professoren beschäftigt haben, schließlich ist das, was René Goscinny und Albert Uderzo erschaffen haben, historisch alles verbrieft. Oder etwa nicht? Asterix – Tempus Fugit: Wahre Mythen und falsche Fakten legt die Karten nun auf den Tisch.

Es war mit Sicherheit Zufall, dass das vorliegende Buch von Bernard-Pierre Molin nun so kurz nach Uderzos Tod erscheint. Die Original-Ausgabe erschien auch bereits früher. In dem Buch sind alle Asterix-Alben einschließlich Asterix in Italien inhaltlich berücksichtigt. Doch wie darf man sich das Buch vorstellen?

Das Buch ist unterteilt in verschiedene Bereiche. Zunächst stellt uns der Autor ein paar Hintergrundinformationen zu Gallien und den Galliern zur Verfügung, woher der Begriff „Gallier“ kommt, was es mit dem Krieg auf sich hat und wie Gallien im berühmten Jahr 50 vor Christus ausgesehen hat. Dasselbe macht er mit den Römern und dem Römischen Reich. Diese wenigen Seiten Text mit wenig Abbildungen sind wohl eher für die geschichtsinteressierten Leser gedacht (wenn auch eher oberflächlich, das sollte klar sein). Im Anschluss daran kommen wir zum Kernteil des Buches, den Behauptungen von Mythen und Fakten. Dieser Hauptteil ist ebenfalls unterteilt in die Kategorien Gallien, römisches Gallien und Rom. Für jede Behauptung ist eine Doppelseite veranschlagt, wobei auf der linken Seite der Mythos aufgelistet ist und darunter direkt steht, ob die Aussage falsch oder wahr ist. Abgerundet wird diese Aussage mit einem passenden Bild aus einem der Comics. Auf der rechten Seite findet ihr dann den erklärenden Text zur Aussage und was es historisch damit auf sich hat. Dies ist ebenfalls bunt gestaltet und weniger nüchtern, als man annehmen mag.

Gelegentlich findet ihr auf dieser Seite auch das „Kleineplus“, also eine ergänzende Erklärung zur Behauptung, die eine weitere kleine Info offenbart. Am besten mache ich das mal an einem Beispiel klar:

Behauptung: Die Römer organisierten ihr Leben zum Teil in den Thermen.

Diese Behauptung ist wahr. Dadurch, dass die Römer es bereits sehr früh verstanden, Wasser in gewisse Bahnen zu lenken (man denke nur an die Aquädukte), wussten die Römer dies auch in Thermen zu nutzen. Hier wurden am Nachmittag die müden Glieder massiert, Bäder genossen, aber auch hin und wieder in angeschlossenen Tavernen ein Umtrunk genommen und Geschäfte besiegelt. Selbstverständlich nahmen Frauen und Männer zu unterschiedlichen Zeiten ein Bad ein, um der Prostitution einen Riegel vorzuschieben. Das „Kleineplus“ informiert uns ergänzend darüber, dass Asterix eines der berühmten Aquädukte namens Pont du Gard nicht hätte sehen können (so wie in Asterix: Die goldene Sichel). So geht man mittlerweile davon aus, dass dieses Bauwerk erst im 1. Jahrhundert nach Christus erbaut wurde, nicht bereits in der Zeitrechnung vor Christus.

Im Buch werden auch einige Klassiker behandelt, die dem kundigen Asterix-Leser immer wieder begegnen. So ließen sich gallische Häuptlinge nicht auf Schilden tragen, die Gallierinnen waren für diese Zeit durchaus emanzipiert, aber Wildschwein aßen sie und ihre Männer in der Regel nicht. Obelix würde sehr wahrscheinlich nicht mit Hinkelsteinen gearbeitet haben, gallische Barden wurden entgegen der weitläufigen Meinung durchaus geachtet und manche Gallier traten durchaus in die römische Legion ein.

Dies soll und kann nur ein kurzer Auszug der wahren Mythen und falschen Fakten sein. Mehr als 50 stellt Bernard-Pierre Molin in diesem Buch vor. Ergänzt wird das Buch mit einem Glossar von Begriffen und historischen Quellen, auf die sich der Autor beruft. Dabei spricht er durchaus nicht nur erwachsene Leser damit an, auch mein 10-jähriger Sohn hat durchaus ein paar Mal in dem Buch gestöbert und etwas dazugelernt.

Fazit

So macht Geschichte mit Sicherheit Spaß. Asterix – Tempus Fugit: Wahre Mythen und falsche Fakten will den Leser nicht belehren und kommt in einer bunten und abwechslungsreichen Aufmachung daher. Immer wieder entdeckt der Leser etwas Neues und kann so seine Neugier befriedigen. Die Aufmachung des Buches ist in meinen Augen auch der Kernpunkt, denn nur mit den vielen Beispielen und entsprechenden Auszügen aus den Comics werden die angesprochenen Themen greifbar. Sicherlich sind einige Punkte von vornherein klar, aber die Hintergründe, warum ein Mythos entstanden ist oder ein Fakt falsch ist, bekommt man selten so kurz und knapp serviert. Ich hab immer mal wieder im Buch gestöbert, aber es eignet sich meines Erachtens nicht, um es am Stück zu lesen. Zwischendrin bekommt man als Leser immer mal wieder Lust, das entsprechende Asterix-Album zur Hand zu nehmen und erneut zu lesen. Wie gut, dass ich alle Alben hier zu Hause habe, sie gehören so oder so in jede Comic-Sammlung.

Wie gehabt erscheinen die Abenteuer von Asterix & Obelix im deutschsprachigen Raum bei der Egmont Comic Collection.
Asterix – Tempus Fugit: Wahre Mythen und falsche Fakten ist erschienen in der Egmont Comic Collection – ISBN: 978-3-7704-4096-2, broschiert, Taschenbuch, 160 Seiten, 15,00 Euro

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Berichtsbild: © ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2019 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO / Egmont Comic Collection

Kommentare 5

  • RemZ Turmheld - 28.04.2020 - 23:28

    Wünsche mir jetzt nur noch ein Review vom Asterix-Band 37 ("Asterix in Italien") ;)
  • Haby Blackmaster - 29.04.2020 - 08:23

    Danke für diesen spannenden Lesetipp; als Asterix Fan der alle Comics in der Orginal Fassung besitzt, ist dieses Heft sehr interessant. Steht schon mal auf der Einkaufsliste! :thumbsup: :thumbup: :)
  • dr.retro Retrogamer aus Leidenschaft - 29.04.2020 - 08:45

    Ich finde diese zusätzlichen Comics einfach nur anstrengend. Klar, grundsätzlich eine gute Idee, aber da ich die Gesamtausgabe sammle, kommen diese Ausnahmen da auch rein, finde ich etwas deplaziert. Gesamt hin oder her.
  • Dennis Gröschke Rabbit Season - 29.04.2020 - 10:16

    @dr.retro
    Guten Morgen, das Büchlein (es ist kein klassisches Album) wird nicht in der Gesamtausgabe vorkommen, da ich es eher als Ergänzungsliteratur ansehe. Ich denke du meinst die ergänzenden Alben, die in unregelmäßigen Abständen manchmal zu Filmen herauskommen oder zu besonderen Anlässen erscheinen? Tempus Fugit ist ein Taschenbuch und nicht Teil der offiziellen Reihe. Aber, seit gestern wissen wir ja von einem neuen "alten" Album, was Ende des Jahres erscheinen soll.

    faz.net/aktuell/feuilleton/bue…er-von-1967-16743788.html
  • dr.retro Retrogamer aus Leidenschaft - 29.04.2020 - 11:00

    @Dennis Gröschke

    Das kann sein, da ich diesen zusätzlichen Band so völlig ignoriere. Aber richtig, fand es persönlich schon blöd, das die Version Asterix erobert Rom auch in der Gesamtausgabe ist.
    Vermutlich muss man die Reihe aber am laufen halten und 3 reguläre Asterix Ausgaben abzuwarten, dauert wohl zu lange.