Amulett Band 1 – Die Steinhüterin in unserer Comic-Rezension Über den Tellerrand

In den frühen Zeichentrickfilmen von Disney war es nicht unüblich, dass direkt zu Beginn der Geschichte eine wichtige Bezugsperson des Protagonisten verletzt wird oder sogar stirbt. Ein Beispiel, was da direkt ins Gedächtnis kommt, ist Bambi, wo ziemlich zum Anfang des Filmes die Mutter erschossen wird. Amulett von Kazu Kibuishi bedient sich einer ähnlichen Prämisse. Im Kern geht es um die Familie Hayes mit Vater David, Mutter Karen, Tochter Emily und dem jüngeren Sohn Navin. In der Vorgeschichte, die sich über die ersten Seiten von Amulett erstreckt, sehen wir einen schrecklichen Autounfall, der dem Vater David Hayes das Leben kostet. Auf der Heimfahrt von einem Ausflug kommt der Wagen der Familie ins Schleudern, an Bord sind David, Karen und Tochter Emily. Kurz vor dem schneebedeckten Abhang bleibt das Auto auf dem Dach liegen, Emily und ihre Mutter können sich retten, Vater David stürzt mitsamt Auto in den Abgrund.


Emily und ihr Bruder Navin müssen so manche Hürde in Alledia überwinden. © Adrian Verlag


Zwei Jahre später sehen wir, wie die übrigen Familienmitglieder auf dem Weg zu einem neuen Haus sind. Das alte Haus konnten sie sich nicht mehr leisten, und so ziehen Karen und die Kinder nun in ein altes Haus aus dem Familienbesitz. Hier steht noch viel Arbeit an, ist das Haus doch schon seit Ewigkeiten nicht mehr bewohnt. Bei den Aufräumarbeiten stößt Emily in der Bibliothek des Hauses auf ein altes Buch, in das auf dem Cover ein Amulett eingelassen ist. Gleichzeitig scheint sich in dem Raum eine dunkle Macht zu befinden, die es ebenfalls auf das Amulett abgesehen hat, jetzt, wo es nicht mehr an das Buch gebunden ist.


In der ersten Nacht im Haus kommt es dann zu einem außergewöhnlichen Vorfall. Als plötzlich Geräusche aus dem Keller des Gebäudes kommen, geht Mutter Karen diesen nach und wird prompt von einem Tentakelmonster entführt. Spätestens jetzt merkt der Leser, dass wir es in Amulett Buch Eins: Die Steinhüterin mit einer Geschichte zu tun haben, die nicht in der realen Welt angesiedelt ist, zumindest nicht gänzlich. Emily und Navin gehen der Sache selbstverständlich auf den Grund, schließlich wollen sie nicht auch noch ihre Mutter verlieren. Dabei gelangen sie in eine Parallelwelt mit dem Namen Alledia, in der so einiges anders ist. Der Zugang erfolgt über das Kellergewölbe des alten Hauses, wobei das zuvor gefundene Amulett eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Es gibt Emily die Kraft, auch außergewöhnliche Dinge zu tun, wenn sie nur daran glaubt und es wirklich stark genug will. Schließlich ist sie die lang gesuchte Steinhüterin …


Schnell wird klar, dass in Amulett viele phantasievolle Elemente zu finden sind. © Adrian Verlag


Autor und Zeichner Kazu Kibuishi macht in Amulett sehr schnell klar, dass seine Geschichte nicht im Realismus angesiedelt ist – angesichts der Cover-Illustration kann man das als Leser aber auch nicht erwarten. Innerhalb des ersten Buches entfaltet er durchweg einen Sog, dem man sich als Leser nicht entziehen kann. Alle paar Seiten kommen neue Elemente hinzu, seien es Kräfte, die Emily mit dem Amulett entfachen kann, oder Kreaturen, die in der Welt von Alledia zu Hause sind. Was es mit all dem auf sich hat, soll hier natürlich nicht verraten werden. Nur so viel sei gesagt, Emily und Navin finden ihre Mutter wieder, jedoch müssen sie dazu noch viel tiefer in die Parallelwelt eintauchen. Dabei haben sie allerdings auch Unterstützung wie beispielsweise vom pinken Stofftierhasen Miskit, der einige Geheimnisse und Kniffe von Alledia kennt und Emily mit Rat und Tat zur Seite steht.


Fazit


Wie bereits erwähnt, macht Amulett einfach Spaß zu lesen, auch wenn die Geschichte mit dem Tod des Vaters einen eher düsteren Beginn aufweist. Auch optisch spielt Kibuishi mit Versatzstücken, die diesen Comic nicht für die ganz kleinen Leser zugänglich machen, für Leser ab 10 Jahren aber durchaus verständlich und vom Spannungsbogen aushaltbar sind. Verlustängste der Protagonisten sind in diesem Kontext natürlich an erster Stelle zu nennen, im weiteren Verlauf paart sich dieses Element aber mit der Überwindung dieser und vermischt sich zu Abenteuerdrang. Alle paar Seiten kommen neue Elemente zum Plot hinzu, die Amulett spannend halten und zum Weiterlesen einladen. Auch Action kommt nicht zu kurz, kommt es doch in Alledia zu einer spannenden Verfolgungsjagd bei der Rettung der Mutter. Inhaltlich erleben wir ein weiteres Mal die Reise einer Auserwählten – hier mit Emily als Steinhüterin besetzt –, die sich zunächst mit ihrem Schicksal anfreunden und anschließend versuchen muss, dieses geschickt für ihre Zwecke einzusetzen. Das Buch lässt einem dahingehend kaum eine Verschnaufpause, und ich bin schon gespannt, wie es im zweiten Buch weitergeht. Optisch orientiert sich Kibuishi an einem cartoonhaften Zeichenstil, der sich auch gut für eine animierte TV-Serie eignen würde. Dieser ist bei den Figuren nicht immer bis ins letzte Detail ausgeführt, für die Geschichte und die doch meist kleinen Panels des Buches aber durchaus ausreichend und in Ordnung. Das Worldbuilding ist Kibuishi dabei durchaus gelungen und wenn man zum Schluss des Buches gleich weiterlesen möchte, ist nicht viel verkehrt gelaufen. Ich konnte das Amulett jedenfalls nur schwer beiseitelegen.


Was wohl hinter der Tür lauern mag? © Adrian Verlag


Amulett Band 1 – Die Steinhüterin ist erschienen im Adrian Verlag – ISBN: 978 3947188826, 188 Seiten, farbig, Softcover, 9,95 €


Mehr Informationen zu Amulett auf der Seite vom Adrian Verlag
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Berichtsbild: © Adrian Verlag

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