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Marvel's Iron Man VR im Test – Höhenflug oder Bruchlandung? Über den Tellerrand

In den letzten Jahren blühte der Marvel-Heldenkosmos auf. Nicht nur erhielten die einzelnen Helden ihre eigenen Kinofilme, sondern traten in einigen Marvel's The Avengers-Blockbustern Seite an Seite auf. Dabei spielt Tony Stark, auch bekannt als Iron Man, eine wichtige Rolle und nachdem Sony den Helden Spider Man bereits mit einem AAA-Titel sowie einer kleinen VR-Erfahrung auf die PlayStation brachte, folgte Anfang Juli das PlayStation VR-exklusive Marvel's Iron Man VR. Hierbei konzentriert sich Entwickler Camouflaj auf eine eher persönliche Geschichte von Tony Stark und nicht auf eine möglichst hohe Konzentration an Helden.


Gelungenes Gameplay-Grundgerüst


Zu Anfang des Spiels beschließt Tony Stark, sich von der Waffenproduktion abzuwenden und die nach seinem Vorbild erschaffene Künstliche Intelligenz (KI) Gunsmith abzuschalten. Daraufhin erschafft er die KI FRIDAY, die ihn bei den Firmengeschäften unterstützt. Nachdem er einige Jahre später seine Freundin Pepper zum CEO von Stark Industries ernannt hat und sie im Privatflugzeug darüber sprechen wollen, werden sie angegriffen. Dabei wird der Iron Man-Anzug hinausgeschleudert. Todesmutig springt Tony Stark hinterher, um den Flieger vor angreifenden Drohnen zu schützen. Danach beginnt für Tony eine Reise um die Welt, um die Person hinter dem Angriff zu finden. Nach diesem recht imposanten Auftakt baut die Handlung leider kontinuierlich ab. Story-Wendungen können vorhergesehen werden, die Orte fallen weniger spektakulär aus und manch eine Wendung wirkt erzwungen. Die Handlung ist solide und kann unterhalten, allerdings kommt sie einen dann doch eher bekannt als neu vor.

Im Spiel werdet ihr an verschiedenen Orten gegen Drohnen und andere Gegner kämpfen.

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Die Entwickler haben die Fähigkeiten von Iron Man größtenteils gut umgesetzt. Durch die Neigung der PlayStation Move-Motion-Controller bestimmt ihr die Flugrichtung, durch das Hochhalten der Hände könnt ihr auf Tastendruck entsprechend schießen und mit dem Neigen der Hände nach unten sogar Nebenwaffen wie Raketen oder Bomben abfeuern. Diese brauchen auch entsprechend Zeit zum Abkühlen beziehungsweise Wiederauffüllen. Auch Raketenschläge auf den Boden oder gegen Gegner sind möglich. Das Fliegen macht sehr viel Spaß und auch ein Großteil der Kämpfe in der ersten Hälfte sind gut umgesetzt.


Das Wechseln der Blickrichtung per Taste ist leider auch hier vorhanden, damit ihr eure Front bestimmt. Es ist nicht schön, aber leider ist dies bei PlayStation VR-Spielen größtenteils unumgänglich. Wenigstens könnt ihr in den Einstellungen auch die Geschwindigkeit und den Drehradius konfigurieren. Auf die einzelnen Kapitel betrachtet, versuchen die Entwickler Abwechslung zu schaffen, was leider im Gesamtbild nicht ganz funktioniert. Dabei hätte ich mir eigentlich mehr Begegnungen mit anderen Charakteren oder spannendere Orte gewünscht. Wer den Dreh mit der Rotation raus hat, wird sich auch schnell in den Flugherausforderungen, die es neben den Kapiteln der Handlung gibt, wohlfühlen. Auch Kampfmissionen sind vorhanden. Diese machen aber das Spiel nicht wirklich abwechslungsreicher. Neben den paar Bossgegnern, denen ihr im Spiel begegnet, werdet ihr sehr oft gegen zahlreiche Drohnen kämpfen. Insgesamt sechs Arten gibt es, die euch in ihrer Menge nerven und entweder gefährlich werden oder euch nach einiger Zeit langweilen. In der letzten Spielhälfte wird deswegen auch eher mit Quantität geprahlt. Dennoch hat jede Drohne ihre Eigenheit und ist individuell, sodass ihr eure Taktik entsprechend anpassen müsst.


Eure Iron Man-Rüstung lässt sich ebenfalls individualisieren. Während ihr zu Beginn nur Fliegen und Schießen könnt, sind später auch Nebenwaffen einsetzbar und einige Boni sowie weitere Farben für die Rüstung können freigeschaltet werden. Für die Modifikation werden Forschungspunkte benötigt, die ihr durch das Beenden von Missionen erhaltet. Auch der Unibeam ist ab einem bestimmten Punkt in der Handlung verwendbar und durch Bewegen des Kopfes lenkbar. Dieses ist hilfreich, um den Gegnermassen in den späteren Kapiteln Einhalt zu gebieten. Es gibt zwar einige Nebenwaffen und Verbesserungen, jedoch habt ihr nach ein paar Kapiteln bereits euren Wunsch-Iron Man-Anzug gebaut.


Level und Technik beeindrucken weniger


Tatsächlich bietet das Spiel für Flüge und Kämpfe nur eine Handvoll Orte. Selbst während der Handlungskapitel wiederholen sich diverse Orte. Leider sind davon auch nur ein paar imposant. Es ist beispielsweise ein unglaubliches Gefühl, den Helicarrier von S.H.I.E.L.D. zum ersten Mal zu erblicken. Allerdings wirkt dahingehend das Neonlicht überflutete Shanghai mit seinen vielen Wolkenkratzer etwas lieblos und austauschbar. Auch andere Orte wirken recht generisch. Das Beschützen des Helicarriers oder Flugzeugs bieten dabei mehr Spaß als das Rumfliegen zu festen Zielbereichen in einer langweiligen Großstadt oder das Durchstreifen der Küste Malibus.

In den Missionen muss auch mal ein Feuer gelöscht werden.

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Das Missionsdesign ist durch die Orte auch nicht so umwerfend. Während bei Flugherausforderungen teils viele Kurven, Richtungswechsel und andere Elemente für Zeitboni eingesetzt wurden, kommen bei Kampfherausforderungen nur Wellen an Gegnern in festgelegten Bereichen vor, zu denen ihr erst einmal fliegen müsst. Allerdings sorgen kleinere Einlagen wie Löschen von Feuern oder das Untersuchen eines Ortes in den Handlungskapiteln für Abwechslung, jedoch überwiegen eindeutig die Kampfpassagen. Manchmal werden auch so viele Gegner eingesetzt, dass ihr die Übersicht verlieren könntet und entsprechend auch flüchten müsst, um Energie zu regenerieren.


Das HUD wirkt allerdings etwas überladen. Euch werden Gesprächspartner angezeigt, welche Waffe ihr gerade einsetzt, wie der Status eurer Rüstung ist und vieles mehr. Es wirkt allerdings leicht überfüllt und während meines Anspielens hatte ich auch weniger den Überblick über alle Elemente, die angezeigt werden.


Beeindruckend, aber nicht ausgiebig erkundbar: Der Helicarrier von S.H.I.E.L.D.

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Und auch technisch läuft nicht alles reibungslos. Ab und zu sind ein paar Einbrüche der Bildrate bemerkbar und das bereits angesprochene Shanghai-Level ist auch kein Augenschmaus. Hinzu kommen manchmal recht pixelig wirkende Abschnitte und auch die Zeichenreichweite ist bei einem späteren Level etwas niedrig und kann die Immersion leicht brechen. Wenigstens wirken die Figuren recht hochwertig. Vor allem der Iron Man-Anzug ist perfekt in Szene gesetzt und ich habe während der Kapitel auch ab und an die Hände angehoben, nur um die Metallhände nochmal anzusehen. Von den Effekten her kann das mit der Unity-Engine entwickelte Spiel mit anderen VR-Titeln mithalten. Die Musik und der Sound befinden sich ebenfalls auf einem hohen Niveau. Ich würde es tatsächlich zu den besser aussehenden VR-Spielen auf der PlayStation 4 zählen. Die deutsche Vertonung ist recht gut umgesetzt und die Sprecher machen einen hervorragenden Job, allerdings werdet ihr nicht die Originalsprecher aus den deutschen Filmen hören.


Leider ist auch der Spielumfang nicht sonderlich hoch. Wer schnell ist, kann die Handlung in vielleicht fünf oder sechs Stunden durchspielen, mit allen Herausforderungen oder Wiederholungen zusammen wird das Spiel bestimmt auf zehn oder zwölf Stunden an Spielzeit kommen. Wer alle Trophäen sammeln möchte, muss natürlich mehr Zeit investieren. Pro Kapitel habe ich im Schnitt etwa 25 Minuten gebraucht. Hinzukommen die kleinen Herausforderungen, die ihr oft wiederholen könnt, um den recht hohen Rekord der Entwickler zu schlagen. Ich empfehle das Spielen im Stehen, im Sitzen ist es aber auch möglich und für längere Spielsitzungen entsprechend auch bequemer. Ansonsten funktionierte die Erkennung der Bewegungen meist reibungslos, nur war der Wechsel zwischen Nebenwaffe und Hauptwaffe nicht direkt im Spiel angekommen, weswegen ich die Nebenwaffe manchmal verschoss.


Fazit


Ist Marvel's Iron Man VR der nächste VR-Kracher? Nein. Ist es ein gutes VR-Spiel? Ja. Während Iron Man VR mit dem Grundgameplay überzeugen kann, sind Leveldesign und Handlung eher austauschbar. Trotz eines anfänglichen Wow-Momentes mit dem Flugzeug (welcher auch in der Demo im PlayStation Store erlebt werden kann) verpufft die Magie leider recht schnell und manch ein für Fans gedachtes Ereignis wirkt eher wie ein Streckungsversuch. Dennoch gelingt es dem Spiel, mich größtenteils bei Laune zu halten. Es geht hier um eine persönliche Erzählung über Tony Stark, weswegen nicht sehr viele Charaktere oder Helden auftauchen. Die zweite Hälfte beziehungsweise die letzten Kapitel waren leider nicht mehr so fantastisch wie der Anfang. Dennoch ist das Spiel für Fans von Iron Man und Besitzern einer PS VR-Brille empfehlenswert. Der nächste große VR-Hit ist es nicht, aber es ist auch keine Bruchlandung.


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Kommentare 1

  • HAL 9000

    Macht keine Fehler

    https://mixed.de/iron-man-vr-test/


    Ich finde diesen Test auch sehr interessant. Insbesondere auf die dort genannten Probleme mit den Move Controllern wurde im obigen Test ja nicht eingegangen. Auch die Ladezeiten scheinen in dem Spiel sehr extrem zu sein.


    Wenn mal eine PC-VR Version kommt schaue ich es mir evtl mal an. Meine PS VR habe ich aber nicht ohne Grund abgestoßen, technisch kann sie mit Vive, Rift und Co nicht mithalten, selbst die autonome Quest bekommt vieles besser hin.