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Die Rückkehr aufs Land 3 in unserer Comic-Rezension Über den Tellerrand

Ich bin ein Stadtmensch. Mein Leben lang habe ich immer in der Stadt und nicht auf dem Land gewohnt. Ob das nun besser oder schlechter ist, mag mal dahingestellt sein. Viele Dinge, die früher für mich gegen ein Leben in ländlichen Gebieten gesprochen haben, sind heute gar nicht mehr so von Relevanz. Oftmals sind die wichtigen Dinge fürs Leben nicht mehr so weit entfernt, man kann in der Nähe einkaufen, hat einigermaßen ordentliches Internet und die Bestellungen der neuen Comics kommen in der Regel auch pünktlich an. Außerdem ändert sich im Laufe des Lebens ein wenig die Einstellung zu den Dingen. War ich als Jugendlicher froh, immer auch fußläufig in die Innenstadt und zu meiner Lieblings-Disko (was ein Luxus, ich weiß) zu gelangen, lebe ich nun eher am Randbezirk der Stadt und habe dadurch auch mehr Natur in meiner Nähe. Gerade wenn ich mit meiner Familie regelmäßig gute Freunde besuche, die auf dem Land wohnen, genieße ich den Abstand zu Verkehr und Stadt umso mehr und feiere dadurch quasi eine zeitlich begrenzte Rückkehr aufs Land.


Reich und schön sind immer andere ...

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Der Protagonist des Buches namens Manu lebt mit Frau und Kind auch auf dem Land. Manu ist Zeichner und arbeitet für den französischen Verlag Dargaud. Gemeinsam mit seiner Frau Mariette und seiner Tochter Capucine genießt er durchaus die Abgeschiedenheit seines Wohnsitzes. Zu Beginn der Geschichte ist Capucine noch ein Baby, aber im Verlauf der Erzählung sehen wir sie aufwachsen. Manu steckt am Anfang des Buches in einer kleinen Sinnkrise, mit Kind ist alles halt auch etwas anders und der Alltag sowie die Arbeit von zu Hause gestalten sich experimenteller. So bekommt Manu auch einen Anruf von seinem Verleger, der sich wundert, warum Manu in seinen Zeichnungen auf einmal einen anderen „Strich“ ansetzt. Ein paar Panel später sehen wir den Grund, wenn Manu mit seiner Tochter auf dem Arm, die lieber rumtollen möchte, versucht, einigermaßen pünktlich seine Zeichenarbeit zu erledigen. Da ist es dann schwer, eine ruhige Hand zu bewahren.


Manu Larcenet steckt derzeit voller Pläne. Wir erleben ihn, wie er an einem Buch arbeitet, das seinen derzeitigen inneren Zustand widerspiegelt. Überraschend düster scheint diese Geschichte zu sein. Entsprechende Kommentare des Verlegers lassen den Leser darauf schließen. Wir sehen Manu die meiste Zeit als stille Beobachter und in seinem gewohnten familiären Umfeld. Hinzu kommt die kleine Gemeinde in Frankreich, in der er wohnt. Dort steht der nächste Kommunalwahlkampf an, der Bürgermeister gibt sich volksnah, aber die Gemeinde wittert, dass er einer großen Supermarktkette ein Plätzchen im Ort verschaffen möchte. Dementsprechend unruhig gibt sich der örtliche kleine Lebensmittelhändler, und auch die ältere knochige Nachbarin, mit der sich Tochter Capucine schnell anfreundet, hält mit ihrer Meinung meist nicht lange hinter dem Berg.


Wir bekommen Seite um Seite kleine Episoden aus dem Alltag von Manu gezeigt, der auf der einen Seite versucht, ein guter Vater zu sein, auf der anderen Seite seine Leidenschaft und Arbeit als Künstler aber nicht vernachlässigen möchte. Währenddessen arbeitet seine Frau ebenfalls daheim, muss ihn aber auch immer wieder daran erinnern, dass sie Capucine nicht allein erzieht, sondern Manu da durchaus auch mit anpacken darf. Tradition und Moderne kämpfen hier um die Vorherrschaft, alles angesiedelt in einem kleinen, doch scheinbar altmodischen Dorf, das sich gegen die großen Konzerne auflehnt. Zum Glück kommt dann irgendwann Manus guter Freund und Arbeitspartner Ferri vorbei und quartiert sich bei ihnen ein, also doch wieder alles gut? Nicht direkt, denn Ferri wird doch glatt für ein paar Wochen im Keller vergessen.


So eine Katzentür ist recht praktisch, nicht nur für Katzen!

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Dort arbeitet er ebenfalls an einem Skript, ist er doch in der Arbeitsbeziehung hauptsächlich der Autor und Manu der Zeichner. Als dann im zweiten Teil des Buches für Ferri die große Karriere winkt und Manu mit seiner Frau das zweite Kind erwartet, flüchtet Manu sich immer wieder in seine Träume und verliert sich manches Mal auch auf der Suche nach seinem Vater. Im Gegenzug sehen wir die Banalitäten des Alltags – wie installiere ich eine Katzenklappe richtig – und was im kleinen Dorf sonst noch alles passiert. Zum Schluss wird wieder alles gut, Ferri kommt zurück und sie können endlich wieder an ihrem gemeinsamen Projekt arbeiten: Die Rückkehr aufs Land.


Bevor ihr einen falschen Eindruck bekommt, ich habe mich über die beiden Teile „Umwälzungen“ und „Metamorphosen“, die das vorliegende Buch ausfüllen, königlich amüsiert. Humor steht bei den Episoden und Geschichten rund um Manu, seiner Familie, dem Dorf und Ferri nämlich an vorderster Stelle. Immer wieder nehmen sich Manu Larcenet und Jean-Yves Ferri hier selbst auf die Schippe und präsentieren uns Geschichten aus ihrem Alltag und Leben, die mit Sicherheit höchst autobiographische Züge tragen. Der erste Teil namens „Umwälzungen“ erschien in Frankreich bereits im Jahr 2008. Die „Metamorphosen“ kamen im letzten Jahr heraus. Insgesamt handelt es sich nun hierbei um den 5. sowie 6. Teil der Geschichten, daher der Name „Die Rückkehr aufs Land 3“. Der deutsche Verlag Reprodukt fasst in seinen Veröffentlichungen immer zwei Teile in jeweils einem Buch zusammen und musste daher fast 10 Jahre warten. Zum Glück hat er den ersten Band nun noch mal neu aufgelegt; um den aktuellen Geschichten zu folgen, ist die Kenntnis darüber aber nicht notwendig.


Doch warum der lange Abstand? Nun ja, es wird im Buch ohne Scheu erläutert: Ferri bekam kurz nach der Arbeit an „Umwälzungen“ das Angebot, an Asterix zu arbeiten. Und wir wissen ja, dass die Arbeit bisher auch Früchte getragen hat – gemeinsam mit seinem Zeichenpartner Didier Conrad inszenierte Ferri nun bereits vier Asterix-Abenteuer, die allesamt auch auf Deutsch vorliegen.


Fazit


Ich kannte vorher nichts von der Rückkehr aufs Land, aber die cartoonartigen und knollennasigen Figuren aus dem Buch haben es mir sofort angetan. Dabei sprühen die Episoden nur so vor Charme und sind sehr unterhaltsam gestaltet. Jede der Seiten im Querformat ist mit einer separaten Überschrift gekennzeichnet und steht dabei für sich allein. Insgesamt sind sie aber Teil einer fortlaufenden Geschichte, eben als einzelne kleine Episoden einer größeren Zeitspanne anzusehen. Mit der Zeit wird Manus Tochter älter und die Herausforderungen ändern sich. Das alles liest sich so wunderbar weg und lässt einen immer wieder schmunzeln. Sei es ein Kommentar auf die Gesellschaft, der Umgang mit den neugewachsenen Familienstrukturen oder auch die Sicht eines Künstlers auf das Leben inmitten von ländlichen Strukturen und Dorfgemeinschaft. Ich habe das Buch bei meinen Freunden auf dem Land genossen und dort die schöne Kulisse genossen, aber auch in der Stadt sollte man sich Die Rückkehr aufs Land 3 nicht entgehen lassen.


Die Rückkehr aufs Land 3 ist erschienen bei Reprodukt – ISBN: 978-3-95640-219-7, 192 Seiten, farbig, 16,5 × 23,5 cm, Hardcover, 24,– €


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Kommentare 1

  • AnimalM

    Turmbaron

    Hab mir mal direkt weitere Bilder auf der Seite vom Verlag angesehen. Ich glaub, das Buch brauch ich bald ;)


    Edit: So, direkt mal den ersten Band bestellt :)