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Sky: Children of the Light – Unser Interview mit dem Komponisten Vincent Diamante Interview

Wir hatten vor kurzem die Ehre, mit dem Komponisten Vincent Diamante zu sprechen, der für die Musik des Spiels Sky: Children of the Light von thatgamecompany verantwortlich ist. Dazu ist sogar im August ein Soundtrack erschienen, den man sich auch bei allen gängigen Musik-Diensten anhören kann.


In Sky: Children of the Light reist ihr durch das Königreich Himmelsreich, das darauf wartet, erkundet zu werden. Dort kommen wir als Kinder des Lichts an und wollen Hoffnung verbreiten, denn die Stimmung im Königreich ist sehr trostlos geworden. Außerdem warten die Sternbilder darauf, wieder zusammengesetzt zu werden. Sky: Children of the Light erscheint 2021 für die Nintendo Switch, doch ihr könnt das Spiel bereits auf eurem Smartphone spielen.


1. Deine unglaubliche Musik ist ein wesentliches Element in Sky: Children of the Light, da es keinen Erzähler gibt, der einen durch die Geschichte leitet. Was kannst uns über die enge Zusammenarbeit zwischen der Entwicklung des Spiels und dem Soundtrack erzählen?


Im Studio zu sein während das Spiel produziert wird – vom ersten Konzept an bis hin zum vollständigen Werk – ist für mich als Komponist ganz großartig. Denn Musik macht mehr als nur das widerzuspiegeln oder zu untermalen, was man auf dem Bildschirm sieht. Musik drückt auch die Dinge aus, die nicht über das Visuelle oder sogar durch die eigene Spielerfahrung ausgedrückt werden können. Und während Videosequenzen aus technischen Gründen gekürzt oder vereinfacht dargestellt werden, kann Musik auf die grundlegende Motivation des Spiels zurückgreifen und das ansprechen, was ungesagt bleibt.


Die Welt von Sky: Children of the Light ist wirklich malerisch.

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2. Gab es große Änderungen beim Komponieren während der Entwicklung von Sky: Children of the Light?


Oh, es gab eine ganze Menge Änderungen! Es hat geradezu Jahre gedauert, bis ich mich überhaupt für die zwei Hauptmelodien entschieden habe. Davor habe ich mit verschiedenen Melodien herumgespielt, doch sie waren entweder zu unschuldig, zu ernst, nicht ernst genug, zu absichtlich, zu zeitgemäß und modern klingend oder zu retro. Viele der Musikstücke, die ich zu Beginn geschrieben habe, haben es nicht ins fertige Spiel geschafft. Aber nachdem diese Stücke ihren Platz gefunden hatten, fand sich auch die restliche Musik irgendwie von selbst und viele dieser Stücke haben es dann bis in die finale Version des Spiels geschafft.


3. Welches ist dein Lieblingsstück auf dem Soundtrack und warum?


Ich würde sagen, dass es größtenteils von meiner Stimmung abhängt, aber es gibt natürlich ein paar Favoriten. Die aufeinanderfolgenden Stücke „Faded Glories“ und „Somersault“ berühren mich sehr. Beide Stücke harmonieren sehr gut mit mir auf einer persönlichen und künstlerischen Ebene. Und es ist ziemlich cool, wie sie verschiedene Formen von Erleichterung und Freude nacheinander vermitteln.


4. Da Sky: Children of the Light bald für die Nintendo Switch erscheinen wird, frage ich mich, ob du auch gerne an weiteren Nintendo Titeln – eventuell sogar exklusiven Nintendo Titeln – arbeiten würdest? Was sind deine persönlichen Erfahrungen mit Nintendo-Konsolen und -Spielen?


Nintendo hat immer einen besonderen Platz in meinem Herzen, sowohl was Spiele als auch die Spielmusik angeht. Meine ersten Erinnerungen an Spielmusik kommen noch aus der NES/Famicom-Ära, von Firmen wie Konami, Capcom und natürlich von Nintendo selbst. Natürlich würde ich gerne weiter für Spiele schreiben und es ist fantastisch, wie die [Nintendo] Switch die Art und Weise, wie Videospiele gespielt werden, erweitert hat.


5. Welchen Stellenwert hat ein Soundtrack für ein Videospiel und formt die Musik auch das Videospiel oder eher umgekehrt?


Im Fall von Sky: Children of the Light habe ich angefangen, die Musik zu schreiben, als die ersten Konzeptzeichnungen fertig waren und die ersten Zeilen des Codes geschrieben waren. Deswegen gab es dahingehend immer einen gesunden Austausch von Ideen und beide Seiten wurden gegenseitig beeinflusst. Für mich persönlich ist auch jeder aus dem Entwicklerteam ein Spieledesigner, egal welche Berufsbezeichnung er offiziell trägt. Grafikprogrammierung, User-Interface-Design, Audiodesign, Community Management… all diese Dinge sind maßgeblich für das Design eines Spiels. Die Musik natürlich auch!


6. In vielen Filmen ist der Soundtrack unglaublich wichtig, um die Geschichte zu leiten, und meistens geht die Musik Hand in Hand mit der Handlung. Viele Videospiele legen noch keinen so großen Fokus auf einen besonderen Soundtrack, der die Handlung zusätzlich untermalt, so wie es in der Filmbranche der Fall ist. Denkst du, dass die Spieleindustrie dahingehend noch etwas verbessern kann, indem sie zum Beispiel noch enger mit Komponisten und Orchestern zusammenarbeiten könnte?


Ich denke, dass es definitiv noch Raum für Verbesserungen zwischen Spielen und Musik gibt. Ich weiß, dass thatgamecompany und ich eine großartige Beziehung zueinander haben, doch das ist nicht der Regelfall in der Spieleindustrie. Auch denke ich nicht, dass Filmmusik das ultimative Ziel für die Spielmusik ist und ich denke auch nicht, dass Filmmusik notwendigerweise die große monolithische Leistung ist, die allgemein erlebt und verstanden wird. Natürlich liebe ich alle Arten von Musik, jedes Genre und Medium, doch die Spielmusik wird für mich immer etwas besonderes sein. Sie hat einen eigenen Entwicklungsverlauf und eine einzigartige Dynamik, doch gleichzeitig verfolgt sie auch die sich immer verändernden Geschmäcker der Welt. Währenddessen beschattet sie jedoch den kurvenreichen, stetig beschleunigenden Anstieg der Videospiele von einem technischen und gestalterischen Standpunkt. Es ist grundsätzlich so aufregend und ich bin froh, ein Teil davon sein zu dürfen.


Auch im Dunkeln sieht alles richtig hübsch aus.

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7. Kannst du uns etwas über aktuelle Projekte, an denen du arbeitest, erzählen und wie bereitest du dich auf ein neues Projekt vor?


Ich arbeite derzeit an einigen anderen Projekten außerhalb von thatgamecompany. Sie sind insgesamt alle kleiner und befinden sich gerade noch in der Entwicklungsphase. Es ist sehr aufregend, die Konzepte zu etablieren und die Höhen und Tiefen dieser Phase mit all den anderen im Team mitzuerleben. Ein Komponist zu sein ist spaßig, doch ein komponierender Spieldesigner zu sein ist noch besser.


8. Wie wirkt sich COVID-19 auf deine Arbeit und dein Leben aus?


Ehrlich gesagt, hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht viel geändert. Letztes Jahr hatte ich einige Verbesserungen in meinem Heimstudio durchgeführt, sodass ich noch produktiver sein und meine Arbeit qualitativ noch hochwertiger ausführen kann. So hatte ich mich schon generell eher an das Arbeiten von zu Hause aus vorbereitet, anstatt fünf Tage die Woche im Büro zu sein. Ich denke, dass ich mich für dieses Jahr schon vorbereitet hatte, ohne es zu wissen.


9. Welche sind deine Lieblingsspiele und welches war dein erstes Videospiel?


Die ersten Spiele, an die ich mich erinnern kann, waren auf dem Commodore 64. Winter Games, Breakdance, Skyfox… Ich habe diese Spiele witzigerweise alle ohne Ton gespielt. Meine Favoriten jedoch sind etwas aktueller. TIE Figter, Falcon 3.0, Street Fighter Alpha, Panzer Dragoon Saga, Radiant Silvergun… Die 90er haben mich wirklich erwischt.


10. Welchen anderen Hobbies und Interessen gehst du sonst noch nach?


Fotografie war schon immer eine Leidenschaft von mir, seitdem mein Vater mit eine alte Minolta-Kamera mit manuellem Fokus gegeben hatte. Ich genieße es noch immer, Fotos zu machen, vor allem Straßen-Fotografien. Aber die aktuellen Umstände sind derzeit nicht gerade großartig dafür, wie man sich vielleicht vorstellen kann. Ansonsten ist Sport ein ziemlich großer Teil meines Lebens, vor allem im Radio. Es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass ich mir Basketball, Football oder Baseball im Radio anhöre, als dass ich es im Fernsehen schauen würde. Das ist leider sehr schade, da ich nicht gleichzeitig an meiner Musik arbeiten und Radio hören kann.


Vielen Dank für das Interview und alles Gute!


Die englische Originalfassung des Interviews findet ihr übrigens hier!

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