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Die letzten 23 Tage der Plüm – Apokalypse mit Kopffüßlern in unserer Comic-Rezension Über den Tellerrand

Was würdet ihr tun, wenn ihr nur noch 23 Tage zu leben hättet? Würdet ihr Party machen oder euch mit euren Liebsten zusammensetzen und überlegen, wie ihr die Zeit möglichst sinnvoll nutzen könnt? So ein Ultimatum kann den Verstand aber auch lähmen und dann ist es mit der Handlungsfähigkeit eventuell dahin. Auf der anderen Seite gibt es bestimmt auch Lebewesen, die sich dann erst recht in Gefahr begeben, weil sie nichts mehr zu verlieren haben. So oder so, die “Plümheit “ steht am Abgrund ihrer Existenz, denn der Planet Plümos wird den Aufprall mit einem pinken Punkt am Horizont nicht überleben. Plümheit? Plümos? Ist der Autor denn nun völlig „verplümt“?


Rennt um euer Leben, der pinke Punkt kommt!

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Die Plüm vom Planeten Plümos sind ungeschlechtliche Kopffüßler. Sie vermehren sich durch Teilung – ähnlich den Bakterien auf der Erde. Die Plüm sind recht ambitionslos und leben gern in den Tag hinein. Zwar ist ihre Welt karg, doch hält sie für die geringe Anzahl der Plüm genug Nahrung bereit. So zum Beispiel die Früchte des Sum-Baumes und Lübosen-Würmer, die lebendig geröstet am besten schmecken.

Vor Kurzem ist ein pinker Punkt am Himmel aufgetaucht, der stetig näher kommt. Der bevorstehende Aufprall droht alles Leben auf dem Planeten zu vernichten. Den Plüm bleiben nur noch 23 Tage bis zum Weltuntergang…


Mit einem Fernrohr ausgestattet entdeckt einer der letzten 3 Plüm einen pinken Punkt am Himmel. Seinen Berechnungen nach wird der Punkt in 23 Tagen mit ihrem Planeten zusammenstoßen. Was machen also die Plüm, anders als es vermutlich die Menschen machen würden? Genau, sie geraten in Panik. Da die Situation aber ausweglos ist, betrinken sich die Plüm lieber und wachen an Tag 2 mit einem Kater auf. Nach kurzer Diskussion muss man dann feststellen, dass sich an der grundlegenden Situation nichts geändert hat. Der pinke Punkt ist nach wie vor am Himmel, also gibt es anschließend noch mehr „Summerling“, den Alkohol der Plüm, zu trinken.


Nach ein paar Tagen des „nicht wahrhaben Wollens“ werden die Plüm dann auch kreativ und versuchen die Situation grundlegend zu ändern. Vielleicht bringt es was, wenn man dem pinken Punkt ein großes Umleitungsschild hinhält? Oder einer der Plüm lässt sich mit einem Katapult in Richtung des Punktes schießen? Kann durch ein Plüm-Opfer der große pinke Punkt-Gott eventuell umgestimmt werden?


Schließlich müssen die Plüm einsehen, dass sie den Punkt nicht umstimmen können, der setzt seinen Weg nämlich unbeirrt fort. Also grübeln die drei Wesen darüber, wie sie den Rest ihrer Zeit sinnvoll nutzen können und überlegen sich ein paar Tätigkeiten, die sie in ihrem Leben schon immer mal machen wollten, wofür sie bisher aber zu faul waren. Denn die Plüm sind wie viele Menschen unserer modernen Gesellschaft scheinbar satt und faul und geben sich mit wenig Interaktion, Essen und Trinken meist recht zufrieden. Doch der pinke Punkt lässt sich nicht aufhalten, Tag für Tag rückt das Ende näher und schließlich ist die Apokalypse unausweichlich, oder etwa doch nicht?


Umweltverschmutzung geradezu legitimiert...

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Das Ende des Buches von Katharine Greve soll hier nicht gespoilert werden, es kommt dann doch nicht überraschend, passt aber zum Grundtenor des Buches. Während der Lektüre kamen mir dabei zwei Analogien in den Kopf. Zum Einen wie viele Menschen in unserer westlichen Gesellschaft darauf reagieren, wenn plötzlich der 1. Dezember ist und in 23 Tagen dann Weihnachten ansteht. Das kommt auch immer so plötzlich und verlangt einen Monat lang den Menschen alles ab. Das Chaos nimmt seinen Lauf, wenn man in der Vorweihnachtszeit das Ende leugnet, sich auf dem Weihnachtsmarkt besäuft und sich vornimmt, das nächste Mal besser vorbereitet zu sein.


Als viel wahrscheinlicher sehe ich aber die Analogie, wie sich die Menschheit derzeit mit dem Klimawandel auseinandersetzt. Da wird ebenfalls vieles ausgesessen, geleugnet, sich schön getrunken und in die Tasche gelogen. Handlungsunfähigkeit wird mit Aktionismus ausgeglichen, der keinen Nutzen hat. Es kommt unausweichlich auf uns zu und das Ende wird nicht so kommen, wie es Katharina Greve in „Die letzten 23 Tage der Plüm“ prophezeit.


Dennoch sind die letzten 23 Tage der Plüm nicht von Angst und Terror geprägt, immer wieder lässt Greve Humor aufblitzen, manches Mal auch zu Lasten eines der Plüm. Als Leser erwischt man sich beim Schmunzeln, auch wenn das Thema generell eher ernster Natur ist. Aber mit Angst erreichen wir in der Regel auch kein Umdenken und ich bin schon der Überzeugung, dass die Autorin uns und der Gesellschaft hier einen Spiegel vorhalten möchte.


Fazit


Bevor ich abschließend noch mein Fazit zum Inhalt gebe, lasst uns doch mal die Form des Buches näher anschauen. Das gebundene Buch kommt in einem ungewöhnlichen Format daher, da es mit knapp 30 cm Breite und nur einer Höhe von knapp 16 cm erschienen ist. Das ungewöhnliche Format passt aber wie die Faust aufs Plüm-Auge, da so der Fokus auf wenige einzelne Panels und auch auf dem herannahenden pinken Punkt liegt. Blättert man das Buch mit einer Art Daumenkino schnell um, kann man die Ausdehnung des Punktes auf den Seiten beobachten und diesen immer größer werden sehen. Selbstverständlich verpasst man dann die Kernaussage der Autorin, aber die Nutzung des Buches als pures Daumenkino wäre auch irgendwie eine Herangehensweise, die den Plüm zuzutrauen wäre.


Es macht Spaß, die Plüm die letzten 23 Tage auf ihrem Planeten zu begleiten. Mittels eingestreuter Informationstexte bringt uns Katharina Greve der Kultur und Bräuche der Plüm noch näher und staffiert dieses seltsame Volk mit mehr Hintergrundwissen für den Leser aus. So ergibt sich ein mitunter erschreckendes Bild dieses Volkes, was immer wieder gekonnt mit humoristischen Einlagen konterkariert wird. Die Plüm können auch angesichts der drohenden Vernichtung ihres Volkes nicht aus ihrer Haut und müssen sich an die Regeln halten, die lange vor ihnen aufgestellt worden sind. Wo das dann hinführt, müsst ihr schon selbst herausfinden. Mir hat das Buch große Freude bereitet.


Die letzten 23 Tage der Plüm ist erschienen beim Avant Verlag, ISBN: 978-3-96445-039-5, 104 Seiten, Hardcover, 16,5 x 29,5 cm, vierfarbig, 20,- Euro


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