© Cross Cult

Moonshine – Whisky, Werwölfe und Waffen: Wird es nun romantisch in unserer Comic-Rezension? Über den Tellerrand

Wenn man sagt, du kannst mich mal im Mondschein besuchen, klingt das doch fast schon romantisch, oder? Wer möchte nicht in einer lauen Sommernacht mit seinem liebsten Menschen bei Mondschein und einem leckeren Glas Wein zusammensitzen? Gemeint ist bei der Redewendung allerdings eher das Gegenteil. Weitere Bedeutungen des Wortes „Moonshine“ wollen wir uns im Zusammenhang mit dem bei Cross Cult erschienenen Hardcover-Buch von Brian Azzarello und Eduardo Risso im Detail ansehen.


Mit 100 Bullets haben sich Azzarello und Risso in der Szene bereits einen Namen gemacht. Ähnlich dazu geht es auch in Moonshine nicht zimperlich zu. Das verkünden bereits die drei Silhouetten auf dem Cover, die drei Männer zeigen, sowohl mit einem Gewehr als auch mit Äxten bewaffnet. Auf der Rückseite des Buches zeichnet sich eine Werwolf-Silhouette vor dem weißen Mond ab. Ob das auch etwas mit der Geschichte zu tun hat? Und ob, doch der Reihe nach.


Prohibition, Gangster, Werwölfe und Whisky – klingt nach einem gelungenen Abenteuer.

© Cross Cult

Wir befinden uns im Jahr 1929 in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenn unsereins an diese Epoche denkt, kommt einem fast automatisch die Zeit der Prohibition in den Kopf. Dieses Thema ist auch das Kernstück der Geschichte, denn es geht um Alkohol. Damals stand es unter Strafe, Alkohol herzustellen und zu verkaufen. Aus der Pädagogik wissen wir jedoch: Wenn etwas unter Strafe oder Verbot steht, ist es umso reizvoller, sich diesem Verbot zu entziehen. Also wurde der Alkohol illegal gebrannt und hergestellt und selbstverständlich auch konsumiert. Da konnte eine Menge Geld mit verdient werden, was sich in der Unterwelt niemand zweimal sagen ließ. Doch der Nachschub war nicht immer gegeben, weswegen es wichtig und entscheidend war, die Zulieferkette nicht abreißen zu lassen. Neue Zulieferer waren daher immer gerne gesehen, insbesondere in den Städten floss der Alkohol in Strömen. Doch auch auf dem Land war man sich der Wichtigkeit des „Fusels“ bewusst und brannte auch dort, was das Zeug hielt.


Die Unterweltbosse in den Städten waren also gezwungen, sich immer wieder nach neuen Quellen umzusehen. Daher wurden auch immer wieder Laufburschen ausgesandt, um neue Zulieferer und Brenner ausfindig zu machen. Ein solcher Laufbursche ist unser Protagonist Lou Pirlo, der für seinen Boss Joe Masseria in die Umgebung aufbricht, um dort neue Verträge zu schließen – natürlich zugunsten von Masseria, doch das klappt nicht immer. Dann muss Lou einfach nachhelfen und Überzeugungsarbeit leisten. Nun wird er von seinem Boss nach Virginia geschickt, genauer gesagt oben in die „verfickten Berge“, um dort mit Hilram Holt einen Vertrag abzuschließen. Sein Alkohol soll der beste Stoff sein, den Boss Masseria auf jeden Fall für seine Kunden anbieten möchte. Dabei wird Pirlo freie Hand gelassen, wie er an den Vertrag herankommt.


Vor Ort in den Wäldern und Bergen von Virginia stellt der Hinterwäldler Hiram Holt für Pirlo doch eine größere Hürde dar als gedacht. Auch wenn es Pirlo die Tochter von Holt angetan hat, stehen sowohl Holt als auch seine Handlanger dem Vorhaben von Pirlo im Weg. Holt denkt nicht im Traum daran, seinen Schnaps an andere Leute zu verkaufen, und geht auch, ohne mit der Wimper zu zucken, über Leichen, um sein Geschäft zu schützen. Zur selben Zeit befinden sich auch FBI-Agenten in den Wäldern, die die Machenschaften von Holt und seinen Handlangern stoppen wollen, dies aber schnell mit ihrem Leben bezahlen. Warum diese Agenten jedoch zerstückelt aufgefunden werden und was sie so zerfleischt hat, ahnt Pirlo zu Beginn noch nicht. Erst nach und nach wird ihm klarer, dass Hiram Holt eventuell seine menschliche Gestalt eintauschen kann und dann zum Tier wird.


Fazit


Die Atmosphäre von Moonshine ist das Kernmerkmal des Comics. Unterstützt wird dies durch die Farbgebung, das unheimliche und durchaus blutige Artwork und die Bedrohlichkeit, die sich in der Geschichte andeutet. Ab der ersten Seite fühlt man sich in die Welt versetzt und spürt beim Lesen ein Unbehagen, was sich im Lauf der Geschichte des ersten Bandes auch nicht mehr ablegt. Jedoch wird vieles im ersten Band nur angedeutet, mit Traumsequenzen untermalt, als von Alkohol getränkte Wahrnehmung von Lou Pirlo dargestellt. Ich konnte als Leser nicht immer genau sagen, was nun eine Halluzination oder was Realität sein soll. Auch die Motivationen der agierenden Figuren sind nicht immer eindeutig nachvollziehbar. Lou Pirlo reitet sich von einer beschissenen Situation in die nächste, was es als Leser schwer macht, sich mit ihm als Protagonisten zu identifizieren. Hilram Holt hat auch mehr als einmal die Möglichkeit, sich Lou Pirlos zu entledigen, macht dies aber nicht, sehr wahrscheinlich, weil der Protagonist noch im zweiten Band gebraucht wird. Überhaupt mischt Autor Brian Azzarello hier viele Figuren in die Geschichte, die nur einen kurzen Auftritt haben, dann aber schnell das Zeitliche segnen. Was gut funktioniert und das Buch ein wenig über das Mittelmaß hinaushebt, ist die Darstellung der ländlichen Gegend mit all ihren Facetten. Die Hinterwäldler benehmen sich so, wie man es erwartet, die Landschaft ist dreckig und die Hitze spürbar. Voodoo oder andere Rituale finden Anwendung und über allem steht der Alkohol, der für viele blutige Situationen und Ableben sorgt. Atmosphärisch und optisch ein gelungenes Buch, aber die Geschichte droht bisher noch, sich zu verrennen. Man darf gespannt sein, ob und wie Azzarello im zweiten Band die Kurve bekommt.


Moonshine ist erschienen bei Cross Cult, ISBN: 978-3-959815-69-7, Hardcover, 16 x 24, 4c, 144 Seiten, 22,– Euro


Jetzt Moonshine bei Buecher.de bestellen.


Jetzt Moonshine bei Amazon bestellen.


Unser Onlinemagazin ntower ist Mitglied der Affiliate-Netzwerke Amazon PartnerNet, Awin, Webgains, Media Markt E-Business GmbH und Saturn online GmbH. Bei einer Bestellung über einen unserer Affiliate-Links erhalten wir über den jeweiligen Shopbetreiber eine variable Provision. Für Endkunden entstehen keine Zusatzkosten.

Teilen

Kommentare 0

  • Noch keine Kommentare verfasst :(