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Der Fährmann von Christopher Golden in unserer Buchbesprechung Über den Tellerrand

Gelegentlich bekommt man als Leser Bücher in die Hand, die aus dem gedruckten Einheitsbrei herausragen. Bei mir sind es vor allem hervorstechende Cover oder anderweitige optische Gestaltungen, die mich ein Buch im Laden in die Hand nehmen lassen. In diesem vorliegenden Fall wurde mir das Buch zur Rezension zugesandt, denn ich sollte im März auf der Leipziger Buchmesse den Autoren Christopher Golden treffen und interviewen. Kurz zuvor veröffentlichte der Cross Cult-Verlag eine Neuauflage seines Buches Baltimore oder der standhafte Zinnsoldat und der Vampir. Aus diesem Grund hätte ich mit insgesamt drei Büchern im Gepäck den Autor, der in seiner Laufbahn auch schon Comics verfasst hat, treffen sollen.


Kann Charon seine Pläne in die Tat umsetzen?

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Wie wir heute wissen, hatte eine gewisse Pandemie etwas dagegen, weswegen ich weder nach Leipzig gefahren bin, noch den Autor getroffen habe. Doch warum gerade ich als Rezensent von Comics und Graphic Novels, werdet ihr euch vielleicht fragen? Viele seiner Bücher wurden auch mit passenden Illustrationen versehen, nicht nur im oben erwähnten Baltimore, sondern auch im heute besprochenen Der Fährmann. Dort hat niemand Geringeres als John Howe die begleitenden Zeichnungen und Gestaltungen innerhalb und außerhalb des Buches angefertigt. John Howe ist seit Jahrzehnten einer DER Zeichner, wenn es darum geht, Figuren und Szenen aus dem Hobbit und dem Herrn der Ringe von J.R.R. Tolkien zu illustrieren und auf Papier zu bringen. Er hat damals ebenfalls an der Verfilmung des Herrn der Ringe von Peter Jackson mitgearbeitet.


Als ich nun den Fährmann zugeschickt bekam, fiel mir als erstes die ungewöhnliche Gestaltung des Buches auf – sowohl die des Covers als auch die des Buches insgesamt. Man merkt, dass hier etwas Besonderes auf den Leser wartet. Versehen mit einem Prägedruck auf dem Cover, Rundumfarbschnitt in Schwarz sowie einem Lesebändchen, macht die Veröffentlichung aus dem Buchheim Verlag einen rundum gelungenen Eindruck. Der Klappentext wirbt mit folgenden Worten um die Leser:


Die Ebenen der Realität verschieben sich, als ein uralter Mythos auf furchtbare Weise lebendig wird. David und Janine, die nach einem quälenden Verlust wieder zueinander finden, müssen sich den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen und den brüchig gewordenen Glauben an sich und ihre Welt wiederfinden.


Wir Leser werden direkt ins Geschehen geworfen, wenn sich die junge Frau Janine in einem ihrer Träume mit Charon, dem Fährmann auseinandersetzen muss. Sie steht an einem Flussufer und muss sich seiner magischen Anziehung erwehren – nur mit viel Mühe entkommt sie seinem Sog und wacht schließlich auf. Doch in der Realität sieht die Welt derzeit für Janine nicht besser aus. Gerade erst hat sie ihr erstes Kind durch eine Fehlgeburt verloren und wäre beinahe selbst gestorben. Ihr Freund und der Vater des Kindes hat sich von ihr getrennt, also ist die Lehrerin nun auf ihre Freundin Annette angewiesen, die ihr in dieser schwierigen Zeit zur Seite steht. Weiterhin ist da noch ihr Lehrer-Kollege David, mit dem sie vor dem jetzigen Freund zusammen war und der sich nun ebenfalls um sie kümmert.


Es stellt sich heraus, dass Janine nicht die einzige Person in ihrem Ort war, die mit dem Fährmann in Kontakt getreten ist, wenn auch nicht ganz freiwillig. Nach und nach entspinnt sich ein immer größer werdendes Netz an Personen, die entweder den Tod finden oder in deren näherem Umfeld weitere Menschen sterben. Charon holt also nach und nach weitere Seelen auf seinen Fluss und versucht auch, David und Annette auf die andere Seite zu ziehen. Es stellt sich heraus, dass Janine der Ursprung allen Übels ist, denn eigentlich möchte der Fährmann nur sie. Er schreckt jedoch nicht davor zurück, alle Menschen in Janines Umgebung zu töten, bis sie sich ihm hingibt. Wird sie sich am Ende opfern, um die anderen Personen zu retten?


Christopher Golden gelingt es mühelos, uns Leser in seine Welt hineinzuziehen und präsentiert dabei glaubwürdige Charaktere, die nicht ohne Fehler sind. Janine, David und Annette sind alles drei nachvollziehbare Personen, die sich in der Geschichte mit außergewöhnlichen Situationen herumschlagen müssen. Niemand von ihnen ist ein Held im klassischen Sinne, sie alle stellen sich auf ihre Art den übernatürlichen Erscheinungen und Ereignissen. Das lässt uns Leser mit ihnen mitfiebern und hält die Spannung bis zum Finale durchgehend hoch.


Fazit


Golden schafft es, dass ich als Leser immer wissen wollte, wie es weitergeht. Dabei setzt er weniger auf Cliffhanger zum Ende eines Kapitels, sondern bringt immer mal wieder eine passende Entwicklung in die Geschichte ein. Insgesamt stellt Der Fährmann aber in meinen Augen mehr psychologischen Horror dar, als dass es blutig oder gar mit Splatter-Effekten versehen wäre. Es soll sich mehr „gegruselt“ werden, auch wenn das Wort fast schon altmodisch klingt. So gelingt Golden mit dem Fährmann kein „Turnpager“, aber ein durchgehend unterhaltsames Buch, was ein wohliges, unangenehmes Gefühl beim Lesen hinterlässt, ohne sich dabei zu sehr in Detailbeschreibungen zu verlieren. Gepaart mit der optischen Aufmachung des Buches kann ich Der Fährmann empfehlen.


Der Fährmann ist erschienen beim Buchheim Verlag, ISBN: 978-3-946330-01-1, Hardcover, Farbschnitt, Lesebändchen, 372 Seiten, 23,95 EUR


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Kommentare 3

  • afriixy

    Turmheld

    Empfehlung. Habe ich hier seit Release stehen.

    Die Zeichnungen sind auch wahnsinnig gut gemacht.


    Empfehlung!



    Schöner Tellerrand Beitrag :)

  • Mayhem89

    Turmritter

    danke für die empfehlung. Gerade im horror Bereich wird man gefühlt nurnoch mit extremen Horror und splatter ala edward lee sowie jack ketchum beworfen. Da vermisst man gerade den grusel und die atmosphäre die die eigene fantasie anregen.

  • Dennis Gröschke

    Rabbit Season

    Mayhem89

    Ich bin da sonst im Horror-Bereich gar nicht so drin was Bücher angeht, aber Splatter oder anderweitigen blutigen Horror würde ich hier auf ntower auch nicht vorstellen. Das wäre nicht die richtige Plattform dafür. Aber atmosphärischen Grusel kann man sowohl im jugendlichen Alter als auch als Erwachsener lesen und damit Spaß haben.