© Carlsen Manga

H. P. Lovecrafts Berge des Wahnsinns 1 – Unsere Manga-Rezension zur Adaption von Gou Tanabe

Seit ich mich wieder intensiver mit dem Thema Comics und Graphic Novels beschäftige, konnte ich bereits einige überraschende Entdeckungen machen. Ich bin immer wieder erstaunt, was es alles zwischen zwei Buchdeckel schafft, vor allem auch in deutscher Sprache. Dabei sind mir die Form und die Darbietungsart in der Regel grundsätzlich egal, ich mache keinen Unterschied ob Graphic Novel, frankobelgischer Comic oder Manga. Wenn es dann noch thematisch ein wenig gruseliger wird oder auch in Richtung Pulp-Literatur drängt, bin ich gerne dabei und mache mir ein eigenes Bild.


Wenn man sich mit den Themen Science-Fiction, Fantasy oder auch Horror auseinandersetzt, stolpert man zwangsläufig irgendwann auch über den sogenannten Cthulhu-Mythos und dessen literarischen Begründer H. P. Lovecraft. Lovecraft erschuf in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit seinen Geschichten und Erzählungen das Genre der phantastischen Horrorliteratur und trug entscheidend zu deren Verbreitung bei. Im Lauf der Jahrzehnte griffen dann immer wieder Filmemacher, Künstler und auch Spielentwickler auf seine Geschichten zurück und ließen sich von ihnen inspirieren. Insbesondere in den letzten Jahren erlebten der Autor und sein Mythos eine (weitere) kleine Renaissance mit Videospielen wie Call of Cthulhu oder auch The Sinking City, die in weiten Teilen auf seiner erdachten Welt basieren.


Der Wahnsinn steht bereits ins Gesicht geschrieben.

© Carlsen Verlag

Zwei seiner bekanntesten Werke sind dabei Schatten über Innsmouth oder aber das für heute relevante At the mountains of madness, im Deutschen bekannt als Berge des Wahnsinns. Seit Jahren liest man immer mal wieder, dass Regisseur Guillermo del Toro an einer filmischen Umsetzung der Berge des Wahnsinns arbeitet. So richtig in Schwung kam das Projekt aber nie, bis heute ist sein Film nicht umgesetzt worden. Auf der anderen Seite arbeitet der japanische Zeichner und Autor Gou Tanabe seit Jahren an Umsetzungen der Geschichten von Lovecraft als Manga. Und so erschien beim deutschen Carlsen Verlag der Manga eines japanischen Künstlers, der die Geschichte eines amerikanischen Autors in eine Bildsprache umsetzte, an der ein mexikanischer Regisseur seit Jahren leider scheitert.


Gegen Ende des Jahres 1930 verlässt eine Expedition mit zwei Schiffen den Hafen von Boston. An Bord befinden sich renommierte Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachrichtungen, ihr Ziel: die Antarktis. Sie möchten durch ihre ambitionierte Mission dem noch weitgehend unbekannten Kontinent seine letzten Geheimnisse entreißen. Die Leitung der Expedition hat der Geologe Professor Dyer inne und die Reise verläuft zunächst auch ohne weitere Probleme. Vor Ort angekommen, baut die Mannschaft sich kleinere Flugzeuge zusammen, um die Reichweite ihrer Forschungen zu erhöhen. Bei Bohrungen in der Tiefe stoßen die Forscher auf Gestein mit einer seltsamen Maserung, was den Biologen Professor Lake vor ein Rätsel stellt. Seiner Meinung nach handelt es sich hierbei nicht um Gestein, sondern um Überreste organischen Ursprungs. Nun kennt der Drang der Forscher kein Halten mehr, Professor Lake macht sich mit einem kleinen separaten Team auf und sucht weiter nordwestlich vom Basislager nach weiteren Informationen und Organismen. Dabei entdecken sie schließlich ein schwarzes Gebirge inmitten der Unendlichkeit von Weiß. Sie schlagen schließlich ein zweites Lager unmittelbar in der Nähe einer Höhle auf, in der sie Überreste einer ihnen unbekannten Spezies finden …


Wir begleiten diese Expedition hautnah als Leser und tauchen gemeinsam mit den Wissenschaftlern in die unbekannte Welt der Antarktis ein. Dabei verlässt sich Zeichner Tanabe vollständig auf Illustrationen in schwarz und weiß und trifft mit dieser Wahl vollkommen ins Schwarze. Nicht selten präsentiert er uns die wundervolle Pracht der Antarktis auf Doppelseiten und lässt somit nicht nur den Leser, sondern immer öfter auch die Protagonisten mit offenen Mündern zurück. Was Tanabe dort mit den Mitteln des Kontrastes auf Papier zaubert, sucht mitunter seinesgleichen. Bis ins kleinste Detail ausgearbeitet nutzt er den Platz effektiv und lässt sowohl die Forscher als auch den Leser ratlos zurück. Was hat es mit den Funden auf sich? Stellen die organischen Materialien eine Gefahr für die Mitglieder der Expedition dar? Warum schlagen die Hunde in regelmäßigen Abständen auf bestimmte Situationen an?


Ich kann zur Umsetzung der Geschichte in diesem Fall leider nichts beitragen, weil ich die zugrundeliegende Erzählung von H. P. Lovecraft nicht gelesen habe. Die Atmosphäre und die Themen, die in Berge des Wahnsinns von Gou Tanabe angeschnitten werden, passen in mein Bild vom Lovecraft-Universum hinein und stehen weder inhaltlich noch visuell im Widerspruch. Der geneigte Fan von Lovecraft sollte sich vom Manga auf jeden Fall ein Bild machen, unabhängig davon, wie nah die Interpretation an der ursprünglichen Geschichte liegt.


Fazit


Tanabes Arbeit zu Berge des Wahnsinns wird hierzulande von Carlsen Manga in zwei Bänden veröffentlicht. Der erste Band wurde im August veröffentlicht, den zweiten Band könnt ihr ab sofort auch erwerben, sobald diese Rezension erschienen ist. Im ersten Band reißt Tanabe viele Fragen und Probleme auf, die bis zum Schluss des Buches noch nicht beantwortet werden. Die Atmosphäre und die Landschaften der Arktis stellen dabei die Faszination der Interpretation der Berge des Wahnsinns dar, da sollte man sich auf der Couch schon eine Decke beim Lesen mit dazu nehmen. Nicht so gut gefallen haben mir die Figuren, sie bleiben zu einem großen Teil eher blass und nur wenige Charaktere offenbaren dem Leser ihre Motivation. Hinzu kommt, dass Tanabe so gut wie keine Bewegungslinien in seinen Zeichnungen hat. Selbst wenn sich Charaktere bewegen, wirkte es auf mich sehr statisch. Das kann man als Leser durchaus auch als Stilmittel ansehen, schließlich befinden sich die Menschen in einer Umgebung, derer sie nicht wirklich Herr sind. Allzu oft werden sie mit den Gegebenheiten vor Ort konfrontiert und sind in der Antarktis den Mächten der Natur ausgesetzt. Wenn es denn alles natürlichen Ursprungs ist, wer weiß?


H. P. Lovecrafts Berge des Wahnsinns 1 ist erschienen bei Carlsen Manga, ISBN: 978-3-551-72456-4, 296 Seiten, Softcover, 14,6 x 21 cm, s/w, 18,- Euro


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Ihr wollt, so wie ich, unbedingt wissen, wie es weitergeht? Dann könnt ihr den Abschluss der Geschichte im zweiten Band nun bereits ebenso erleben.

H. P. Lovecrafts Berge des Wahnsinns 2 ist erschienen bei Carlsen Manga, ISBN: 978-3-551-72457-1, 320 Seiten, Softcover, 14,6 x 21 cm, s/w, 18,- Euro


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Kommentare 8

  • Lazarus

    Meister des Turms

    HA! Ich habe auch alle bisher hierzulande erschienenen Lovecraft Mangas von Tanabe. Finde ich echt toll, vor allem wie krass detailiert die Zeichnungen sind hat mich überrascht.

    Die Figuren im Lovecraft Universum sind immer recht blass gehalten ich denke er wollte die Figuren als Projektionsfläche unserer Selbst nutzen da so der Horror besser wirken kann. Also vielleicht. Also wenn der jeweilige Wissenschaftler unheimliche Dinge entdeckt und duchlebt, die ja imemr sehr detailiert beschrieben werden ist ja quasi so als ob wir diese dinge selbst entdecken und/oder erleben.


    Naja ich habe jedenfalls sehr viel Spaß mit den Mangas.

  • Mayhem89

    Turmheld

    Liebäugel schon etwas länger mit dem Manga da es eine Umsetzung meiner absoluten Lieblingsgeschichte von Lovecraft ist. Nach dem artikel werd ich wohl jetzt endlich zuschlagen.

  • Zarathustra

    Muad'dib

    Interessiert mich auch,danke für die Besprechung hier,ohne die ich das nicht mitbekommen hab,mit Comics beschäftige ich mich nicht mehr so viel.


    Eigentlich schade,ist auch ein tolles Medium.

  • Lazarus

    Meister des Turms

    Mayhem89  Zarathustra


    Ich möchte nochmal kurz erwähnen dass er auch die Farbe aus dem All als Manga umgesetzt hat und auch ein Par weitere Kurzgeschichten wie " Der Tempel" in einem anderen Sammelband.

  • Sssnake36

    Old School

    Ich kenne nur die Original Romane! Ich wusste gar nicht das es lovecraft mangas gibt. Bestell ich mir !

  • Kindra

    Meister des Turms

    Wirklich der Wahnsinn (HÖHÖ), was Japan mit dem Werk von Lovecraft so anstellt. Berge des Wahnsinns ist eine wunderbare Erzählung, die meiner Meinung nach zu oft aufgrund ihres fehlenden "show"-Anteils (im Sinne von "show, don't tell) etwas zu sehr gescholten wird.


    Die Kritik des Mangas an den Charakteren kann ich schon nachvollziehen. Hätte man nachbessern können, denn Lovecraft selbst ist ja wirklich nicht dafür bekannt, ausgearbeitete, tiefgründige Charaktere geschrieben zu haben (was ich an sich gar nicht schlimm finde), auch wenn es ein paar Ausnahmen gibt, wo es schon ganz ok ist (Charles Dexter Ward zum Beispiel)


    Ich finde, Schatten über Innsmouth würde sich gut als so ein Manga eignen, weil es eine der wenigen Geschichten von ihm war, die sogar ein paar Action-Szenen enthalten und es ist nicht ganz so trocken als Dokument/Bericht geschrieben wie Berge des Wahnsinns.

  • _Mallymkun_

    Turmritter

    Danke, dass ihr das Manga hier vorgestellt habt. Kannte ich noch gar nicht, sieht aber sehr interessant aus. :thumbup:

  • Pascal Hartmann

    I'm not a cat

    Ich lese mich gerade durch die gesammelten Werke von Lovecraft, was zugebenermaßen nicht immer einfach ist (lese auf Englisch und die Geschichten sind ja schon 100 Jahre alt). Von den Manga wusste ich nichts, habe ich mir aber auf die Wunschliste gepackt :)

    Vor allem, da At the Mountains of Madness mir sehr gut gefallen hat :ddd: