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Creepy Past in unserer gruseligen Comic-Rezension Über den Tellerrand

Habt ihr schon mal vom Begriff „Creepypasta“ gehört? Nein, dabei handelt es sich nicht um das grauenhafte Nudelgericht vom Italiener um die Ecke. Vielmehr bezeichnet eine Creepypasta eine Grusel- oder Horrorgeschichte, die im Internet verbreitet wird. Ich musste dazu auch erst den Wikipedia-Eintrag lesen, um zu wissen, was sich hinter dem Titel verbirgt. Der Begriff setzt sich aus Creepy (gruselig) und Pasta (vom englischen Begriff „copy and paste“) zusammen, da sich die Geschichte durch Kopieren weiterverbreitet. Die Themen von Creepypastas handeln oft von Serienmördern, Geisteskrankheit, übernatürlichen Wesen oder auch okkulten Ritualen. Also alles Themen, denen ich im fiktionalen Bereich sehr zugetan bin. Unser heutiges Buch handelt in gewisser Weise auch von diesem Phänomen, wobei aus der Pasta hier das Wörtchen Past (Vergangenheit) wird: Vorhang auf für Creepy Past.


Von jeher ist der Mensch vom Schlafen und insbesondere vom Träumen fasziniert. Seien es Träume, Visionen, Vorhersehungen oder Ähnliches, schon seit Menschengedenken werden diese Szenenabfolgen interpretiert, für bare Münze genommen oder als Entscheidungsgrundlage herangezogen. Dabei sind das Träumen und das Schlafen für den Menschen sehr wichtig, verarbeiten wir damit doch Dinge und Erlebnisse, die uns im Alltag oder im Leben allgemein beschäftigen. Auch in der modernen Popkultur und insbesondere im Bereich der Horrorfilme wird das Thema Schlaf und Traum nur allzu gerne aufgegriffen; man denke da an die sehr populäre Filmreihe rund um Freddy Krueger und die Albträume in der Elm Street.


Es ist angerichtet: Welche Creepy Pasta verfolgt euch heute?

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Hauptprotagonist von Creepy Past, ein Junge namens Qiro, leidet unter einer Schlaflosigkeit, insbesondere ein Tinnitus macht ihm zu schaffen. Doch heutzutage kann gegen diese und andere Schlaflosigkeiten etwas getan werden; bestimmte Schlafforschungseinrichtungen wie das REM-Institut haben sich darauf spezialisiert. Doch warum das Institut ausschließlich Jugendliche aufnimmt, wird zunächst nicht ganz klar. Die Patienten werden zudem mittels eines sogenannten „Bio-Devices“ am Arm Tag und Nacht überwacht, natürlich nur zur Messung der Körpertemperatur und des Blutdrucks. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Im Institut begegnet Qiro unter anderem dem Mädchen Ester. Sie hat sich freiwillig in das Institut einweisen lassen und täuscht ihre Schlaflosigkeit nur vor. Sie sucht im Institut nach Kreaturen, die sich in der Realität manifestieren und eben nicht nur geträumt sind. Sie vermutet, dass diese Kreaturen durch die Gebäude des Instituts streifen und Angst und Schrecken verbreiten. Insbesondere der Slasherman hat es ihr angetan, weil er eine ihrer Freundinnen entführt hat. Das Problem mit Ester ist, dass sie eine krankhafte Lügnerin ist, was es Qiro und den anderen schwer macht, ihren Schilderungen Glauben zu schenken.


Während Ester also im Institut nach ihrer Freundin Alina, die ihrer Meinung nach vom Slasherman in eine fremde Dimension entführt wurde, sucht, macht Qiro weitere Erfahrungen mit seinem Tinnitus, denn es stellt sich heraus, dass auch er eine fremde Kreatur in seinen Träumen sieht. In einigen Situationen spricht diese Kreatur in seinem Kopf auch mit ihm. Es hat fast den Anschein, als ob dieses Monster von Qiro Besitz ergreifen kann, zumindest fühlt er sich in einigen Situationen ferngesteuert und wacht danach in der realen Welt wieder als Junge auf. Wir Leser erleben aber auch die Geschichte in der Zwischenzeit, auch wenn sich die Welt der Monster und Kreaturen immer mehr mit der realen Welt von Qiro, Ester und den anderen Jugendlichen mischt. Hat es also einen Grund, warum im Institut nur Jugendliche wegen ihrer Schlaflosigkeit behandelt werden? Steckt da noch mehr dahinter und wissen die Wissenschaftler aus dem REM-Institut mehr, als sie zugeben?


2018 in Italien erschienen, handelt es sich bei Creepy Past um eine sechsteilige Miniserie, die mit dem kommenden zweiten Band in diesem Jahr bei dani books komplett vorliegt. Dementsprechend sind im vorliegenden ersten Band die ersten drei Hefte versammelt und es gibt auch einen kleinen Twist am Ende des dritten Heftes – das passt also. Optisch bekommen wir eine Mischung aus Monster Allergy und der Animationsserie Kim Possible geliefert. Das wundert mich nicht, weiß ich doch, dass Zeichner Giovanni Rigano beim italienischen Ableger von Disney gearbeitet hat und auch an Monster Allergy beteiligt war. Er hat für Creepy Past aber vorerst nur die optische Ausarbeitung der Charaktere vorgenommen und das erste Heft gezeichnet. In Heft 2 und 3 haben diese Aufgabe dann Federico Nardo sowie Alberto Zanon übernommen, bei denen man schon merkt, dass es andere Zeichner sind, sie sich aber dennoch stark am Stil von Rigano orientieren. Somit kommt in meinen Augen kein großer Bruch innerhalb der Hefte zustande, im Gegenteil, das geht schön einher.


Erzählerisch hält sich Creepy Past spannend und undurchsichtig, was ja im Kontext des Plots durchaus so gewünscht ist und hier sehr gut passt. Wir als Leser erleben gemeinsam mit Qiro die Ereignisse und tappen genau wie er im Dunkeln. Erst nach und nach ergeben sich Hinweise und Geheimnisse werden aufgedeckt. So entpuppt sich das Monster in Qiro als eine Kreatur, die anscheinend in derselben Dimension wie der Slasherman verweilt. Doch wenn Qiro ein solches Monster „in sich trägt“, was hat es dann mit den anderen Patienten des Instituts auf sich?


Fazit


Ein Vergleich von Creepy Past zu Monster Allergy liegt auf dem ersten Blick nahe, sind doch ähnliche Künstler involviert und präsentiert sich die Optik auch in einem cartoonartigen Stil. Bei beiden Geschichten verhalten sich die Dinge nicht so, wie es zunächst den Anschein hat, dennoch würde ich bei Creepy Past nicht von einem Abklatsch sprechen. Das grundlegende Setting ist bei Creepy Past düsterer und durch die Thematik mit Schlaf und Traum sind der Psychoanalyse hier Tür und Tor geöffnet. Insgesamt sind die Monster und die Themen in Creepy Past ernster und gruseliger, was sowohl in der optischen Präsentation als auch der geschichtlichen Ausarbeitung wiederzufinden ist. Hat mein 11-jähriger Sohn Monster Allergy bereits mit Vergnügen gelesen, würde ich ihm Creepy Past noch ca. zwei Jahre vorenthalten. Hier dürfen auch schon mal blutige Verletzungen gezeigt werden, alles andere hätte dem Setting auch nicht entsprochen.


Ich habe Creepy Past in zwei Sitzungen durchgelesen, so sehr haben mich Qiro und sein Alter Ego in den Bann gezogen. Das Szenario ist spannend gestaltet, alle paar Seiten wird man überrascht und fügt im Kopf allmählich ein paar Puzzleteile zusammen, nur um dann gegen Schluss noch mal festzustellen, dass man doch noch nicht alle Hintergründe kennt. Der zweite Band wird hoffentlich einige der offenen Fragen beantworten, ich freue mich schon darauf.


Creepy Past ist erschienen bei dani books, ISBN: 978-3-95956-034-4, Paperback, 17 x 24 cm, 208 Seiten, 16,99 Euro


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