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Hilda und der schwarze Hund – Trolberg in Angst und Schrecken Nerdkultur

„Ein riesiger schwarzer Hund versetzt die Stadt Trolberg in Angst und Schrecken. Hilda möchte das Geheimnis um das unheimliche Ungetüm lüften und bekommt dabei unverhofft Hilfe von einem griesgrämigen Kobold. Er führt Hilda in eine mystische ‚Welt in der Welt‘ ein und zeigt ihr die geheimen Orte der kleinen Hausgeister, an denen die Gesetze der Physik außer Kraft gesetzt sind. Gemeinsam machen sie sich auf die abenteuerliche Suche nach Antworten. Und plötzlich steht Hilda selbst dem schwarzen Untier gegenüber …“


So weit der Klappentext zu „Hilda und der schwarze Hund“. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich Hilda erst über die Netflix-Serie kennen- und lieben gelernt habe. Auch die Geschichte rund um den schwarzen Hund wurde für die Animationsserie umgesetzt – gefiel mir dort aber überhaupt nicht. Entsprechend vorsichtig ging ich also an die Lektüre und erhielt im Grunde genommen dieselbe Erzählung auch dort, jedoch stark gekürzt. Doch der Reihe nach.


Nachdem Hilda seit dem letzten Band in der Stadt Trolberg wohnt und nun bereits beginnt, ihr Zelt innerhalb der Wohnung aufzuschlagen, hat ihre Mutter eine Idee. Sie selbst war als Kind bei den „Sperlingen“, der örtlichen Pfadfindergruppe, das wäre doch auch etwas für Hilda! Gesagt, getan, Hilda ist dafür durchaus zu begeistern. Ihr Ziel: Ein Abzeichen mehr zu machen als ihre Mutter. Doch das stellt sich als schwieriger heraus als gedacht, wird Hilda doch gewissermaßen an jeder Ecke abgelenkt.


Ein riesiger schwarzer Hund in Trolberg. Was haben die Nissen damit zu tun?

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Da wären zum einen die Hausgeister, von denen Hilda einen auf dem Rückweg vom Einkaufen begegnet. Ihre Mutter ist von diesem Kontakt gar nicht begeistert. Diese sogenannten Nissen wohnen unsichtbar in den Häusern der Menschen, und zwar immer dort, wo es von den Menschen ungenutzten Platz gibt. „Der Spalt hinter dem Bücherregal, die Ritzen zwischen den Bodendielen, die Oberseite des Schranks, die man von unten nicht sieht.“ Mit einem Nissen namens Tontu freundet Hilda sich an und begleitet ihn im Verlauf des Abenteuers auch an die ungenutzten Plätze. Stellt euch das wie Räumlichkeiten vor, die in einer Art Zwischenebene liegen, wie eine andere Dimension. Von dort aus lassen sich die Bewohner des Hauses durchaus in Ruhe beobachten. Dorthin schleppen die Nissen auch die Gegenstände, die die Menschen in ihrem Haushalt „verlieren“. Wirklich verloren sind sie nicht (wer sucht nicht immer diese EINE Socke?), sie wurden nur von den Hausgeistern ausgeliehen.


Auf der anderen Seite hält der schwarze Hund die Stadt sowie Hilda und die Pfadfinder auf Trab. Auch wenn er nicht immer zu sehen ist, bindet Luke Pearson die Präsenz des Hundes (der sich später als Barghest herausstellt) geschickt durch Zeitungsmeldungen und Medienberichte im Hintergrund der Geschichte ein. So muss auch ein Lager der Pfadfinder vorzeitig abgebrochen werden, da der Hund in der Nähe gesichtet wurde. Selbstverständlich finden zwischen dem schwarzen Hund und Hilda auch mehrere Begegnungen statt, bis hin zu einer Verfolgungsjagd, die dem Finale eines Action-Films in nichts nachstehen würde – ganz großes „Kino“.


Gerne verbindet Zeichner und Autor Pearson mehrere parallel laufende Handlungselemente zum Schluss miteinander und löst damit die Geschichte auf. So ist es hier ebenfalls gestaltet und kulminiert in einem tollen, actiongeladenen Finale rund um den Barghest und die Nissen. Dabei wird sogar Hildas Mutter in die Geschichte hineingezogen – wirklich ein spannendes und fulminantes Ende.


Die Beziehung von Hilda zu ihrer Mutter wird in diesem Buch abermals auf die Probe gestellt, nachdem es erste Konflikte bereits in der Geschichte rund um die Vogelparade gab. Hilda mausert sich immer mehr zu einem Teenager und zeigt diesbezüglich auch Verhaltensweisen, bei denen Mutter Johanna nicht umhinkommt, auch mal laut zu werden. Letztendlich sorgt sie sich aber nur um Hilda und versucht, ihr ein gutes Vorbild zu sein. Dies endet letztendlich auch darin, dass Hilda versucht, mehr Abzeichen der Pfadfinder zu erlangen als ihre Mutter, nur um zum Schluss der Episode zugeben zu müssen, dies bei Weitem nicht geschafft zu haben. Aber das ist Hildas Mutter auch nicht wichtig gewesen, denn es kommt nicht darauf an, wer mehr Abzeichen schafft oder sich besser anstellt. Es sind diese kleinen und unaufdringlichen Botschaften, die die Comics von Hilda so lesenswert machen.


Ein wenig schade fand ich, dass die Beziehung von Hilda zu ihren neuen Freunden in der Pfadfindergruppe so wenig Beachtung fand. Hier konnte die Netflix-Serie viel mehr punkten, wobei der Vergleich natürlich hinkt, da in der Animationsserie dazu viel mehr Zeit zur Verfügung stand. So bleiben aber beide Medien unabhängig voneinander sehenswert und ergänzen sich dabei vielmehr. Das vorliegende Album ist auch so schon vollgepackt und viel umfangreicher als das erste. Die neu vorgestellten Figuren, seien sie nun menschlicher oder mystischer Natur, fügen sich blendend in die Welt von Hilda ein und lassen vergessen, dass sich unsere tapfere Freundin immer mehr in Richtung Freigeist entwickelt, eben immer mehr in Richtung Adoleszenz. Dies soll im nächsten Abenteuer „Hilda und der Steinwald“ noch eine ganze Menge anderer Probleme aufwerfen, aber dazu dann an entsprechender Stelle mehr.


Fazit


Eingangs erwähnte ich den Unmut, den ich mit dieser Geschichte verband. Nach der Lektüre kann ich dies nur noch bedingt behaupten, da ich dabei natürlich die Netflix-Serie im Hinterkopf hatte. Dort sind einige begleitende Figuren weiter ausgebaut und wir erleben sie viel freundschaftlicher im Umgang mit Hilda. Dies fehlt mir wie gesagt hier im Buch und dadurch ist Hilda noch immer viel mehr mit ihrer Mutter verbunden, während sie in der Serie bereits freundschaftliche Bande geknüpft hat. Ich habe weiterhin für mich festgestellt, dass mir Hilda hier im vorliegenden Band zu schnippisch ihrer Mutter gegenüber vorkommt. Das mag aber auch mein sehr persönliches Empfinden sein, weil ich mir eine andere Entwicklung gewünscht hätte. Das kann der geneigte Leser für sich entscheiden. Eines sollte aber klar sein: Was hier an Tempo und Witz inszeniert worden ist, sucht bisher im Hilda-Universum seinesgleichen.


Nachdem wir gedanklich im letzten Band in Trolberg angekommen waren, stellt hier im Verlauf des Abenteuers niemand mehr infrage, ob das junge blauhaarige Mädchen auch in urbanen Gegenden funktioniert. Das hat Pearson geschickt eingebunden und wird entsprechend an die Begebenheiten von Hilda und Co. angepasst, so wie wir sie noch in der Wildnis kennengelernt haben. Mit Tontu gibt es für mich optisch bereits den zweiten witzig gestalteten Charakter im „Hildaversum“, nach dem Holzmännchen in den ersten Bänden. So darf Tontu zum Abschluss der Geschichte auch bei Hilda und ihrer Mutter wohnen bleiben und wird in den Alltag integriert. So einen witzig gestalteten Hausgeist hätte ich auch gerne, ich find’ den zum Schießen.


Hilda und der schwarze Hund ist erschienen bei Reprodukt, ISBN: 978-3-95640-207-4, 64 Seiten, farbig, 21,5 × 30 cm, Softcover, 13,– Euro


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