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Sweet Salgari – Eine Graphic Novel über den Autoren der Sandokan-Abenteuerromane

Wir lernen den Protagonisten Emilio Salgari zunächst am Ende seines Lebens in der Stadt Turin im Jahr 1911 kennen. Er ist dort ein angesehener Mann, der bereits auf eine lange Karriere als Schriftsteller zurückblicken kann. Trotz der etlichen geschriebenen Romane und Erzählungen kann Salgari aber oftmals nicht seine Miete bezahlen und lebt mit seinen Kindern mehr schlecht als recht. Ohne seine Frau, die sich in einer Anstalt für Geisteskrankheit befindet, bekommt er sein Leben mitsamt Erziehung der Kinder nicht mehr in den Griff. Später wird man Emilio Salgari als den „Karl May Italiens“ bezeichnen, schrieb er doch die berühmten Abenteuerromane rund um den schwarzen Korsaren und Sandokan, der in fernen Ländern immer wieder ereignisreiche Erlebnisse zu bestreiten hatte. Die große weite Welt hat Salgari selbst nie gesehen, bevor er sich im Jahr 1911 das Leben nahm.


Ein gemütlicher Spaziergang? Die Szene täuscht ...

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Es ist nicht erst seit wenigen Jahren so, dass bei vielen Menschen die sogenannte „Work-Life-Balance“ nicht mehr stimmt. Dazu haben viele Faktoren geführt, die hier nicht Gegenstand des Artikels sein sollen. Arbeit nimmt einen immer größeren Stellenwert in unserem Leben ein. Doch ist das wirklich ein Problem der modernen Gesellschaft oder gab es dies schon länger? Wir hören in den letzten Jahren immer öfter, dass auch insbesondere im Bereich der Gestaltung von Videospielen der Druck zunimmt. Die Entwicklung eines Spiels erfordert in der Regel viele unterschiedliche Gewerke und so fließt die Arbeit von vielen Menschen dort ein, die auch als moderne Künstler angesehen werden können.

Aber auch in der weiteren Vergangenheit haben sich Künstler immer wieder zu Tode gearbeitet. Sei es, dass sie aufgrund von Überarbeitung körperlich nicht mehr in der Lage waren oder aber in psychischer Hinsicht dem weiteren Vorgehen nicht mehr genügend Elan entgegenbringen konnten.


Emilio Salgari war in einem Vertrag mit dem Verlag gefangen, für den er schrieb. Jedes Jahr sollte er dort vier Bücher abliefern und hielt diese Tortur auch für einige Jahre durch. Jeden Tag musste er schreiben, die Wochenenden eingeschlossen. Jahrzehnte später noch sollten seine Abenteuergeschichten immer wieder verfilmt werden. Davon konnte Salgari jedoch nicht mehr profitieren. Der Druck auf ihn, sowohl finanziell als auch künstlerisch, ließ ihm anscheinend keinen anderen Ausweg, als sich das Leben zu nehmen.


Zeichner Paolo Bacilieri ist in seinem Heimatland Italien längst kein unbekannter und unbedeutender Künstler mehr. Auch hier in Deutschland erschienen bereits bei Schreiber & Leser und nun im Avant-Verlag einige seiner Werke. In Sweet Salgari versucht er sich an einer Biografie, auch wenn er nur ausgesuchte Situationen aus dem Leben Emilio Salgaris skizziert. Dabei springt er zeitlich immer wieder zurück in vergangene Ausschnitte aus Salgaris Leben, wie die Kindheit, die Jugend oder in das frühe Erwachsenenleben. Die schwarz-weiß gehaltenen Zeichnungen skizzieren dabei in großem Detailreichtum die urbanen Strukturen der damaligen Städte und Dörfer. Aber auch die beteiligten Personen gelangen bei Bacilieri scheinbar mühelos auf das Papier.


Fazit


Während die Struktur mit den zeitlichen Sprüngen funktioniert, um den Weg Salgaris zu seinem Freitod aufzuzeigen, ließen mich viele der anderen Figuren und Szenen kalt. Denn dadurch, dass wir als Leser bereits wissen, worauf alles hinausläuft, fehlt ein Spannungsbogen. So bleiben neben Salgari die anderen Figuren aus seinem Leben meist blass und stellen nur ein Vehikel dar, um die letztendlich tödliche Konsequenz des Autors zu verdeutlichen. Das ist alles nachvollziehbar gestaltet und es wird auch durch Zitate aus den Werken Salgaris unterstützt, konnte mich aber nicht durchgängig fesseln. Wer eine gezeichnete Biografie zum mittlerweile weltbekannten Autoren sucht, findet mit Sweet Salgari eine gute Ergänzung, um sein Bild von Emilio Salgari abzurunden. Für mich als Leser, der bis auf den Namen Sandokan vor der Lektüre der Graphic Novel nichts wusste, hinterlässt Sweet Salgari ein eher gemischtes bis unbefriedigendes Gefühl zurück.


Sweet Salgari ist erschienen im Avant-Verlag, ISBN: 978-3-96445-027-2, 176 Seiten , schwarz-weiß, 17 x 24,5 cm, Hardcover, 25,00 Euro


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