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Noch einmal mit Herz – Kokoro: Der verborgene Klang der Dinge in unserer Comic-Rezension Nerdkultur

Kokoro ist etwas Besonderes. Schon beim Auspacken fällt dem Leser die ungewöhnliche Gestaltung auf, die sich im Buch fortsetzt. Nicht nur fühlt sich das Buch als Hardcover-Ausgabe mit speziellem Papier sehr wertig an, auch der Inhalt folgt nicht unbedingt dem üblichen Comic-Schema. Kokoro – Der verborgene Klang der Dinge ist ein Reisebericht der anderen Art. Notiert und gezeichnet, oftmals auch gemalt, von Igort. Der italienische Künstler Igort (bürgerlich Igor Tuveri) hat als einer der wenigen europäischen Comicautoren für japanische Verlage gearbeitet und über Jahre hinweg immer auch in Japan gelebt. Dadurch kann er uns Lesern in seinen Aufzeichnungen einen besonderen Einblick in einige der kulturellen Gegebenheiten Japans geben.


Kokoro bezeichnet in der japanischen Kultur das Herz im spirituellen Sinn.

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Igort erzählt dahingehend keine durchgängige Geschichte, sondern greift einzelne Begebenheiten oder Szenen aus seinem Leben heraus. Mal erzählt er uns von einer Begegnung mit Katsuhiro Otomo (bekannt für seinen Manga und Anime Akira) im Jahr 1994 und wie ihm der Mangaka im Anschluss an ihr Treffen zwei Bücher mit Storyboards zu Akira zukommen lässt. Ein anderes Mal nimmt er Bezug auf einen alten japanischen Film namens „Die Reise nach Tokio“ aus dem Jahr 1953, der sich noch heute in den Top 200 der besten Filme in der Filmdatenbank IMDB befindet. Immer wieder verblüfft Igort mit Episoden und Auszügen aus seinem Leben und überrascht den Leser jede Seite aufs Neue mit einer Anekdote oder einer seiner tollen Zeichnungen. Dies spiegelt den Tagebuch-Gedanken des Künstlers wider und macht die Lektüre unvorhersehbar und spannend. Um die entsprechend kurzen Anekdoten wiederzufinden, ist das Buch lose in Kapitel eingeteilt.


Ich habe mich mehrere Male erwischt, wie ich mich zu Personen, Filmen oder Orten neben der Lektüre im Internet informiert habe, weil mich das Gezeigte oder Gesagte interessierte. Für mich ist das immer ein gutes Zeichen, wenn ich durch eine Lektüre auf etwas gestoßen werde, was ich vorher nicht wusste oder mir nicht bewusst war. Dabei liegt der Fokus in Kokoro nicht unbedingt auf der Tradition, sondern wechselt sich mit modernen Einblicken ab. So schlägt Igort immer wieder den Bogen zu modernen Vertretern aus dem Manga-Bereich und ermöglicht uns damit auch einen Einblick in die aktuelle Arbeitsweise der Menschen in diesem Bereich. Faszinierend und erschreckend zugleich.


Auf der linken Seite des aufgeschlagenen Buches finden wir die kleinen Geschichten und Anekdoten.

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In der Regel findet ihr auf der rechten Seite des aufgeschlagenen Buches eine der Aquarellzeichnungen, während auf der linken Seite eine textliche Auseinandersetzung mit dem Geschehen zu finden ist. Diese kurzen Textabschnitte sind oftmals ebenfalls optisch aufgearbeitet und fügen sich mit dem wunderschönen Handlettering gekonnt in den Geist des Buches ein.


Meist korrespondieren Text und Bild miteinander, einige wenige Male stehen das Gesagte und das Gezeigte aber auch im Widerspruch. Optisch faszinierend sind die Zeichnungen durchgehend – wirklich fantastisch anzusehen, was Igort hier auf Papier bringt. Als Leser ist man dann geneigt, sich zuerst mit der Zeichnung auseinanderzusetzen und dann die Gedanken dazu zu lesen. Beides eröffnete mir immer wieder eine neue Perspektive.


Reprodukt hat Kokoro – Der verborgene Klang der Dinge im entsprechenden Format eines Aquarell-Malblocks veröffentlicht. Es handelt sich also um ein querformatiges Buch, was die Kunst von Igort bestens zur Geltung bringt. Alles andere hätte auch keinen Sinn gemacht, danke für diese Entscheidung. Das Buch hat mich mehr als positiv überrascht, kannte ich doch weder Künstler noch die Idee dahinter. Erst später habe ich herausgefunden, dass bereits mehrere Bücher in dieser Form der Reiseberichterstattung von ihm, unter anderem auch bei Reprodukt, erschienen sind. Eine ungewöhnliche, aber durchaus faszinierende Art und Weise, den Lesern die Kultur eines anderen Landes näherzubringen.


Fazit


Ich liebe es ja, wenn ich unvorbereitet an ein Buch herangehen kann und dann positiv überrascht werde. Kokoro – Der verborgene Klang der Dinge ist ein solches Buch, was sich schon durch das Querformat zeigt. Die Erfahrung beginnt also bereits mit Optik sowie Form des Buches und zieht sich konsequent bis zur Beendigung der Lektüre durch. Ich weiß, dass es hier auf ntower einige Menschen gibt, die sich ausgiebig mit den unterschiedlichen Spielformen der japanischen Kultur beschäftigen. Ich bitte euch, gebt dem Buch eine Chance, ihr werdet es nicht bereuen. Igort erlaubt euch einen Blick auf das Land und dessen kulturellen Hintergründe, den ihr sonst wohl nicht erhalten würdet.


Kokoro – Der verborgene Klang der Dinge ist erschienen bei Reprodukt, ISBN: 978-3-95640-233-3, 128 Seiten, farbig, 26,8 x 19 cm, Hardcover, 24,00 Euro


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Kommentare 2

  • _Mallymkun_

    Turmritter

    Danke für die Rezension! Auf den Comic wäre ich sonst wahrscheinlich nicht aufmerksam geworden, obwohl er genau in eins meiner Interessensgebiete fällt. ^^

  • Huckleberry

    Turmritter

    Ist das Bild vom Thumbnail nicht eine Szene aus "Die letzten Glühwürmchen"?