© Dark Horse Comics

Wie man es noch nie gesehen hat: Alien – Die Urfassung in unserer Comic-Rezension

Niemand lässt sich gerne aus dem Schlaf wecken, wenn es noch nicht Zeit zum Aufstehen ist. Dennoch ertönt auf dem Raumschiff Snark ein seltsames Warnsignal und reißt die Besatzung aus ihrem Kälteschlaf. Der Grund ist ein Funkruf von einem Planeten, den der Bordcomputer aufgefangen und daher den Weckvorgang gestartet hat. Die Crew-Mitglieder sind eher weniger begeistert und diskutieren, ob sie dem Funkruf überhaupt folgen wollen. Immerhin ist er in einer ihnen nicht bekannten Sprache erfolgt. Als sie sich dennoch auf dem Planetoiden umsehen, machen sie eine schreckliche Entdeckung und bringen nach einer Expedition auf der Oberfläche des Planeten etwas mit an Bord. Etwas, das anstelle von regulärem Blut Säure im Körper hat – ungünstig, wenn man im Weltraum unterwegs ist und sich die Säure durch die Raumschiffhülle fressen könnte. Also wie wird man diese Lebensform wieder los?


Die ursprüngliche Drehbuchfassung in einer spannenden Umsetzung.

© Cross Cult

„Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ kam zu einer Zeit ins Kino, als das Genre Science-Fiction eine weitere Renaissance in den Lichtspielhäusern erlebte. Ende der 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts ließen junge Regisseure in Hollywood ihren kreativen Impulsen freien Lauf und faszinierten die Kinobesucher mit ihren Interpretationen einer fernen Zukunft oder weit entfernten Galaxis. Nicht mehr ganz so jung inszenierte ein gewisser Ridley Scott seinen zweiten Langfilm für 20th Century Fox und zeigte dort, wie man einen im Weltraum angesiedelten Film spannend und unvorhersehbar gestalten konnte. Dabei hatte er Unterstützung von weiteren namhaften Künstlern, die hier aufzuzählen den Rahmen sprengen würde. Im Kopf geblieben sind natürlich die Set-Designs und die Designs der außerirdischen Lebensformen von H. R. Giger, die bis heute einen hohen Wiedererkennungswert haben.


Bis der fertige Film in die Kinos kam, durchlief die Produktion (für Hollywood nicht unüblich) einige holprige Monate, machten doch die Studiobosse den Filmemachern großen Druck, damit man noch auf der Sci-Fi-Welle mitschwimmen konnte. Einen großen Anteil am Erfolg des Filmes hatte vor allem das Drehbuch von Dan O’Bannon und Ronald Shusett, die zwar nicht alle Details in ihrer Geschichte ausgearbeitet hatten, dennoch den Kern der Geschichte ersannen. Im Verlauf der Dreharbeiten durchlief ihr Drehbuch entsprechend massive Ergänzungen und Änderungen, jedoch war eine Prämisse von vornherein klar: Alle Charaktere auf dem Raumschiff waren keinem bestimmten Geschlecht zugeordnet. Dieser Punkt fand sich auch im fertiggestellten Film wieder, stellte doch das Casting von Sigourney Weaver als Ellen Ripley einen Glücksgriff dar. Ist der Streifen an sich über lange Zeit ein Ensemble-Film, bleibt letztendlich nur Ripley als einzige Überlebende zurück. Sigourney Weaver legte mit ihrer Performance den Grundstein für eine starke Frauenfigur, abseits der ansonsten von Männern dominierten Heldenrolle.


Drehbuchautor Dan O’Bannon war mit der fertigen Filmfassung seines Drehbuches nicht in allen Aspekten zufrieden, gegen die Entscheidungen der Produzenten und Bosse konnte er jedoch nichts ausrichten. Nun liegt mit Alien – Die Urfassung seine ursprüngliche Drehbuchfassung als limitierte Ausgabe in Comic-Form auf Deutsch vor. In einem großformatigen Hardcover-Buch lässt uns der Cross Cult-Verlag die Geschichte nacherleben, wie sie im Drehbuch von Dan O’Bannon gedacht war.


Die Schwierigkeit bestand für alle Beteiligten darin, sich eben nicht an der visuellen Umsetzung und dem ikonischen Film zu orientieren, sondern, wenn möglich, ausschließlich an den Vorgaben von O’Bannon. Keine leichte Aufgabe für Cristiano Seixas, der die Drehbuchgeschichte für den Comic adaptiert, und Guilherme Balbi, der sich um die visuelle Umsetzung gekümmert hat. Beide sind im Alien- bzw. Predator-Universum keine Unbekannten und schlagen sich hier sehr ordentlich. Auch wer den Film kennt, kann den Comic genießen, selbst wenn einige Plotpunkte bekannt sind und in sehr ähnlicher Form umgesetzt wurden.


Fazit


Ich konnte den Comic mit der originalen Drehbuchfassung vergleichen – mein Nerdmoment des Jahres 2021, befindet sich doch das Drehbuch von O’Bannon in Textform als Slideshow auf einer alten DVD des Filmes – und kann nur sagen, dass die Künstler mit der Arbeit am Buch erfolgreich waren. Klar finden sich immer wieder Elemente aus dem Film auch im Comic wieder, das lässt sich bei der generellen Prämisse nicht gänzlich vermeiden. Dennoch schaffen sie es, dass die Urfassung den Leser packt, wenn auch nicht so umfänglich, wie der Film das vermag. Einige Schauwerte werden dabei aus dem Film übernommen und die Atmosphäre wird stimmig in die Comicumsetzung transferiert. Da die deutsche Version des Buches in limitierter Auflage von 999 Exemplaren erscheint, sollten Fans und Interessierte nicht allzu lange mit dem Erwerb warten. Es ist schade, dass Dan O’Bannon die visuelle Umsetzung seines Drehbuches nicht mehr miterleben konnte, ich denke, er hätte Gefallen daran gefunden.


Alien – Die Urfassung ist erschienen bei Cross Cult, ISBN: 978-3966582148, 112 Seiten, Überformat, HC, 4c, limitiert auf 999 Exemplare, 30,00 Euro


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