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Außerirdische Bäume infiltrieren die Erde – Trees Band 1 in unserer Comic-Rezension

Bäume, Sträucher und Kräuter besitzen auf dem ersten Blick nur wenige Gemeinsamkeiten. Doch der Schein trügt. Die grundsätzlichen Bestandteile wie Wurzel, Sprossachse und Blatt sind immer gleich, nur das Aussehen unterscheidet sich je nach Aufgabe und Lebensraum. Bäume weisen einen aufrechten Stamm auf, der eine Krone mit kräftigen Ästen trägt. An den Zweigen entwickeln sich jedes Jahr aufs Neue Triebe mit Blättern und Blüten. Bäume sind also der Inbegriff von Leben – nicht nur, weil sie sich jedes Jahr erneuern, sie bieten auch für viele Tiere Nahrung und geben als Abfallprodukt der Photosynthese Sauerstoff frei, den alle Lebewesen inklusive wir Menschen zum Leben benötigen.


Überall auf der Erde setzen sich Bäume auf die Oberfläche.

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„Vor zehn Jahren landeten sie. Rund um den Globus. Als sei niemand hier. Und sie taten nichts. Sie sprachen nicht. Als sei niemand hier. Als stünde nichts im Weg. Vor zehn Jahren erfuhren wir, dass es intelligentes Leben im Universum gibt. Und dass es uns nicht als intelligent anerkennt oder als Lebewesen. Sie stehen auf der Erdoberfläche. Wie Bäume. Üben still Druck auf die Welt aus. Als sei niemand hier.“


Die „Bäume“, die in Trees Band 1 vor zehn Jahren aus dem Weltall kamen und sich einfach so auf der Erdoberfläche platzierten, sind keine richtigen Bäume im klassischen Sinn. Sie sehen eher wie Monolithen aus, scheinen sich jedoch unterirdisch mit der Umgebung zu verwurzeln. Die Menschen in ihrer Umgebung mussten sich mit ihnen arrangieren und nach einer gewissen Zeit taten sie es auch.


Im ersten Buch zu seiner dystopischen Serie zeigt uns Autor Warren Ellis den Umgang der Menschen mit den außerirdischen Bäumen anhand von drei Perspektiven. Er und Zeichner Jason Howard nehmen den Leser mit in eine nahe Zukunft, die sich nicht nur durch die unheimlichen Bäume im Gedächtnis manifestiert. Was hat es mit den Bäumen auf sich? Stellen sie überhaupt eine Gefahr dar? Warum gerade auf der Erde?


All diese Fragen werden zunächst nicht beantwortet, allerdings zeigt uns das künstlerische Team die Auswirkungen auf die Menschen. In China entdeckt ein junger Maler seine Sexualität, als er in einer speziellen Kulturzone eintrifft, um dort seiner künstlerischen Ader nachzugehen. Dort hat sich eine Stadt von Künstlern im Schatten eines Baumes gebildet, die sich durch die Präsenz der außerirdischen Sturheit inspiriert fühlt – quasi ein Mekka für Kreative. In Italien verfolgen wir eine junge Frau, die kurz davor steht, in eine faschistische Gruppierung hineingezogen zu werden, bis sie einen alten Mann kennenlernt, der ihr schreckliche Fähigkeiten beibringen will. Abschließend findet in Spitzbergen ein Forschungsteam erste Hinweise darauf, dass die Bäume vielleicht gar nicht so inaktiv sind, wie es allgemein den Anschein macht.


Der erste Band mit dem Untertitel „Ein Feind“ baut eine bedrohliche Atmosphäre auf, die sich durch das gesamte Buch zieht. Als Leser fragt man sich, wie man selbst reagieren würde, wenn auf einmal diese riesigen Monolithen in der Nähe landen und dort verbleiben würden. Nach ein paar Jahren würde man sich sicher damit arrangieren, der Mensch ist eben ein „Gewohnheitstier“.


Fazit


Auch wenn wir keine abschließenden Antworten bekommen, was es mit den Invasoren auf sich hat, konnte ich das Buch nicht so schnell beiseitelegen. Die Charaktere sind abwechslungsreich und interessant präsentiert und weisen nicht nur durch die Zeichnungen von Jason Howard Ecken und Kanten auf. Es gibt nicht den einen auserwählten Helden, der dem Mysterium auf der Spur ist und erst seine Alkoholabhängigkeit überwinden muss, um zum Protagonisten heranzuwachsen. Im Gegenteil, Warren Ellis führt sehr unterschiedliche Charaktere ein, die alle auf ihre Art mit den Bäumen in Zusammenhang stehen, auch wenn bisher noch nicht klar ist, wie. Das Forschungsteam in Spitzbergen kommt dem Phänomen wahrscheinlich im ersten Buch am nächsten, ganz sicher können wir uns als Leser da jedoch nicht sein. Für April 2021 ist bereits der zweite Band angesetzt, der den Untertitel „Zwei Wälder“ trägt. Vielleicht erfahren wir dort genauer, welche konkrete Bedrohung von den Invasoren ausgeht und was sie für die Menschheit zu bedeuten haben.


Trees Band 1: Ein Feind ist erschienen bei Cross Cult, ISBN: 978-3-966582-25-4, 168 Seiten, farbig, 16 x 24 cm, Hardcover, 25,00 Euro


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