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Wenn die Sonne stirbt – Die Wandernde Erde in unserer Graphic Novel-Rezension Nerdkultur

In einer nicht näher definierten, weit entfernten Zukunft steht die Menschheit vor ihrer wohl größten Herausforderung. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Sonne in ein paar Jahren sterben wird und mit ihr so ziemlich alle Planeten in unserem Sonnensystem. Also fasst man einen kühnen Plan und macht sich daran, über Jahrzehnte 12.000 gigantische Fusionstriebwerke zu entwickeln und zu bauen, die zunächst die Rotation der Erde stoppen sollen. Im zweiten Schritt sollen diese Triebwerke dann die Erde mitsamt ihrer Bewohner auf einen Kurs nach Proxima Centauri bringen, was nicht mal soeben von heute auf morgen passiert.


Für die lange Reise wird jede Art an Brennstoff benötigt.

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Durch den Bau der Triebwerke und den Betrieb dieser werden die Berge nach und nach abgetragen und als Treibstoff verwendet. Dies hat dazu beigetragen, dass sich die Landschaften auf der Oberfläche verändert haben. Viel ausschlaggebender fällt aber ins Gewicht, dass die Erde im Lauf der Mission dann ihre Umlaufbahn verändert und entsprechend die Kräfte des Mondes nicht mehr auf die Erde wirken. Dies führt zu etlichen Tsunamis und Überschwemmungen. Städte, Länder und überhaupt die Oberfläche wird unbewohnbar, weswegen sich die wenigen verbliebenen Menschen unter die Erdoberfläche zurückziehen.


Kurz bevor die Erde noch ein paar Mal die Sonne in einer Ellipse umfliegt, um für die Reise nach Proxima Centauri ordentlich Schwung zu holen, wird unser Protagonist geboren. Wir erleben einige Eckpunkte der Reise anhand seiner Erzählung und sehen ihn aufwachsen. Der Fokus liegt aber ganz klar nicht auf der Charakterentwicklung, sondern auf der höllischen Mission und deren vermeintlichen Auswirkungen auf die Menschheit. Da die Reise bis zum angepeilten finalen Standort in Proxima Centauri insgesamt knapp 2.500 Jahre andauert, sehen wir nur einen minimalen Ausschnitt davon und erfahren nicht, ob die Menschheit diesen Trip überleben wird.


Die Graphic Novel "Die Wandernde Erde" aus dem Splitter Verlag basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Science-Fiction Autor Cixin Liu. Seit einigen Jahren erscheinen seine Geschichten und Romane auch bei uns im Heyne-Verlag, nachdem sie im Rest der Welt sehr populär wurden. An erster Stelle sei hier seine Roman-Trilogie um die Drei Sonnen genannt, aber auch zahlreiche Kurzgeschichten findet ihr übersetzt im Buchregal. Die Wandernde Erde ist dabei Teil der gleichnamigen Sammlung von Erzählungen, im Buch finden sich noch 10 weitere Kurzgeschichten.


Die Graphic Novel zu Die Wandernde Erde stellt dabei gleichzeitig auch den Beginn eines Langzeitprojektes dar. Nach und nach sollen noch 14 weitere Kurzgeschichten von Cixin Liu als Graphic Novels umgesetzt werden und bei Splitter erscheinen. Für die „Cixin Liu Graphic Novel Collection“ adaptieren 26 herausragende Künstlerinnen und Künstler aus China und Europa 15 ausgewählte Kurzgeschichten als Comic-Alben. Ein bisher nie dagewesenes Kooperationsprojekt, das Lius wegweisende Visionen der Zukunft in ein neues Licht rückt. Dabei sind alle Geschichten abgeschlossen und lassen sich ohne Vorkenntnisse lesen.


Für den Start hat man für die Adaption der Kurzgeschichte mit Christophe Bec einen bekannten Autor an Land gezogen, der mit einigen weiteren Reihen beim Splitter Verlag (Olympus Mons, Prometheus) vertreten ist. Graphisch umgesetzt wurde die Wandernde Erde von Stefano Raffaele (Olympus Mons, Deepwater Prison), dessen klares Artwork auf den großen Seiten gut zur Geltung kommt. Hin und wieder haben mir einige Gesichter nicht so gefallen, aber die Umgebungen und Settings sind ganz klar toll in Szene gesetzt. Dabei bietet die Graphic Novel noch an zwei Stellen ein Gimmick in Form von ausklappbaren Seiten, sodass es dann ein durchgehendes Artwork auf 4 Seiten ergibt: Das nenn ich mal eine Splashpage Deluxe.


Fazit


Wie bei Splitter üblich, kommt die Wandernde Erde in einem großformatigen Hardcover-Buch daher, was dem Artwork sehr schmeichelt. Das lässt für die kommenden Umsetzungen der weiteren Kurzgeschichten von Cixin Liu hoffen, da die Zeichenkunst so gut zur Geltung kommt. Zum Start gelingt Christophe Bec, Stefano Raffaele und Marcelo Maiolo mit den Farben ein guter Einstand. Die Umsetzung wurde nahezu eins zu eins von der Kurzgeschichte übernommen und gelungen in die Welt der graphischen Literatur überführt. Wenn ihr nur den Film auf Netflix gesehen habt, solltet ihr der Graphic Novel auch eine Chance geben. Wenn ihr bisher noch gar nichts von Cixin Liu gelesen habt, stellt dies vielleicht für euch – so wie für mich – eine gute Gelegenheit dar, in die phantastischen Welten seiner Erzählkunst einzusteigen. Ein toller Einstieg in ein ambitioniertes Langzeitprojekt, den ich in einem Rutsch durchgelesen habe.


Die Wandernde Erde Graphic Novel ist erschienen im Splitter-Verlag, ISBN: 978-3-96792-067-3, 128 Seiten, Hardcover, vierfarbig, 25,- Euro


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Wer sich ein Bild von der ursprünglichen Kurzgeschichte machen oder mehr von Cixin Liu lesen möchte:


Die Wandernde Erde Taschenbuch mit 11 Kurzgeschichten ist erschienen bei Heyne, ISBN: 978-3-453-31924-0, Taschenbuch, 688 Seiten, 14,99 €


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