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Beate & Serge Klarsfeld: Die Nazijäger in unserer Graphic-Novel-Rezension

Wenn sich eine Person ein bestimmtes Thema zur Lebensaufgabe gesetzt hat, dann ist das in erster Linie bewundernswert. Wenn es sich dann auch noch um ein wichtiges Thema wie Kriegsverbrechen im Dritten Reich handelt, kommt man schon nicht umhin diese Personen für ihre Arbeit ins Unermessliche wertzuschätzen.


Mir war der Name Beate Klarsfeld nur durch ihre Aktion vom 7. November 1968 geläufig, als sie auf einem CDU Parteitag in aller Öffentlichkeit den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger ohrfeigte und ihn einen „Nazi“ nannte. Klar, ich war damals noch nicht auf der Welt, aber von diesem Affront (je nach Auslegung) hatte ich aber dennoch schon mal was gehört. Was sich hier nach einer einmaligen Tat anhört, spiegelt doch nur einen Bruchteil dessen wider, was Frau Klarsfeld gemeinsam mit ihrem Mann Serge für die kommenden Jahrzehnte an Engagement an den Tag legten. Jetzt sind ihre gemeinsamen Erlebnisse in einer Graphic Novel festgehalten worden.


Beate und Serge inmitten ihrer zahlreichen Dokumente und im Kampf gegen das Vergessen.

© Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2021

Die Graphic Novel Beate & Serge Klarsfeld: Die Nazijäger beginnt dabei auch unmittelbar mit dem CDU Parteitag und der Schwierigkeit, wie Beate Klarsfeld als Journalistin in das Gebäude und – viel wichtiger – in die Nähe von Kiesinger gelangen kann. Da Klarsfeld sich bereits zuvor mit Störungen von Sitzungen auffällig verhalten hat, lässt man sie nicht einfach so in das Gebäude. Schließlich schafft sie es und es kommt zum Eklat mit anschließender Verhaftung. Klarsfeld hatte auf Kiesingers NS-Vergangenheit hinweisen wollen, die nach ihrer Meinung der breiten Öffentlichkeit nicht ausreichend bekannt war. Noch immer waren etliche Männer und Frauen aus der NS-Zeit auf freiem Fuß und bekleideten unter Umständen sogar politische Ämter sowohl in Frankreich als auch in Deutschland.


Die Geschichte rund um die Ohrfeige stellt aber nur einen kleinen Teil der Graphic Novel dar. Der anschließende Großteil berichtet von Beate und Serge Klarsfeld und ihrem Streben nach Gerechtigkeit. Sie ist eine mutige Frau, die vor Gefahren für sich selbst nicht zurückschreckte und unbeirrt ihren Weg fortgesetzt hat. Gegen staatliche und persönliche Widerstände ankämpfend, hat sie nie akzeptiert, dass manche NS-Kriegsverbrecher einfach so davonkommen sollten. So stellt der zweite, größere Anteil des Buches diesen Weg der Widerstände der Klarsfelds dar, die auch Auslandsbesuche und Bedrohungen ihrer eigenen Familie nicht davon abhalten können, das sie Altnazis ausfindig machen und schlussendlich vor Gericht bringen – allen voran Klaus Barbie.


Was für ein ungewöhnliches und doch tapferes, unnachgiebiges Paar Beate und Serge Klarsfeld darstellen. Sie eine deutsche Journalistin und ihr Mann Serge ein Franzose jüdischer Herkunft mit berechtigtem Interesse die Verbrechen von Tätern der Generation ihrer Eltern zur Rechenschaft zu ziehen. Nebenbei ziehen sie noch 2 Kinder groß und verfassen etliche Artikel und Bücher.


Auf den ersten Blick erscheint eine Umsetzung des Lebens von Beate & Serge Klarsfeld als Graphic Novel ein wenig deplatziert. Autor Pascal Bresson und Zeichner Sylvain Dorange schaffen es aber in ihrem Werk nicht nur die historischen Daten, Fakten und Ereignisse möglichst korrekt wiederzugeben, sondern auch eine interessante (Lebens-)Geschichte zu erzählen. Es hätte nämlich auch furchtbar trocken werden können, beim Lesen kam bei mir aber keine Langeweile auf. Das ist dann auch eine Kunst, diese doch unheimlich vielen Namen, Daten, Fakten und Ereignisse in den richtigen Kontext zu stellen und daraus eine in sich runde Graphic Novel zu gestalten.


Fazit


Autor Pascal Bresson und Zeichner Sylvain Dorange gelingt das Kunststück, die Jahrzehnte umfassende Arbeit der Familie Klarsfeld in einem Buch gekonnt einzufangen und abzubilden. Auch heute und die kommenden Jahrzehnte ist die Arbeit dieser Familie nicht hoch genug geschätzt, da sie über Jahrzehnte Material rund um die Shoah gesammelt und zusammengetragen haben. Ein Buch über eine beeindruckende Arbeit, Passion und Aufklärung der Verbrechen im Dritten Reich und darüber hinaus. Beate & Serge Klarsfeld: Die Nazijäger ist ein beeindruckendes Dokument, welches Autor und Zeichner über Jahre gemeinsam mit der Familie Klarsfeld erarbeitet haben. Bleibt zu hoffen, dass es auch über Jahre hinweg relevant und in den Köpfen bleibt, denn das Thema ist leider aktueller denn je und sollte nicht in Vergessenheit geraten.


Wenn ihr euch selbst ein Bild vom Artwork zu Beate & Serge Klarsfeld: Die Nazijäger machen wollt, findet ihr hier ein paar Eindrücke auf der Verlagsseite.


Beate & Serge Klarsfeld: Die Nazijäger ist erschienen beim Carlsen Verlag, ISBN 978-3-551-79347-8, 208 Seiten, farbig, Hardcover, 28,- Euro


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